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Central-Verein-Zeitung · 1924-05-15 · 20 (15.5.1924) · p. Seite 284

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
20 (15.5.1924)
Date
1924-05-15
Page
Seite 284 (sequence 4)
Language
German
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284 Die ju-engegneristhen Stimmen im Reiche. Erläu terun gen zu nebenstehender Karte. Die Ergebnisse der Reichstagsw-ahl find unseren Lesern sowohl für das Reich im ganzen 'wie für ihren besonderen Wahlkreis sicherlich.bekannt. Einige dreißig völkische und nahezu hundert d e u t s ch n a t i o n a l e Abgeordnete werden im Reichstag sitzen. Wenn man die Deudschnationalen besonders nach der Art, wie sie die Wahlagitation betrieben haben, mit den Völkischen zusammen als judengegnerische Partei betrachten darf, dann wird rund ein Viertel der Reichstagssitze von Judengegnern besetzt sein. Von besonderem Interesse ist es nun, zu betrachten, wie sich die für die Völkischen und die Deutschnationalen und für die übrigen Parteien abgegebenen Stimmen auf die einzelnen Wahlkreise verteilen. Darüber gibt nachstehende Tabelle 1 Auskunft. In ihr ist für jeden Wahlkreis festgestellt, wieviel Prozentder abgegebenen Stimmen auf die Völkischen allein - und wieviel aus die Völkischen und Deutschnationalen Zusammen entfallen. Noch leichter erkennbar ist'die Starke antisemitischer Gesinnung., soweit sie in den Wahlergebnissen zum Ausdruck kommt, zunächst im einzelnen Wahlkreis selbst gegenüber dem Anteil der übrigen Parteien, und dann besonders in ihrer Verschiedenheit von Wahlkreis zu Wahlkreis aus der nebenstehenden' Karte. In jedem einzelnen Wahlkreis ist eine Kreisfläche eingetragen, die sich aus drei Keilen zusammensetzt. Der schwarze Keil entspricht in seinem Verhältnis zur gesamten Kreisfläche dem Anteil der für die Völkischen an den insgesamt abgegebenen Stimmen. Der schraffierte Keil entspricht den: Anteil der Deutschnationalen, der weiße Keil dem der übrigen Parteien. Aus den ersten Blick ist aus der Karte ersichtlich, daß sowohl - der Anteil der Völkischen allein, wie auchder der Völkischen und Deutschnationalen in den einzelnen Wahlkreisen recht verschieden ist. Nimmt man beide Parteien zusammen, dann hat der Osten, rechts der Elbe, in weit höherem Maße den jud.engegnerischen Parteien seine Stimme gegeben als der Westen und -der Süden, stärker sogar als Bayern. An der Spitze steht Pommern mit 65 Prozent aller abgegebenen Stimmen, die auf die Völkischen und Deutschnationalen entfallen sind. Es folgt Ostpreußen mit 59 Prozent, Mecklenburg, mit 48 Prozent, Franken mit 47 Prozent, das die katholischen Wahlkreise Bayerns, Oberbayern-Schwaben mit 25 Prozent und Niederbayern-Oberpsalz mit 18 Prozent weit hinter sich läßt. Freilich, wenn man die völkischen Stimmen allein betrachtet, dann steht Bayern an der Spitze, weit voraus Franken mit 27 Prozent, dem die beiden anderen bayerischen Wahlkreise mit 17 und 16 Prozent in erheblichem Abstande folgen. Von den außerbayerischen Wahlkreisen steht dem Anteil dev Völkischen nach Ostpreußen mit 13 Prozent an erster Stelle, die zweite Stelle nimmt Leipzig mit 12 Prozent, die dritte Stelle mit 11 Prozent nehmen' Potsdam H und Thüringen ein, 10 Prozent weisen Chemnitz-Zwickau und Mecklenburg auf. Die niedrigsten Anteilsziffern finden sich sowohl für die Völkischen allein wie für die beiden betrachteten Parteien zusammen i m besetzten Gebiet. Köln-Aachen und Koblenz-Trier mit 1 Prozent Völkischen und 7 bzw. 8 Prozent Deutschnationalen ' dürfen für sich den Ruhm in Anspruch nehmen, in der Abwehr des äußeren Feindes sich am meisten von innerem Rassenhaß freigehalten zu haben. Auch im Osten findet sich, in Liegnitz ein Krei-s, in dem der Anteil der Völkischen nur 1 Prozent betragt, denen sich allerdings 18 Prozent deutschnationale Stimmen zugesellen. Sämtliche Wahlkreise des Westens und besonders des besetzten Gebiets, dann auch Südwestdeutschlands zeigen verhältnismäßig niedrige völkische und deutschnationale Anteilsziffern. Von Einfluß auf diese Unterschiede ist natürlich auch der Anteil der katholischen Bevölkerung in den einzelnen Wahlkreisen gewesen, die schlesischen Wahlkreise zeigen das ebenso wie die rheinischen. Aus Tabelle 2 ist ersichtlich, wieviel Stimmen die verschiedenen Parteien bei den drei großen Wahlen seit der Revolution erhalten haben, und Tabelle 3 stellt die Verteilung der Mandate im alten und neuen Reichstag gegenüber. Betrachtet man die Wahlergebnisse für die Völkischen und mit einigen Einschränkungen auch für die Deutschnationalen als Barometer für die Stärke, mit der die -antisemitische Verhetzung in den verschiedenen Teilen Deutschlands hat wirken können, so gibt sie uns mancherlei Lehre auch für die künftige Abwehrarbeit.' Wenn die amtlichen Ergebnisse nicht nur für die Wahlkreise, sondern für die einzelnen Stimmbezirke veröffentlicht sind, dann wird es an der Zeit sein, solche Untersuchungen mehr ins einzelne sortzusetzen. Man wird dann vielleicht eine 'Möglichkeit haben, zahlenmäßig, sestzustellen, in welchem Maße die einzelnen Bevölkerungs s ch i ch t e n der antisemitischen Hetze zum Opfer, gefallen sind. Tabelle 1. Dies u d e n g e g n e r i s ch e n S t i m m enin d e n W a h l - kreisen (berechnet aus je 100 der^ abgegebenen Stimmen). * Völkisch und D-Uisch Deutschnatiorral 1. Ostpreußen .... # . 13 % 59% 2. Berlin . . .... 4 % 27 % 3. Potsdam II ... . 11 % 37% 4. Potsdam I . . . . , . 6 % 40 % 5. Frankfurt (Oder) . . * 5 % 45% 6. Pommern. 8 %■ 65% 7. Breslau. 8 % 88 % 8. Lügnitz ...... 1 % 19% 9. Oppeln. 5% 24% 10. Magdeburg .... 4 % 25 % 11. Merseburg'. 9 % 37 % 12. Thüringen . . . . . 11 % 24 % 13. Schleswig-Holstein . . 8 % 39% 14. Weser-Ems .... 7 23 % 15. Ostyannover . . . . 9 % 24 % 16. S üdha n no ve r -Br a u nschwei g 7 % 22 % 17. Westfalen-Nord . . . 3 % 18% 18. Westfalen-Süd . . . 6% 20 % 19. Hessen-Nassau.... 6 % 28 % 20. Köln-Aachen .... -1 % 8% 21. Koblenz-Trier . . . 1 % 9%** 22. Düsseldorf-Ost . . ' . 4 % 18%' 23. Düsseldorf-West . . . 3 % 11% 24. Obe rb ayern-Schwab en 17 % 25 % 25. N i e d e rb a y e r n -Obe r p s a l z 16 % 18% 26. Franken . . . 27 % 47 % 27. Pfalz ..... . 6.% 26 % 28. Dresden-Bautzen . . 5 % 30 % 29. Leipzig, ...... ... . 12 % 35 % 39. Chemnitz-Zwickau . . 10 % 27 % 31. Württemberg . . . * 4 % 14 % 32. Baden . . . . . 4 % 11% 33. Hessen-Darmstadt . . . . 4%. 11 % 34. Hamburg . ... . . . . 6 % 26% 35. Mecklenburg . . „ s » * 10 % 48% - Tabelle 2. Die ©timmenzahlen der Parteien. - Na Lion alversammlurrg 1920 1924 Demokraten , 5 799 722 2 383 741 1 661425 Zentrum.* 5 709 445 3 845 001 3 901087 Deutsche Bolkspartei .... 2 618 724 3 919 446 2 646 747 Sozialdemokraten. 13 826 338 11151211 5 991 547 Deutschnationale Partei . . 2 618 724 4 249 100 5 764 628 Kommunisten ...... — 589 454 3 728 089 Deutschvölkrsche Freiheitspartei — — 1 922 626 Bayerische Bolkspartei , . . — 1 557 712 941 982 Tabelle 3. Die Verteilung der Mandate im alten und neuen Reichstag. Mer Reichstag Neuer Reichstag Demokraten > ' 39 28 Zentrum. « 68 65 Deutsche Volks parier . . . , 66 44 Sozialdemokratie . - . . . . 173 100 Unabhängige . . . . . s 2 — Deutschnationale Partei. . . 66 66 Kommunisten . . . . < . . ' 15 62 Bayerische Volkspartei . . > . 20 16 Bayerischer Bauernbund . . 4 10 Deutschvölkische Freiheitspartei 3 32 Hannoveraner ...... . 2 5 Landliste . . . . . . . .!— 9 Deutschsctziale. —i 4 Fvaktionslos . . . ... . 1 — Zusammen 459 471

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