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Central-Verein-Zeitung · 1923-08-30 · 35 (30.8.1923) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
35 (30.8.1923)
Date
1923-08-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer AHHK-M Serli-, 3V. Mgust 1923 II. Jahrgang ❖ Nr. 35 SMtter sürveutscd unö Judentum vrtzaa des iLntralVerems deutscher ötaatsvüryeriüdiscken Slauvens'?« S^lltzomeind Zeitung des Judentums Verlag ri. Schrjstleitung: Lentral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.v. Herlin StvbS- Linüenstr. 13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 ♦% Telegrammadresse: „Centralglauben Berlin" Postscheckkonto: Berlin 30472 " Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube G., Berlin SW 68, Lindenstr. 7 Die Ze itschrift ist nur durch die zuständige Postanftalt zum Preise von viertelt ä hr lich M. 50000,- zu beziehen Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin 8W 19, and deren Filialen. Anzeigenpreis: M. 800O0,— für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Verems mit 5(P/o Nachlaß Die 90 mm breite Reklamezeile M. 350000,— Weg-Genofjen! von Julius El bau. In den Tagen, die der Berufung derueuen Reichsregierung oorausgingen, wartete man in Paris mit der Uhr in der Hand auf die Stunde des deutschen Zusammenbruchs. Um dieselbe Zeit unterhielten sich Deutfchvölkische und Kommunisten über die Frage, wie man am zweckmäßigsten zusammenar beiten könne. Im kommunistischen Vertag erschien die Broschüre „Schlageter" mit. Beiträgen deutschvölkischer und lommunistischer Autoren. Gras Ernst Reventlow schrieb in der „Roten Fahne" unter der Ueberschrist „Ein Stück Wegs", und in öffentlichen Versammlungen erklärten kommunistische Führer, selbst die Mörder Liebknechts und Rosa Luxemburgs seien als Kampf- und Weggenossen willkommen. 'Seit Dr. Stresemann die Führung der Geschäfte in die Hand genommen bat, ist man aus beiden Seiten etwas vorsichtiger geworden. Eitler ist sogar von Reventlow äußerlich abgerückt, und die kommunistische Presse „kämpft" wieder gegen die Fascisten. Offenbar hat es diesmal noch nicht geklappt', und der Tag der Revolution ist wegen ungünstiger Witterung verschoben worden Aber das ändert nichts an der Tatsache, daß das kommunistisch-völkisch-national-internationale Zwischenspiel weiteren Kreisen „ein Stück Weges" beleuchtet hat, ein Stück des Weges, den die Rechtsradikalen das deutsche Volk zu führen gedenken. Die Auseinandersetzung zwischen Ernst Reventlow und Paul Frölich, zwischen Hakenkreuz und Sowjetstern, zwischen. „Reichswart" und „Roter Fahne" arbeitet reichlich mit idealistischen Gedankengängen und wohlklingenden Schlagworten. In Wirklichkeit kommt es aus die Argumente gar nicht an. Es wäre das erste Mal in der Politik, daß sich Gegensätze diametraler Art durch Hin- und Herreden cmsgleichen ließen. Auch die Zahl der beiderseitigen Anhänger, die man durch diese Wortkämpfe überzeugt, ist so verschwindend, daß sich der gewaltige.Aufwand nicht lohnt. Die Drahtzieher im völkischen wie im. kommunistischen Lager sind alles andere als Ideologen, und wenn sie ihre Zeit damit zubringen, sich gegenseitig Liebenswürdigkeiten zu sagen, so verfolgen sie damit rein Praktische Zwecke. Das „Stück Wegs", das die Rechtsradikalen und die Linksmdikalen gemeinsam gehen können und gehen wollen, ist das 'Ltück, das Deutschland vom Abgrund trennt. Es gibt keine ideelle Verbindung Mischen beiden Lagern. Aber beiden gemeinsam ist der Wunsch, die bestehende Staatsordnung zu stürzen, und aus dem Trümmerhaufen die Barrikaden für neue Kämpfe zu machen. Wer an fängt, dient gleichzeitig den Zwecken des anderen, und deshalb soll di« courtoisievolle Aussprache der Gegenseite die Gewißheit geben, daß eine Art von „Burgfriede zwischen den Bündesgenosien besteht, bis das „gemeinsame Ziel" erreicht ist. Dabei spielen außenpolitische Momente eine entscheidende Rolle. Die Diskussion wurde ausgesponnen von Karl Rädek, der in Moskau eine Grabrede für Albert Leo Schlageter hielt. Dieser Verschwörer, dem die Revolution Selbstzweck ist, soll, wenn, es nach Den Plänen Moskaus geht, in einem bolschewisierten Deutschland die Rolle des „Beräters", eines Bizckönigs ohne Tltel, spielen. Seine ganze Tätigkeit ist baixmf gerichtet, sich für diese Rolle vorzubereiten. Das weiß man im völkischen Lager, und trotzdem geht man/bereitwillig ans seine Töne und Pläne ein. Karl Radek — gestern noch der i ' „Jude Sobelsohn" — ist plötzlich hoffähig geworden für die Leute, die der Entente die Feldzugspläne für den Kampf gegen Sowjetrußland zur Verfügung gestellt und den Hakenkreuzzug gegen den Bolschewismus gepredigt hatten. War es damals ein Zarengeneral, mit/dem man die'Konvention von Tauroggen erneuern wollte, so tut es zur Not auch ein Abgesandter Lemns. Die Hauptsache.ist, daß es wieder ein Betätigungsfeld für die Strategen gibt, die seit 1918 Pensioniert sind. Radek hat früher davon gesprochen, daß die Rote Armee am. . Rhein kämpfen werde. Daran kann im Ernst nicht gedacht , werden. Das Kampffeld wäre nicht am Rhein, sondern im Herzen Deutschlands, wie im Dreißigjährigen Krieg. Die völkische Bewegung wird vielfach voll, den Kreisen des' Großkapitals als ba§ „Gegengift" gegen die linksvadikale Gefahr gefördert. Und die bayerischen Bürger, denen der Rätefchreck npch in den Knochen liegt, haben sich vielfach den Gruppen angeschlossen, die am lautesten gegen den „Marxismus" zu Felde zogen und die „Novemoerverbrecher" — Sozialisten und Juden — zu hängen versprachen. Diese biederen Leute fttto das Opfer von Demagogen geworden, die jetzt die Maske lüften. Soweipsie sich nicht auf das „Sprüchemachen" ■ beschränken, sondern wirklich etwas wolle n, ziehen sie mit den Kommunisten an einem Strang. Wenigstens' „ein , Slück Wegs". . - | Man soll die Gefahr nicht unterschätzen, die'in .diesem Zu- ' sammenwirken von Elementen liegt, die unter Mißachtung 10 587 Mitglieder haben bis zum 27. August ihren Sonderbeitrag f ür die „C. V.- Zeitung,r eingesandt. Bist du unter diesen? Wenn nicht, so Übersende uns ungesäumt deine Spende.auf Postscheckkonto Berlin 304 72 oder Dresdner Bank, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, Wechselstube G,

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