Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 11 (13.3.1924)
- Date
- 1924-03-13
- Page
- Seite 116 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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UG Neue Sucher. Ravbinei? Dr. Israel Hildesheimer: Gesammelte Aussätze, herau-sgegeben (zürn fünszigjahrigen Bestchen des Rabbiner- 1-eM'inars zu Berlin) vvn Dr. M e i e r H i L d e s h e i m >e r. Frankfurt am Main (Verl-a-g Hermvn A.-G.) 1923. Der Name Hildesheimer hat heute noch wie vor dreißig und fünfzig Jahren einen ehrfurchtsvollen Klang im deutschen Judentum, ob er in der Großstadt ob er in einer Zmergigemein.de des Westebwal'des ertönt. Wer die neueste Geschichte des deutschen Judentums kennenlernen will, kommt — gleichgültig, wie er religiös eingestellt ist — an der starken überragenden Persönlichkeit Israel Hildesheimer, allgemein bekannt durch das von ihm begründete R-adbinerseminar, hochgeschätzt in der ganzen jüdischen Welt durch seine rastlose philanthropische Tätigkeit, nicht vorüber. Daher ist es dankbar zu begrüßen, daß Meier Hildesheimer, das geschützte Borstandsmitglied unseres C. V., den Tag des fünfzigjährigen Bestehens des Berliner Rabbinerseminars zum Anlaß .nahm, eine Anzahl wissenschaftlich er und re'ligionsgesetzlicher Aufsätze Israel Hildesheimers zu veröffentlichen. Das Buch wird durch einen Lebensabriß Hildesheimers und durch eine Charakteristik seines Wirkens und Strebens eingeleitet. Die dann folgenden Aufsätze, meist der von Hildesheimer begründeten. und geleiteten „Jüdischen Presse" entstammend, sind fast ausschließlich für Zwecke der religiousgesetzlichen Praxis, mit stammender Feder verteidigend oder angreifend, geschrieben. Uns interessiert an dieser Stelle, was im Aufsatze: „Das o i b l i s ch - t a l m u d i s che Re ch t" von den „hohen Vorzügen des biblisch-taUnudischen Re-chtsverfahrens" gesagt ist (S. 32): „Im Verhältnis zu anderen Gesetzgebungen werden Eide nur äußerst selten auserlegt. So w i r d z. B. kein Zeuge vereidigt; ja, der Zeuge gilt für verdächtig, dessen Glaubwürdigkeit erst durch einen Eid erprobt werden muß. Daher bleibt auch seitens des Rabbinatskollegiums kein Mittel unversucht, um einen fast unvermeidlich scheinenden Eid überflüssig zu machen, und so ist beispielsweise in Elsenstadt, meinem früheren Rabbinatissitze, innerhalb neunzehn Jahren vor meinem Amtsantritte kein Eid vorgekommen, und auch ich hatte das Glück, während meiner mehr als achtzehnjährigen Amtstätigkeit durch Jntecvention bei den streitenden Parteien stets jeden Eid zu vermeiden. Wie sehr aber die Heilighaltung des Eides von seiner Seltenheit abhängt, welcher Kiddusch Haschern in dieser Hochhaltung des dritten der zehn Gebote liegt, braucht nicht erst gesagt zu werden, ebensowenig wie es für den Kundigen erst einer Parallele zu der Häufigkeit des Eides in der modernen Prozeßordnung bedarf." Wer sich mit Palästina, Kolonisation, Zionismus beschäftigt, dem wird Hildesheimers Vortrag ans dem Jahre 1885 „D'i e P a l ä st i n a s r a g e u n d t h r e G eF ch i ch>t. e" ('S. 180 ff.) wesentlichen Nutzen bringen; gebricht es doch gerade an brauchbaren Darstellungen der jüdischen Entwicklung Palästinas in den letzten Jahrhunderten, an geschichtlicher Beganolung von Einzelpröblemen, ja auch nur trotz Luncz an geeigneten Stosssammlungen. Der Vortrag, der das Aufkommen der ..Geldspende n" für das heilige Land darstellt, der eine geschichtliche U e b e rs i ch t bietet, eine Betrachtung über die C h a l u k a bringt, die Widerstände gegen einen zeitgemäßen I u ge n d u n t e r r i ch t im Lande dartut — mit vielen Persönlichen ' Erfahrungen —, Material zur Geschichte der W o h l s a h r t s a n st a l t e n sowie Mitteilungen über die Kolonisatron gibt, der Vortrag ist vor allem als Stoffsammlung für eine zu fordernde umfassende wissenschaftliche Bearbeitung, insbesondere der neuesten Geschichte des jüdischen Palästina, wertvoll. Der Ausspruch des viel erfahrenen Israel Hildesheimer: „Freilich habe ich nur das Prinzip der Kolonisierung, niemals das der Besitzergreifung Palästinas im Auge", verdient, gesprochen von einem Wortführer des gesetz es treuen Judentums, trotz der jüngsten Entwicklung immer noch Beachtung. A. W. Jüdische Erziehrrngskonferenz. Selbstverlag 1924. Die „I ü d i s che E r z i e h u n g s k o n s e r e n z" veröffentlicht unter gleichem Namen eine kleine Schrift mit den stark gekürzten Referaten, die auf der Tagung vom 8. bis 10. Oktober 1923 in Berlin gehalten worden sind. Die Kürzung an f ich stst-kein'Unglück, aber sie erscheint im vorliegenden Falle viel zu weit getrieben. Nicht darauf kommt es an, die leitenden Gedanken der Referenten-. zu erhalten und weiteren Kreisen zugänglich zu machen — das ist ja schon durch die Zeitungsberichterstattung geschehen —, 'sondern darauf, den gesamten Ko m p l e x d e r g r u n d l e g e n d e n Gedanken und der daraus sich ergebenden praktischen Vorschläge vor der b-rei testen Oefs ent licht eit zur D i s k u s s i o n z u st e l l e u. Wie unpraktisch die zu weit getriebene Sparsamkeit ist, erhellt schon aus der Tatsache, daß der Leser aus den Ausführungen manches Diskussionsredners gar nicht entnehmen kann, auf welche Aeußerungen des Referenten ste sich beziehen. Es wäre dringend zu wünschen, daß sich die Erziehnngskonferenz gelegentlich zu einer erweiterten Ausgabe der Referate entschließen möchte. Si, Mozarts Ohren und Beethovens Schäöet. Der in Raffefragen gewiß nicht unvoreingenommene „Fränkische Kurier" läßt sich mitteilen, daß neue Untersuchungen das in Nachbildung im Mozartäum in Salzburg aufbewahrte Ohr Mozarts als „Breitohr" sestgestellt haben, wie es die Neger und andere tief st eh ende Rassen besitzen, während die Ohrsorm der kaukasischen Rasse fast immer „Längsohren" zeigt. Beethoven ein Rundschädel, Mozart ein Breitohr — ein völkischer Mann muß nachgerade in Schweiß geraten, wenn er die Gedankenkette durchgeht: Nur der Arier ist imstande, schöpferisch zu wirken — ein Arier hat Langschädel und Längsohren, Beethoven und Mozart haben schöpferisch gewirkt — sie haben aber Rund» schädel unb Breitohren. Was ist nun richtig: Die Rassentheorie, dann waren die beiden keine Genies — oder ihre Musik ist genial, dann hatten sie falsche Köpfe und Ohren — oder die Rassentheorie ist falsch...? Der völkische Mann seufzt: esist halt schwer, üiberzeugungstreu zu fern, und geht, um sich zu entspannen, in die Operette. •; R i d e n s« Antworten. An unsere Freunder Mitarbeit an der „C. V.-Zeitung" ist uns stets erwünscht. Damit wir aber den besten Gebrauch von den Zusendungen unserer Freunde machen können, bitten wir um Berücksichtigung folgender Regeln: 1. Trennt in Euren Briefen den reinen Mitteilungsteil von dem Teil, dessen Veröffentlichung Ihr wünscht. Darstellungen für die Zeitungen sind ohn« jeden Zusatz stets auf einen besonderen Bogen zu schreiben. Dies gilt auch, wenn Ihr uns Abschriften und ähnliches zu diesem Zwecke übermittelt. Schreibt Aufsätze und Mitteilungen für die Zeitung nur auf Bogen, deren Rückseite unbeschrieben ist. 2. Sendet uns keine Zeitungsausschnitte, ohne den Zeitungskopf nebst Datum beizulegen und den verantwortlichen Schriftleiter anzugeben. 3. Schreibt Mitteilungen, die verschiedene Angelegenheiten behandeln, stets auf verschiedene Bogen. Wir verzichten dabei gern auf die üblichen Höfliche keits-floskeln. Die Schrift lei tung. Gau Weinheim. Die Mitteilung, daß das goldene Jubiläum des geistlichen Rats Hüfner von den Angehörigen aller Konfessionen gefeiert worden ist, und daß sowohl der evangelische Geistliche wie auch im Auftrag« der israelitiscken Gemeinden der Bezirksrabbiner Dr. Levit dem Jubilar persönliche Glückwünsche überbringen durften, ist ein erfreuliches Zeichen des guten Einvernehmens der Bürgerschaft. Ebenso erwähnenswert ist es, datz das führende Zentrumsorgan Rhein-Hessens, das „Mainzer Journal, die Rede des Rabbiners im Wortlaut wiedergegeben hat. Betrifft Dftpreutzen. Die Firma Johannes D i 5 t i (Königsberg i. Pr.j lehnt, wie wir hören, den Handel mit Juden ab, denn sie schreibt wörtlich; „Auf Ihr Schreiben teile .ich Ihnen mit, daß ich Grossist bin und vorn Zwischenhandel, dazu noch von jüdischen Firmen, nicht kaufe." Die Mischen Eisenhändler und Kunden wissen ja-nun wohl, daß die Firma Dikti auch auf jüdische Kundschaft keinen Wert legt. L. S., Dresden. Wenn Herr Knüppel-Kunze behauptet, die Streitsache Dombrowski gegen ihn sei beigelegt, so hat er sich, gelinde gesagt, geirrt. Der Prozeß schwebt noch immer, und Herr Dombrowski wartet, daß man ihm nackiweist, Herr Kunze sei weder ein Drückeberger noch ein Schlemmer und» Prasser. RESI