Wissen und Waffen
- Journal
- Wissen und Waffen
- Volume
- [1. Folge] (1924)
- Issue
- 1 (27.3.1924)
- Date
- 1924-03-27
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9054153-9548759-9548760--03-2280205- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wissen und Waffen Ä&- Tatsachen für den Wahlkampf. Ist der Bolschewismus Zü-isch^ Die Angriffsrichtung der antisemitischen Agitation geht hier nach zwei Seiten: I. Der Bolschewismus ist angeblich aus jüdischem Geiste erwachsen. II. Der Einfluß von Inden ist angeblich in der bolschewistischen Regierung ausschlaggebend. Zu I. Professor Massarhk, gegenwärtig Präsident der tschechoslowakischen Republik, erklärt in einem Werke „Rußland und Europa", daß die unvermittelte, unvorbereitete Bekanntschaft mit den radikalen deutschen Denkern wie Feuerbach, Strauß und Büchner verheerend gewirkt habe. Er sagt wörtlich: „Diese russische Krise läßt sich mit dem Zersetzungs- und Auslösnngsprozeß vergleichen, den die Naturvölker durchleben, wenn sie mit der europäischen Kultur plötzlich bekannt werden. . . Die schroffe Entheiligung des offiziellen Heiligtums, die Feuerbach für Rußland' bedeutet, ruft in Rußland ebenfalls eine Zersetzung hervor." Jüdische Schriftsteller, die die russische Aufklärungsliteratur und Gewaltpropaganda an hervorragender Stelle geschaffen, oder bei ihrer Entstehung maßgebend beeinflußt hätten, sind nicht bekannt. Dagegen ist in diesem Zusammenhang zu nennen: Alexander Herzen (Jakowlew). der Sohn eines christlichen Russen, Verehrer Hegels und Feuerbachs. In einer seiner Schriften ruft er aus: „Es lebe das Chaos! Es lebe die Vernichtung! Vive la mort! Platz der Zukunft! Wir aber wollen die Henker der Vergangenheit sein." Bielinski, der größte russische Literarhistoriker und Kritiker spricht aus, daß das glückselige Zeitalter der Menschheit durch die. Terroristen und durch das zweischneidige Schwert des Wortes und der Tat von Robsspierre und St. Inst herbeigeführt werden würde. Bakunin, der die Gewalttheorien des russischen Revolutionismus im besonderen Maße beeinflußte, war ein Mann aus russischem Adelsgeschlecht und Verehrer von Hegel und Voigt, den er persönlich kannte. . Fürst Krapotkin führt in seinen Lebenserinnerungen die Entstehung des Nihilismus vor. Er erwähnt hierbei kaum einen Inden, wohl aber nennt er unter seinen Anhängern Namen der russischen Aristokratie bis hinaus in die höchsten Kreise. Zwischen Marx und Bakunin, aber auch anderen Terroristen und Revolutionären! herrschte ein scharfer Gegensatz, weil diese die nur uMgestaktende, aber doch erhaltende RefornÄehre von Marx mit ihren zerstörenden Theorien nicht in Einklang bringen wollten. Zu II. Es ist Tatsache, daß sich eine Anzahl von Juden in führenden Stellen der ruffischen Sowjetstellen befinden. Worauf ist das zurückzuführen und wie verhalten sich die tatsächlichen Zustände mit den Beschuldigungen? Das zaristische Rußland war für die Juden die Holle, Fürsten wie Nikolaus X, den Mexan-der Herzen frei* .Dschingis- Khau mit dem Telegraphendraht" nennt, bezeichnet' ein neuerer Schriftsteller der russischen Revolution> Aldanow, als den ersten Bolschewik. Das bedeutet, daß die unerhörten Regierungsmethoden des Zaren die Radikalisierung der russischen Bevölkerung und besonders die des in noch stärkerem Maße bedrückten jüdischen Bevölkerungsteils horbeigesührt haben. Der russische Jude stand unter Ausnahmerecht. Er dürfte kein Land erwerben, mußte in AnfiedlungsrahoNK wohnen, konnte seine Kinder in der Mehrzahl' mD an heimischen Universitäten studieren lassen, weil Äie Prozentnorm dies nur wenigen ermöglichte, und lebte dazu noch in der ständigen Befürchtung, bei irgendwelchen Anlässen von der Regierung als Blitzableiter für mißglückte politische Unternehmungen und der in deren Gefolge austretenden Erregung der Bevölkerung benutzt und so ein Opfer von Pogromen zu werden. Wie es bei solchen Massenmetzeleien zuging, beschreibt der belgische katholische Proseffor Leo Errera in einem wissenschaftlichen Buche: „Mit Z an gen riß ma n d en Unglü cklich en die Zunge aus, man stach ihnen die Augen aus, man schnitt ihnen Hände, Füße, Ohren und Nase ab; diese Tatsachen sind durch den Arzt des städtischen Krankenhauses Dr. Dorojewski (Christ) bezeugt. Einem alten Inden hat man den Bauch ausgeschnitten und ihn mit Bett federn ausgestopft, nachdem man ihm die Eingew eide heran s g e n o m m e n hat te. Frauen und Kinder sind vom zweiten Stockwerk der Häuser aus die Straße unter schallendem Gelächter der anwesenden Volksmenge geschleudert worden. Junge Mädchen, ja sogar Kinder, sind geschändet worden; einige sind auf der Stelle gestorben, andere sind wahnsinnig geworden." Es ist demnach menschlich begreiflich, daß der jüdische Bürger Rußlands an der Aufrechterhaltung 'der bestehenden Zustände kein Interesse hatte und daß die junge jüdische Intelligenz, die im Allslande zu studieren gezwungen war, allen jenen Bestrebungen beitrat, die darauf abzielten, die Autokratie zll beseitigen und Rußland zu befreien und somit auch von ihren Eltern und Geschwistern die fast ständige Todesdrohung zu nehlnen und auch sich selbst Arbeitsmöglichkeit im Baterlande und Teilnahme an der Gestaltung seiner Geschicke zu erringen. Die bolschewistische Revolution ist erst durch die Unterstützung materieller und ideeller Natur möglich geworden, die den russischen Revolutionären drirch den 'deutschen Generälstab zuteil geworden ist. Der Transport der später führenden Bolschewisten, wie Lenin, im Salonwagen drirch die deutsche Regierung ist Tatsache. Als Beleg für den vorherrschenden Einfluß des jüdischen Elements in der bolschewistischen Regierung wird folgende Liste aus Henry Fords Buch „Der internationale Jude" angegeben: Rat der Volkskommissare. Kriegskommission ._.. Auswärtiges Kommiffariat . . Finanz-Kommissariat ...... Justiz-Kommissariat . Unterrichts-Kommissariat. Kommission für soziale Hilfe . . . Arbeitskommifsariat . Abgeordnete des bolsch. Roten Kreuzes in Berlin, Wien, Warschau, Budapest, Kopenhagen . ...... Provinz-Kommissare . Journalisten ......... MitgUederzahl. Juden Jüd. Prozentsatz 22 17 77 43 33 77 16 13 81 30 24 80 21 20 95 53 42 79 6 6 100 8 7 88 8 8 100 23 21 91 41 41 100 Die grundlegende Fälschung ist hierbei die Verwendung des Wortes „Komniilffar" in dem Sinne, als ob es sich bei Trägern dieses Titels stets um maßgebende Persönlichkeiten handele. Aber in Rußland führt jeder gehobenere Sowjetbeamte diesen Titel. . Zur Nachprüfung der oben abgedruckten Liste muß folgendes gesagt werden: Es gibt nur 18 russische Volkskommissare, die in ihrem Range und ihrer Betätigung den Ministerien anderer Staaten 'entsprechen. Diese '18 Volkskommissariate sind folgende: > 1. Auswärtige Angelegenheiten, 2. Krieg, 3. Marine, 4. innere Angelegenheiten, 5. Justiz, 6. Arbeit, 7. soziale Fürsorge, 8. öffentlicher Unterricht, 9. Post und Telegraph, 10. nationale Minderheiten, 11. Finanzen, 12. Verkehr, 13. Ackerbau, 14. Handel und Industrie, 15. Volkssernährnng, 16. Stäatskontrolle, 17. oberster Volkswirtschastsrat, 18. öffentliches Gesundheitswesen.