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Central-Verein-Zeitung · 1924-05-15 · 20 (15.5.1924) · p. Seite 281

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
20 (15.5.1924)
Date
1924-05-15
Page
Seite 281 (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer TO Golüpfsnmg Serlin, IS. Mai 7924 III. Jahrgang * Nr. 20 plütter Krl>«UscNtllMWi iro. 'vryau -es tentralVereins -eutscker StaatsvüraerjüEcken Aavvens'Lv. Verlag u. Schriftleitung: Eentral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.v. Verlin SÄ)vS, Linüensrr. lZ Fernsprecher: Amt Dönhoff 2594, 3595 Telegrammadresse: „Centralglauben Berlin" Postscheckkonto: Berlin 30472 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube G, Berlin SW 68, Lindenstr. 7 Monaisabonnemen! (ein viertelj'ährliches gibt es vorläufig nicht) 40 Goldpfennlg Alleinige Anzeigenannalime: Anrwucen-Expediliorr Rudolf Mosse, Berlin 8^V 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,75 Gold mark für die 7 gespaltene Zeile neu!) Rudolf Mosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche sür Mitglieder des Central-Vereins 0,40 Goldmark, die 90 mra breite Reklarnezeile 4 Goldmark. was verlor die deutsche Iuöenheit durch den Frieden von Versailles l s^***Z^T£p*u*‘ 'Wir Inden, so heißt es, tragen an altem auf Erden schuld. Man sagt nns nach: wir erklärten «den Krieg; wir bewirkten den Umsturz; wir schlossen den Frieden. Mit der Entente im B u n d , 'die sich als willenloses Werkzeug gebrauchen ließ,'stürzten wir die Mittelmächte zum Abgrund - einerseits, mit Palästina als völkische Heimstatt zurückzuaewinnen,. anderseits, -um über allen Staaten nach ihrer Verschuldung und Selbstzerfleischnng das I o ch u n s e r e r Del dm acht anszurichten. So wollte es der Plan der Oberleitung unseres Volkes, 'der, durch die „Weisen von Zion" ausgebrütet, nur'leider vorzeitig ausgedeckt wurde. Hört man diesen Unsinn, den in Deutschland ansznioürmen und breitgntreten sich ein L u d e n d o r ss nicht entölödete, da greift inan an den Kopf. Man wundert sich, ob unser deutsches I ab ent um entweder so Dumm oder so heldenmütig und selbstlos umt, daß es sein Ergehen der Allgenteinheit zum Opfer brachte. Es untre befugt, vor dem Rechllnngshos jener .sagenhaften Oberleitung, der doch auch irgendwo tagen muß loielleicht kennt der Völkische Freiheitsblock seine Anschrift) — wir deutschen Jtwen untren befugt, eine Kostenrechnttng dort vorzulegen, die ktärlich bewiese, wie a u ch n n s d e r F rie - d e u v o n Ve r s n i l l e s , das Hindernis für Deutschlands Genesung und Kräftigung, krank, elend und blutlos -nachte. Was wir durch ihn verloren haben, 'unser Todesirrteil, das er rettungslos ztlsertigen wird, bleibt er in Geltung, ist leicht begrissen und bald gesagt. ' Zunächst ist deutlich, daß die Verkleinerung des Deutschen Reiches, die Wegnahme wertvollen Landbesitzes in Ost und West auch unseren Körper verstümmelte. Bor dem Kriege-wurde unsere Zahl, nach oben abgerundet, die ostjüdischen .Ausländer, die 50 00t) betragen mochten, einbegriffen, auf' 600 600 veranschlagt. Wir machten 0,8 Prozent der Gesamibevölkerung aus. Hiervon entfielen auf die nunmehr abgetretenen Gebiete etwa folgende Ziffern: E ls aß - L o th r in ge'n beherbergte 30 000 Inden; aus West- Preußen mit Einschluß von Danzig kamen nicht ganz 04 000, auf die Provinz Posen, deren jüdischer 'Anteil gemeinhin überschätzt wird, nicht mehr als 26 000; das verlorene Oberschlesien 'wäre mit 9006, Memelland endlich mir etwas über 1000 Seelen zu nehmen. Tie Gesamteinbuße - ~ vorderhand, unterstellt, worüber alsbald zu sprechen sein wird, es sei alles wohnen geblieben, nichts zurückgeströmt -- die Gesamteinbuße beliefe sich demnach auf <80 000 jüdische Menschen. Ging Deutschland schätzungsweise aus dem Unheil des Weltkrieges als Sechzigmillionenvolk hervor, so daß sein Verlust ein Siebentel seiner VolMrast betrug, ist unser Verhältnis ungünstiger: bei Hinzuschlagnng der Gefallenen, die mit 02 000 errechnet und belegt werden können, schrumpfte die deutsche Judenheit beinahe um ein Sechstel ihres ehemaligen Bestandes ein. Daß-ein solcher Verlust überdies uns schwerer heimsnchen muß, daß jeder Schnitt, der unserem Körper zugefügt wird, mühevoller heilt und vernarbt, ist unvermeidlich eine Jwangssolge unserer Kränklichkeit, die seit langem 'erkannt und beobachtet wurde. Deren Keime und Zeichen sind zu unserer Warnung festgestellt. Von außen liegt Taufe und Mischehe vor, nach innen die Eigenart unserer Ehen, die, ohnehin selten, mit großer Verspätung geschlossen werden, darum unfruchtbar bleiben, kommt es hoch, zwei Kindern das Leben schenken. Durch Das Schnnnden der Überlieferung, durch den Wirtschastsgrad, durch die Angleichung au die Umwelt bedingt, rückte der leibhafte Untergang, mit Händen zu greisen, an uns heran. Jedes Wort ist verschwendet, wie fein Schritt verstärkt' und beschleunigt wird durch die Blntopfer, die ans den Schlachtfeldern sanken, durch der: Menschenabgang, den der abgeschlossene Friede mit seinen Gebietsverlnsten. erwirkte. 'Nun ließe sich 'sagen: die ganze Einbuße, die da zahlenmäßig ausgemacht wurde, sei rein gedanklich, eine vorgestellte Folge gegebener Ursachen. In 'Wirklichkeit sei sie nicht vorhanden, vielmehr ausgewogen unb überholt durch die Rückwan'der.'ung, die so gut wie restlos ans den früher Preußischen Landesteilen ihre jüdischen Einwohner zu uns führt. Dabei fällt wohl Elsaß-Lothringen fort — freilich auch nur -mit" Teilen alteingesessener Inden, in denen alle in den entsprechenden christlichen Schichten das deutsche Amtsgebaren die Neigung fü0 Frankreich -erhalten mußte. Es sei nicht unterdrückt,' daß sogar bei ihnen Ansnahnren vorkamen! Mancher tat wie der S t r a ß b ll r g e r O b e r r a b b i ncr, der, ein g e b ü r t i g e r A l t e l s ä s s e r , sein A m t aus - g a b, mit beim Einzug der französischen Truppen keinen Gruß zu.entbieten. Um so eher verstand es sich, daß die zugezogenen, aus dem Reich berufenen Inden mehr oder minder unfreiwillig ihre Orte verließen, von demselben Verdacht unb Schlagwort entfernt, die ihren Verbleib in Nett Po len

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