Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 17 (24.4.1924)
- Date
- 1924-04-24
- Page
- Seite 231 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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231 als erster gemeinverständliche Vorträge hielt. Mit ihm wie mit Mendelssohn stand dev Königsberger Philosoph in brieflichem Verkehr. Kant hat aus die Juden aller Länder einen tiefen Eindruck gemacht. In der Bewegung der Neu-kantivner haben -einiige Juden eine führende Rolle gehabt. Drill bemerkt in seinem vor kurzem besprochene Buche: „Kant wird nicht „erlebt", sondern verstanden, oder nicht verstanden. So ist es gekommen, daß es heute ein paar Juden gibt, die vermöge £>et rationalistischen Art, die in den Juden lebt, Kant am besten interpretieren. Und wenn wir darauf zurückkommen, daß Kant zu erarbeiten sei, dann ist zu sagen, daß hier nicht so sehr Christen den Juden, als Juden den Christen behilflich sein werden." — Obgleich es Hegels Geschichtsphilosophie war, welche guf die ein Men scheu alt er später erwachende jüdische Geschichtsforschung einen bestimmenden Einfluß übte — so war doch die Erkenntnislehre und die Ethik Kants von ungleich tieferem und breiterem Einfluß auf das Lenken und Fühlen der jüdischen Intelligenz. Der Spiritualismus der Kantschen Erkenntnistheorie sagte den Juden besonders zu, da sie ja v o m T a l m u d u n d der Mittelalter- I i, ch e n R e l i g i o n s P h i l o s op h i e her gewöhnt waren, das Prrm-cvt des Geistes üb er Pie Materöe als einen Lehrgrundsatz anzuerkennen. Und erst die Ethik Kants, die in der Lehre vom kategorischen Imperativ gipsel-t, mutzte auf die Juden faszinierend wirken. Erinnerte doch der kategorische Imperativ an den echtjüdischen Begriff „Mi zw ah", der in seiner vollen Bedeutung kein Analogon in einer anderen Sprache hat. Es muß betont werden, daß die Bewunderung und Liebe der Juden für Kant nicht etwa bestochen waren durch günstige und liebenswürdige Aeußerungen des Philosophen über sie. Im Gegenteil: der kühne und trotzige Denker stand, was den „Judenpunkt" anbetrifst, im Banne der Vorurteile, von welchen die mittelmäßigsten seiner Zeitgenoffen, die kloingeistigen- Philister beherrscht waren, und seine wenigen Aeußerungen in dieser Hinsicht sind in den „Geistesschatz" des modernen Antisemitismus übergegangen. — „Größeschützt vor Kleinlichkeit nicht", sagt einmal Moriz Lazarus. Unbewußt war das die Parole der Juden-; mit nachsichtiger Geste übersahen sie oft diese Kleinlichkeiten und ließen sich den Geschmack an großen Gedanken und großen Werken dadurch nicht verderben. Was bedeutet das aber gegenüber der Tatsache, daß neben Schiller die ganze Jude uh eit Kant als ihren Erzieher zur Kultur, als ihren größten Wohltäter stets mit dankbarer Verehrung nennt. Kteme Chronik. Der Vorsitzende des Vorstandes der Synagogengemeinde und des Vorstandes der Israelitischen Krankenverpflegungsanstalt in Breslau, Eduard Sachs, feierte kürzlich seinen SS. Geburtstag. Aus diesem Anlaß fand eine Feier statt, die Herrn Sachs die Verehrung, deren er sich in Weitesten Kreisen der Bevölkerung erfreut, beweisen. konnte. Die Eemeindekörperschaften haben an diesem Tage eine „E d u a r d - S a ch s - I u b i l ä u m s st i f t u n >g" in Höhe von 20 008 Goldmark errichtet, deren Zinsen zum Besten unverschuldet in Not geratener Beamter und Angestellter der Synagogengemeinde verwendet werden sollen. — Das langjährige Mitglied des Lentral-Vereins, Ortsgruppe Essen, der Seniorchef der M. Coßmannfchen Eisen- und Handelsgesellschaft in Essen, beging kürzlich fernen 89. Geburtstag. — Der Verein der Leiter und Leiterinnen jüdischer Erziehungsanstalten Deutschlands hielt eine Verfauvmlung in Berlin ab. Haupt-gegenstände der Tagung waren die Unterbringung schwer erziehbarer und psychopathischer jüdischer Kirr, der und die Erweiterung der Aufnahmebedingungen für Normalkinder. Referate dazu hielten: Psychiater Dr. Götz (Berlin) Wer anormale Kinder und Direktor Dr. Feist (Reichenheimsches Waisenhaus, Berlin) über die Frage der Aufnahmebedingungen bei Normalanftalten. Die Versammlung betonte zum Schluffe der Debatte 'die Notwendigreit -der Schaffung eines Heims für psychopathische jüdisch« Kinder, einer Beobachtungsstation für zweifelhafte Kinder und erweiterter Einrichtungen zur je derzeitigen provisorischen II n t er b ingung von heimlosen jüdischen Kindern bei einer Zentralstelle. Berein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens S. V. Berlin, gegründet189Z. Große öffentliche Wahlversammlung am Dienstag, 29. April, abends 8 Uhr, in den Sophienfälen, Sophienstraße 17/18: „Der jüdische Mittelstand und die Reichstagswahlen". Referenten: Louis Wolfs, Heinrich Stern, Paul Toller. Der Vorstand. I. V.: Robert Gutheim. Neue Sucher. Ueber den Arrstritt ans dem Judentum, ein Briefwechsel von Ab raham Geiger. Philo-Verlag, Berlin 1924. Der Neudruck dieses Schrff-tchens des großen ReformrabbineW ist ein Verdienst; denn in schlichten, kl-aren und warmen Worten sind hier alle Argumente zu finden, die einein Juden verbieten, Christ zu werden, wenn er nickst von der Wahrheit des Christentums überzeugt ist, bloß, um.es sich selbst oder seinen Kindern bequemer zu machen. Zurzeit besteht freilich kaum eine Uebertrittsbewegung unter den Juden. Im Gegenteil scheint es, daß in den. letzten Jahren mindestens ebensoviel Eintritte von Christen ins Judentum, wie von Juden ins Christentum stattgefunden haben. Das hat seine Gründe nicht nur in der Wendung des Antisemitism u s z u m Rassenhaß, so daß man sich auch durch Taufe nicht mehr vor ihm schützen kann, nicht nur in der etwas gerechteren Handhabung der Verwaltungspraxis, die seit der Revolution bis heute den Juden den Eintritt in die Beamtenlnufbahn nicht mehr ganz unmöglich macht, es ist auch das gestiegene jüdische Selb st - b e w u ß t s e i n , das durch solche Schriften wie die Geigersche neue Begründung und Berechtigung finden kann. Wir empfehlen ihre Lektüre besonders der Jugend. Sie eignet sich sehr gut zur Grundlage einer Diskussion oder eines Heimabends in Jugendvereinen, zumal sie innerjüdisch vollständig unparteilich gehalten ist. Ernst I a c o b. Werner Plaut, „Antisemitismrrs", Maren-Verlag, Oderhof im Thüringer Wald. 1924. Der Verfasser wirst die Frage auf, wie begegnen wir deutschen Juden dem Antisemitismus? Aus seinen schwungvollen Worten atniet aufrichtige Liebe zu unserem deutschen V ater lande. „Man sagt, der Jude habe kein Vaterland. Nun, mein Herz hat ein Gefühl, das nennt sich ihm Vaterlandsliebe, und ich könnte tausendmal anders wollen, es wählte doch Deutschland sich zum Gegenstand, denn Deutschland ist nun einmal das Land meiner Liebe. Und wenn ich es nun nicht nrein Vaterland nennen soll, so nenne ich es eben das Land meiner Liebe. Und habe dabei nicht das Gefirhl, daß das weniger ist." Die kleine Schrift ist frei von Haß und Bitterkeit, sucht sich in die durch Ueberspannung des Deutschtums dem Antisemitismus verfallenden Seelen hineinzuversetzen und sie zu überzeugen, daß das Gute wie das Schlechte sich hüben und drüben findet. W—s. Ausgerechnet Bananen verwendet man gegen Verdauungsbefchwerden (Verstopfung, Sodbrennen, Fettleibigkeit, Galle, Hämorrhoiden). Warum denn nicht das viel billigere echte Bad HomLmrger Salz, hergestettt 'aus dem Wasser des berühmten Elisabethbrunnen. Nimm es jeden Morgen nüchtern und der Organismus funktioniert glänzend. Achte stets auf die Originalsirma „Bad Hamburger Heilquellen" G. m. b. H. Zigarrenversandhaus „Vehr", Mrih i. Vayern. Empfehle den Mitgliedern des C. B. ff. Zigarren, speziell Fabrikate von L. WoW, Hamburg, und Loefer & Wolfs, Berlin, desgleichen alle Marken- Zigaretten und Tabake bei spesenfreier Zusendung zu Originalpreisen. £tf$ dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten schrieb am 6. Sept. 1922 Herr Charles Ganz in New Dort: «Ich versuchte, auf Ihre werte Firma aufmerksam gemacht. Ihre Entfettrrngstavletterr und habe ktt Ssss Monaten 48 Pfund (amerikanüches Gewicht) abgenommen, ohne irgendwelche nachreilige Wirkung zu bemerken. Aus freiem Antriebe, um auch meinen Mitmenschen behilflich zu sein, lasse ich Ihnen diese Zeilen zugehen." Zahlreiche ähnliche Danktchreiben liegen bei uns zur Einsicht. Grebe, Laboratorium» VerlmriS SW 61. Versand durch Versandapotheke. HBHHl <9|enl OA.eii STR; 9 ST H A