Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1924-05-15 · 20 (15.5.1924) · p. Seite 289

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
20 (15.5.1924)
Date
1924-05-15
Page
Seite 289 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2277379-2277464-2277483--01160-2280386
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

289 Lujo Drentanos Aufsatz: Der Judenhaß. Eine V e s P r e ch u n von P r o f c f ,s o r Dr. E. von Aster (Gieße n). Es ist sehr zu begrüßen, daß ein Mann von der hervorragenden Bedeutung B r e n t a n o s in der vorliegenden kLe'men aber inhaltsreichen.'Skizze') sich zur antisemitischen Bewegung äußert. Er gehört zu denjenigen Nichtjuden, Zu denen sich auch der Unterzeichnete rechnet, die in dem h e u t e herrschende n Judenhaß in Deuts ch l a n d eine der traurigst e n und u n s i n n r g st e n Verirrungen des deutschen Volkes erblicken, und niemand ist mehr dazu berufen als er, das öffentlich mrszusprechen. Die kleine Skizze Zeigt, wie der Antisemitismus ursprünglich entstand als Reaktion auf die religiöse Erklnsivität des Judentums, nicht aus Rafsenantipathien oder aus wirtschaftlichen Gründen. An dieser Exklusivität und so auch an der Versehmung des Judentums nimmt ursprünglich das Christentum durchaus teil. Der aus religiösen Gründen entstandene Antisemitismus schafft dann das, wie wir alle wissen, heute noch nicht überwundene Ghetto, und das Ghetto verewigt die Absonderung des Judentums und damit den Antisemitismus — ein unheilvoller Zirkel. Immer wieder taucht dann, namentlich in politisch unreifen Köpfen, die Neigung auf, wenn irgendwo ein Unglück in der Welt passiert, eine Pest ausbricht, eine Niederlage erlitten -wird, das Judentum Zum Sündenbock Zu macheu. Ein solcher Sündenbock ist so bequem — er erspart das N a ch - denken über die eigenen Fehler. Mit Recht weist dann Brentano darauf hin, das; der aus die Spitze getriebene Judenhaß d i e s e r F o r m s p e z i - f i s ch deutsch ist und ein ch a r a k t e r i st i s ch e s Z e i ch e n unserer Politischen Unreife, wir teilen ihn nur mit Ländern, denen in dieser Hinsicht Zu gleichen eine zweifelhafte Ehre ist. Und daS Mißtrauen der westlichen Länder gegen itn§ erhält durch diesen rohen und unsinnigen Ausbruch eines durch das Unglück verwirrten und kopflos gewordenen kleinbürgerlichen Geistes besondere Nahrung. Außer auf England und Italien (nichts ist nebenbei bemerkt bezeichnender für die unglaubliche Torheit der in Antisemitismus und Antiklerikalismus schwelgenden Hitler-Schar, als daß sie sich an einen Mann mit so starkem politischen Instinkt wie Mussolini heranzmnachen versucht!) hätte Brentano hier auch aus d u r ch a u s ge r manische Lände r wie S ch w e - d e n Hinweisen können, wo z. B. an den Universitäten ein sehr hoher Prozentsatz der Lehrer jüdischer Abstammung ist, ohne daß doch je an die beschämende Forderung eines nnnierus clausus auch nur gedacht worden wäre. Möchte dem Büchlein ein guter Erfolg beschieden sein! Maxim Gorki über öen „jüdischen" Bolschewismus. Die Neapeler Zeitung „M ezzogiorno" berichtet über eine Unterredung mit Maxim Gorki, der zurzeit in Sorrent lebt. Gorki sagte, die in Europa verbreitete Meinung, die russische Revolution sei von Juden vorbereitet und durchgesühvt, beruhe aus Unkenntnis. Der Revolution sei geistig von echten Russen, wie Bakunin, Krapotkin und Dostojewski!, der Weg geebnet. Gorki bezeichnet die „Protokolle der Weisen von Zion" als idiotische Phantasien. Es stimmt ferner durchaus nicht, was in Europa über den Prozentsatz der Juden in den hohen Staats ümtern und im Staatsdienst der Sowjetregierung verbreitet wird. Unter den 14 Volkskommissaren seien 11 Russen, 1 Georgier und 2 Juden. *) Sui-o Brentano: Ueber den Judenhaß. Mit einem Vorwortvon Rabbiner Dr. M. Eschelbach er (Düsseldorf). Wege zur Verftänbigurt-g, Heist 1. Philo-Verlag, Berlin 1924. 16 S. Die deutsche Einwanderung in Holland. Ein Niederländer als Lehrmeister der Völkischen. Zufällig und verspätet — so schreibt uns ein rheinischer Freund — kommt die Sonntagsbeilage der „Düsseldorfer Nachrichten" vom 12. Februar in meine Hände. Sie bringt u. a. eine Plauderei „Amsterdam" von dem Holländer I. H. de Marez-Oyens. Daraus habe ich nachstehende Betrachtungen und Bekenntnisse für anmerkenswert gehalten: „Das gesellschaftliche und Geschäftsleben ist heute stark von der deutschen Einwanderung beeinflußt. Mächtige, kapitalkräftige Kreise erneuern und wandeln ruhigeres, älteres Leben, das so leicht bei uns einschläft, um. Gewiß, der Holländer wird dies Zunächst bedauern müssen, denn zweifellos wird viel Tradition dabei z e r t r a in p e l t werden. Die N euen kommen, kennen die Stätte nicht, wo die zarte Blume Kultur wächst, und gehen gefühllos darüber hinweg. Aber sie bringen Neues mit. Ich glaube, daß wir — und als Holländer, dem Amsterdam tief im Blute sitzt, sage ich das in vollem Ernst — uns nicht nur Passiv damit absinden müssen, daß (wie nach dem widerrufenen Edikt von Nantes in 1685 aus Frankreich) aus einem Nachbarland, Deutschland, starke Impulse, neue Bewegung in unser Leben gebracht wird, denn es sind die vitalsten Elemente, die Kraft und Einsicht genug gehabt halben, sich bei uns festzusetzen. Gesunde Selbständigkeit wird davon nie beeinträchtigt bleiben. Sind wir stark genug, so wird nicht Amsterdam deutsch, sondern die Deutschen werden dort arbeitsreiche und wohlhabende Holländer werden. Die Gastfreiheit ist eine unserer edel st en Traditionen gewesen. Sie hat uns nie geschadet, weil sie einem Ties-Menschlichen entspricht. Wir werden sie in weitem Sinne aufrecht erhalten. Sind wir zu schwach, so werden wir freilich überfremdet werden. Das letzte Wort liegt bei uns. Nicht durch Abstößen, s ondern durch A u f^n e h me n wollen wir uns behaupten." So urteilt ein Holländer über -die jetzt nach Holland einwändernden Deutschen. Es wäre herzlich zu wünschen, daß unsere DeutschvöKischen daran ein Beispiel gegenüber den Juden nähmen. Diese wurzelnseit Jahrhunderten im deutschen Boden und sind Deutsche mit ganzem Herzen, wofür sie von den BöMschen als „Schmarotzervolk" im „fremden Wiwtsvotk" beschimpft werden. Uleine Chronik. Professor Dr. phil. et theol. Max Löhr in Königsberg beging vor «kurzem. seinen 60. Geburtstag. Professor Löhr hat neben vielen wissenschaftlichen Untersuchungen über Gebiete des Alten Testaments auch populäre Darstellungen dieser Art veröffentlicht. „ So „Altlestamentliche Neligionsgeschichte", „Sozialismus und Individualismus im Alten Testament", „Volksleben im Lande der Bibel", „Stellung des Weibes in Jahwes Religion und Kult", „Israels Kultnrentwicklung", „Einführung in das Alte Testament" und anderes mehr. Professor Löhr war 1003/04 und- 1908/09 Mitarbeiter am Deutschen Archäologischen Institut in Palästina. In dem bekannten Babel- Bibel-Streit hat dev Gelehrte mit Nachdruck seine Stimme erhoben und er war stets auf dem Plan, wo es galt, dem Eindringen von Vorurteilen und Ungerechtiig-keiten auf WissensGastlichem Gebiete entgegenzutreten. p,. S. Kärtigstr. Eck« Spandau«i*fr Du brauch** ______ (wXfVli. GebitOrumach Konigsfr. Eck« Spcmdaucwfr tun? eiypxi e r > e m e e r / um e r / 11 & n t i ne & a rw ki er / ewa e r / Myßilcum if? ein geheimnisvoller Duft, der gehaltvolle Schwere mit Blütenreinheit in vollendeter Form vereint. Es iß ein Genuf, Myfhkum .als Parfüm, als Puder, Seife oder Toilettewaffer zu gebrauchen, und cs bereitet Freude, Menfchen um fich zu haben, die von dem feinen, pridcelnden Mypikum-Aroma umgeben find. Myßikum-Stift für die Lippen in heller und dunkler Tönung i{? die neueße Ergänzung der Myßikum-Serie. P & r -p u m - e r i e ce i' B e r i n - N e w Y o

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.