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Wissen und Waffen · 1924-04-17 · 4 (17.4.1924) · p. Seite 13

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Journal
Wissen und Waffen
Volume
[1. Folge] (1924)
Issue
4 (17.4.1924)
Date
1924-04-17
Page
Seite 13 (sequence 1)
Language
German
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Wissen und Waffen SSA Tatsachen für den Wahlkampf. &41M4 was die Juden für die deutsche Kultur geleistet haben. 1. Die Bibel. Sie ist -die Erzieherin des deutschen Volkes -zur Religiosität, Trösterin in allen Lebensnöten, Anregerin der größten Künstler — Dichter, Musiker, Maler — von der ältesten b-is zur neuesten Zeit. E. M. Arndt („Versuch in vergleichender Völkergeschichte"): '„Diese Bücher des Alten Testaments, was für ein Weltbuch sind sie, man möchte sagen, ein ewiges Lebensbuch für alle Zeiten und Geschlechter. Dem evangelischen Bürger und Bauern, dem Norddeutschen, dem Württemberger, Schweizer, Schweden, Engländer, welche reiche Lehre ist ihm in diesem Buche, das er in seiner Muttersprache lesen darf, geöffnet und dargeboten." Professor Nieberg all (Marburg) („Kölnische Zeitung" vom 20. Juni 1920): „Eine große men schh ertliche Linie gibt es, es ist die Achse der Weltgeschichte. Sie geht von Mose zu Jesaja, von ihm zu Jesus, von diesem über Paulus zu Augustin, dann über Luther zu Kant und Schleiermacher hinein . . . Niemand kann die Gegenwart verstehen und würdigen, ohne diese weltgeschichtliche Linie zu kennen." 2. Baruch Spinoza (1632—1677) ist der Zweite große Anreger aus der Vergangenheit. Größter jüdischer Denker der Neuzeit, einer der grüßten aller Zeiten, Einfluß auf das gesamte abendländische Denken, also auch auf das deutsche: Leibniz, Wolfs, Schelling, den Monismus, Lessing und vor allem auf Goethe und Schleiermacher. Goethe („Aus meinem Leben", 3. Teil, 14. Buch) gesteht: „Was ich mir aus dem Werke (Ethik) mag herausgelesen haben, davon wüßte ich keine Rechenschaft zu geben, genug, ich fand hier eine Beruhigung meiner Leidenschaften, es schien sich wir eine große und freie Aussicht über die sinnliche und sittliche Welt aufzutun. Was mich aber besonders an ihm fesselte, war die grenzenlose Uneigennützigkeit, die aus jedem Satze hervorleuchtete... die alles ausgleichende Ruhe Spinozas 'kontrastierte mit meinem alles aufregenden Streben . . . und eben jene geregelte Behandlungsart, die man sittlichen Gegenständen nicht angemessen finden wollte, inacht mich zu seinem leidenschaftlichen Schüler, zu seinem entschiedensten Verehrer . . S ch l e i e r m a ch e r („Reden über die Religion") erklärt: „Opfert mit mir ehrerbietig eine Locke den Manen des heiligen verstoßenen Spinoza! Ihn durchdrang der hohe Weltgeist, das Unendliche war sein Anfang und Ende, das Universum seine einzige und ewige Liebe, in heiliger Unschuld und tiefer Demut spiegelte er sich in der ewigen Welt und sah' .zu, wie auch er ihr .liebenswürdigster Spiegel war; voller Religion war er und voll heiligen Geistes, und darum steht er auch allein und unerreicht, Meister in feiner Kunst, aber erhaben über die profane Zunft, ohne Jünger und ohne Bürgerrecht." Im Mittelalter ist der deutschen Wissenschaft die gesamte mittelalterliche Geistesarbeit der Juden zugute gekommen. Darüber Professor I. M. Schleiden (der berühmte Botaniker in „Die Bedeutung der Juden für Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaften im Mittelalter"): „Wir haben gesehen, daß 'sie in ununterbrochener Geistesarbeit jedes Gebiet der Wissenschaften anbauen, fortbilden und den am Ende des Mittelalters endlich erwachenden Nationen überliefern. Sie sind die Begründer wiffenschastlicher Sprachkunde, sie sind die einzigen, welche eine eindringende und allein fruchtbare Kenntms der heiligen Schriften erhalten und fördern, weil sie füo: viele Jahrhunderte die einZigen sind, welche die Kenntnis der morgenländischen (zum Teil selbst der griechischen) und der abendländischen Sprachen in sich vereinigen; sie waren die einzigen, bei welchen die freie Entwicklung der Gedankenarbeit in Philosophie und besonders Religionsphi.loso.phie Raum findet; welche die Ethik in einer Weise ansbauen, wie kein anderes Volk... Mit Recht sagt Ribeira de Santos: Wir verdanken den Juden größtenteils die ersten Kenntnisse der Philosophie, der Botanik, der Medizin, der Astronomie und Kosmographie, sowie die Elemente der Grammatik und der heiligen Sprachen, sowie fast alle Studien der biblischen Literatur." 3. Inden rmd JndenMmmUnge aus der neueren und neuesten Zeit, a) Wissenschaft: ' GhiLosvphen: Salomon Maimon (Kant: „Von allen meinen Gegnern hat mich keiner so verstanden wie er"); Moritz Lazarus, H. S t e i n t h a l, Begründer der Völkerpsychologie und Sprachforscher; H e r m a n n C o h e n, Kant^Forscher, Begründer der „Marburger Schule"; G e o r g S i m m el, Franz O P P-e n - H elmer und Gump-lowicz, Soziologen; Max Dessoir, Edmund Hufserl, Karl Joel, Jonas Cohn, Otto Liebmann, Wilhelm Jerusalem, Adolf und Georg Lasson, Hugo Münsterberg, Ernst Cafsierer; Max B e r n h e i m, Ge schickst s ph ilo so pH,; Emil Lask; Heinrich Gompertz, einer der besten Kenner der griechischen Philosophie; William Stern, führender Psychologe; Rudolf Eisler, Verfasser der weitbekannten philosophischen Wörterbücher. (Max Scheler, der führende katholische Philosoph, ist Halbjude.) Sprach- und Kiteraturforscher: Julius O p p e r t, Keilschriftforscher; Theodor Benfey und Th. Goldstück er, Sanskritforfcher; D. H. Müller und Ignatz Goldziher, Arabisten; letzterer bedeutendster I slamforscher und Kenner der arabischen Philosophie; M. S t e i n 1 ch n e i d e r, Hebraist; Mark Lidzarski, phönizische Philologie; Georg Steindorf, koptische Sprache; Karl Wolsskehl, altgermanische Sprache; Jacob Bernays, Griechisch; Will). Freund, Uebersetzer griechischer und römischer Schulklafsiker; Daniel Sanders, Verfasser des berühmten Wörterbuches der deutschen Sprache; Fritz M a u t h n e r, Sprachphilosoph. Bedeutende Goethe-Biographien sin von Juden geschrieben worden, wie die von R. M. Meyer (preisgekrönt), Bielschowski (28. Ausl.), Simmel und Gundolf (Gundelfing-er); letzterer nncT) bedeutender Shakespeare- Forscher. lieber Gundolfs Werl: „Shakespeare und der deutsche Geist" urteilt die „Deutsche Tageszeitung" (1. Juli 1911 — wahrschoinlich im Unkenntnis der Tatsache, daß Gundolf Jude ist): „Ein reiner geschichtlicher Geist weht durch das Ganze, eine tiefe demütige Ehrfurcht vor allem Großen und Schönen, ein seltener Adel der Gesinnung, Aristokratie der Seele und des Verstandes. Wir haben wieder ein Meisterwerk deutschen Geistes erhalten." Naturwissenschaftler: Theophil Nies, erstes jüdisches Mitglied der preußischen Akademie der Wissenschaften; Ferd. C o h n, Bakteriologe; Aschers o n, S a ch s und P r i n g s h e i m , Botaniker, letzterer Entdecker der Sexualität der Pflanzen; Viktor Meyer, Millstätter (Ritter des Pour k> merite) und Liebreich, Chemiker, letzterer Entdecker von Farbstoffen; ferner Marburg, Weigert, Haber (Nobelpreisträger, Direktor ' des Karser-Wilhelm-Justituts in Dahlem), F r a n k und Caro, Erfinder der Stickstofserzeugung aus der Lust; N e u b e r g , Geograph; Heinrich Hertz, bahnbrechender Erforscher der Elektrizität; Gold stein, Entdecker der Kathodenstrahlen (Vorarbeiter sür Röntgen); Hermann Aron, Erfinder des Elektrizitätözählers; Albert Einstci n (Nobelpreisträger), schon vor Aufstellung der Relativitätstheorie Physiker von Weltruf. Mathematiker: Georg und Moritz Kantor, K ö n i g s b e r g e r , F u ch s, S ch ö n f l i e ß , Hausdorff, M i n k o w s k y , K r o u - e ck e r, Ros a n e s. Mediziner: Jakob Henle, Anatom und Pathologe, einer der größten medizinischen Forscher im 19. Jahrhundert; Weigert, des gl.; Ludwig Traube, Begründer der experimentellen Pathologie, Lehrer der modernen Untersuchungsmethoden: EManuel Mendel, Remak, Nomberg, Winternitz. Freud, Nervenheilkunde; He r m a n n C o h n , L i e b re i ch und H i r s ch b e r g, Augenheilkunde; H e n o ch, Begründer der modernen Kinderheilkunde; Albert Frankel, Entdecker des Erregers der Lnngenentzi'mdunc\;; Benedikt Stilling, Erfinder der Gefäßunterbindung bei Blutungen; der Kliniker H e r m a n n S e n at o r , der Chirurg James Israel; die Dermatologenvon Weltruf: A u g u st v. Wasserman n., Hersteller des ersten Typhusserums, Entdecker der Untersuchungsmeth-ode für Syphilis; Albert Reisser, Entdecker des Leprabazillus und des Gonokokkus; Paul Ehrlich (Nobelpreisträger), Erfinder des Salvarfans; die Orthopäden Wolfs, Hoffa, Joachimst.hal; von den Jüngsten M e h e r h o f, Physiologe (Nobelpreisträger 1923). Rechts Wissenschaftler: Ed. Wolfs und Julius Stahl, Rechtsphilosophen; Iellinek und Paul Laband, Staatsrechts-

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