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Der Schild · 1938-11-04 · Sonderausgabe · p. [Seite]

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Journal
Der Schild
Volume
Sonderausgabe
Issue
Sonderausgabe
Date
1938-11-04
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Tine Mahnung an die Jugend. Der Student Maximilian Spaeth in München ist Mitglied und im Vorstand eines geselligen Unterhaltungsklubs. Der junge Mann hat sich 1914 kriegefreiwillig gemeldet und ist im Felde mit den verschiedenen Kreuzen geschmückt worden. Guter Bürger, meldete er'sieb während der Räteherrschaft noch einmal freiwillig, um „München zu befreien". Dennoch mußte er es erleben, daß Anfang Dezember in seinem lustigen Brüderklub der Antrag gestellt wurde, wonach künftighin nur Mitglieder ausgenommen werden dürfen, die „nach bestem Wissen und Gewissen versichern können, daß sie deutscher Abstammung sind und unter ihren Vorfahren sich insbesondere keine solchen jüdischen Blutes befinden." Ferner sollte darüber entschieden werden, ob die gründenden Mitglieder, sofern sie Juden wären, in der Gesellschaft verbleiben dürften. Das Vorstandsmitglied Maximilian Spaeth meldet sich bei der Beratung des Antrages — der Programmdebatte sollte ein Konzert folgen — zum Wort, er hatte ja nicht nur unter den Vorfahren, er hatte in den eigenen Adern jüdisches Blut. Der Vorsitzende läßt ihn nicht sprechen, sondern fragt die Versammlung, ob sie Spaeth hören wolle. Die geselligen Klubbrüder stimmen dagegen. Nach-längerem Verhandeln erhält Spaeth doch das Wort. Er beginnt seine Rede, aber da hat ein auf deutsch» Vorfahren besonders bedachter Klubbruder den lustigen Einfall, der Musikkapelle heimlich einen Wink zu geben. Spaeth redet, die Kapelle spielt. Da entfernt sich der Student aus dem Zimmer, begibt sich in einen Nebenraum und erschießt sich. Jetzt hört die Musik auf. Maximilian Spaeth ist mit geladenem Revolver in seinen geselligen Klub gegangen. Er wußte, daß dort darüber beraten werden sollte, ob Juden als Deutsche anzusehen sind. Er war entschlossen zu sterben, wenn die Antwort seiner Freunde verneinend ausfallen würde. Maximilian Spaeth hat vorher, am i. Dezember 1918, sein verfaßt Testament „Als Deutschem von Geburt, Denkart, Gefühl und Erziehung ist es mir in die Seele hinein schmerzlich geworden zu sehen, welch unheilvolle Entwicklung das geistige Werden meiner Volksgenossen genommen hat und noch weiter nimmt. Ich zweifle daran, in absehbarer Zeit selbst noch Zeuge und Mitwirkender der nationalen Wiedergeburt sein zu dürfen. Gewissenlosigkeit, Verblendung, Selbstsucht, Haß und Rache verdunkeln das klare Vorstellungsvermögen meiner Mitbürger und machen es unmöglich, gemeinsam den geraden Weg, der zu neuem Aufblühen der deutschen Nation "führt, zu begehen. Teils die allgemeine, traurige Erwägung, daß es einem innerlich anständig denkenden reinlich empfindenden Menschen unmöglich ist, in Gemeinschaft mit so aller Ehre baren Zeitgenossen die Luft des Tages zu atmen, teils der besondere Fall von Ungerechtigkeit und Ehrabschneiderei, den ein mir bis jetzt eng verbundener Kreis von Menschen konstatiert, zwingt mich, allem Irdischen zu entsagen. Da es für mich zur Zeit keine Möglichkeit gibt, auf dem kavaliermäßigen Wege mit der Waffe in der Hand meine niedergetretene, vor allen Freunden bloßgestellte Ehre zu reinigen, da militärischerseits die Ehrengerichte nicht mehr existieren, akademische Korporationen mir als Juden nicht Waffenschutz geben, kurzweg mir das Recht der Satisfaktion nicht zugebilligt wird, wird jeder anständige Mensch es für begreiflich finden und mich nicht für irrsinnig erklären, wenn ich den einzigen Weg nehme, der mir offen steht. Zum Verbrecher will ich nicht werden, niedriger Rachsucht will ich nicht nach« geben. So bleibt für mich nur das einer Geschäftsstelle des Li. j.; Berlin E r, Bvrgstr. 26 Ourch meinen «»erkannt zu «iffe«, daß «in Deut» fifier jüdischer Geburt, der sein ganzes Leben nur den boben Idealen besten Menschen» und Volkstums nachqestrebt zu haben glaubt, trog aller seiner Laster und Fet'ler, a»ck ein Mensch von Edre und Anstand sein kann. Es ist mein glühendster Wunsch, den ich' mit ins Grab nehmen will, daß De« Ischl and und sein armes verblendetes Volk eines Tages frei von allen Binden, die ihm jetzt die Sehkraft feiner Augen verhüllen, aufs neue und für immer z« Macht und Blüte gelangen möge, besser an Art wie die vergangene, unvergänglich an Dauer und Wert. geJ Maximilian Spaeth. Ist anzunrhmen, daß di« deutsch« Jugend über die ungeheuerliche Ungerechtigkeit, die sie heute tausendfach gegenüber jüdischen Kameraden übt, doch einmal zur Besinnung kommen wird? Jüdische Heimkncger im besten Sinne des Wortes. Es dürfte bekannt sein, daß jüdische Chemiker durch ihre wissenschaftlichen Arbeiten und Neuentdeckungen im besten Sinne dem Vaterlande gedient haben. Prof. Herber gelang es, den Stickstoff aus der Luft zu erzeugen und uns somit von der bitteren Notwendigkeit, ihn einzuführen, die zugleich eine Unmöglichkeit war, zu bewahren. Die Rohstoff-Versorgung, mit den zur Kriegsführung unbedingt notwendigen Stoffen drohte schon, in den ersten Wochen des Krieges katastrophal zu versagen, als es dem Organisationstalent eines Walter Rathenau gelang, hier segensreich Wandel zu schaffen. Die jüdischen Professoren Frank und Caro erzeugten ans der Lust Kalkstickstoff zur Rettung der Landwirtschaft. Der JudeProsefforNeuberg erfand Ersatz für Glyzerin zur Kriegsfortführung und für Heilzwecke. Der Jude Professor Wassermann wirkte hervorragend als BekLmpfer von Wundstarrkrampf und Seuchen. Der jüdische Kaufmann Koppel stiftete das Kaifer- WiLhelm-Hans für Kriegsbeschädigte. Isaak Löwenthal - Anno 13 Anno 13. Im Kolberger Jägerregiment, Wie schwer^ von der Mutter, vom Lieb sich auch trennt. Eie kamen alle dazumal. Und einer hieß Isaak Löwenthal. Eie hängten sich an den Namen mit Spott: „Ein schöner Name! Wahrhaftig! bei Gott! Einst grüßt ihn Odin in Walhalls Saal: Willkommen, Held Isaak Löwenthal!" Das wurmt ihn, und als sie das erst entdeckt. Da ward er nur desto mehr geneckt. Er gab's ihnen wieder, er war nicht faul: „Schab, daß dein Verstand nickt so groß wie dein Maul." Da forderten sie ihn mit Schimpf und Hohn. „Ein andermal,/Jungens, ich stelle mich schon. Wir zogen für so was doch nicht in den Krieg." «Du bist ein Feigling!" — Er hört' es und schwieg. Und em Tag kam, und ringsum das feindliche Korps. Der Hauptmann rief: Freiwillige vor! Und Löwenthal stellr sich als erster voran. „Wer je mich gefordert, Mann für Mann, Heut fordre ich ihn. Nun, Brüder, drauf! Mir nach!" — Da stürzt er mitten im Lauf. Sie setzten aufs Grab ihm «in schlichtes Mal: „Wir folgen dir, Isaak Löwenthal." z. LSwenberK. Druck: Georg Marcus, Berlin Er, Stralauer Sir, 3-6,

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