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Central-Verein-Zeitung · 1923-10-27 · 43 (27.10.1923) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
43 (27.10.1923)
Date
1923-10-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 300 Millionen M. Serlin, 27. Oktober 1923 II. Jahrgang * Nr. 43 Blätter färDentfetitnm unüluoentum Staatsdüryerjüöjfcllen PtoattensTp. 2Ulg£emeine Zeitung des Judentums Verlag u. Schriftleitung: Lentral-Verein Deutscher Staatsbürger jü-ischen Glaubens e.v. Serlin SwbS, Linöenstr. 13 Fernsprecher: Timt Dönhoff 3594, 3595 «\ Telegrammadresse: „Centralglauben Berlin" Postscheckkonto: Berlin 30472 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube a., Berlin SW 68, Lindenstr. 7 Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 19, unb deren Filialen. Anzeigen-Grundpreise: M. 400,— für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Bereins M. 200.—, die 90 mm breite Reklamezeile M. 1800,—. Alle Grundpreise mal 'Schlüsselzahl des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, gültig am Tage deS Erscheinens. /löolf Hitlers „geistige" Waffen. von Luüwig hollänöer. Der zweifellos große Einfluß, den der Führer der deutschen Nationalsozialisten, Adolf Hitler, in den letzten Jahren gewonnen hat, ist nicht durch neue Gedanken oder durch ein besonders sorgfältiges Politisches Programm erreicht worden. An dieser Stelle wurde mehrfach daraus hingewiesen, .däß.es lediglich die Kunst, her VoMverführung ist, namentlich i>ie"Wrtzg»ng der Massen durch die Fälschung wissenschaftlicher Begriffe, die Hitler meisterhaft beherrscht. Es gibt Gegner der Juden, welche durchaus ernsthaft zu nehmen sind und dürch ihr gediegenes Wissen und durch die Redlichkeit ihrer Gedankenführnng eine Zwiesprache zwischen uns und sich ermöglichen lassen. Solche Unterhaltungen pflegen durchaus nicht wertlos zu sein. Hitler gehört nicht zu diesen Leuten. \ Er hat sich setzt zu einem Schritte bereit gefunden, der es züm erstenmal ermöglicht, feine Gedankengänge einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. Einige feiner Reden, die früher bis auf wenige Ausnahmen streng geheim gehalten wurden, die man nicht mitschreiben konnte und denen Man nicht entgegentreten durfte, ohne niedergeschlagen zu werden, sind nunmehr von einem Herrn Adolf Viktor v. Ko erb er herausgegeben und im Druck erschienen. Sehen wir uns heute die Grundlagen dieser Reden näher an! Unter dem Titel: „D i e „H e tz e r" d e r W a h r h e i t" legt Hitler die Grundlagen seiner politischen Weltanschauung den Massen dar und erklärt: - „Erstens: „National" und „sozial" sind zwei identische Begriffe. Dem Juden erst ist es gelungen, durch die Umfälschüng des sozialen! Gedankens zum Marxismus diesen sozialen Gedanken nicht nur dem nationalen zu entfremden, sondern sie als stärkste Gegensätze hinzustellen." Man muß sich den Kopf halten, wenn man das liest. Die Sätze zeigen, daß Hitler nicht die geringste wissenschaftliche! Grundlage besitzt, um überhaupt über politische Dinge sprechen , Zn können. National und sozial liegen auf vollkommen ver- > schiedenen Gbenen. Während bei aller Bestrittenheit des Begriffs „national" die einmütige Auffassung vorherrscht, daß man' unter nationalen Belangen alles zu verstehen hat, was die Erhaltung des Staates, seine Achtung, seine Geltung im Rate der DMer verbürgt, bezieht sich der Begriff sozial zunächst ans alle diejenigen! Umstände, welche das tatsächliche Verhältnis des einzelnen Menschen zu menschlichen Gruppen oder der Menschheit im ganzen betrifft. Weiterhin wird unter „sozial" alles dasjenige verstanden, was einen harmonischen Ausgleich zwischen dem Interesse des Einzelnen und der Gesamtheit herbeizuführien geeignet ist, und endlich auch alles das, was die Wohlfahrt des Einzelnen in der Gesellschaft und durch die Gesellschaft zu erstreben geeignet erscheint. Diese kurze Andeutung mag schon den Beweis erbringen, daß Hitler einfach törichtes Zeug schwätzt, wenn er behauptet, national und sozial seien zwei identische Begriffe. - Roch komischer aber wird Hitlers Behauptung durch den schönen Satz, es sei erst dem Juden gelungen, durch die Umfälschung des sozialen Gedankens zum Marxismus diesen sozialen Gedanken dem nationalen zu entfremden. Man möchte wirklich Herrn Hitler einmal um Aufklärung bitten, was er denn eigentlich unter Marxismus versteht. Selbstverständlich wird er als ein gewissenhafter Deutscher die Werke von Marx so genau beherrschen, daß er jederzeit mit Quellenangaben über den Inhalt der Marxschen Lehre dienen kann. Mit Marxismus kann der Herr Hitler die Sozialdemokraten nicht meinen, denn Herr Hitler wird nicht behaupten wollen, daß die heutige deutsche Sozialdemokratie mit den wissenschaftlichen Auffassungen von Karl Marx völlig gleichgesetzt werden kann. Ist das aber nicht der Fall, so möge er doch angeben, da er doch in Wirk- , lichkeit die Sozialdemokratie meint, weshalb er denn immer Ueber 1000000000000 Mark kostet die Herstellung der vorliegenden Nummer der „C. V.-Zeitung“. Sollen wir gerade in den Tagen unerhörten deutschvölkischen Ansturms das Erscheinen der „C. V.-Zeitung“ einstellen, weil die eingehenden entwerteten Beträge nur einen Bruchteil der unaufhaltsam steigenden Herstellungskosten betragen? Bas kann nicht euer Wille sein, Barum : Spendet schnell und reichlicht Einzahlungen auf Postscheckkonto 30472 Berlin oder Dresdner Bankt Berlin SW 68, hihdensir. 1, Wechselstube G,

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