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Central-Verein-Zeitung · 1924-04-03 · 14 (3.4.1924) · p. Seite 166

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
14 (3.4.1924)
Date
1924-04-03
Page
Seite 166 (sequence 10)
Language
German
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166 Zum Münchener Urteil. Antworten. Das Urteil im Hitler-Prozeß ist erst nach RedaktionSschluß hier bekannt geworben. Wir können deshalb erst in der nächsten Nummer das Urteil und den Prozeß, wie wir bereits angekündigt haben, in einem Aussatz von berufener Seite würdigen. ,;."W: Die Schriftleitung. Die Stadt ohne Juden. Die Stadt ohne Juden. Ein Roman von übermorgen von Hugo B e L t a u e r. Gloriette-Verlag Wien und Leipzig. Bettauer schildert in teils ernster, teils humorvoller Weise, wie sich die Antisemiten die Austreibung der Juden denken, und wohin dieselbe führen würde. „Hinaus mit den Juden!" Ein skrupellose Hetze hat es in Oesterreich zu einem Judengesetz gebracht. Nicht nur die Juden — auch die Getauftenmüssen das Land verlassen und alle die Vielen, deren Blut als nicht rein arisch sich erweist. Anfänglich herrscht heller Jubel in der zurückgebliebenen, ganz rassereinen Bevölkerung. Aber allmählich macht sich Enttäuschung und Erbitterung geltend. Es ist ohne Juden auch nicht besser, im Gegenteil schlechter. So bereitet. langsam sich in Wien in weiten Kreisen ein Umschwung vor. Neuwahlen bringen eine antivölkisch zusammengesetzte Mehrheit und schließlich die Aufhebung des Ausweisungsgesetzes und die Rückkehr der Juden. — In die Darstellung verflochten ist ein Liebesroman zwischen einem jüdischen Wiener Künstler und seiner christlichen Lotte, die ihm die Treue hält, auch während er im Ausland weilt, bis er, von Sehnsucht gepeinigt, heimlich, unerkannt nach Wien zu seiner Verlobten eilt und nun dort mit aller Kraft für den erwähnten politischen Umschwung sich betätigt. Was Bettauer hier in lebhaften Farben an die Wand malt, dürste nicht nur für Wien, sondern auch für uns näherliegende Verhältnisse zutresfen und viele nachdenklich stimmen! 1. Frankfurt a. Main. Die Kartonagenfabrik G. u. F. Giesen) etter, Itthxkber H. Hennig, Frankfurt <t. Main, Niddastraße 64, hat einen sch-on gegebenen Auftrag an eine Firma streichen lassen, als sie erfuhr, baß es sich um ein jüdisches Unternehmen handele. Sie erklärte dabei, -daß sie Juden zwar nichts abkaufe, wohl aber an Juden verkaufe! > ' Nach« Gelnhausen. Wenn Herr Körner, in Firma Bereinigte Stempelfabriken I. Bergeon u. Jos. Kreut er, G e Inh <ru f e n-^ G i e ßeir, in öffentlicher Versammlung erklärt hat, „man solle die Juden nicht verachten, aber auch nicht beachten und boykottieren", so wird er wohl mit gutem Beispiel vorangehen und Aufträge von Mischjen Porzellanfabriken in Zukunft ablchnen, R. F., Oevnhaufen. Wir stellen gern fest, daß das Kaiserhaus Bad Oeynhausen seinen Besitzer gewechselt hat und nun nicht mehr als antisemitisch zu bezeichnen ist. / Nach München. Daß die Völkischen noch immer weiter behaupten, Gabriele d'Annunziv sei Jude, so z. B. in der Münchener „Eroßdeutschen Zeitung vom 18. März 1924, nimmt nicht weiter wunder. Wenn sie es fertig bekommen, aus einem Mussolini einen oftsüdifchen Mausel zu machen, so ist es wohl noch leichter, d'Annunzios altitalienischles christliches Geschlecht R a p a g n e t t a in R a p p a p o r L umzudeutschen. M. N., Düsseldorf. Wie Sie uns Mitteilen, lehnt Herr Heinrich Rosiepe, Großhändler in Kartoffeln, Zwiebeln, Gemüse usw., aus Essen es unbedingt ab „einer Vereinigung anzugehören, in der Juden Mitglieder sind oder wie in diesem Falle gar Ehrenposten bekleiden". Wahrscheinlich hat er die größten Kartoffeln! R. SW., Hamburg. In Hamburg will ein Ausschuß bedeutender Männer aller Richtungen eine Lheistische Gesellschaft gründen, um die Menschheit und Las durch den Krieg zerrüttete Vaterland vom Materialistischen Atheismus zu befreien und wieder aufzubauen. Daß sich an dieser Gründung auch mehrere Juden beteiligen, beweist wieder einmal, daß sie, denen immer nur materieller Geist nachgef-aigt wird, niemals dort fehlen, wo es sich um die Erhaltung wahrhaft idealer Ziele handelt. II K O P E HABEN . WE LT RUF Humor im Kampf. Newton. In Berliner Journalistenkreisen erinnert man sich noch des verstorbenen Berichterstatters Friedländer, der an einem für seinen Beruf wenig passenden Uebel litt: Er war nämlich schwerhörig. Das führte oft zu unliebsamen Jrrtümern in seinen Berichten. So begann einmal ein Reichstagsredner eine wohlgefügte Rede mit den Worten: „Seit Newton (sprich: Njuten) die Fallgesehe erfunden hat". Selbst in der antisemitischen Presse war daraus zu lesen: „Seit die Juden die Fallgesetze erfunden haben". Astronomie. „Ich sage, Professor, weg. mit die verjudete Astronomie, lauter Abendsterns, Morgensterns, SLeinbocks, und per jroße und der kteene Bar." — (Aachen links".), iSTSÄf® „Sötar Stoffwechsel-Tabletten. tzotel Adler / Leopold Adler Telephon 31 JtOUfjCilU Fürstenslr. 17-14 unter Aufsicht Seiner Ehrwürden, Rabbiner Herrn Or. Hirschfeld, Gießen. Eröffnet am 1. April. 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