Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 22 (29.5.1924)
- Date
- 1924-05-29
- Page
- Seite 318 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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31« zu geben, die unter Arterscheimmgen dasjenige bezeichnet, was als geistiges und fitlturcllc^ Gemeinschafl^gut der Mehrheit der deutschen Menschen angenommen worden kann. l s e i ne i in f) c r v o x x a gend ft e n S i n n d a s d e n t s ch e B a t e r- I a n d b e j a h e n d e G e m c t n f ä) a f t - w i r d und in u ß der Ce n i r a l - Verei u jedes streben, ei n c Ver- II c f u u g di eser G emeiuschaft a it f einer g e s u n - d e nGr undlagezuer reichen,fördern u ud a l l e s t it n , u m d e n Wirkungskreis ei n t r s olche n Organisation zu erweitern. Das wird er auch dann tun, wenn aus dem Grund den jüdischen Menschen der Eintritt verschlossen bleibt, weil die betreffende Gemeinschaft auf christlich-religiöser Grundlage beruht. Der Eentral-Verein wird zwar die Zusammenkoppelnng politisch-kultureller und religiöser Begriffe vielleicht für unzweckmäßig erachten und der Ansfassung sein, daß man diese Dinge bester trennt, aber er wird aus' seiner Einstellung heraus alles andere als eine feindselige Handlung gegen .eine solche Gemeinschaft für empfehlenswert erachten. Dabei muß ausgesprochen werden, daß die altdeutsche Forderung „Vor allem eins, mein Kind, sei treu und wahr" von dieser Gemeinschaft, wie in allen 'Zweigen des Lebens, auch in der Behandlung dieser Probleme zur Grundlage genommen wird. Und da müssen wir allerdings Herrn Mahraun erklären, daß wir bei der Organisation des Jungdeutschen Ordens nicht eine Gemeinschaft zu finden glauben, welche ein Gemeinschaftsleben auf den Arterscheinungen der deutschen Rasse aufbauen will, sondern, daß wir bei sehr vielen Bruderschaften, wenn auch durchaus nicht bei allen, die Auffassung für richtig befunden haben, der der Abgeordnete Schwering im Preußischen Landtag Ausdruck verliehen hat, als er sagte: „Wenn Sie den Jungdo und seine gesamte Arbeit erkennen wollen, dann müssen Sie nicht auf das Programm des Jungdo eingehen. Das Programm ist geradezu wunderbar, so schön, daß es beinahe unmöglich ist, das Programm durchzuführen." Aber Herr Dr. Schwering scheint recht zu haben: „Das P r o gra m mhatwenigz u sage n , w e n n d! ep r äkt i s ch e Du r ch f ü h r u n g n i ch t d e m P r o g r a m m ent - sp ri ch t." Zunächst, Herr Mahraun, haben Sie selbst, und es muß wiederholt werden, als Diktator des Jungdeutschen Ordens, sich als ein Judenfeind entpuppt und haben bewiesen, daß Ihnen an einem wahrhaft innerlichen Aufbau unseres deutschen Vaterlandes unter Hinzuziehung aller wertvollen Kräfte nicht viel liegen kann. Um Ihre Auffassungen ausführlich würdigen zu können und um Ihnen ja kein Unrecht zu tun, haben wir die uns erreichbaren Schriften, vor allen Dingen die am 24. Februar 1924 in München gehaltene Rede, eingehend gelesen und Ihre Gedankengänge studiert. Wir haben auch Ihre Zitate nachgeprüft und müssen bekennen, daß es unmöglich gewesen ist, das von Ihnen in dem ersten Heft des „Rüstzeugs" im Aufsatz „Was will der Jnngdeutsche Orden" als Ausspruch des Herrn v. Stein angeführte Wort zu finden: „An diese Partei (die Uebelgesinnten) schlossen sich alle genußliebenden Weltleute, z. B. Fürst Hatzfeld, alle Juden, einzelne engherzige Landjunker usw." Wir würden Ihnen sehr dankbar sein, wenn Sie uns sagen wollten, wo Herr v. Stein diesen S a tz und vor allem die Worte „a l l e I n d e n" gebraucht hat. Mer wir wollen ans die Rede in München zurückkommen! Was sagte dort Herr Mahraun über die Juden? „Denken wir nur und immer wieder au die Art und Weise, wie das Judentum es verstanden hat, den Kampf der Arbeiterschaft zn seinem Nutzen zu gestalten und in seinen Dienst zu stellen." Vorher ist bereits von dem jüdisch-marxistischen Klasse ukampfgedanken die Rede und nachher ist gesagt: „Es ist keine Nebeuerschsnmng, wenn in der p a r t e i i st ische n Demokratie das Judentum die Herrschest über die Völker er-- rnngen hat. denn seine typischen Rapemnerkmale sind eben gerade da raestellt in diesem parteiistischen Staat swesem D i e I üben u n b it n d b 1 eiben b i e Nt e t st t r b er V e r s ch n ch t c - I it n g it n d V erschlcier u n g d e r D e m o f r o t i e u n d T n f t i L" Das genügt: Wir brauchen nicht darauf einzugehen., daß in der Zeitung des 'Jungdeutschen Ordens irgendwelche Geschäfte, die nach Auffassung der Schriftleitung Ungehöriges begangen haben, einfach zu jüdischen gestempelt werden und brauchen auch auf sonst irgendwie Hetzerisches nicht zurückzukommen. Hier ist vom Herrn Hochmeister selbst ausgesprochen worden, wie er in hemmungsloser Verallgememerung unter Verdrehung der allgemeinen Tatsachen „im Judenhaß macht". Einen anderen Ausdruck können wir leider nicht gebrauchen. Wir betonen noch einmal, daß diese Auffassung des Herrn Mahraun keineswegs trotz aller Diktatur bei allen Mitgliedern des Jungdcutscheu Ordens Fuß gefaßt hat. W i r w i s s e n s e h r w o h l, d a ß e. s dort sehr viele a n st ä n d i g e und b e g e isterte Nt ä n n er gibt, die diesen Gedankengä n g e n u n t e r alle n U m st ä n d e n die Gefolgschaft versagen werde n. Würde der Jung-deutsche Orden diese Beurteilung des Judentums zu einem Programmpunkt erheben, so würde allerdings der Kämpf jedes anständigen Deutschen, mag er Jude oder Ehrist sein, gegen solche volkshetzerische Organisationen sich zu einer 'Notwendigkeit gestalten. Aber Herr Mahraun ist vorsichtig, er übt eine Taktik, die von den Judenfeinden im allgemeinen als „jüdisch" bezeichnet worden ist, indem er sehlau und listig seine wahren Anschauungen dann zurückstellt, wenn er deren Bekanntgabe iw gegebenen Augenblick für unzweckmäßig erachtet. Er schreibt selbst in seinem Anssatz „Jnngdeutsche und Juden", daß er mit seinem wahren jüdischen Programm so lange zurückgehalten hat, bis seine. Organisation so stark war, daß die „Macht der Juden" ihr nichts mehr anhaben konnte. Wie kommt es nun, daß heute noch der Jungdeutsche Orden und vor allem Herr Mahraun behauptet, seine Organisation sei parteipolitisch „neutral"? Auch da scheint der Gedanke der Zweckmäßigkeit, und zwar jener eigenartigen Zweckmäßigkeit, die wir eben beleuchtet haben, von recht erheblicher Bedeutung zu sein. Demokratie ist doch für Herrn Mahraun ein schönes Wort. Aber was kennt er für eine Demokratie? Er sieht in unserer Demokratie eine Partei t ft i s ch e. Demokratie (das Wort ist beileibe nicht von uns!) Herr Mahraun setzt auseinander, die parteiistische Demokratie sei aber in keiner Weise eine Demokratie. Was die Wissenschaft, was die Politik über den Begriff der Demokratie jemals ausgeführt hat, ist Herrn Mahraun wohl ziemlich gleichgültig. Daß noch vor wenigen Jahren der berühmte Kölner Soziologe Leopold v. Wiese sieh ausführlich über das Wesen von Liberalismus und Demokratie geäußert und gerade dasjenige, was Herr Mahraun als im Gegensatz zu jener wahren Demokratie stehende, als parteiistisches Programm der jetzigen Demokratie bezeichnet, soziologisch untersucht, überprüft und als wahres Wesen der Demokratie gekennzeichnet hat, ist wie vieles andere Herrn Mahraun unbekannt. Und damit kommen wir aus einen Umstand, der allerdings in der ganzen, von Herrn Mahraun veröffentlichten Literatur jeden guten Deutschen bedenklich stimmen muß, nämlich die Unkenntnis des Verfassers über tatsächliche Verhältnisse der Vergangenheit und Gegenwart und sein Unvermögen, wissenschaftlich zu denken. Wenn er zu Beginn seiner Münchener Rede von römischen Auffassungen von Staat u n d G em e i n sch a f t spricht, so möchte man sich an den Kopf fassen und fragen, welche römischen Auffassungen vom Staate denn früher maßgebend gewesen sind. Wenn Herr Mahraun das Feudalsystem kritisiert und behauptet, es sei zugrundegegangen in der Gier nach Besitz, in der Erblichkeit der Lehen, „d a s das selbstlose aus deutsches Recht gegründete alte Feudalsystem seines sittlichen Gehaltes beraubt e" (so wörtlich), so wird sich derjenige, der einigermaßen in rechtsgeschichtlichen Fragen bewandert ist, direkt an den Kopf fassen müssen. Der Geschichtsschreiber wird lächeln, wenn er liest, daß das „Volk" im Bauernkrieg seinereigenen Fehler wegen durch d i e V e rtreterder neu en un b unde u tschen Sk aaksa ufj offline] geschlagen worden ist, und er wird sich an einen gewissen Martin Luther erinnern, der die Bauernkriege etwas anders beurteilt hat als Herr Mahraun. Freiherr v. Stein würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er lesen würde, wie Herr Mahraun seine Staatsaussassung und seine Aeußerungen benutzt, und er würde vielleicht nur in einem Satz Herrn Mahraun recht geben, der allerdings grob, aber nicht ganz unrichtig ist. Herr Mahraun sagt nämlich: „Denn in der Blasse behält der Lügner seine Macht, in der geläuterten Gemeinschaft aber ward er bald erkannt und unschädlich gemacht". Statt „Lügner", möchten wir „Unwissender" sehen. Wenn wir alles das lesen, so verstehen wir den Umstand, daß wir in den einzelnen Bruderschaften des Jungdeutschen Ordens die verschiedensten Auffassungen finden, daß sich aber immer mehr und mehr eine der Republik feindliche, judenfeindliche, vollkommen im Fahrwasser der Nationalsozialisten sich bewegende Richtung geltend macht und den Jungdeutschen Orden für sich in Anspruch nimmt. Ist es doch vorgekommen, daß der Jungdeutsche Orden sich an einer Gemeinschaftsküche für Arme nicht beteiligen wollte, wenn die Jndeii der betreffende u S t a dk e b e n s a l l s i h r Scherfle in beitrügen.