Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 10 (6.3.1924)
- Date
- 1924-03-06
- Page
- Seite 97 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Etnzelnummet 10 GolSpfennkg CK VlSttrr süröeulscKKun SerUn, ö. März 7924 HI. Jahrgang 4-Nr. 7S vryan des tenlral-Vereills öerttjcker StaatsvüryerjüEclren Mauvens Lslrur^^ des Gudentums Verlag u. Schriftleitung: Lentral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.v. Berlin SWbS, Linöenstr. 73 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 Telegrammadresse: „Centralglauben Berlin" Postscheckkonto: Berlin 30472 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube G, Berlin SW 68, Lindenstr. 7 Mo naisa bonnement (ein viertel)ä'hrliches gibt es vorläufig nicht) 40 Goldpfennig; Alleinige Anzeigenamlabme: Annoncen-Expedilion Rudolf Älosse, Berlin 8W 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,60 Goldmark für die 7 gespaltene Leile nach Rudolf Blosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins 0,30 Goldmark, die L0 mm breite Reklamezeile 3 Goldmark. Die „furchtbare Enthüllung" -es ^ungöo. Wie -er C. v. beschimpft wir-! Motto: „Vor allem eins, mein Kind, sei treu und wahr!" Unter dem Eindruck der Niederlage Deutschlands und der französischen Gewaltpolitik hat sich vor wenigen Jahren, von Kassel ausgehend, der „I u n g d e at tsche Orde n" (Jungdo) lunter Führung des Hochmeisters Artur Mahr nun gebildet. Er lehnte sich streng an das Zeremoniell und die Organisation des Deutschritterordens an, strebte teilweise Zielen jnach, die auch der jüdische Deutsche billigen konnte, und verstand es, sich besonders unter der Heranwachsenden Jugend, iuntex Schülern,- Handlungsgehilfen, Studenten, eine getreue Gefolgschaft zu erwerben. In der „völkischen" Frage, die ja in Deutschland ohne ungeteilte „Bekämpfung des Judentums" anscheinend nicht zu denken ist, verhielt sich der Jungdo zuerst zurückhaltend. Der Hochmeister Mahraun hatte sogar eine ernste Fehde, die in allerhand vertraulichen Rundschreiben tobte, zu bestehen, weil er nach der jüdischen Seite nicht zuverlässig wäre. Allmählich aber, insbesondere seit der Ermordung Nathenaus, nach der der Jungdo zeitweilig verboten war, ge-;£tet er mehr und mehr ins völkische Fahrwasser. Verschiedene Prozesse der letzten Monate bewiesen die Teilnahme Jungdeutscher an Bübereien Völkischer gegen jüdische Mitbürger. Wird eine verantwortungsvolle Führung derartige „Helden- ' taten" auch nicht billigen, — sie stellen jedenfalls den Aus-! Fluß „völkischer Aufklärung" dar, der ersichtlich in den Ordens-! schäften Tür und Tor freudig geöffnet waren. Und damit keinerlei Zweifel über die uneingeschränkte judengegnerische Einstellung der Leitung des Jungdo obwalte, hat die große Führertagung vom 3. und 4. Februar dieses Jahres ein Schreiben an den Inhaber der vollziehenden Gewalt General b. Seeckt gerichtet, aus dem sagendes wiedergegeben sei: ' . Aus Grund von Pressenachrichten hat vor der 6. Strafkammer des Landgerichts I Zu Berlin eine Berufungsverhandlung stattgefunden, welche am 14. Januar durch freisprechendes Urteil entgegen einer Beleidigungsklage des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens folgendes gerichtlich erhärtet hat: Der E e n t r a l - V e re i n deutscher Staatsbürger jüdi- ,f ch e n s Glau b e n s i st die Kampsorganisa t i o n der Juden gegen alles, was deutsch fühlt. Die Prestenachrichten besagen, daß in dem Verfahren diese Kampstätigkeit vor Gericht bewiesen und auch vom Central-Verein zugegeben ist. Die Kundgebungen des Herrn Reichspräsidenten und der Herren Minister des deutschen Reiches besagen genügend, daß das Wohl der ganzen Nation davon abhünge, den inneren Frieden in Deutschland wiederherzustellen. Dasselbe ist auch nach den Einführungssätzen der Verfassung des Deutschen Reiches die Grundlage dieser Verfassung. Damit ist zur Genüge erwiesen, daß eine Organisation, welche die Bekämpfung alles dessen, was deutsch denkt und fühlt, auf ihre Fahne geschrieben hat, sich der Sabotage am deutschen Reiche schuldig gemacht hat. Sie Staatsfeindlich k e itdes Central-Vereins ist damit erwiesen. ' Wir richten infolgedessen aus Grund des Artikels 126 die Bitte an Ew. Exzellenz, diese Sabotage zu verhindern und gegen den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mit denselben Mitteln vorzugehen, wie sie gegen andere für staatsfeindlich befundene Organisationen angewandt wurden. Wir fügen hinzu, daß nach Auffassung weitester Kreise, und zwar des überwiegenden Teiles des ganzen deutschen Volkes, der Staat jeden Sinn verloren hat, wenn gegen das Bestehen einer Organisation zur Bekämpfung des Deutschtums nicht vor gegangen wird. Das Vertrauen aller deutsch empfindenden Bürger des Reiches kann nur durch ein Verbot derartiger deutschfeindlicher Bestrebungen und O r g a n.isationen erhalten werden. In dieser Eingabe wird also unserem C. B. die sch Werste Ehrenkränkung angetan, die einem Deutschen überhaupt zugefügt werden kann. Bekämpfung des Deutschtums, Sabotage am Reich, Staatsseindlichkeit werden ihm vorgeworfen. Worauf fußt der Hochmeister Artur M a h r a u n, der die Eingabe Unterzeichnete, bei diesen ungeheuerlichen Beschuldigungen? Nach feinen eigenen Worten: Auf Pressenachrichten, noch dazu aus judengegnerischen Zeitungen. Ohne sich also auch nur ernstlich zu bemühen, den wahren Sachverhalt festzustöllen, häuft der Hochmeister des Jungdeutschen Ordens aus Hunderttaufende treuer Deutscher Schimpf und Schande und peitscht damit — die Eingabe ist mit fettgedruckter, über drei Spalten laufender Ueberschrift „Furchtbare Enthüllungen" in der gelesenen Wochenzeitung des Ordens abgedruüt — junge Leute, denen er das Muster deutscher Wahrhaftigkeit und Treue ist, in einen grenzenlosen Judenhaß hinein. Was liegt .nun .den Pressenachrichten zugrunde? Bor einigen Monaten bezeichnete ein deutschvölkischer Apotheker Staegemann den Central - Verein deut 's cher Staatsbürger jüdischen Glaubens als die Kampforganisation gegen alles-, was deutsch fühlt. Der Central-Verein klagte darauf. Der Angeklagte wurde vom