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Central-Verein-Zeitung · 1924-04-10 · 15 (10.4.1924) · p. Seite 177

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
15 (10.4.1924)
Date
1924-04-10
Page
Seite 177 (sequence 1)
Language
German
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NÄ«Wt^SR'KÄMWlvNMM«WMLM VMter sürSLutsrlümu Serlin, 10. -lpkil 1924 HI. Jahrgang > Nr. iS Einzelnummer 10 GolSpfennig vryanbes ffentaö-Vmios -eulscker M Wsge Jiflftn MS Wen Verlag u. Schriftleitung: Fernsprecher: Amt Dön m Alleinige Anzeigenannähme: ÄMoücen- Expeh § eil e na^MdolfKl offagj ^ßmalzeilenm ejje# ÄUjJemeine Zeitung des Cudentums rein deutscher Staatsbürger jüöischen Glaubens e.V. Gerlin SM 68, Linöenftr» 13 Telegrammadresse: „Centralglauben Berlin" Postscheckkonto: Berlin 30472 esdner Bank, Wechselstube G, Berlin SW 68, Lindenstr. 7 <ei n. vi erleljähr liches gibt es vorläufig nicht) 40 Goldpfennlg Rudolf Mosfe, Berlin 8^19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,75 Goldmark für die 7 gespaltene r. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins 0,40 Goldmark, die 90 mm breite Reklamezeile 4 Gold mark. - er Hauptversammlung Zum Gruß! Beim Erscheinen dieser Nummer rüsten wir uns zur Hauptversammlung. In ernster und bedeutungsvoller Zeit Kalten wir unsere Tagung ab. ES ist das Bedenken ausgetaucht, ob eS richtig war, unsere Einladung aufrecht zu erhalten, obwohl unsere Tagung mitten in dm Wahlkampf fällt. Wir hielten uns verpflichtet, bei der Einberufung der Hauptversammlung zu verbleiben, und von allen Seiten ist uns Zustimmung geworden. Gerade in der Zeit des Wahlkampfes, in welchem die Leidenschaften aufs höchste gesteigert werden, ist es gut, zusammenzutreten, um in gemeinsamer Aussprache und Stellungnahme über die Tageserlebnisse hinaus die Möglichkeit zu gewinnen, die Dinge unter den hohen Gesichtspunkten zu betrachten, die als wertvollstes Erbe — in heutiger Zeit vielleicht als das einzig wertvolle Erbe — von unseren Vätern auf uns gekommen sind. Der echte Jude, insbesondere der echte deutsche Jude hat stets sein Leben unter Ewigkeitsgesichtspunkten eingestellt. Er hat diese Betrachtung auch im Anblick seiner eigenen Leiden nie verloren. Er hat seinen Kampf stets als einen Kulturkampf im höchsten Sinne des Wortes aufgefaßt. So nur hat er seine ewigen Leiden überdauern können und wird sie überdauern, auch wenn eine Welt gegen ihn wäre. Wer nicht so eingestellt ist, ist kein echter deutscher Jude. Jeder pflichtbewußte deutsche Jude weiß, welche Pflichten das Schicksal unseres gequälten deutschen Vaterlandes, mit dem wir nach den Worten unseres Heimgegangenen Führers Eugen Fuchs „unlösbar verbunden sind", ihm auferlegt. Mer dieser Pflicht sich nicht bewußt ist und nicht dementsprechend handelt, gehört nicht zu uns. . Treu unserem Deutschtum und ebenso treu unserem Judentum, lassen wir uns die Liebe zu unserer deutschen Heimat durch keinen Hasser rauben, der deutschen Heimat, die zum größten Teil uns schon zu eigen war, als die Vorfahren manches, der sich jetzt als Urdeutscher gebärdet, unsere deutsche Heimat noch nicht kannten. Aber wir verbitten uns jede Verallgemeinerung, genau so wie wir uns davor hüten, Verfehlungen einzelner Kreise oder Verfehlungen einzelner zu verallgemeinern. Wir weisen nicht erst darauf hin, daß der deutsche Jude in der schweren Zeit unseres Vaterlandes seine Pflicht erfüllt hat, wir weisen nicht auf die Tausende unter unseren Glaubensbrüdern, die den Heldentod für das Vaterland gestorben sind, hin. Ihr Andenken ist uns so heilig und ihre Pflichterfüllung ist uns so selbstverständlich, daß wir die Ruhe, die ihnen nach schwerem Kampfe geworden ist, nicht stören. Wir wollen in der Verbitterung des Tageskampses nicht auch noch unsere Toten aufrusen. Wir treiben in unserer Vereinigung keine Parteipolitik. Wir kämpfen gegen den unser Vaterland schwer schädigenden Judenhaß, wo er auch immer sich geltend macht. Wir stützen nach unseren Kräften jeden, der im politischen Löben Verständnis oder doch wenigstens Unbefangenheit uns gegenüber erkennen läßt. Wir wissen nur zu gut, daß es in den verschiedensten Parteien besinnliche Naturen gibt, die das Unglück des Judenhasses erkennen, und mit denen wir zusammen arbeiten können. Wir treiben keine Geheimpolitik, wir treten offen unseren Feinden gegenüber. Unser Kanipf ist schwer, aber wir wissen, daß, wer Kulturarbeit verrichtet, auf schnellen Erfolg nicht rechnen darf. Ich berief mich oben auf das hoch gesteigerte Pflichtbewußtsein, das von unseren Ahnen her jedem echten deutschen Juden eigen ist. Jetzt, wo der Kampf in einer selbst uns in unserer Leidensgeschichte bisher kaum bekannt gewesenen Weise wütet, gilt es, in unserer Arbeit nicht zu erlahmen. Was allein an geistiger Aufklärungsarbeit in den letzten Wochen von unseren führenden Mitarbeitern geleistet worden ist, kann nur mit höchster Anerkennung genannt werden. Das Pflichtbewutztsein muß -jedem deutschen Juden gebieten, diese Arbeit durch Rat und Tat zu unterstützen.- Dazu gehört nach den leidigen Gesetzen der Welt Geld. Wer jetzt nicht opfert, versündigt sich an unserer heiligen Sache. Jeder gebe, so viel oder so wenig er kann. Jede Gabe ist ein Bekenntnis zu unserer Sache. Und dieses Bekenntnis wollen und müssen wir alle ab» 6eben. Justizrat Dr. Julius Brodnitz.

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