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Central-Verein-Zeitung · 1924-03-27 · 13 (27.3.1924) · p. Seite 143

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
13 (27.3.1924)
Date
1924-03-27
Page
Seite 143 (sequence 3)
Language
German
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Der Kampf gegen Iüöa, Rom un- - tzergt. Völkischer Sturmangriff auf die Deutschnationalen. Bisher war es bei den Deutschnationalen und Völkischen üblich, 'allen anderen Parteien einschließlich der Deutschen Volkspartei die nationale Zuverlässigkeit abzusprechen. Nachdem sich aber durch Absplitterung der Gra-efe, Henning und Wulle von den Deutischnationalen die Deutschvölkische Freiheitspartei gebildet, nachdem die Münchener Novembertage zwischen den Anhängern des bewaffneten Vorgehens und denen des „trockenen Putsches" eine tiefe Kluft gerissen, seitdem die verschiedenen Landtage zu wählen waren und jetzt die Reichstagswahlen vor der Tür stehen — spielen die Deutschvölkischen mit offenen Karten, und ihres Zornes Gewalt entladet sich in ihrer Presse und in ihren Versammlungen, auch auf die Deutschnationalen, die völkisch schon gar nicht zuverlässig, national aber höchst Zweifelhast seien. Die Deutschnationalen dagegen beteuern' in den höchsten Tönen ihre völkischen Leistungen, setzen deutschenational gleich völkisch und werfen ihren Sprößlingen von der Deutschvölkischen Freiheitspartei schnöde Undankbarkeit und Verrat jan der gemeinsamen nationalen Sache vor. Ein liebliches Bild, du armes Deutschland! Wie stets in solchen Fällen wird dann mit den „Schimpfwörtern": verjudet. Judengenossen, im Dienst des Judentums nicht gegeizt. Und die Herren Deutschnationalen, die mit den falschen Schlagwörtern von der „verjudeten Demokratie", dein „jüdischen" Marxismus, der „verjudeten" Presse und ähnlichen Lieblichkeiten nur so um sich werfen, erhalten nun selbst von ihren „völkischen Brüdern" solche reizenden Bezeichnungen zu Dutzenden beigelegt. Schaudert's Jupiter Hergt noch immer nicht, welche böse völkische Athene seinem Haupt entsprang! Vielleicht liest er einmal, was Theodor Fritsch, der Nestor der deutschen völkischen 'Bewegung, über die Deutschnationale Volkspartei im „Hammer" vom 15. März (S. 101 f.) ausplaudert. „Dort (auf dem Görlitzer Parteiitag 1922) erklärte H e r r v. Michel mann, daß ein Bekenntnis Zu den antisemitischen Forderungen des völkischen Programms unmöglich sei, weil dann d r e Partei von jüdischer Seite keine Gelder mehr erhalten w erde. Erst daraufhin wurde der Ausschluß der Herren v. Graefe, Mulle und Henning beschlossen^ Damit ist auch aller Welt offen zum Ausdruck gekommen, daß auch die Deutschuationale Voltspavter — ebenso wie alle «anderen parlamentarischen Parteien — rmr des Geldes willen sich in den Dienst des Judentums gestellt hat. Noch aus anderen Gesichtspunkten ist fraglich, ob die heute maßgebenden Führer der Deutschnationalen jemals eine ehrliche 'judenfreie Politik vertreten können. Ihre ganze Vergangenheit spricht dagegen. Sie find schließlich heimliche Parteigänger der Juden und vielleicht deren Pioniere in der Partei. Die Juden sind von jeher so klug gewesen, alle Parteien und Organisationen mit ihren Agenten zu durchsetzen — warum nicht auch die rechtsstehenden? — Darum auch immer wieder das Bestreben, Juden in die Partei hineinzubringen. So kandidierte m Oberschlesien ein jüdischer Brauereidirektor Friedlä n d e r für die Deutschnationalen; in Breslau ist der Druckereibesitzer Achottländer eine Säule, der Deutschnationalen Volkspartei — unterstützt vom jüdischen Sanitätsrat Dr. Alexander. In Berlin spielt im deutschnationalen Kreisverein Tiergarten der . Hebräer Bamberg er eine wichtige Rolle und spendete der Partei wiederholt große Summen. Die De u t s ch n a t i o n a l e Volkspartei müßte also erst eine gründliche Säuberung in ihren eigenen Reihen vornehmen, ehe man ihrem völkischen P r o g r a m m Vertrauen e n t g e g e n b r i n g e n könnte. Kann also von dieser Partei eine ehrliche Vertretung deutscher Volks- und Reichsbelange erwartet werden?" Das schreibt der alte völkische Kämpe und Führer Theodor Fritsch. Aber es kommt noch besser: „Weder hinsichtlich des Versailler Schandverbrechens und der Kriegsschüldlüge, noch des schamlosen Markentwertungsschwindels und anderer brennender Zeitnöte hat die Deutschnationale Bolkspartei ihren Mann gestellt. Die Partei war wahrlich stark genug, um in allen solchen Fragen ihr Veto in die Wagschale werfen zu . können, und sie hätte, wenn sie es mit Geschick tat, große Sympathien im Volke gewonnen, aber darauf versteht sie sich schlecht — oder sie darf sich nicht darauf verstehen, weil ihre finanziellen Gönner es nicht erlauben. So ist die Deutschrrationale Volkspartei eine Organisation zur Scheinvertretung nationaler Jnteresien geworden, die aber überall, wo es darauf ankommt, diese Jnteresien im Stich läßt." . Die Deutschnationale Volkspartei gleicht also Nach ' -Fritsch dem ' Central-Verein; denn mit der Beschimpfung, wir trügen nur eine nationale Maske, verfolgten aber stets eigensüchtige Interessen, werden wir ja seit alters her bedacht. : Und nun ist Fritsch in seinem arischen Grimm etwas entschlüpft, was unsere Freunde nicht so bald vergessen mögen: ' „Wären die Deutschnationalen politisch kluge Leute, so würden sie sich im stillen sagen: Da wir selber aus irgendwelchen Rücksichten uns nicht offen als Judengegner bekennen dürfen, so wollen wir froh sein, daß sich eine Gruppe von Menschen findet, die be- . -reit rst, das Odium der Judenfeindschaft auf sich zu nehmen und damit dem Vaterlande unschätzbare Dienste zu leisten. Wir wollen sie insgeheim unterstützen, wenn wir auch äußerlich tun, als ob wir nichts mit ihnen zu tun hätten. Sv viel Politische Klugheit haben die Rechtsstehenden leider bis heute nicht aufgebracht." Dieser fettgedruckte Ratschlag sieht bedenklich nach den „W eisen von Zion" aus. Solche geheimen und dunklen Wege sollen die Deutschnationalen nach Fritschs Aufforderung gehen. Was sagen Pastor Max Maurenbrecher und Müller v. Hausen d^u, die in ihren Zeitungen und Gerichtsverhandlungen über das „hindu-haltige, aber charakteristische Gebahren Judas", andere vorzuschieben und dadurch seine trüben Geschäfte >p führen, vor sittlicher Entrüstung triefen? Und was sind das für Rücksichten, die die Deutschnationalen hindern sollten, sich offen als Judengegner zu bekennen? Etwa klingende, Herr Fritsch? Wir wissen wohl, daß schon seit langem von gewissen, sogenannten vaterländischen und anderen angeblich neutralen Vereinen und Verbänden' die Methode geübt wird, sich -so lange nicht judengegnerisch zu stellen,-!lls sie das Feld gehörig bearbeitet haben und die Maske fallen lassen können. Wir sind aus der Hut. Ob aber solche Methode ein erhebendes Beispiel „arischer Wahrhaftigkeit" -ist, wird man füglich bezweifeln Zum Schluß seines Aufsatzes droht Fritsch den Deutschnationalen, falls sie nicht reumütig Graefe, Wulle und Henning in ihre liebenden (?) Arme schließen, gar schrecklich: Doch ist die Törin.nicht bereit, Die Zeichen recht zu deuten. Wird ihr m nicht zu ferner Zeit Das Totenglöcklein läuten.' Ein passender Vers, wie uns scheinen will, auch für die radikalvölkische Bewegung. Hat sie dank der ungeheuren wirtschaftlichen Not des deutschen Volkes und dank brutaler französischer Politik auch jetzt unleugbaren Zuwachs — letzten Endes entscheiden auch in Deutschland nicht die nationale Phrase, das Maulheldentum, Gummiknüppel und Revolver, sondern Einsicht, Besonnenheit, Vernunft und Achtung vor jedem Volksgenossen, der ehrlich und anständig die Arbeit am Vaterland verrichtet. Zweierlei Recht. Professor Lent, Buk a re st und die — d e u t s ch e n I u >d e n. Im gleichen Zeitpunkt, da Professor Dr. Lent aus Erlangen in Nürnberg erklärt, daß die Juden nicht nur aus dem Beamtem körper zu entfernen seien, sondern daß ein Mitbestimmungsrecht in Deutschland einem Juden überhaupt nicht zugebilligt werden könne, müssen sich deutsche Gelehrte es gefallen lassen, von einem Internationalen Kongreß ausgeschlossen zu werden. In der Sitzung der philosoiphisch^philologischen und der historischen Klasse der Bayerischen Akademie der Wissenichasten vom 1. März d. I. machte das ordentliche Mitglied Professor Heisenberg sol-gende Mitteilung: Auf dem letzten sogenannten internationalen Historikerkongreß von Brüssel im°April 1923, zu dem die deutschen Gelehrten keine Einladung erhalten hatten, schlugen rumänische Gelehrte vor, im April 1924'einen internationalen Bhzantinistenk.ongreß m Bukarest abzuhalten. Die französisch geschriebene Einladung enthält den erstaunlichen Satz: „Für den Augenblick kann man natürlich nur an Gelehrte denken, die, wenn nicht der gleichen moralischen Gemeinschaft, so doch wenigstens den Staaten angehören, die während des Krieges verbunden waren, oder denjenigen, die durch ihren Eintritt in den Völkerbund die gegenwärtige Politische Ordnung anerkannt haben, wie sie aus den Opfern des großen Kampfes hervorgegangen ist." Die beiden Klassen der Bayerischen Akademie sprachen gegenüber diesem Schritt den rumänischen Byzantinisten ihre schärfste Entrüstung aus. Auch wir sind der Ansicht, daß es Zeit wäre, jetzt die Politik des Hasses endlich ruhen zu lassen, aber wir finden, daß die Laherischen Gelehrten sich nicht wundern dürfen, wenn sie von den ehemals feindlichen- Staaten ebenso behandelt werden, wie sie es wagen, mit ihren Volksgenossen, den jüdischen Deutschen, im eigenen Lande zu verfahren. Björn Björn so n, der begabte Sohn eines großen Vaters, sagt schon 1917 ,in seinem Buche „Vom deutschen Wesen": „Wenn Christen aber sich aufs hohe Roß setzen und sagen: Wir sind nicht wie sie — und meinen die Juden im allgemeinen, so sollten besonders die deutschen Christen in dieser Zeit einsehen lernen, wie ungereimt sich so etwas ausnimmt. Denn es ist ganz genau dasselbe, was rhre Feinde heutzutage ihnen gegenüber tun. Die gefallenen jüdischen Kämpfer! General der Infanterie v. Deimling sagt: „Wir wollen doch auch nicht vergessen, dass Tausende von Juden als Freiwillige zu den Fahnen geeilt sind, dass Tausende für ihr Vaterland den Heldentod gestorben und Tausende zu Krüppeln geworden sind. Die Juden meines Armeekorps haben sich ebenso brav geschlagen wie ihre christlichen Kameraden, und manchem von ihnen konnte ich das Eiserne Kreuz verleihen. Drückeberger hat es überall gegeben, auch unter Christen und Heiden; nichts aber ist verwerflicher, aus Einzelerscheinungen auf das Ganze zuscbliessen.“

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