Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 3 (1924)
- Issue
- 52 (27.12.1923)
- Date
- 1923-12-27
- Page
- Seite 854 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Was alte Zeitungen erzählen. A u s E b e r h a r d t B tt ch n e r s S a nt m e l tot. x k. Es ist immer lehrreich und ersprießlich, sich in vergangene Zeiten ZU vertiefen. Der gewöhnliche Weg dafür ist das G e s ch i ch L s b u ch, das jeder in der Schule oder im Hause durchstöbern kann. Empfehlenswert ist solche Versenkung besonders für die Jugend. Sie ist nur allzuleicht geneigt, die Weltgeschichte von ihrem Eintritt in dieses Leben begannen zu lassen. Kenntyls des Vergangenen, Ehrerbietung vor dem Alten sind hier und da unmodern, rückständig geworden. Diese jungen Menschen verkennen völlig, daß die Gegenwart erst durch die Kenntnis der Vergangenheit den rechten Sinn, die tiefere Bedeutung erlangt. Aber auch viele Erwachsene nehmen das gegenwärtige Leben p stumpf, zu wenig nachdenklich hin. Auch ihnen ist eine Kenntnis der Wurzeln, aus denen wir entsprossen, bitter nötig. Im Bücherschrank verstaubt Grätz^ „Jüdische G e s ch i ch t e" und in der Central-- vereinsverscUN'mtrmg wird Riegers kleine, aber aufschlußreiche Schrift „Vom Heimatsrecht der deutschen Juden" wohl erstanden, gelesen aber wird sie nicht. Diese bedauerlichen Erfahrungen dürfen den Geschichtsfreund nicht hindern, immer lvie'der ans den Wert geschichtlicher Orientierung hinpweisen. Wenig bekannt geworden ist Eberhard Büchners „Das Neueste von gestern", eine fünfbündige Sammlung alter Zeitungsausschnitte vom Jahre 1513 bis 1800 (Verlag Albert Langen, München). Wie anregend und belehrend es in verschiedenen Beziehungen für den deutschen Juden sein kann, mögen die folgenden Beispiele dartun: 1686 wurde Ofen, das die Türken besetzt hielten, von den Kaiserlichen belagert. Als die Stadt nicht so schnell fiel, wie man erhofft, . waren die — Juden schuld. Der Sonntagische Mereurius (Berlin) vom Jahre 1686 meldet darüber: „Ä u ß R o m w o m 10. A u g u st. Weil die gute Zeitung von Eroberung der Stadt Ofen aussen bleibet, hat das gemeine Volck hier wieder die Inden sich empöret und sötten derselben viel ums den Hals kommen seyn, wenn die Militze -dasselbige nicht verwehret und die Juden sich in ihre Wohnungen retirieret leiten." Welcher gläubige Judenfeind betet nicht nach, daß W u che r das dem Juden eigentümliche Geschäftsgebaren fei, p dem ihn seine Naturanlage dränge. Was bedeutet ihm die Lehre von Geschichtswissenschaft und Volkswirtschaft, daß t Zinskapital vorhanden sein muß und daß man, da die christliche Kirche das Zinsnehmen verbot, den Juden das Geldverleihgeschäftckibertrug — die man danach wieder gehörig schröpfte, mitunter auf recht eigenartige Weise, wie Büchner aus dem Mercurü Relation (München) von 1600 mitteilt: „Auß Rom, den 24. Dezember. Denen Juden hat rnan wider ErlauSbniß gegeben, aufs Pfand zu leyhen und dieses aus Bequemlichkeit der Armen doch mit Beding, daß sie aufs ihre Kosten die Statt von allem Koch rein und sauber halten sollten." $ Graf Z ed l ih- Tr ütz schler berichtet an einer auch hier zitierten.Stelle seiner vielgenannten Erinnerungen über die Schwierigkeiten, die sich unter dem alten Regime dem charakterfesten, glaubenstreuen Juden entgegenstellten, wenn er pur Reserveleu.tuant werden wollte. Er weist dies am Beispiele des jungen Goldschmidt- Nothschild nach, der trotz aller Verdienste um den Staat ohne Taufe nicht Offizier werden konnte. „Daß er Jude geblieben ist, beweist nur Charakter-Und wer das als Hinderungsarund anführt -setzt gewissermaßen -eine Prämie aus die Charakterlostgkeit. Molche Prämien hat es früher auch gegeben, besonders, wenn jüdische Stiftungen Zur Taufe hmzukamen„wie Büchner in der „Ordentliche Wöchentliche Postzeitungen (München) 1695" findet: Auß Florentz vom 20. Aupsti. Auß Egypten ist ein Jud, welcher ungefähr 40 Jahre alt und sehr reich seyn soll, allhier angelangt und hat die heilige Taufe allhier empfangen: Unter andern seinen Sachen hat er auch 70 Bücher mitgebracht, darunter sich 2 Hebräische aufs Rollen befunden (denn die Juden hatten vor Zeiten keine anderen als solch gewickelte Schriften). Diese Bücher, welche sehr alt, sollten vom König David mit aigner Hand geschrieben worden sein. Die Juden zu Rom tM Levorno hätten ihme 9000 Scudi -dafür gehoben, er hat sie ihnen^aber nmb solches noch p geringe Geld nicht dafür lassen wollen, sondern selbige dem d-urchleuchtiasten Größ-Hertzog von Florentz verehrt, welches für dieses rare Praesent sich gegen ihme sehr geneigt erzeigt und ihme seinen eigenen Taufs-Namen beigelegt, auch eine Monatliche Bestallung von IM Scudi erteilet und ihme noch dazu einen Pallast. und Bediente verehret." , v Das Heimatr echt der deutschen Juden, für uns ein Begriff, über den zu sprechen uns überflüssig erscheint, war für die , Fürsten des Mittelalters und der frühen Neuzeit ein Ausbmtungs- | objekt. Die „Wöchentlichen Relationen" (Halle) 1723 1 melden: Frankfurter Cigaretten- und Tabakfabrik „FRACI“ G. m. b. H. Frankfurt a. M. Gebe rrnisorM einfacher Mittel gegtn küstjgeHaare, bekannt. FräuleinFrene Müller. Stuttgart B95, Sängerftraße 5. lHallefches Tori narren Beteiligung abzugeden. Offerten unt.7?ssv.L7S an Mndols Mo«se. 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