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Central-Verein-Zeitung · 1924-03-13 · 11 (13.3.1924) · p. Seite 109

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
11 (13.3.1924)
Date
1924-03-13
Page
Seite 109 (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 10 Goldpfennkg Serlln, 13. März 1924 III. Jahrgang ❖ Nr. 11 ßlöltpr föri)etUffblmn^] undjopmtum. fvryan -es Cmtral-Vcrems deutfclrer (Staatsbürger i üEclren CloubensTn Äll^emeine Zeitung des Judentums Verlag u. Schriftleitung: Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.v. Gerlin SWb8, Lindenstr. 13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 Telegrammadresse: „Centralglauben Berlin" Postscheckkonto: Berlin 39472 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube ti, Berlin SW 68, Lindenstr. 7 Monatsabonnement (ein viertel)ähr tiches gibt es vorläufig nicht) 40 Goldpfennig Allemipe Anzeigenannahme: Annvncen-Oxpeditron Rudolf N.osse, Berlin 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,75 Goldmark für die 7 gespaltene Keile nach Rudolf Äivsses Normalzeilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stelrenge'uche für Aritglieder des Central-Bereins 0,40 Goldmark, die 90 nun breite Reklamezeile 4 Goldmark. ^üöisthe Mbeitgeberpflichten. von De. Georg Saum, Rechtsanwalt und Dozent an öer Handelshochschule zu Derlin. Die Gewerkschaften sind augenblicklich machtlos. Es ist ein gewisses tragisches Moment, daß der Umschwung in den sozialpolitischen Machtverhältnissen mit der Stabilisierung und der eintretenden und hoffentlich andauernden Besserung der Wirtschaftslage zusammenfällt. Die Gründe dieser Erscheinung sollen hier nicht untersucht werden. Verständlich ist es aber, daß Arbeitgeber und Arbeitgeberorganisationen die Konsequenzen aus dieser Sachlage ziehen. Und wer die Menschen nimmt, wie sie nun einmal sind, wird es auch verstehen, daß mancher bei dieser Gelegenheit glaubt, nunmehr Vergeltung üben zu können für allerlei Aerger und Unbill und Schädigungen, die er in den Jahren nach der Revolution durchgemacht hat. Auch unsere jüdischen Arbeitgeber sind nur Menschen. Sie sollten sich aber doch auch in dieser Sachlage wie stets daran erinnern, daß sie auch Juden sind. Die Zugehörigkeit zum Judentum bringt besondere Pflichten mit sich, die gerade unter den gegenwärtigen, politischen Verhältnissen Deutschlands besondere Bedeutung gewinnen. Das Volk legt alles, was es an einem einzelnen Juden unangenehm empfindet, der Gesamtheit zur Last, und es führt oft auch Dinge, die sich bei Juden und Nichtjuden gleichmäßig finden, die in Wirklichkeit auf rein wirtschaftliche Grundlagen zurückzuführen sind, auf angebliche besondere jüdische Eigenschaften zurück. Der reiche und reich gewordene Jude fällt in: der Oefsentlichkeit mehr auf als sein christliches Gegenstück, und für Karikaturisten und Satiriker ist es nun einmal leichter, den Juden darzustellen, dort, wo er den Kapitalisten meint. Darum gilt gerade heute für uns der bekannte Wahlspruch: „Alle Juden sind Bürgen füreinander." Niemand wird von jüdischen Arbeitgebern unter diesem Gesichtspunkt wirtschaftlich Unmögliches fordern. Niemand wird insbesondere verlangen, daß sie sich als Juden im Gegensatz zu christlichen Berufsgenossen oder außerhalb ihrer Berufsorganisation stellen. Auch die Wahrungder Standespflicht ist eine der Forderungen, die man gerade in jetziger Zeit unbedingt an jeden Juden stellen muß. Aber auch hier kommt es sehr auf Art und Form der Betätigung an. Es ist durchaus nicht nötig, daß sich gerade jüdische Arbeitgeber in erster Linie in den Ruf und in die Rolle deS Scharfmachers drängen lassen, die den Juden ohnehin nach seiner ganzen Herkunft und Charakterveranlagung wenig kleidet. Wer als Unparteiischer bei Verhandlungen mitzuwirken hat, hat vielfach das Gefühl, daß hier ein gewisser falscher Ehrgeiz in Frage kommt, der manchmal auch von andersgläubigen Berufsgenossen, die zugleich Konkurrenten sind, aus leicht verständlichen Gründen ausgenutzt, wird. Vor allem aber kommt es gerade hier auch sehr stark auf die Form und die Art des Auftretens an. Die psychologische Wirkung auf die Gegenpartei und auf die Unbeteiligten ist eine ganz verschiedene, wenn dieselben Forderungen von Angehörigen derselben Konfession mit gleicher Energie einmal in zappelig nervöser Aufgeregtheit und das andere Mal mit einer abgeklärten Ruhe vertreten werden, die auch dem gegnerischen Standpunkt objektive Würdigung zuteil werden läßt. Wer als Mitglied eines Schlichtungsausschusses wiederholt tätig war, wird diese Beobachtung gewiß schon sowohl bei beruflichen als bei ehrenamtlichen Jnteress-envertretern gemacht haben. In den vielen und erregten Schlichtungsverhandlungen der letzten Jahre ist auch, soweit antisemitisch orientierte Organisationen dabei beteiligt waren — wenigstens soweit mir bekannt ist—, kaum jemals eine antisemitische Aeußerung gefallen. Was aber bei ungeeignetem Auftreten einzelner jüdischer Parteien nicht ganz mit Unrecht Beisitzer und Parteivertreter gedacht haben, konnte man, ohne Gedankenleser zu sein, ihnen vielfach vom Gesicht ablesen. Aber nicht nur in der F o r m, sondern auch in der Sache kann bei einiger Ueberlegung manche Härte gemildert werden. Die tariflichen Löhne sind in der Regel Minimallöhne. Bei aller Ausübung der Berufssokidaritäit ist es für den einzelnen nicht unbedingt nötig, bis an die unterste Grenze zu gehen, und frühere Arbeitsbedingungen bis auf das äußerst zulässige Maß zu verschlechtern. Gewiß gilt es jetzt im Zeichen des Wiederaufbaus, die Betriebe wirtschaftlich zu gestalten. Aber das so viel gehörte Wort, daß die Betriebe die Lasten der Löhne und insbesondere der Angestelltengehälter nicht tragen konnten, gilt doch nur mit großen Einschränkungen. Wer schon seit Anfang 1919 immer gehört hat, daß eine Branche infolge der Löhne und Gehälter nicht mehr existenzfähig sei, und wer dann weiter Von der anderen Seite vielfach — mit einer gewissen, im Rahmen dieses Aussatzes verständlichen Betonung — gehört hat, daß — ohne Unterschied der Konfession; — die Notlage des Berufes die Anschaffung von Automo- . bilen, von Perlen und Brillanten, ja Luxusreisen ins Aus- : land nicht verhindert hat, der wird gegenüber solchen Klagen; allmählich etwas skeptisch. Jedenfalls ist es vielleicht keine allzu unbillige Zumutung, daß gerade ein jüdischer Arbeit- Sie Tfaupimsammluttg findet endgültig am 13. u. H. fiprllsiaii

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