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Central-Verein-Zeitung · 1924-02-14 · 7 (14.2.1924) · p. Seite 63

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
7 (14.2.1924)
Date
1924-02-14
Page
Seite 63 (sequence 7)
Language
German
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völkisches aus öer öibel. Von Rabbiner Dr. K r o n e r (Oberdorf). Bemerkenswert bleibt es, daß Mose, wenn er zu Pharao im Aufträge Gottes spricht, diesen Gott mit. den Worten einführt: „Der Ewige, der Gott der Ebräer, sendet mich zu dir." Warum nicht der Gott der „Kinder Israel"? -Waren es nicht die Kinder Israel, die so furchtbar unter dem Despotendrucke seufzten und die durch Gottes Macht und durch Moses Wort der Freiheit zugeführt werden sollten? Kannte Pharao dieses Volk nicht unter dem Namen „Israel"? Gewiß war das Volk erst im Entstehen begriffen und sich seiner großen geschichtlichen Aufgabe nicht bewußt, gewiß hatte Mose in diesem Volte die Erinnerung an ferne glorreiche Vergangenheit, an die Gedankenwelt der Väter erst wecken müssen, aber als „Ebräer" fühlten die Genossen dieses Volkes sich selbst doch wohl niemals! Dieses Wort war also eine Einstellung und ein Eingehen aus die dem Pharao eigene Auffassung, die eben nur ein Bock der „Ebräer" sah und kannte. Für Pharao gab es auch nur „ebräische Frauen". Der Königstochter gegenüber gab es nur „Frauen von den Ebräerinnen", die ebräische Kinder groß- Ziehen! Mose selbst, am Hose dieses Königs ausgezogen und in der Atmosphäre pharaonischer Gedankengünge groß geworden, sah bei seinem ersten Ausgange nicht einen Aegypter einen „Israeliten", sondern einen „Ebräer" schlagen, und das zweitemal nicht zwei „Israeliten" miteinander streiten, sondern zwei „Ebräer". — In den Augen Pharaos und seiner Hofschranzen erschien das Volk eben nur als völkische Masse, als eine besondere Rasse mit ihren besonderen Eigentümlichkeiten, mit eigenartigem Gesichtsschnitt, eigenartiger Sprache und eigenartiger Lebensform. Es waren eben „Ebräer" für ihn, von jenseits des Jordan, Ausländer, Fremdstämmlinge, Fremdkörper in seinem Lande, wohl gar jenseits auch der allgemeinen Bildung und der ägyptischen Kulturhöhe! P h a r a o also, der ü l t e st e Vertreter u n d Wortführer der Ra ssen th eori e! Aus dieser Rassentheorie wurde Pharao aber mächtig herauZgeschüttelt! Die feste, eindringliche Sprache Moses, der sittliche, ernste Ton seiner llnabläffigen Forderung nach Freiheit due§ gequälten Volkes, der unbeugsame Wille, das gesamte Volk, jung und alt, Söhne und Töchter, Zu einem höheren Dienste Zu vereinigen, die sichtbare Hilfe des Himmels, die sich immer wieder einstellte, wenndas Volk von neuem durch rohe Menschengewalt versklavt werden sollte, ließen Pharao allmählich erkennen, daß es sich bei diesem Volke der „Ebräer" doch wohl nicht gerade um Rasse oder Stamm, um Gestchtsbildung und Lebensart handle, sondern um eine geistige Volkskrast, die von einem höheren Wipen gerufen, geweckt. ..und., geleitet, wurde. Bei der letzten furchtbaren Plage brachte Pharao das ' rechte Wort auf die Zunge: „Gehet jetzt fort, aus der Mitte meines Volkes, r hr und die Kinde r Israe l"! Der eherne Gang der Geschichte hatte die Rassentheorie des Pharao — zertrümmert! Möchten unsere modernen Rassentheoretiker sich auch in das wahre Problem des jüdischen Volkes, wirre geschichtliche Erscheinung, seine ideale Geisteswelt, ferne ethische Gedankenhöhe, in das wunderbare Phänomen seiner höheren Führung und seiner alle Zeiten undstürme überdauernden Lebenskraft vertiefen, dann würden sie auch aufgerüttelt werden aus ihrem engherzigen und beschränkten Verstehen des jüdischen Volksgeistes, dann würden sie finden, daß die äußeren Eigentümlichkeiten das Allerunwesentlichjte im Judentunr sind, das Wesentliche aber die geistige Kultur und die sittliche Gedankenwelt, die wohl „von jenseits des Jordan" stammt, aber nicht geographisch gebunden ist, sonderrr allerhöchste Welt- und Menschheitskultur bedeutet. kleine Chronik. Im Alter von kaum 47 Jahren verstarb vor wenigen Wochen der Rabbiner der Religionsgemeinschaft in D a r m st a d t Dr. Moses Marx. Der frühe Tod bedeutet für feine Gemeinde einen schweren Verlust; denn dev Heimgegangene hat mit der ganzen Hingabe seiner Persönlichkeit seinem hohen Berufe gedient. Auch die Interessen unseres Vereins hat der Verstorbens eifrig gefördert. In seinem früheren Wirkungskreis Recklinghausen hat er, an leitender Stelle stehend, sich mit Liebe für die Ideen unseres Vereins eingesetzt, und in Darmstadt hat er besonders dafür Sorge getragen, daß in den zu seinem Bezirk gehörigen Landgemeinden der Gedanke unserer Bewegung Wurzel fassen konnte. Persönlich dem rechten Flügel dev Orthodoxie angehörig, hat der Verstorbene doch die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der Juden aller religiösen Richtungen im Abwehrkampf klar erkannt. Wir bedauern den zu frühen Heimgang dieses aufrechten und tüchtigen Mannes. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahre):. — Im gesegneten Alter von 95 Jahren starb in Datteln in Westfalen 'Fräulein Bertha Hecht, Mitglied unseres Vereins seit seinem Bestehen. —. Rabbiner Dr. Bamberger, der Vorsitzende unserer Ortsgruppe Schü^la n ke, ein treuer und bewährter Freund und Mitarbeiter, starb auf dev'Reise zur Hochzeit seiner Tochter iäh und unerwartet. Das Andenken dieses-. Mannes wird bei uns unvergessen bleiben. — Unser Freund Max GwLhmanm (Münster) wurde zum Handelsgerichtsrat ernannt. - . , Wir machen unsere Berliner Mitglieder aus die 5. Veranstaltung unseres Aufklärungszhklus „Das deutsch v ö l» kischeSchlagwort" aufmerksam. Am Dienstag, Id. FeSmrar, abends 7% Nbr, spricht Herr Dr. Bing (Danzig) über „D-che? jüdische Rasse". Der Vortrag findet im Logenhaus, Charloltenburg, Joachimsthaler Stratze 13, statt. (RESD.LL hb au.

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