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Central-Verein-Zeitung · 1923-08-09 · 32 (9.8.1923) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
32 (9.8.1923)
Date
1923-08-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 1000 M. Serlin, 9. -luguft 19LS II, Jahrgang ❖ Nr. S2 Kälter fürHeolsclitllMWj Kryan öes LutralVereins örutscker Slaalsvüryer jüErden Vlauvens'Äi. Z,eir\o.r\^ des Oudentums Verlag u. Schriftleitung: Eentral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.v. öerlin SwbS, Lindenstr. 13 Fernsprecher: Amt DönhoH 3594, 3595 .\ Postscheckkonto: Berlin 30472 Telegrammadreffe: „Centralglauben Berlin" Die Zeitschrift ist nur durch die zuständige Po st anstatt zum Preise von vierteljährlich M. 6000,— zu beziehen Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Masse, Berlin 8^V 19, and deren Filialen. Anzeigenpreis: M. 12000,— für die.7 gespalten Seile nach Rudolf Mosses Normälzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder deS Central-Vereins mit 5CP/0 Nachlaß Die 90 mm breite Reklamezeile M. 50000,— Die Wühlarbeit in den vereinigten Staaten. Von Professor Dr. Ismar Elbogen. Antisemitismus und Vereinigte Staaten scheinen unvereinbare Begriffe zu fein. War doch die Union der Nordamerikanischen Freistaaten das erste Staatswesen, das unbekümmert um feudale oder kirchliche Vorrechte vie Gleichheit aller Bürger, die 'Regierung „nach dem Willen des Volks, durch das Volk und für d>as Volk" zum Grundsatz erhob. Daß die Verfassung nicht toter Buchstabe blieb und daß sie.auch auf die Inden uneingeschränkte Anwendung finden sollte, lehrt das denkwürdige Schreiben, das George W ash i n g t o n, der erste Präsident der Vereinigten Staaten, an die jüdische Gemeinde v o n Newport R.- I. richtete: „Alle Bürger der Vereinigten Staaten besitzen die gleiche Gewissensfreiheit, das gleiche Bürgerrecht. Nicht mehr von Toleranz ist heute die Rede, als ob nur durch gütige Nachsicht einer Bevölkerungsklasse die andere in den Genuß ihrer angeborenen natürlichen Niechte träte. Zu unserem Glück schützt die. Regierung der Vereinigten Staaten keine Art von Bigotterie, unterstützt sie keinerlei Verfolgung; sie gordert von denen, die unter/ ihrem; Schutze leben, nichts weiter, als daß sie sich als. gute Bürger fühlen und ihr bei jeder Gelegenheit ihre tatkräftige Unterstützung gewähren . . . Mögen die Nachkommen Abrahams, die°in diesem Lande wohnen, auch weiterhin das Wohlwollen der anderen Einwohner verdienen und genießen, während jeder in Sicherheit unter seinem Weinstock und seinem -Feigenbaum sitzt und niemand da ist, der ihn nufscheucht!" Di ese G r u nd s ä tz e ge l t e n auch h eu t e n,o ch a l s d i e b e st e Tradition des amerikanischen Idealismus. Allein es ist leichter, die Anerkennung solcher Grundsätze unter einer kleinen begeisterten Schar von Kolonisten zu erzielen, als sie in einem HunderLmillionenvolk wachzuhalten, zumal wenn dieses sich ständig durch neue Einwanderer aus aller Herren Länder mehrt. Der Angelsachse selbst neigt zur Abschtteßung und Ueberhebung; er betrachtet sich als den denkbar edelsten Typ aller Vollkommenheit, er sieht auf alle Fremden herab und hält sie von seinen Kreisen fern. Es ist bekannt, daß in Amerika früher als hierzulande Hotels in Kurorten sich weigerten, Inden zu beherbergen, und daß das Parlament erfolglos dagegen einzuschreiten versuchte; es ist bekannt, daß eine Reihe von Klubs keine Inden anfnimmt, auch solche nicht, mit denen die Mitglieder in geschäftlichen und wohltätigen Organisationen ständig zusammen arbeiten; es ist vielleicht''weniger bekannt, aber nicht minder wahr, daß Inden Berufungen als Professoren an amerikanische Universitäten ebenso schwer erhalten wie in Deutschland. Es ist auch noch nicht ganz vergehen, daß Ehren-Ahlwardt nach seinem Fiasko hierzulande die Vereinigten Staaten zum Schauplatz seiner Wirksamkeit erkor, daß dort eine antisemitische Organisation bestand, auf die „der Rektor aller Deutschen" seine freilich nicht erfüllten Hoffnungen setzte. Judenfeindschast hat es auch früher gegeben, aber nuu hat der Krieg wie überall so auch in den Vereinigten Staten a lle bösen Leide n schäften geweckt oder v e r s ch ä r f t, und zu den Krankheiten der Nachkriegszeit gehört auch die Verbreitung und die lärmende Agitation des Antisemitismus. Selbstredend . hat der Krieg das gesamte nationalistische PhrasengeKingÄ entfesselt, der 100prozentige Amerikaner ist ein ständiges Schlagwort geworden, und zu ihnen konnten 'die Juden sich nicht gut zählen (nicht alle, an den Hans Allst rechts und den Küschnitzkys fehlt es auch dort nicht). Als Wortführer des amerikanischen Nationalismus machen sich bs» sionders die „Ritter des Ku- Klux-Klan" bemerkbar. ^Das ist eine geheime. Organisation, die sich nach dem Bürger-' .krieg bildete/ um die eben erst erzielte rechtliche und soziale Gleichberechtigung der Neger zu bekämpfen; sie fand ihre Mit- .Flieder hauptsächlich in den Südstaaten, organisierte sich nach Arider Freimaurer und verfolgte ihr Ziel mit so gewaltsamen .Mitteln, daß 1871 der Kriegszustand' gegen sie verhängt werden mußte. Neuerdings ist die Organisation wieder über die Maßen lebendig geworden, sie hat ihr Arbeitsfeld erweitert amd auch auf die B e k-ä m P f u n g v o n K athö l i k e n u n d -Juden ausgedehnt. Im Namen der eingeborenen, weißen, 'christlich-protestantischen Bevölkerung kämpsen die Ritter, wie sie vorgeben, mit einer Hand für die Bibel, mit der anderen für die .Verfassung,, kämpfen sie für das Kreuz und das Sternenbanner -zugleich. In Wirklichkeit widerspricht ihre Kampsesioeise den -Lehren beider, der' K u - K l u'x - K l a n ist heute der -S ch r e ck e n d e r V e r e i n i g t e n Staaten, seine Anhänger arbeiten nicht nur im Dunkeln und maskiert, sie haben wie die deutschvölkischen Terroristen ihre Feme und schrecken -vor den schwersten Gewalttaten, vor Störungen von Gottesdiensten, vor Ueberfällen aus Geistliche, auch protestantische, die ihnen nicht genehm sind, nicht zurück; in Mordprozessen ist der Zusammenhang der Schuldigen mit dem Klan deutlich erwiesen worden. Nach außen freilich stellt sich der Wolf im Schafspelz dar, - tritt die Organisation als harmlose Vorkämpserin für amerikanische und christliche Staats- und Ge- .sellschafts-auffafsung auf. I- Wer die „C. V.-Bettung“ aufmfyterfjaiten will überweife heute noch ■ feinen Sonderbettrag dem 9oftfcbeckkonfo des C.V Berlin 30472. W

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