Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 41 (11.10.1923)
- Date
- 1923-10-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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316 Schützt verleumdete Mitglieder! Die Vorgänge in Limburg. Durch die gesamte deutsche Presse ohne Unterschied der Parteirichtung ging in den letzten Wochen die Notiz, daß die Viehhändler Sally Landau, Sallh Heilbronn, Salonwn Hofmann aus Nassau und Emil Strauß aus Miehlen wegen der Benutzung des französischen Regiezuges auf dem Bahnhof Eschhofen bei Limburg verprügelt worden seien Und daraufhin die französische Besatzungsbehörde in Limburg gegen die deutsche Eisenbahnverwaltung in Eschhofen alarmiert hätten; die Besetzung 'des Bahnhofs Eschhofen und ernrger Orte im Lahntale sei auf diese Denunziation Zurückzuführen. Die FeMellmr--. gen. die wir anläßlich dieser Notiz geimacht haben, haben ergeben: Von den Zeitungsmeldungen ist nur. die eine Tatsache richtig, daß ein Viehhändler'am Bahnhof Eschhofen verprügelt wurde. Alle übrigen in der Presse wiedergegebenen' Mitteilungen sind haltlose Perlen m d u n gen, die offensichtlich nur den Zweck verfolgen, auch auf diese Weise gegen die Juden Stimmung zu machen. Der Viehhändler Emil Strauß hat noch niemals seit der französischen Besetzung den Regiezug nach Limburg bzw. Eschhofen benutzt und sich am Tage des Vorfalls' überhaupt nicht aus seinem Wohnort Miehlen entfernt. Die Viehhändler Heilbronn und Hof mann sind zwar mit dem Regiezug gefahren, aber nicht in die tätlichen Angriffe verwickelt gewesen. Keiner der vier vorgenannten Inden hat sich mit den Franzosen in Verbindung gesetzt; aus welchem Grunde die Vergeltungsmaßnahmen erfolgt sind, entzieht sich ihrer Kenntnis. Die Vorgenannten beabsichtigen, wegen des .ihnen gernachten Vorwurfs des Landesverrats gegen alle Zeitungen, welche die Notiz brachten, gerichtlich vorzugehen und vor allem beschleunigt eine pressegesetzliche Berichtigung zu bringen. Wir haben es übernommen, den erbetenen Rechtsschutz zu gewähren, da es sich um eine Angelegenheit handelt, die die gesamte deutsche Judenheit angeht und gefährdet. Wir bitten daher alle Ortsgruppen und Einzelmitglieder, uns umgehend die betreffende Zeitungsnotiz im Original unter Angabe des verantwortlichen Schriftleiters, des Tages und der Nummer der Ausgabe zuzusenden. Besondere Begleitschreiben sind entbehrlich. C e n t r a l v e r e i n deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens.. Hugenotten unö Juden. Herr Dr. F-ritz Edinger (Frankfurt a. M.) schreibt uns: In Nr. 39/40 hat Herr Rabbiner Dr. Rieger meinen Aufsatz „Deutschtum und Juden tune" im jüdischen Sonderheft der „Tat" freundlich besprochen. . Nur dies hat er beanstandet, ich habe die am Ende des 17. Jahrhunderts nach Preußen geflohenen Hugenotten, die „rekuZützs", den deutschen Juden mit ihrer zwei Jahrtausende alten deutschen Vergangenheit als Vorbild empfohlen. Das hat mir völligferngelegen. Ich habe im mündlichen Gespräch wiederholt darauf hingewi-esen, welche Anmaßung darin liegt, wenn heute Hugenotten, Emigranten von 1789, ja selbst Leute wie der deutschnationale Abgeordnete Bazille, dessen Vater noch 1870 gegen Deutschland als französischer General focht, oder gar der Engländer H. St. Chamberlain, der es bis zum Kriege nicht für nötig hielt, die deutsche StaatsangehöDigkeiL zu erwerben, als deutschvölkische Hetzer austreren und das Heimatrecht der deutschen Juden bestreiten. Das gleiche gilt auch gegenüber jenen „Ostelbiern", die man zu einer Zeit zu „kolonisieren" anfing, als wir Juden schon über ein Jahrtausend aus deutschem Boden saßen. Wenn ich die Hugenotten von Berlin und Potsdam (es gibt auch noch verschiedene andere solche französische „Kolonien" in Deutschland) als Beispiel, aber keineswegs als Vorbild heranzog, so geschah dies, um zu zeigen — vor allem den nichtjüdischen Lesern —, daß man sehr wohl nicht nur die angestammte Religion, sondern auch die alte Tradition und die alte Kultur, den Stolz auf die alte Ueberlieserung und das Gemeinschaftsgefühl, das -dieser Stolz gibt, wahren kann, ohne deshalb ein weniger guter Deutscher zu sein. Dis vor kurzem bildeten die „französischen Kolonien" in sich abgeschlossene, aristokratische Gemeinden, nicht nur mit eigenen Kirchen, sondern auch mit eigenen Schulen (französisches Gymnasium in Berlin) und eigenen FürsorgeeinrichLungen die die alte Tradition wahrten. In seinen „Kinderjahren" erzählt uns Theodor Font an e, dessen Deutschtum noch niemand bezweifelt hat, von der Stammtafel -der französischen Kolonie und dem Stolz seiner Eltern auf ihre südsranzösischL Abstammung. Neben ihiü seien genannt: Friedrich de la Motte-Fouque, der Verfasser dev „Undine", Clemens und Bettina Brentano, die Kinder der Hugenottin Maximiliane Laroche und des Italieners Brentano di Tremezzo, vor allem die vielen preußischen Offiziere aus Hugenottenfamilien, die für ihr-Vaterland gekämpft haben und gefallen sind. Es erschien mir nötig, aus diese Dinge hinzuweisen, weil gerade die uns wohlwollenden Nichtjuden, und neuerdings auch Juden wie Walther R-athenau, immer wieder betont Haben, daß nur die vollkommene Aufgabe jeder jüdischen Eigenart und jedes jüdischen Gemeinschaftsgefühls die Juden zu wahren deutschen Staatsbürgern machen könne. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß diejenigen, die die Assimilation um jeden Preis unter Aufgabe jeder jüdischen Eigenart -erstreben, vollkommen aus dem Irrweg find, daß niemand mehr -den Antisemitismus weckt als die so „assimilierten" Juden, und daß - der Weg zum wahrhaften deutschen Staatsbürge rtum über eine stärkere Betonung der jüdischen Gemeinschaft und des jüdischen Seirlstbewußtseins führen wird. Neichszuschüsse für die Gemeinden. Von Dr. I s m a r Freund (Berlin). Das Finanzausgleichsgesetz vom 20. Juli 1923 sieht in 8 60 Absatz 8, wie an dieser Stelle bereits ausführlich berichtet, vor, daß auch für die Religionsgemeinschaften des Art 137 R. V. nach näherer Bestimmung des Haushaltsplanes^ vorn Reiche Zuschüsse zu den Gehältern der Beamten und den Vergütungen der Angestellten gewährt werden. Der Haushaltsausschuß des Reichstags hat in einer Sitzung vom 13. August d. I. den dringenden Wunsch nach beschleunigtem Vollzug des Gesetzes geäußert. Demzufolge ist von den zuständigen Reichsstellen die Vorbereitung der Gesetzesanssührung 'in Angriff genommen worden. Es handelt sich hierbei zunächst darum, die Grundlagen für die Berechnung der Summe zu gewinnen, die in den Haushaltsplan einzustellen ist. Zu diesem Behufe ist es notwendig festzustellen, w>ie viele Beamte usw. jeder. Kategorie in den einzelnen Gemeinden vorhanden und wie deren Bejoldungsverhältnisse bisher geregelt sind. Mit der Beschaffung des Materials sind die religionsgestzllschaftlichen Zentralverbände betraut worden. Demzufolge hat der Preußische Landesverband an die Gemeinden den folgenden Fragebogen versandt. Name der Gemeinde.—- .- Ortsklasse..- A. Für Beamte und Angestellte (nach dem Stande vom 1. April 1922). Art der Besoldungsgruppe Soweit eine Ein¬ Zahl der Besond. Dienstd. Reichsbesoldungsgruppierung am Beamt. Bemerstellung ordnung, soweit vor 1. 7. 1923 nicht vorkungen dem 1. 7. 1923 eine lag, durchschnittliche Eingruppierung er¬ Gehaltsätze am folgt ist 1. 7. 1923. B. Nebenberufli ch tätige Personen (nach dem Stande vom 1. Juli 1923). Art des Dienstes Umfang der Tätigkeit Gesamtzahl der am Erlänte- 1. 7. 1923 Nebenberufrungen lich beschäftigten Personen Die Fragebogen sollten spätestens bis zum 12. Oktober ausgefüllt zurückgesandt werden, da das ganze Material bis zum 17. Oktober verarbeitet und an das Ministerium abgeliesert sein muß. Da es sich bei der Bewilligung der Zuschüsse unter den gegenwärtigen Zuständen für die Gemeinden um eine Existenzfrage handelt, liegt es in ihrem eigensten Interesse, daß das Material rechtzeitig genug eingesandt wird. Denjenigen Gemeinden, die etwa die Fragebogen noch nicht zurückgesandt haben sollten, kann nur auf das dringlichste geraten werden, dies an die Adresse des Preußischen Landesverbandes (Berlin N, Oranienburger Straße 29) unverzüglich zu tun, da sie sonst Gefahr laufen, bei der Aufstellung nicht berücksichtigt zu werden. Mit Rücksicht darauf, -daß das Gesetz Itzlbst noch nicht in Vollzug gesetzt werden konnte, ist die für den Monat September getroffene Vorschußregelung bis zum 1. November verlängert worden. Die Gemeinden können demzufolge entsprechende Anträge an die Regierungspräsidenten richten. Soweit sich Anstände ergeben sollten, wird empfohlen, daraus zu dringen, daß seitens des Regierungspräsidenten bei dem preußischen- Kultusministerium unverzüglich, eventuell telegraphisch, Weisung "eingeholt wird. Antworten. An unsere Landesverbände nnd Ortsgruvven. Wir Litten dringend, den Plan der Winterveranftaltungen möglichst bald der Hanptgeschäftsstelle in Berlin mitzuteilen. Falls die Anwesenheit der Herren Dr. Holländer, Dr. Wiener oder Schweriner erwünscht ist, bitten wir um rechtzeitige Benachrichtigung. Der Tag des Vortrages ist nur nach Verständigung mit der Hauptgeschäftsstelle festzufetzen. Kaufhaus Julius Nürnberger, Bremen. Wir bestätigen mit bestem Dank Ihre Spende. Wir empfehlen Ihr Verhalten zur Nacheiferung, daß die Geschäftsleitung den dreifachen Betrag d e r v o n d e n A n g e st e lI' - Pen aufgebrachten Summe für die „C. V.-Zeitung" gezeichnet hat. vereinsnachrichten. Berband Grotz-Berliner Ortsgruppen des C. B. Ortsgruppe 8., sw., so. Die Franengruppe veranstaltet am Montag, 15. Oktober, abends 8 Uhr. in der Markgratenstraße 84 bei Mamlok u. Söhne, zweiter Hof parterre, einen literarischen Abendmit Diskussion. Durch Mitglieder ei nge führte Gäste willkommen. Der Vorstand. I. A.: Frau M. Fried, 81V., Tempelhofer Ufer 6. Deutfchjüdifche Jugendgemeinfchnft, Bezirk Nordwest. Kunstabend am Sonnabend, 13. Oktober, 8 Uhr, in der Aula der Kirfchner- Oberrealschule, Fwinglistraße 2, unter Mitwirkung namhafter Künstler. Karten an der Abendkasse erhältlich. Ortsgruppe Stettin. Alledie Mitglieder, bei denen der Bote infolge Ueberlastuna noch nicht erscheinen konnte, werden ersucht, die fälligen Beiträge für das dritte Quartal ungesäumt an den Schatzmeister der Ortsgruppe, Herrn Max Eisenstein, Kleine Domstraße 21, zu leiten. (Postscheckkonto 34 635 Stettin.) Die Ab* lieferung muß bis spätestens 15. Oktober erfolgt sein. Landesverband Pommern. Bedauerlicherweise stehen noch einige Ortsgruppen mit ihren Beiträgen für r das dritte Quartal aus. Wir ersuchen um sofortige- Einziehung nnd Ablios-erung der Gelder an unseren Schatzmeister Herrn Max C i s e n st e i n, Stettin, Kleine Domstraße 21, Postscheckkonto 34 635. Auch das Inkasso für das vierte Quartal muß unverzüglich vorgenommen, werden. Sonderbeiträge entsprechend der Geldentwertung sindin- Anbetracht des- Ernstes der Lagedringend evwMstht.