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Central-Verein-Zeitung · 1924-02-14 · 7 (14.2.1924) · p. Seite 57

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
3 (1924)
Issue
7 (14.2.1924)
Date
1924-02-14
Page
Seite 57 (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 10 Golöpfennkg Serlin, 14. Februar 1924 III. Jahrgang ❖ Nr, 7 ölälter süröeulsclNumWl und luven lum lvryan des tenlral-Vererns deulscker StaatsvüryerjüEcNen Vlaubens?» clss Ollclsnrurns Verlag ü. Cchristleitung: Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.V. Gerlin SA)b8, Llndenftr. 13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 Telegrammadresse: ,Centralglauben Berlin" Postscheckkonto: Berlin 30472 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube (i, Berlin SW 68, Ltndenstr. 7 Monaisabonnemeni (ein vierteljährliches g ibt es vorläufig nicht) 40 Goldpfennig Alleinige A.nzeigencmncü)ine: Annoncen-ExpediUon Rudolf Mofse, Berlin 8W 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,60 Goldmark für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf Blosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Bereins 0,30 Goldmark, die 90 mm breite Reklamezeile 3 Goldmark. Um Deutschtum Justizrat Dr. Gallinger (Nürnberg) In Bayern ist kürzlich unter Führung des Erlanger Professors L e n t eine Nationalliberale Landespartei in Gegensatz zur Deutschen Wolkspartei gegründet worden. In einer M ü n H euer Rede hat Professor Dr. L e n t judenfcindUche Aeußerungen gebrauüit. Der stellvertretende Vorsitzende unseres Landesverbandes Bayern IustizraL Dr. G ö ll i n g e r hat in einem S ch r eiben an P r of e s s o r Dr. Lent zu ^diesen Ausfällen gegen das deutsche Judentum Stellung genommen. Das außergewöhnliche Interesse, das die Auseinandersetzung . zwischen Professor Gold stein und Professor Tilsen seinerzeit Lei imferen Freunden gesunden hat, veranlaßt uns, die beachtenswerte Erwiderung unseres Freundes Gnllinger rmseren Lesern im Wortlaut zur Kenntnis zu bringen. Die S ch r i f t l e i t u u g. Sehr -geehrter Herr Professor! Laut Zeitungsbericht haben Sie in einer Versammlung der Nationalliberalen Landespartei in München geäußert, dem „übermächtigen Einfluß des jüdischen Geistes" auf das deutsche Volk müsse ein Ende gemacht werden. Nach anderem Bericht haben Sie von dem „beh e r r s ch e n den Eins l u ß d e s I u d e n t u m s i n Presse, Kultur und Politik" gesprochen und die Inden als „Volkssremde" bezeichnet, die aus der Leitung der deutschen Politik ausgeschaltet werden müßten. Wir deutschen Inden haben in den letzten Jahren schon Schlimmeres gehört und ertragen. Allein es ist ein Unterschied, wer etwas sagt, ob ein beliebiger antisemitiscker Agitator oder der Führer einer großen bürgerlichen Partei, die überdies die Traditionen einer alten Parier ortsetzen will, in de r en Sei h e n b e k a n u t I i ch - a n ch tets Inden gestanden sind. Als ich vor einigen Monaten — für den Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens — mit Ihnen über die Judensrage sprach, erklärten Sie, daß Sie kein Antisemit seien. Sie verwiesen mich auf das Bild eines jüdischen Freundes aus Ihrem Schreibtisch, und auch aus Ihren sonstigen Aeußerurrgen über die deutschen Juden mußte ' ich entnehmen, daß Sie ihnen objektiv und gerecht gegenüberstehen wollten. Ich habe auch vom deutschen Professor eine aufrichtig hohe Meinung, so daß ich überzeugt bin, er werde den Wahrspruch: Ne quid falsi audeat, ne quid veri.non audeat dieere seientia jederzeit betätigen, auch da, wo er nicht als Mann der Wissenschaft, sondern als Politiker spricht. Ich appelliere an diesen Wahrheitsmnt und bitte Sie, Ihre Worte darauf nachzupr-üfen, ob. sie innerlich wahr und recht sind. Zunächst das Tatsachenmaterial. Wie steht es mit dem angeblich übermächtigen, beherrschenden Einfluß,des Judentums auf P r e s s e ü n d P o l i t i -k? Wer behauptet, muß und Judentum. an Professor Dr. Lent (Erlangen). beweisen. Es gibt freilich Leute, für die es eines Beweises nicht bedarf, weil sie gefühlsmäßig (oder agitatorisch) alles, was ihnen mißfällt, mit dem Judentum in Verbindung bringen. So erscheint ihnen der größte Teil der deutschen Presse als „verjudet" und „in jüdischen Händen", die Reichsregiernng ist ihnen eine „Judemegierung". Ich brauche Ihnen nicht auszuführen, daß das nicht Tatsachen, sondern Märchen sind. Von den Hunderten deutscher Tageszeitungen sind nur einige wenige, meist Berliner Organe, in Besitz von Juden oder von Juden geleitet. In der deutschen Regierung waren nur vereinzelt Juden tätig, seit geraumer Zeit gehört ihr überhaupt kein Jude an. Aber nicht nur die Voraussetzungen sind unzutreffend, sondern auch der Schluß. Staatsmänner stellen sich nicht selbst auf ihren Posten, sondern werden dorthin berufen; auch die wenigen jüdischen Minister, die es im Reiche gab, sind nicht von Juden eingesetzt worden. - Staatsmänner und Presse können auch keine eigene Politik treiben, sondern sie sind nur die Exponenten des Willens der Kreise des deutschen Volkes, deren Vertrauen sie besitzen, und nur solange, als sie dieses Vertrauen besitzen. Es spricht also schon alle Vermutung dagegen, daß aus diesem Wege ein „Einfluß des Judentums" vermittelt werden kann. Noch schlüssiger aber sind doch die Tatsachen. Wo ist ein Beweis dafür erbracht, daß jemals deutsche Politiker jüdischen Glaubens und Stammes, in Absicht oder Taft andere als rein deutsche Belange gefördert haben? Hat selbst fanatischster Haß dies einem Walther Rathenau nachsagen können? Einem Mann von einer Höhe und Reinheit vaterländischer Gesinnung, wie wir sie wohl in jedem deutschen Staatsmann verkörpert sehen möchten. Ein anderes Beispiel: Die als „Judenblatt" viel angegriffene „Frankfurter Zeitung" mag vom , politischen Standpunkt manchem Widerspruch begegnen — auch ich wahre mir das Recht meiner Meinung —, aber wer die Haltung der Zeitung objektiv verfolgt hat, wie sie seit Jahrzehnten mit unbestechlicher Gewissenhaftigkeit alle Auswüchse im Wirtschaftsleben bekämpft, bis ans die Gründerzeiten zurück, wie sie jetzt unter den größten Opfern für die deutsche Geltung und gegen die Fremdherrschaft in den besetzten Gebieten eintritt, der wird sich solche Vorwürfe nicht zu eigen machen. Sie sprachen indes nicht nur vom Einfluß auf Presse und Politik, sondern auch vom Einfluß in der deutschen „Kultur". Das ist freilich ein sehr allgemeiner Begriff, der schließlich das gesamte deutsche Leben umfaßt. Unstreitig, viele deutsche Juden haben eine gehobene und deshalb einflußreiche Stellung im deutschen Leben, nicht durch Zufall oder böse Ränke, sondern durch eigene Leistung. Diese Tatsache

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