Wissen und Waffen
- Journal
- Wissen und Waffen
- Volume
- [1. Folge] (1924)
- Issue
- 5 (24.4.1924)
- Date
- 1924-04-24
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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18 * germanischen Metall für feine Ausgestaltung einige Prrzent Israel beizusetzen waren." (Dies der Kommentar zum Ausspruch vom „Ferment -des Kosmopolitismus".) Die Gesamtanschauung Mommsens über den Antisemitismus erhellt aus seiner Aeußerung zu Hermann Bahr (1894): „Kanaille bleibt Kanaille, und der Antisemitismus ist die Gesinnung der Kanaille." 7. Nietzsche. Auch Nietzsche wird von den Antisemiten gern für ihre Zwecke reklamiert. Seine Stellung zum Antisemitismus kennzeichnet er unzweideutig in dem Brief an seine Schwester Elisabeth aus Nizza vom 26. Dezember 1887: „Weißt du, mein gutes Lama, es ist eine Ehrensache für mich, nach Seiten des Antisemitismus hin absolut reinlich und unzweideutig zu sein — nämlich ablehnend, wie ich es in meinen Schriften tue. Man hat mich in den letzten Zeiten mit Briefen und antisemitischen Korrespondenzblättern heimgesucht; mein Widerwille vor dieser Partei (die gar zu gern ihren Vorteil von meinem Namen haben möchte) ist so ausgesprochen wie möglich, aber die Verwandtschaft mit Förster, ebenso wie die Nachwirkung meines ehemaligen antisemitischen Verlegers Schweitzer bringen immer wieder die Anhänger dieser unangenehmen Partei aus die Vorstellung, ich müsse wohl zu ihnen gehören. Daß in jedem antisemitischen K'orrespondenzblatt der Name „Zarathustra" gebraucht wird, hat intcf> schon mehrere Male beinahe krank gemacht." Wie man, wenn man der antisemitischen Methode folgt, Kronzeugen für jene Art von Weltaufsassung schaffen kann, beweisen folgende Möglichkeiten, Goethe zu verdammen oder als Beweis in Anspruch zu nehmen: Der ..uuheldische" Goethe: „Ter Krieg ist in Wahrheit eine Krankheit, in der die Säfte, die zur Gesundheit und Erhaltung dienen, nur verwendet werden, um ein Fremdes, der Natur Ungemäßes zu nähren." Der „internationale" Goethe: „Es ist mit dem Nationalhaß ein eigen Ding. Aus den untersten stufen der Kultur wird mau ihn inrmer am stärksten und heftigsten finden. Es gibt aber eine Stufe, wo er ganz verschwindet und wo man gewissermaßen über den Nationen steht, und man ein Glück oder Wehe seines Nachbarvolkes empfindet, als wäre es dem eigenen begegnet." Solches Ist möglich, wenn man zusammenhanglos zitiert. Deutsch-jü-ische Kulturarbeit. Friedrich Nietzsche: „Ich habe an zuständiger Stelle den Vorschlag gemacht, ein sorgfältiges' Verzeichnis der Gelehrten, Künstler, Schriftsteller und Virtuosen Deutschlands von ganz oder halbjüdischer Abstammung herzustellen. Das gäbe einen Beitrag zur Geschichte der deutschen Kultur, vor allem zur Kritik derselben." TH. Fonta ne: „Ich habe e insehen müssen, daß uns alle Frei-, heit und feinere Kultur, wenigstens hier in Berlin, vorwiegend durch die reiche Judenschast vermittelt wird." Wilhelm Schäfer („Der deutsche Gott. Fünf Briefe an mein Volk"): „Die Wahrheit ist die, daß die deutschen Juden sichtbar geholfen haben, den Lebensboden der Bildung überhaupt wieder zu lockern. Ohne sie hätten wir anfangs! des Zwanzigsten Jahrhunderts kaum noch von eineur geistigen Leben in Deutschland sprechen können. . . In jüdischen Häusern, mehr als sonst, wird gute Musik gemacht, in jüdischen Häusern, mehr als sonst, werden gute Bücher gelesen: was einmal den Ruhm der Nahet ausmachte, wurde Lebensstil in jüdischen Häusern! Gegenwärtig ist die Pflege des geistigen Lebens in Deutschland, d. h. der Widerhall dessen, um was sich Kunst und Wissenschaft bemühen, zu einen: beträchtlichen Teil in jüdischen Händen, so daß es manchmal aussieht, als wollte das deutsche Volk diesen ihm unwichtigen Teil seines Daseins den Juden überlassen." Ueber t e ch n i s ch e Leistungen: ' Professor Slaby, Vertreter der deutschen Ingenieure, zu E m i. l Rathenaus 70. Geburtstag: „Es war ein großes Glück für die deutsche Elektrotechnik, daß ihr neben Werner v. Siemens ein Mann erstand . . mit ihm den gleichen Zielen zustrebte . . . Ihm allein gebührt! der Ruhm für den Vorsprung, den damals die Elektrotechnik gewann, und der von Rheinfelden bis zu den Viktoriafällen in Afrika seine wirtschaftliche Bedeutung behalten hat." Geheimer Negierungsrat Professor Dr. P s ch o r r, Rektor der Technischen Hochschule Charlottenburg (Nektoratsrede 1. Juni 1920 „U e b e r die ch e m t s ch e F o r s ch! u n g im D i e n st e d e s Baterlande s"): Hervorgehoben werden neben christlichen Forschern Haber, Neüberg, Willstätter. lieber Haber: „Die erste Stelle unter den Neuerungen aus chemischem Gebiet nimmt unzweifelhaft die Nutzbarmachung des Luststickstosses! durch die Ammoniaksynthese von Haber ein. Ihre Bedeutung steht uns klar vor Augen, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß wir ihr nahezu ausschließlich die 'gesamte Deckun!g unseres ungeheuren Bedarfs an Explosivstoffen während des Krieges verdanken. Dazu Unabhängigkeit vom Aus*- lande in der Gewinnung von Salpetersäure und ihrer für Industrie und Landwirtschaft unentbehrlichen Verbindungen und Salze." (Zitat aus der „Chemischen Zeitung", Cöthen.) Der wert -es israelitischen prophetismüs. Ueber den Wert des israelitnschen Prophetismus für die geistige Entwicklung £>*61' Menschheit, geben folgende Aeußerungen Kunde:! Caspar: („Die israelitischen Propheten", Leipzig 1914): „Des Propheten Forderungen aber bestimmt nicht der Tag und die Zeit.- noch so klug beurteilt, sondern im Wechsel des Tages will er ein« religiös-sittliche -Grundgesinnung ausrech terhalten; die Tagesfragen stellen dann der Anwendung der Gesinnung ihre Ausgaben." ' Kleinert („Die Propheten Israels in sozialer Beziehung",. Leipzig 1905): „Das jene Männer (die Prophieten) nicht bloß mit «der Art, wie sie die Religion Gottes ihrer Gegenwart vorgelebt haben, sondern auch mit den unter dieser Gegenwart geborenen Erkenntnissen Wegweiser der Zukunft geworden und geblieben sind, ist wesentlich mitbegründet in der bedingungslosen Energie, mit der sie die sittlichen Kräfte der Religion als richtende, reinigende und erneuernde Gewalten im Gemeinschaftsleben des Volkes zur 'Geltung gebracht haben: in ihrer sozialen Wirksamkeit." E d. K ö n i g („Das a-l'ttffkaimentliche ProphetenlMn", Gütersloh 1910, .vorwiegend polemisch): „Folglich spricht das ganz überwältigende Zeugnis der hebräischen Quellen dafür, daß die wahre Religion Israels schon von ihrem Ursprung an ihr Echo in einem Prophetentum gefunden hat."-„Für die ersten Propheten der Hebräer siel alles Tun unter den r e l i g i ö s - m o r a l i sch e n Gesichtsp u u k t." N i e h m („Alttestamentliche Theologie" — bei Ed. König zitiert): „Der alttestamentlche Prophetismus ist durchaus religiössittlichen Zwecken dienstbar."-„Der alttestamentliche Prophetismns hat u nive r s a l i st i s ch die höchsten Interessen der ganzen Menschheit im Auge." Coruill („Israelitische Volksreligion und die Propheten" in „Das Christentum", Leipzig 1908): „Schöpferisch ist Jeremia gerade in der Hauptsache, dem Wesen der Religion. Er zuerst hat die Religion mit völliger Klarheit von allem Aeußerlichen und Materiellen losgelöst und sie auf rein geistiges ' Fundament gestellt." -„Jeder Mensch als solcher ist dazu geboren, ein Kind Gottes zu sein: er wird es durch wahre Frömmigkeit, welche an kein Bekenntnis und keine Nationalität gebunden ist. Der Idealismus und' der Universalismus der Religion, und vor allem der Individualismus der Religion, ein Persönliches Herzensverhältnis des Individuums zu Gott, das sind die geistigen Errungenschaften Jeremias." Coruill („Theologie", Leipzig 1911): „Besonders die Propheten sind es gewesen, die die Religion der Israeliten auf eine höherer Stifte hinausgehoben haben."'-„Sie haben die Stammesreligion der Israeliten erst zu einer sittlichen Religion gemacht."-„Ihr Gott fragt nicht, ob jemand Israelit ist oder nicht — ihr Gott w i l l n u r eins v o n d e n M e n s ch en: r e i n e H ü nd e und reine H erzen! D a mit, d >a ß d i e s e große s i t t l i ch & F o x b e r u n g i m m t r wieder a l s di e e i ne- Hauptfach e Herausg eh o b e n wird, haben dre P r o ph eten zue r st Gott als eine n s i t t l i ch e n G o t t e r k a n n t u n d d as re -l i g i ö s e D c u f e n b e r M e n s ch e n a u s e i n h ö h eres Niveau e r h o b e n." H e r m amt Gunkel (in „Kultur der Gegenwart", israelitische Literatur, Berlin und Leipzig 1906): „Sie (die Propheten) verdammen Israel zum Untergang, weil es Jahves Willen nicht erfüllt. Was aber Jahves Willen sei, darüber befinden sie sich im stärksten' Gegensatz zu ihren Zeitgenossen: diese glauben nach antiker Art, daß Religion im Darbringen von Opfern und Vollziehen von Zeremonien bestehe: die Propheten 'aber verkünden mit Macht, daß Jahve soziale Gerechtigkeit und gläubiges Vertrauen verlangt." Nietzsche über das „Alte Testament“. Im jüdischen „Alten Testament“, dem Buche von der göttlichen Gerechtigkeit, gibt es Menschen, Dinge und Reden in einem so grossen Stile, dass das griechische und indische Schrifttum ihm nichts zur Seite zu stellen hat. Man steht mit Schrecken und Ehrfurcht vor diesen ungeheuren Ueberbleibseln dessen, was der Mensch einstmals war, und wird dabei über das alte Asien und sein vorgeschobenes Halbinselchen Europa, das durchaus gegen Asien den „Fortschritt des Menschen“ bedeuten möchte, seine traurigen Gedanken haben . . . Friedrich Nietzsche: „Jenseits von Gut und Böse*, alte Auflage, S. 68. Leipzig, Neumann, 1891.