Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 3 (17.1.1924)
- Date
- 1924-01-17
- Page
- Seite 17 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2277379-2277464-2277466--00871-2280053- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
iitndmifflfflei* fö Seeli«> 17; Januar 1-24 III, Jahrgang - Nr. 3 Blätter fürihiulfch und Judentum Vryan des kenlralVerems öeutlclrer Slaalsvüryer i üErken Mauvens^v. S^llLtzsr^Sirrs Lsiturr^ des Judentums Verlag u. Schriftleitung: Lentral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Stauben» e.v. Serlin SVbS, Linüenstr. IS Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3585 v. Telegrammadresse: „Centralglauben Berlin" .*• Postscheckkonto: Berlin 30472 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstuve G, Berlin SW 68, Lindenstr. 7 Monatsadonnemenl (ein vierteljährliches gibt es vorläufig nicht) 40 Goldpfennig Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-CLpedilwn Rudolf Mosfe, Berlin SW 19, unö deren Filialen; Anzeigenpreise: 0,60 Goldmark für die 7 gespaltene krtle nach Rudolf LUosseS Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Steltengeiuche für Mitglieder des Central'Bereins 0,30 Goldmark, die 90 mm breite Reklamezeile 3 Eoldmark. Nafienwirkung im ", Die Reichstags Wahlen stchen vor der Tür. In einigen Teilen des Reiches hat der Wahlkampf bereits mit voller Wucht eingesetzt. In einem parlamentarisch regierten Staats wesen hat nun einmal der die Macht, der am Tage der Wahl die meisten Stimmen auf «feinet- Liste vereinigt. Das Volk wählt die gesetzgebenden Körperschaften, die Regierungsparteien besetzen die Staatsstellen bis hinaus zum Reichskanzler. Der Reichsprüsideirt wird in direkter Wahl vom Volke auserkoren. Der Wille der Masten ist heute also auch in Deutschland von ausschlaggebender Bedeutung für das Wohl und Wehe des Vaterlandes und damit aller Staatsbürger. Die Herren Hitler, Wulle, Knüppelkunze und Co. haben längst erkannt, daß sie ihre politischen Ziele nicht gegen die Maste verwirklichen können. Diese Erkenntnis allein hat die Völkischen in eine Kampfstellung zu der deutschnationalen Bruderpartei gebracht, die zu stolz"aus ihre Tradition ist, als daß sie ihre konservative Weltanschauung verleugnet, um die mißtrauischen Masten mit'nationalsozialistischen „Freiheits"- gedanken erfüllen und so den Sieg der völkischen Sache beschleunigen zu können. Die alten/vornehmen Konservativen rücken von dieser d e m a g o g i s ch e n E i n st e l l u n g weit ab. Ein Mann wie der ehrwürdige Preußische Junker v o n d e r O st e u, der Führer der deutschnationaleu Fraktion des Preußischen Abgeordnetenhauses, wird, sich lieber den Stuhl vor die Tür scheu lassen, ehe er sich zu den wahltaktischen Anschauungen der jüngeren Generation um Schlange - Schömngen bekehrt, die den älteren „unbelehrbaren" Führern immer wieder grollend zürnst: „Wir hätten den Kapp-Putsch nicht verloren, wenn wir'einen wesentlichen Teil der Arbeiterschaft hinter uns gehabt hätten!" Die Völkischen nennen das „Ulsterschiede der Taktik". Wer gut hinschaut, weiß, daß es um die politische Ehrlichkeit nud Rechtschaffenheit geht. _ Wenn uns in unseren Versammlungen hie und da gesagt wird, wir könnten von den Völkischen lernen, wie man die Masten beeinflußt, müssen wir zunächst entgegnen: unser Ziel kann n u r s c t n, d i e M a s s e n a n f z n k l ä r e n , nicht die Massen zu verführen. Wir lehnen es ab, auch,ivenn wir dadurch in dom einen oder anderen Falle ins Hintertressen geraten sollten, uns die Art unseres Handelns durch,die Kaurpfmethoden des Gegners vorschreiben zu lassen. Wahre Demokratie setzt Vertrauen zu dem gesunden Sinn des.Dolkes voraus. . Die Piraten der jetzigen deutschen Wirt- . schastsnot mögen mit den judenhetzerischen Behauptungen, die tagtäglich in die Kopse der arbeitenden Bevölkerung.hinein-, geyä-mmert werden, Augenblickserfolge erzielen. Wir weisen es.won uns, obtvohl wir ihre Sünden genaueftens kennen, .Künsten der Demagogie nun etwa die Ausmerktamkeit von uns ans die Landwirtschaft abznlenken, aus der politifthen Kampfe. den vereinigten Judenhastern reiche Mittel zufließen. Wir müssen unseren Gegnern neidlos den Vorrang überlassen, durch skrupellose Dolksverhetznng ihre Einwirkung auf die Masten zu unterstützen. Wir können und werden in zähem Ringen der Unzahl unserer Gegner auch dann Herr werden, wenn Herz und Kopf in unserer 'einwandsfrei e n Aufklärungsarbeit wie bisher lebendig und frisch auf Mastenwirkung überall da eingestellt sind, wo wir in Wort und Schrift Gelegenheit haben, uns an große Teile der Bevölkerung zu wenden. Es sollte nur der ein Flugblatt schreiben, das in einer Riesenauslage in die Bevölkerung hineingeworfen wird, der in dem Volk und mit i h m lebt. Wer's nicht fühlt, der wird es nie erjagen. Die Maste, besonders in den Industriezentren, ist nicht so urteilslos, wie man irr vielen Kreisen meint. Oft muß man die geistige Höhe der Aussprachen in Arbeiterversammlungen bewundern. Die Maste fühlt instinktiv, ob man sie beschwätzt oder ob man mit ihr suhlt.. Jeder, der beispielsweise die von K amP f meh er verfaßte Flugschrift „Wer ist schuld an. Notu n d Elen d?" mit innerem Verständnis liest, dem wird sofort klar, daß hier ein Mann die Feder geführt hat, der die wirtschaftlichen Aenqste und Nöte des Volkes aus ureigenstem Erleben kennt, der den Glauben an die Zukunft unseres Volkes auch in Zeiten schwerster Wirtschaftskrise ausrechtzuerhalteu und zu festigen versteht und daher Mnstenwirkung in reinstem und edelstem Sinne erzielt. Wer das zweifelhafte Vergnügen gehabt hat, sich in Massenversammlungen mit völkischen Führern hernmzuschlagen, ist sich über das Ge h e i m n i s des E r f o l g e s der Inden- Hasser nicht im Unklaren. Antisemitismus, so schwören sie bewegten Herzcn.s, ist nicht alleirr Judenhaß, mit dem sich — das sühken die völkischen Hetzer — kein Arbeiter bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen erkämpfen kann, sondern Hitler-Hilfe für die Schwachen, Knüppelkunzesche Liebe zu den Aermsten der Armen/ Rothsches Mitleid mit den Enterbten des Glücks. Mulles Erbarmen mit den von „Alljudaan" Ansgebouteten. In Massenversammlungen begehen jüdische Redner bei kurze» Aussprachrsristen daher einen Fehler, wenn sie sich zu viel gegen die Verleumdungen der Gegner wehren und.zu wenig erkennen lasten, daß der Judenhaß nicht allein deshalb bekämpft w erd e n muß, weil er d i e I u d e n beschimpft, sondern vor nllem desh al b, wei l er eine Spielart des staats - und Versassungssein blichen Putschismus ist. .Antisemitismusist gleichbedeutend mit „Hakenkreuz am Stahlhelm",- mit Lndendorss-Dikiaturi mit Arbeiterfeindschaft. Hier klar die l Tatsachen r e d c n lassen, dem , .arbeiterfrerindlichen" I BolksbeglückerVe Maske herunterreißen und ihn schütteln bis I er dasteht wie ein entlaubter Stamm! Die Wirkung kann nicht