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Central-Verein-Zeitung · 1924-02-21 · 8 (21.2.1924) · p. Seite 76

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
8 (21.2.1924)
Date
1924-02-21
Page
Seite 76 (sequence 8)
Language
German
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Der Miesbacher als Vergnügungsanzeiger. Der „Miesbacher" muß' immer seine Extrawurst gebraten haben. Allerorten kostümiert man sich und bindet Masken vor, um andere und sich selbst für ein paar Stunden über Zeit und Ort hinwegZutäuschen. Der „Miesbacher" macht es umgekehrt. Er' nimmt seine Maske ab, die ihn sonst.als k am. i s ch e Figur der deutschen Presse kennzeichnet, lind gibt sich fröhlich und harmlos als das kleine Lokalblatt, das er ja eigentlich ist, für das eine Kirchweih w i ch t i g e ri st a I § wankende Kabinette. Man nimmt sich die Nummer 28 vor und wartet, -daß einem der Duft des „Geistes" entgegenschlägt, der sonst in feinen Spalten kübelweise verspritzt wird. Und ist erstaunt und wilbs kaum glauben, daß einem aus einmal der Klang von vierzehn verschiedenen Festmusiken ins Ohr tönt, daß einem würziger Kuchen-, Braten- und Kaffeegeruch entgegen sch lägt. Nicht w e niger als v i e r z e h n f e st l i ch e Der a n st a l t u n g e n s i n d h i e v h i n t e r e i n a n d e r Mr Sonnabend und Sonntag einer einzigen Wo che aufgesührt. Preisrennen, wo man ein ganzes Schw e i n er rodeln kann, wechseln mit Schasskopf-, Tarock- und Grasober-Rennen, wo dem Sieger „ganze Trümmer Fleisch" winken, und geschlossenen Burschenkränzchen' mit Fastnachts-Preisschießen. \ Wir freuen uns der Gemütlichkeit und der Feste, die die Leser des „Miesbacher" sich bereiten. Froh l i ch e M e n schon pflege n nichts Böses zu tun. Jeder amüsiert sich, so gut er kann und wie er es findet. Der Großstädter in den Vergnügungsstätten seines Ortes, die der Miesbacher und seine Freunde so oft als „jüdische" Lasterstütten kennzeichnen, v I e Hei ch t a u ch i n e i n e nt Kurort in der Schwei z, der andere nach den Gepflogenheiten von Miesbach und Umgegend. So lange das Vergnügen maßvoll bleibt und so lange jeder, der an ihm teilnimmt, das Gefühl hat, nachher mit doppelter Freudigkeit seine Arbeit und seine Pflicht gegen die Allgemeinheit erfüllen zu müssen, ist, scheint uns, hiergegen kaum etwas einzuwenden. Das meinst du doch sicher auch, lieber Miesbacher? Sonst hättest du sicher nicht 14 Vergnügungsauzeigen hintereinander gevracht! ftm der Zeitungswelt. In Adam Roeders „Süddeutsche Conservative Korrespondenz" lesen wir: Es muß hier ein kurzes Wort über Adolf Stöcker gesagt werden. Er war nicht der Nur-Antiseinit, als welchen man ihn gerne hinstellt. Stöcker war ein durchaus demokratischer Charakter, als Antisemiten gab erg sich, weil er fälschlicherweise glaubte, im Jüdischen Kapital" den Kapitalismus als solchen anz-utreUeu. Dabei muß aber scharf betont werden, daß Stöcker jeglichem Rassen-Antisomitismus grundsätzlich fernstand. Er war ein ' glühender Verteidiger des Alten Testaments und die Propheten waren ihm nach Jesus Christus die größten Männer der Welt- und Reich-Gottes-Geschichte. Die Dinier, Reventlow, Mulle, v. Gräfe, Kunze, Pudvr hätte er mit einer rücksichtslosen Handbewegung polckisch abgeschüttelt. Den Inden als Menschen in eine Zweite Klasse bringen zu wollen, wäre ihm als ein Hochverrat am Wesen der göttlichen Stammesgeschichte der Menschheit erschienen. Lebte Adolf Stöcker heute — er wüßte, daß der Kapitalismus nicht beim „jüdischen Leihkapital" sitzt, sondern in den rücksichtslosen Kon- Zernen des großindustrialistischen Unternehmertums, das die Welt im Zwange hält und tatsächlich die Politik macht, auch die heutige, die uns aus der wirtschaftlichen Misere nicht berauskommeir läßt. Die Intelligenz in den eh e.m als konservativen Kreisen hat völlig ab gedankt. Professoren. Akademiker, Pfarrer, Adlige, Studenten, höhere Beamte haben sich — weil der Amtreis ihrer Macht- und Einflußsphäre durch die heutige Entwicklung eingeengt erscheint — jedes gerechten und sachlichen Urteils begeben und folgen, von Instinkten getrieben, den rohen Einpeitscher einer billigen Demagogie, die sich vornehmlich an einem ans anständiae Menschen ekelhaft wirkenden Antisemitismus berauscht. Die Ethik des deutschen philosophischen Idealismus, der staatlich und sozial durchaus konservativ dachte, hat schmählich bankrott gemacht. Daß Geister, deren moralische Brüchigkeit für jeden Unbefangenen aus der Hand liegt, wie Reventlow, Wulle, Dinier, Kulrze, Maurenbrecher und der in jeder halbwegs nur uralnationalen Geistesverfassung unmögliche Hitler, ausgerechnet rechts eine Rolle spielen können, das beweist mehr a!ls alles andere ein Zurückebben der deutschen Geistigkeit aus der Sphäre der Gerechtigkeit und des Idealismus in die Niederung triebhafter Instinkte. Zur üringenüen Heachtung! Wiederholt muß hervorgehoben werden: 1. Briefe wolle man niemals, es sei denn in ganz besonders gelagerten Ausnahmefällen, an den Vorsitzenden Justizrat Dr. Brodnitz oder an den Direktor Dr. Holländer richten. Durch diese Anschriften wird nicht das geringste erreicht, wohl aber tritt dadurch leicht eine Verzögerung in der Erledigung ein. Jedes Schreiben ist lediglich an den Central-Verein als solchen zu richten. Es sind ausreichende Vorkehrungen getroffen, daß die so adressierten Briese in die richtigen Hände gelangen. 2. Rücksprachen mit Freunden aus dem Lande sind unbedingt erwünscht. Sie müssen aber mit der Geschäftsstelle wenigstens einen Tag vorher vereinbart werden. Es ist a u s geschlossen, daß solche Rücksprachen plötzlich und ganz unangemeldet stattsinden können, 3. Rücksprachen werden stets von dem betressenden Dezernenten erledigt. Im Bedürsnissalle werden die Angelegenheiten dem Unterzeichneten Direktor des Central-Vereins als geschäftsführendem Vorstandsmitglied vorgetragen, der sie seinerseits in allen geeigneten Füllen dem Vorsitzenden des Vereins zur weiteren Veranlassung vorlegt. Es muß gebeten werden, diese Ordnung einzuhalten und nicht etwa unmittelbar an den Vorsitzenden oder den Direktor hernnzutreten. 4. Unterhaltungen mit dein Vorsitzenden oder dem Direktor und seinem Stellvertreter am Fernsprecher, sind aufs äußerste zu beschränken. Ist schriftliche Erledigung eines Wunsches unzweckmäßig, so wolle man mit dem betressenden Dezernenten nach vorhergehender Anmeldung durch die Fernsprechzentrale der Hauptgeschäftsstelle verhandeln. Man wolle dabei berücksichtigen, daß in Politischen Angelegenheiten Ferngespräche st e t s b e d e n k l i ch s i n d. Keineswegs ist es angängig, längere Ferngespräche mit einzelnen Dezernenten zu einer Zeit zu führen, die nicht der Dezernent, sondern der Anrufende bestimmt. Es ist vor gekommen, daß Besucher unserer Sprechstunde sehr lange warten mußten, bis die betreffenden Dezernenten, welche fortgesetzt an den Fernsprecher gerufen wurden, wieder frei wurden, und daß vereinbarte wichtige Besprechungen infolge dauernder telephonischer Anrufe kaum durchführbar waren. 5. Es . wibd wieder h o l t daran erinnert, daß telephonische Gespräche, sofern es sich nicht um dringlichste Angelegenheit handelt, in die Zeit von 11—1 Uhr zu legen sind. Erfolgt außerhalb dieser Stunden ein Anruf und ist die betreffende Persönlichkeit oder Stelle des Vereins nicht erreichbar, so wird um Angabe der Telephonnummer des Anrusen'den und Anrufszeit gebeten. Diese Maßnahmen müssen unter allen Umständen beachtet werden, weil in unserer Hauptgeschäftsstelle sonst ein ordnungsmäßiger Betrieb nicht aufrecht erhalten werden kann. Die Dezernenten und Bure a u b e a m t e n sind angewiesen, die obigen M ft ß n a h m e n auf das st reu g ft e bin; ch zusühre n. Dr. Brodrritz, Dr. Holländer, 1. Vorsitzender Direktor u. geschäftsf. Vorstandsmitglied d. Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V. allere dotoh? C A WrD 1 Mi Nervenschwäche, Erschöpfungs- M WM 8 V K I B1 zustande, sexuelle Neurasthenie ein anregendes und kräftigendes Youimnin -Hormon - Präparar. Fachärztiicö begutachtet und sehr empfohlen. In jeder Apotheke erhältlich. Aktien-Gesellschaft Hormone, Düsseidorf-Grafenberg* j Wo speist man am besten? I ■wa Restaurant Vienna > Charlottenbrrrg, Kantstratze 133 Diner den ganzen Tag, auch ä la carte j Unter Aufsicht des Rabbinats fW ] Ausrichtung von Hochzeiten und syestlichkeiten in allen Breislagen Weißer Hirsch “KT3 Wrnsion Simon Haus Maiblume, Blsmarckstraße4 — Fernsprecher: Loschwitz 792 — Dresdener. Dippoldiswaldaer Platz 3. Frciburs f.Br. Restaurant Libanon Ecke Friedrichn. Röderstr, WWSdMlH. Hotel Tröster G. Bluw. Bedeutend ermäßigte Preise. 1Z"D Köln a. Rhein ftoffaflfftflt ftorifn AlberiUSstraße 37,a. d. Breite« MlillUluM vmill Straße (früher Drafus gaste) SMT tteb vnahme von FeMichSeiten.^AK« (Breisaou), Goethesiraße3. o » v 1 v III $$ Töchterpensionat nebst Töchter« Eigene VMa. schule und vaushaltungsturse. Frran Jda Cohn und Lotte Bernstein staatlich geprüfte Lehrerinnen. Vorzügliche Ausbildung Erstllasfige Verpflegung. Beste Referenzen. Töchter beim Maria Seliamann. WiffenschaM. u. gesellschaf'l. Weiterbildung* Karpfengasse 10. Kleine Arrzahlv. Schülerinnen. Seidelberg

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