Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 27 (3.7.1924)
- Date
- 1924-07-03
- Page
- Seite 401 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 10 Golöpfennkg Serlin, 3. Juli 1-24 III. Jahrgang - Ne. 27 Mütter sürSeutscklum ßm-Lkweatmn vryan -es lLnlralVereürs -ruticker ötaatsvürycr j ü-isclren Vtouvens'Lv. Z^II^SrinSir^S Lsitur^^ des Gudentums Verlag u. Schriftleitung: Eentral-verein öeutfcher Staatsbürger jüöifchen Glaubens e.v. Gerlin SW-8, Linöenstr.lZ Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 Telegrammadresse: „Centralglauben Berlin" Postscheckkonto: Berlin 30472 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube G, Berlin SW 68, Lindenstr. 7- - Monaisabonnement (ein vierteljährliches g ibt es vorläufig nicht) 40 Goldpfennig Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,75 Goldmark für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Rormalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins 0,40 Goldmark, die 90 mm breite Reklamezeile 4 Goldmark. pMMlhMMWMW DCC SmWMO". von Prof. vr. Julius Solöstein fDarmstaöt). Der Hochmeister des Zungdeutfchen Ordens, Herr Artur M a h r a u n, hat einen Streit mit -dem Central-Verein. Herr Dr. H o l l ä n d e r und Dr. Wiener haben sich in Nr. 22 der „C. V.-Zeitung" zu den Beschuldigungen des Herrn M a h r a u n geäußert.Die folgenden Ausführungen wollen nur die neue Nastenpolitik des Iungdo einer kritischen Prüfung unterziehen. D i e S ch r i f t l e i t u n g. f Man vergegenwärtige sich folgende Sachlage: Ein Mann, -der mit der geistigen Leitung von Hunderttausenden junger Männer betraut ist, der Führer einer über ganz Deutschland verbreiteten, ' ordensmäßig zusammengeschlossenen Gemeinschaft, formuliert an sichtbarer Stelle die Idee seines Lebenswerkes, des Jungdeutschen Ordens. Der Satz ist nicht im Rausche eines erhöhten Augenblickes gesprochen, er ist — das muß man annehmen — sorgfältig überlegt, und ist an eine Gruppe gerichtet, die Herr Mahraun als Feind seiner Schöpfung betrachtet. Man müßte danach erwarten, daß dieser Satz, der einem präsumtiven Gegner zur Kritik entgegengehalten wird, klar ist im Ausdruck, eindeirtig im Gedanken und fruchtbar in den Möglichkeiten seiner Anwendung. Und nun höre man die in Fettdruck herausgestellten Worte, in denen Herr Mahraun das Prinzipielle eines Leitartikels („Jungdeutsche und Juden", Kassel, 5. Ostermond 1924; „Der Jungdeutsche") zusammenfaßt: „W i r Iungdeutschen sehen Deutschlands Wiedergeburt in einem Volks¬ und Stä atsleb en , welch es ausden Ariersch einungen der d e u t s ch e n R a s s e ’ a u sgebaut i st." Solchermaßen offenbart der Hochmeister des Jnngdeutschen Ordens Ziel und Zweck einer Politik, die Deutschlands Wiedergeburt herbeiführen soll: Ein Volks- und Staatsleben nach den Arterscheinungen der deutschen Rasse! Und Hunderttausende junger Menschen sollen nun wissen, was für eine Politik das sein soll, und was sie zu denken und zu tun haben, um ein solches Staatsleben herbeizuführen! Der Hochmeister will ein Staatsleben nach den Arterscheinungen der deutschen Rasse — „darum", so fährt er fort, „wollen wir Klarheit, wie sich das Judentum zu unserm unbestreitbaren Recht stellt, uns in völkischen Gemeinschaften Zusammenzuschließen". Der logische Zusammenhang dieser beiden Sätze, die mit „darum" zufammengefügt sind, erscheint mir unzulänglich. Die im Central - Verein zur Wahrung ihrer staatsbürgerlichen Rechte zusammengefaßten deutschen Juden maßen sich natürlich kein Recht an, private Zusammenschlüsse zu völkischen Gemeinschaften zu hindern^ In einer demokratischen Republik, die nach Herrn Mahraun ja nicht „den Arterscheinungen der deutschemMasie" entspricht, hat jeder das Recht, sich mit Gesinnungsgenossen zusammenzuschließen. Wir deutschen Juden bestreiten daher in keiner Weise das verfassungsmäßige Recht, sich zu völkischen, d. h. in diesem Falle antisemitischen Gemeinschaften zusammenzuschließen. Bis dahin also haben die deutschen Juden weder etwas zu bestreiten noch etwas anzuerkennen. Aber wenn diese völkischen Gemeinschaften dazu übergehen, das judenausschließende Prinzip ihres privaten Zusammenschlusses zum Ausbauprinzip des Staates machen zu wollen, dann allerdings ändert sich die Situation von Grund auf. Aus einer Privatangelegenheit wird eine öffentlich-rechtliche Angelegenheit. Wenn das antisemitische Auswahlprinzip von einer privaten Gemeinschaft auf das Staatsleben übertragen werden soll, dann haben die deutschen Juden das Recht imb die Pflicht, sich dagegen zu wehren. Und nicht nur die deutschen Juden! Es ist gar nicht eine Frage Zwischen Juden und Iungdo, sondern eine Frage zwischen denen, die für die Verfassung eintreten, und solchen, die gegen die Verfassung stehen, denn die Verfassung kennt in den staatsbürgerlichen Rechten keinen Unterschied des Glaubens und der Rasse. Herr Mahraun engt den Umfang des Streitfalles künstlich ein. Er arbeitet mit einer pars proioto, indem er den Anschein zu wecken versucht, als ob. nur das Judentum den obgedachten Zielen der. jungdeutschen Politik feindlich sei, während doch alle Versassungsparteien gleichermaßen sich gegen einen Versuch wenden müssen, der eine der Vorailssetzungen der demokratischen Republik aushebt. — ... Also, Herr Mahraun will ein Staatsleben nach den Arterscheinungeu der deutschen Rasse. Das steht in dem Artikel ohne weitere Erklärung. Es ist Herrn Mahraun scheinbar etwas ganz Selbstverständliches, etwas unmittelbar Einleuchtendes. Ich gestehe, ich kann mir nichts Positives dabei denken. Vielleicht wird Herr Mahraun sagen: „Es liegt an Ihnen, Herr Professor, daß Ihnen diese Worte unverständlich sind.. Wären Sie „deutschblütig", so würden Sie ohne weiteres den Satz verstehen." Gemach, Herr Mahraun, itiy habe „deutschblütigen" christlichen Bekannten verschiedener Parteirichtung den Satz vorgelesen. Sie erklärten mir, den Satz nicht verstehen zu können, und meinten schließlich, er könne nur bedeuten: Juden raus! Das meine ich auch. Und damit hätte die Sache eigentlich ein Ende, wenn nicht der Jungdeutsche Orden mehr wäremnd mehr sein wollte als eine unter den zahllosen antisemitischen Organisationen, die der sittlichen und politischen Zerrüttung der Nachkriegszeit ihr Dasein verdanken. Dem Jungdeutschen Orden sind Christentum und edle deutsche Tugenden bestimmende Programmpunkte.. An ihnen Kritik zu üben, liegt mir natürlich fern. Kritik üben will ich nur an dem von Herrn Mahraun scharf herausgearbeiteten Satz.