Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 42 (18.10.1923)
- Date
- 1923-10-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 20 Millioven M. Berlin, IS. ldkiober I-L3 U. Jahrgang ♦ Nr. 4L ±24 VMler färitenffcMnma] undluventum vryan des tenlralVereürs tonfcfier. ötaMsvüryeriiwlscden CloubcnsTr Äll^emeine £eiruri(£ des Oudentums Verlag u. Schriftlertung: (entral-Verein öeutfcher Staatsbürger jüöischen Glaubens e.V. Gerlin SVbT, Linöenfrr. lI Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 ■ Telegrammadreffe: „Centralglauben Berlin" Postscheckkonto: Berlin 30472 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube O., Berlin 8>V 68, Linbenstr. 7 DUe ge itschrift ist nur durch die zuständige Postanstalt zumPrei.se von vierteljährlich 25 Millionen M. zu beziehen Ulleinige'Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW19, und deren Filialen. Anze.igen-Erundpreise: M. 400,— für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf Mosfes NormalZeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stelsengesuche für Mitglieder des Central-Vereins M. 200.—, die 90 mm brejte Reklamezeile M. 1800,—. Alle Grundpreise mal SchLüsselzahl des Vereins Deutscher Zeitungsverieger, gültig am Tage des Erscheinens. - Der Abgeordnete Major a. D. Henning hat am letzten Donnerstag eine Flugblattrede im Re i ch s t a g gehalten, deren Schlußsätze nach dem Bericht in den Tageszeitungen also .lauten: * •' / , W i v xo n r it e n b i c I it b c n f dj ct f t! Die völkische Frage . i ft.“ löaigft entschieden. Wenn eine Bewegung wie die völkische untere rn Drucke trotz MfeZ Drnctks zu ' solch ele'meritarer Grüne nnschwillt, wie es heute geschieht, bann ist sie nicht mehr zu unterdrücken. Es handelt sich nur "Parum, wie die völkische Frage gelöst wird. , - Wenn das Judentum glaubt, mit allerlei Maßnahmen den Bogen überspannen zu können, wenn es glaubt/das deutsche Volk ließe sich niederknüppeln und man könne die Reichswehr als Schergen f ü x das Judentum gegen die Völkischen benutzen, dann sind auch wir eines Tages nicht mehr in der Lage, unsere Leute im Zaume zu halten. We n n d a s I u d e n t u w e s s o w e i t e r t r e i b t; da n n möchte ich n i ch t Jude s e in , wenn der Tag der Abrechnung kommt!" Inzwischen hat der Telegraph aus Beuthen gemeldet, daß Herr K u n z e dort bereits nicht mehr in der Lage ist, seine Leute im Zaume zu -halten. Die Juden sind in Beuthen vogelfrei, werden auf den Straßen angehalten, auf ihre Zugehörigkeit zum Judentum untersucht und niedergeschlagen. Die Schutzpolizei schreitet ein, i st aber n i ch t i n bcr Sage, Verhas t u u g envnrz u n e h m e n. Ein förmlicher Ausnahmezustand für die oberschlesischen Juden, die in der Abstimmungszeit in vorbildlicher Weise chre Pflicht als Deutsche getan haben, eine Bankerotterklärung der Reichsgewalt, die der „elementaren Größe" des Beuthener Strauchrittertums nicht mehr Herr zu werden scheint. Sind die D roh ungen des Herrn Henning oder die T a t e n derer um Kunze die befreienden, rettenden, deutschen Täten, unser Volk seelisch gesunden .zu lassen? Haben sie das Ansehen Deutschlands im Auslande gefördert? Sind sie. Hoffnungsstrahlen an dem pechschwarzen Horizont, aus die das gesamte deutsche Volk seit langer Zeit sehnsüchtig wartet? Das Ovgan der deutschvölkischen Freiheitsbewegung, das „D e u t s ch e Tageblat t" verkündet in Riesenlettern über der Rede des Herrn Henning: „Völkis che Wirtschastss r a g e n i m R e i ch s t a g". Versprechen sich unsere Feinde eine Besserung der wirtschaftlichen Lage des deutschen Volkes, wenn die Beuthener Vorgänge sich an anderen Stellen Deutschlands wiederholen; wenn die zu jeder Tat entschlossenen Rollkommandos unter dem eisernen Willen unbeugsamer Führer eine noch energischere Tätigkeit entfalten? Rur völlig verantwortungslose Menschen werden über die Folgen ihrer Handlungen nicht Nachdenken. Eine Volksgemeinschaft, in welcher an jedes Mitglied von.Staats, wegen so außerordentlich hohe Urisprüche gestellt werden, um diesen Staat am Leben zu erhalten, ist aber verpflichtet, hellhörig zu sein, wenn Herr Henning mit Pogrömgedanken spielt, und ein w ä-ch s a m e s Auge aus Vorgänge zu haben, wie.sie sich betrüblicherweise in Beuthen abgespielt.haben. Der Rät h e n a u -"M o r d spricht eine warMAe, Sprache.. - Seit Wenn veMkritznisvollen Tage ist es mit dem^oeuLschen Volke bergab gegangen. Kann die nicht mehr zu steigernde Verhetzung innerhalb Deutschlands noch weiter gehen, ohne daß das gesamte deutsche Volk aufs schwerste geschädigt wird? Glaubt jemand, daß Straßenräuber und Plünderer, wenn sie erkennen/ daß der Staat nicht mehr die Machtmittel hat, um ihnen das Handwerk zu legen, ihren Vorwand noch lange aufrecht erhalten werden: wir rauben und plündern, weil wir als gute Deutsche Feinde des undeutschen Judentums sind. Rein, dann wird bald unterschiedslos die Flut der Anarchie sich über die Christen und Juden ergießen, und die Geldgeber, die die Kassen der Herren Henning, Kunze und Hitler mit Unsummen immer wieder neu auffüllen, werden eines Tages mit Schrecken erkennen, daß sie, die des andern Haus, anzünden lassen wollten, um das eigene zu retten, g l e i ch f a l l s dem großen Brande im deutschen Vaterland zum Opfer fallen werden. Gerade in diesen schwersten Tagen deutscher-Geschichte muß die ruhige und friedliche Bevölkerung das V e r t r a u e n zu der Regierung haben, daß sie Plünderern und Strasienräubern, auch denjenigen, die unter der Maske des Patriotismus diesem verruchten Handwerk nachgehen, ihre. Autorität mit allen Mitteln entgegensetzt. Verlangt die deutsche . Republik das Vertrauen und die Mitarbeit der deutschen Volksgemeinschaft, , dann darf sie diese nicht in der Stunde höchster Gefahr im Stiche lassen. Aber nicht nur an die Regier enden sei eine Warnung gerichtet. Laut und eindringlich sei unsere Stimme zum tausendsten Male erhoben gegenüber denjenigen unserer j ü d is ch e n Deutsche n , die den ganzen Ernst der Situation noch immer nicht erfaßt haben/die selbst durch die Posaunentöne des Herrn Henning im Reichstage und die Gewalttätigkeiten in Beuthen und anderwärts aus ihrem sanften Schlummer nicht ausgerüttelt werden können. Die Saumseligen, die Geizigen, die kleinlichen Nörgler und die großen Allesbesserwisser in unseren eigenen Reihen werden eines Tages unsanft erwachen, wenn es nach dem Willen derer um Henning geht. .Nur wenn wir mit der Opferwilligkeit und Entschlossenheit unserer Gegner Gut und Blut' einzusetzen bereit sind, werden wir das wohlorganisierte Attentat aus Leben" und Ehre der jüdischen Deutschen noch in letzter -Stunde vereiteln können. R. H. - Hannover: /