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Central-Verein-Zeitung · 1924-04-24 · 17 (24.4.1924) · p. Seite 221

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
17 (24.4.1924)
Date
1924-04-24
Page
Seite 221 (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 10 Golöpfennlg Wöller sürSrulsckl mit Serlin, 24. ^pril 1924 HI. Jahrgang ♦ Nr. 17 M MW'„Wen unMOaflen" vryan des LntrolVerems deutsrker. Stmttsdüryer jüdstcken ManVenSS» S^U^srnsins Zeirun{£ des Judenrums Verlag u. Schriftleitung: Eentral-verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.V. Gerlin SÜ)b8, Lindenslr.13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3S$@k Telegrammadreffe: „Centralglauben Berlin" Postscheckkonto: Berlin 30472 BaEbnto: t^eSdner Bank, Wechselstube <3, Berlin SW 68, Lindenstr. 7 , M o o^nemeM, (ein vierieljähr li ches gibt es vorläufig nicht) 40 Goldpfennlg Alleinige Anzeigenannahn editilDMudolf Mosse, Berlin 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 6,75 Goldmark für die 7 gespaltene _ _ . ... _ Zeile nach Rudolf MoMMormalzKMMfferME^, Familienanzeigen und Stellengesuche für Lititglieder des Central-Vereins 0,46 Goldmark, die 90 mm ~ breite Reklamezeile 4 Goldmark. Der Schicksalstag -es 4. Mai. von De. Druno Weil. Wir brauchen den deutschen Juden nicht klar zu machen, daß es sich bei den Reichstagswahlen am 4. Mai für sie um ein Politis ch es Ereignis allererster Größe handelt, um ein Ereignis, das geeignet ist, auf die künftige staatsbürgerliche Stellung der deutschen Juden in hervorragendem Maße einzuwirken. Die Reichstagswahlen haben im parlamentarischen Volksstaat gegenüber den früheren Wahlen eine stark gehobene Bedeutung dadurch, daß der Negierungskurs von der jeweils vorhandenen Mehrheit bestimmt wird. Im alten Reich konnten Aenderungen der Parlamentarischen Mehrheit wohl auf den Lauf der Gesetzgebung bestimmend einwirken; die Bildung der Regierung Web ein Vorrecht der Krönender Reichstag konnte eine ihm passende Regierung zum Rücktritt nicht zwingen, noch weniger über eine neue Regierung nach seinen Wünschen oder nach den in ihm herrschenden Mehrheitsverhältnis an das Ruder bringen. Die st a r k e S t a a t s g e w a l t, die im alten Reich vorhanden war, hatte ein Interesse daran und sorgte auch mit' kräftiger Faust dafür, daß Störungen der Ordnung nicht stattfanden. Denn sie leitete ihre Macht aus der Aufrechterhaltung der bestehenden Ordnung her. Sie war daher —• mochte sie im Grunde noch so wenig judensreundlich, und mochten antisemitische Anwandlungen bei, manchen ihrer Mitglieder „vorhanden sein — n iemals bereits Bewegun gen , zu, fördern, die zu offenen Volksaufständen führen mußten,- oder ein politisches Programm zu übernehmen, das. eine offene Kampfansage gegen einen nicht unbeträchtlichen, ordnungsliebenden Teil ihrer Bevölkerung darstellte. Die Frage einer Furückschraubung der bürgerlichen Rechte der deutschen Juden ist daher, solange das Kaiserreich bestanden hat, in mancher Versammlung ' leidenschaftlich debattiert, von einzelnen politischen Parteien auch programmatisch -übernommen, -aber niemals von irgendeiner der wechselnden Reichsregierungen im Ernste ausgenommen oder vertreten worden. . ' ■ - Heute liegen diese Dinge anders. - D ie R e g i e r u n g ist n u r d e r Ausdruck d e s W i l l e n s der M e h r h e i t. Ihr Bleiben ist bedingt von dem Vertrauen der Mehrheit des Parlaments. Wird ihr dieses Vertrauen versagt, so muß sie gehen, gnd auf die Bildung jeder neuen Regierung wirken die Parteien in bestimmender Weise mit ein. t -In den gegenwärtigen Wahlkämpf ziehen die Parteien der Rechten und die völkischen -Gruppen mit einem offen antisemitischen Programm. Ein Sieg dieser Gruppen würde.die staatsbürgerlichen Rechtes die wir uns in langer Arbeit mühsam errungen haben, aufs ernsthafteste bedrohen. Diese 'Parteien könnten, in die Regierung gelangt, oder auch nur zur enrscheidenden Mitbildung bei der Regierung berufen, ihr antisemitisches Programm in seinem weiten Umfange - von heute auf morgen freilich nicht verwirklichen. Aber wir haben in diesen Dingen eine zu bittere . Erfahrung, um nicht zu wissen, daß auch bei gloichbleibenden Verfassungsbuchstaben vieles zu unfern Ungunsten gedeutet und beschlossen werden kann. Man braucht nicht einmal soweit zu gehen, daß man an eine gesetzliche Aufhebung -der staatsbürgerlichen Gleichheit der Juden im ersten Anlauf denkt. Ich für meinen Teil halte diese Gefahr für nicht sehr groß; denn schließlich leben auch die Deutschvölkischen nicht auf einer einsamen Insel, auf der sie, ganz unabhängig von der übrigen Welt, ihr Haus zimmern könnten. In einer verantwortlichen Regierung müßten auch sie daran Lenken, daß das Schicksal Deutschlands zu einem nicht unerheblichen Teil von der Gruppierung der Mächte und von der Stellung der Nationen, die ringsum leben, abhängt. Jeder Versuch der offenen Rückwärtsrevidierung staatsbürgerlicher Rechte eines Bevölkerungsteils — mag es sich dabei um die Juden oder sonstwen handeln — würde zu einem moralischen Protest der gesamten Welt und zu einer ethischen Isolierung Deutschlands führen. Groß-Berliner Mitglieder! Sonntag, den 22. April , 11 Llhr Vorm. 9 große Versammlungen DerSchicksalsiag des 4. Rai Ein jeder muß erscheinen!

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