Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 19 (8.5.1924)
- Date
- 1924-05-08
- Page
- Seite 269 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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269 einzelner Mensch, und sei es auch ein Rabbiner, in unglücklicher Formulierung als seine Persönliche Stimmung offenbart, hat nur persönliche aber keine sachliche, die seelische Haltung des deutschen Judentums tangierende Bedeutung. Wie würden Sie es empfinden, wenn man die folgende Aeußerung Schopenhauers als den allgemein gültigen A u s - druck der Stellung des Deutschen zur deutschen Nation ansehen würde? Diese Aeußerung Schopenhauers lautet: „A propos, ich lege hier für den Fall meines Todes das Bekenntnis ab, daß ich die deutsche Nation wegen ihrer überschwenglichen Dummheit verachte und mich schäme, ihr anzugehören." (Neue Paralipomena p. 73, Ausgabe Reclam.) Wie aber auch i nun er Dr. Mannheimer in seiner Stellung zum Deutschtum gefühlsmäßig geschwankt hat, es muß betont werden, daß er, wie übrigens auch viele Zionisten, mit größten: Stolze seinen ältesten Sohn am 1. August 1914 ins Feld ziehen sah und daß er mit dem Stolz eines deutschen Mannes den schon im August 1914 erfolgten Heldentod seines Sohnes hinnahm. ' .7. Sie, sehr geehrter Herr Professor, richten an mich schließlich die Frage: Ob diejenigen Vorschriften des Talmuds, die den Juden eine Kampfstellung gegen die Völker anbefehlen, unter denen sie leben, und die ihnen diesen gegenüber ein Verhalten erlauben, das wir nach unserer christlichen Moral als absolut unzulässig ansehen müssen, heute noch zurecht bestände." Meine Antwort, die weder Hörner noch Zähne hat, lautet: Es gibt im Talmud keine Vorschriften, die dem Juden ein Verhalten erlauben, das nach christlicher Moral als absolut unzulässig anzusehen ist. Der Talmud enthält überhaupt keine Vorschriften, die für das moderne Judentum bindend sind. Ihre Fragen entstammen, verzeihen sSie, wenn ich das sage, einer Unkenntnis vom Wesen des Talmuds, freilich einer Unkenntnis, die in gleicher Weise bei der Majorität der deutschen Juden anzutressen ist, denn wie wenige von ihnen haben heute auch nur eine Zeile des Talmuds gelesen. Zur kurzen Orientierung darf ich bemerken: Der Talmud ist das natürliche photographische Bild des 9 e istigen Lebens de s babylonischen Judentums in der Zeit von 300 vor bis nach 500 unserer jetzigen Zeitrechnung, mit all seinen Vorzügen und all seinen Fehlern, aber kein Gemälde, welches Künstlerhand harmonisch zusammengesügt, abgerundet und abgestimmt hat. Der Talmund ist eine literarische Erscheinung, die sich mit keiner anderen der Weltliteratur vergleichen läßt. Er ist ein Sprechsaal, in welchem Stimmen eines Jahrtausends durcheinanderhallen. Voll der entgegengesetzten Ansichten, enthält er: Witz und Aberwitz, Menschenfreundlichkeit und Intoleranz, Glauben und Aberglauben in krausester Mischung. So ist er einer großen Zeitung zu vergleichen, die, ein Jahrtausend lang erscheinend, ohne leitenden Redakteur von über 2000 Mitarbeitern das aufnahm, was sie gerade zu sagen hatten. Daraus ergibt sich,'daß der Talmud kein Religionsbuch ist, das unserm sittlichen Handeln als Richtschnur zu dienen i m st a n d e w ä r e. Rach allen im Talmud vorkommenden Ungereimtheiten .das moderne Judentum beurteilen zu w o l l e n, w ä r e gleichbedeutend damit, daß jemand nach 1400 Jahren die jetzigen Berichte des Reichstags studieren und eine Aeußerung irgendeines Radikalen von links oder rechts herausgreifend, diese nunmehr als die maßgebende A n s i ch t aller Deutschen reklamieren wollte. Indem ich Ihnen noch einmal für Ihre Bemühungen danke, die Aufhellung parteimäßig verdunkelter Tatbestände im Interesse der Entgiftung unseres öffentlichen Lebens zu fördern, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung Professor Dr. Julius Gold stein (D arm stad t). die „Weisen von Zion" in Potsdam. Aebev den Vortrag Professor Goldsterns in Potsdam über „Die Weisen von Zion" (vgl. Nr. 19. d. Vl.) berichtete die „Potsdamer Tageszeitung" vom 23. April 1924 mit nachstehender Einleitung, die um so bemerkenswerter ist, als das genannte Blatt den Rechts« kreisen nahestcht: „Dieser Abend — ein Montag — hatte ein interessantes, ein besonderes Gesicht. Eine eigene Physiognomie, die ihn aus dem alltäglichen Laufe der Veranstaltungen hernushM. Seit Jahren ist ein solcher Abend nicht zustande gekommen und es wird Jahre dauern, bis nran ähnliches wieder erleben wird. Es kann sogar sein, daß man es überhaupt nicht wieder erlebt. Das hat die größere Wahrscheinlichkeit. Es war wie bei der Tragödie Shakespeares: Die Akteure treten in langem Zuge vor das Publikum. Der König, der Herzog, die Edlen, die Geknechteten, der Narr. Auch in diesem Falle die Akteure einer Tragödie: Der Jude, der Christ, der Völkische, der Hasfer, der Liebende. Ein Zug der Darsteller. Als Prolog, als Epilog — wer weiß es? Diese Versammlung mit dem an sich nicht klangreinen Thenia „Die Weisen von Zion" brachte ein „Parkett der Köpfe". Man hat wohl selten soviel „geistiges Potsdam" in einem Raume vereinigt gesehen, wie an diesem Montagabend. Ort der Handlung: der Saal im „Einsiedler". Weiße Wände und Decke, im Hintergründe riesige Spiegel, die das Licht der kristallenen Kronleuchter verstärkt zurückwerfen. Ein Auditorium Kopf an Kopf gedrängt; darunter staatliche und städtische Beamte, evangelische Geistlichkeit, Adel, jüdische Geistlichkeit, Finanz und Handel, katholische Geistliche, bekannte Köpfe der Deutschnationalen, der Volkspartei, der Demokraten, Hitlerleute, Damen in Toilette, Krankenschwestern. Alle Möglichkeiten schlunuuern in dieser Versammlung. Denn was bedeutet bei dieser Fülle die „Einladung"? Alles mußte sich aus dem Augenblick ergeben. Krach oder Sachlichkeit. Selten hat sich eine Diskussion auf einem so hohen Niveau bewegt, wie an diesem Abend. Ob der Völkische sprach, der Demokrat: Mit ritterlichem Anstand wurde der Gegner geachtet. Ob Jude oder Arier: Es wurde gekämpft, aber pnt blanker Waffe. Manchmal stachen die Lanzen Wunden. Man 'heile sie nicht, ohne sie genau untersucht zu haben. Denn genaue Untersuchung kann zu Erkenntnissen führen, die zwar über die „Weisen von Zion" keine Klarheit verbreiten werden, die aber vielleicht zu den Quellen eines Hasses führen, der wie eine unaufhörliche Drohung in der deutschen Luft liegt." Achtung jüdische Fl^ger! Dr. Theilhaber hat sich mi uns mit der Bitte gewandt, ihm bei der neuen Auflage seines Buches „Die jüdi. scheu Flieger im Weltkriege" behilflich zu sein. Dr. Theilhaber wünscht möglichst alle jüdischen Flieger in seinem Buche ausgenommen zu sehen, und wir richten -deshalb an alle jüdischen Kameraden, die ehemals zum fliegen, den Personal gehörten, also Flugzeugführer, Beobachter öden Flugseugschüßen, Zeppelinluftschi-fs'er waren, ,die Aufforderung, einen kurzen Abriß ihrer Fliegerlaufbahn, möglichst mit Lichtbild und Belegen, -an den Bundesgeschciftsführer oinzufenden. Das Material ist in einem besonderen Kuvert mit dem Kennwort „Buch jüdischer Flieger" einzuschließen. Genaue Adressenangabe des Absenders ist notwendig. Das Material wird bestimmt zurückgesandt. N. j. F., Berlin G 2, Kurze Straße 26. interrikkeu. fdtlüpfer Kauft man am besten bei Lcipzigenstr. öl o. DönhoffpJalz Bekannt für gute Waren billige Prefoel mm V/ ‘ i , i Cr i i