Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 33 (16.8.1923)
- Date
- 1923-08-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Eknzekmuunrr 5000 M. Serll«, I». Mguft 1-r- II. Jahrgang ♦ Nr. 38 Blätter ArSeiitscMllm» unvluoentum 'vrHao des tartralVerems deotseKw. StaatsdüryerjiwlscKen VlaudensL« A.II^sri'lSinlS cjss Verlag u. Echriftleitung: Lentral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.v. Gerlin SWdS, Lindenstr. 12 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 Telegrammadresse: „Centralglauben Berlin" ... Postscheckkonto: Berlin 3V472 Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstnbe o>, Berlin 8W 68, Lindenstr. 7 Die Zeitschrift ist nur durch die zuständige Po ft an st alt zum Preise von vierteljährlich M. 50000,— zu bezi ehe» Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Eypedition Rudolf Mosse, Berlur 8XV 19, ünd deren Filialen. Anzeigenpreis: M. 40000,— für die 7 gespalten» Zeile nach Rudolf Mosses Normalzeilenmesser Nr. 4. Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereius mit 50°j0 Nachlaß. Die 90 mm breite Reklamezeile M. 175000.— Der wahre Zichte. von De. jur. I. L e v y. Johann Gottlieb . Fichte, der. Schutzpatron der Hakenireuzler, hat alle Aussicht, zum Judenstämmling ernannt zu voerden. Zwar gibt es einen deutschen Fichte-Bund, der nach seinen Beschlüssen vom 14. Juli 1919 nur Abkommen christlicher Eltern Aufnahme gewähren wollte und auch denen nur, sofern sie „sich nicht durch eheliche Verbindung mit einer fremden Rasse gegen die germanische Rasse verkündigt haben". (Erst am 1. Februar 1923 entschloß mau sich, ditrch eine neue Fassung der Satzungen die antisemitische Einstellung formell zu beseitigen.) Auch gibt es eine Fichte-Gesellschaft zum Schutz deutsch'vvlkischer „Lebensbelange". Auch ruft Herr Theodor Fritsch in seinem „Handbuch der Judenfrage" anderthalb Seiten lang Fichte als Cideshelfer an. Aber wie lange noch? Eine Götzendämmerung ist im Anzug. Einem Schwindel wird der. Garaus gemacht. Odeir-doch?- -W a r der große Denker und Kämpfer, der die Reden an die deutsche Nation gehalten hat, Antisemit? Herr Fritsch und seine Nachtreter behaupten es unter. Berufnngauf Äeußerungen Fichtes in seiner Jugendschrift über die französische Revolution. Zwar werden sie sich hüten, diese Schrift schlechthin zu. verteidigen,' geschweige zu verherrlichen. Denn sie räumt rücksichtslos mit allem aus, was als Grundlage der Monarchie und vollends des christlichen Staates gilt, und verkündet das Recht auf Revolution. Jedennoch, auch aus der Gistblume weiß der Judenhaß Honig zu saugen. Ergo wird mit wenig Witz und viel Behagen zitiert, wie Fichte die Juden abkanzelt, weil sie -sich abfchließen, Kleinhandel treiben, das Volk ausplündern, am „alten Vaterland" hängen, und wie er kein Mittel sehe, ihnen Bürgerrechte zu geben, als das, ihnen allen in einer Nacht die Köpfe abzuschneiden und andre aufzusetzen, oder auch ihnen ihr gelobtes Land zu erobern und sie allesamt dahinzuschicken. Na also, was bleibt noch an Deutlichkeit zu wünschen? Immerhin einiges, sintemalen Fichte an derselben Stelle, ums Herr Theodor Fritsch verschweigt, folgendes schreibt: „Fern.sei von diesen Blättern der Gifthauch der Intoleranz, wie er von meinem Herzen ist!. Derjenige Jade», der über die festen, man möchte sagen unübersteiglichen Verschanzungen, die vor ihm liegen, zur allgemeinen Gerechtigkeits-^ Menschen- und 'Wahrheitsliebe hindurchdringt, ist ein Held und ein,. Heiliger." Weiter verschweigt Herr Fritsch, daß Fichte in derselben Schrift von 1793 erklärt, Menschenrechte allerdings,, die müßten die Juden haben: „Denn sie sinß Menschen, und ihre Ungerechtigkeit berechtigt uns nicht, ihnen' gleich zu werden. Zwinge keinen Juden wider seinen Willen, und leide nicht, daß es geschehe, wo du der nächste bist, der es hindern kann; das bist du ihm schlechterdings schuldig. Wenn du gestern gegessen hast und hungerst wieder, und hast nur auf heute Brot, so gib's dem Juden, der neben dir hungert, wenn er gestern nicht gegessen hat, und du tust sehr wohl daran." So spricht Fichte. Sprach so auch Herr Fritsch? Doch wie kam Fichte bei dieser Gesinnung gleichwohl zu dem herben Urteil oder Vorurteil gegen die Juden? Erstens * die Juden waren noch iüs Ghetto gepfercht, von zahlreichen' Berufen ausgeschlossen, fast ausschließlich auf den Handel angewiesen, entrechtet und geknechtet, und daher oft genug des warmen Gefühls bar für das Volk und Land, das ihnen das entehrende Joch in den Nacken drückte. Juden, die trotzdem die „man möchte sagen, unübersteiglichen Verschanzungen" überstiegen, hatte Fichte noch nicht kennengelernt. Dann' zweitens, er war noch jung und unerfahren, als er seine Betrachtungen über die französische Revolution — nicht unter seinem Namen — veröffentlichte. Er suchte das Recht auf Revolution theoretisch zu begründen durchdas Recht, aus dem bestehenden Staat auszntreten und neben ihm oder in ihm neue Staaten zu bilden, wie es ja solche Staaten im Staat schon gebe, als da seien das Judentum, das Militär, der Adel. Gegen diese beiden anderen Staaten im Staat eifert Fichte viel schärfer und schroffer als gegen die Juden. Was Herr Fritsch abermals wohlweislich verschweigt. Doch Fichte war „noch sehr jung und unerfahren". Und schon am 1. März 1794 entschuldigte er sich bei Professor Reinhold, er habe die Schrift schnell hingeworfen, um nur den Verleger zu befriedigen. „Beirrteilen Sie sie aus diesem Gesichtspunkt!" Manches würde er „jetzt gewiß ganz anders bearbeiten". Nachdrücklich erhob er weiter in seiner „Verantwortungsschrift" von 1799 dagegen Einspruch, daß man ihn auf die Äeußerungen von 1793 binden wolle. Wenn ein junger Mann in Unwillen übertrieben, der gereiste Mann aber später alle Einseitigkeit vermieden habe, „wäre es dann," so fragt er, „billig und gerecht, jenen jugendlichen und unvollendeten Versuch 'des Jünglings noch immer zum Maßstab -der politischen 'Grundsätze des Mannes zu gebrauchen?" Item, ist es billig und gerecht, daß die Hakenkreuzler mit ITVet will, daß die V**3eitung" weitecljm $u fluftläeungsgweden vetheeiiet wird, Jende umgehend fernen Sondecbeiteag auf Poftfdjedlonto 'Beelin 30472 odet auf unfet 7$anlfanto Qeeednet 7$etlin BVd 6$, Cindenftv. 7, TVedffelftuhe®.