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Central-Verein-Zeitung · 1923-07-19 · 29 (19.7.1923) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
29 (19.7.1923)
Date
1923-07-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Welt des Altertums zuerst hineingetragen. Hieraus ergab sich für ihn auch die Notwendigkeit, gegen die a l l g e me i n e n S ch ä d e n seiner Zeit den Kamps aufzunehmen: Das Laster der Päderastie und die Unsitte der Aussetzung schwächlicher Kinder zu brandmarken, geben die Härten der Weuereintreibung, die Ungerechtigkeiten der Justiz und den überhandnehmenden Atheismus zu eifern. r So leitete Philo in seinem Tun der unbedingte Glaube an den Sieg der sittlich Guten in der ganzen Welt, dieser Glaube, der ihn befähigte, das Judentum als geistige Weltreligion in dem Bewußtsein. auch seiner nichtjüdischen Umwelt zu lassen. Es mag sein, daß es ihm nicht immer gelungen ist, seinen sittlichen und seinen Kulturwi-llen in einem restlosen Einklang erscheinen zu lassen. Dennoch ist und bleibt er uns in seinem Kampf um Ehre, Recht und Wahrheit ein leuchtendes Vorbild für unsere Dr. M a x Mähe r, Aus -er Aeitungswelt. In dem Münchener zionistischen Organ „Das jüdische Echo" vom 6. Juli-finden wir in der Rubrik „G e m e i n d e - und Derer ns e ch o" einen Berichts ans Würzburg nebst Kommentar, der uns charakteristisch zu sein scheint für das Auftreten jugendlicher Zionisten: In der letzten Juniwoche fand hier eine große öffentliche Versammlung der Bayer. Volkspartei statt, bei der Herr^ Universitätsprofessor Dr. Hehn als Referent über: „Die w r s r e n s ch a f t l i ch e n G r u n d l a g e n des A n t i s e m i t i s - m u s" sprach. Die vorzügliche Wirkung der aus religiöser Grundlage beruhenden^ geistvollen Ausführungen des Redners wurden leider dadurch empfindlich beeinträchtigt, daß in der Diskussion ei n jugendlicher Z i o n i st a u s p o l i t i s ch e nr U n v e r st a n d n n d a u s Unke, n n t n i s der Sa ch l a g e h e raus sich irr unberechtigten, teilweise g e s ch nr a cklos e tt Ausführungen gegen die Art der Veranstaltung und die Gesinnung der Würzburger Juden wandte und ^seinen" Zionismus deHgeaenüber betonen zu müssen glaubte. Selbstverständlich war der betreffende junge ^student in dein üuten Glauben, der Sache durch seine Worte dienen zu können, aber m keiner Weise zu einem derartigen Vorgehen, wie überhaupt zum Reden von der Würzburger Zionistischen Gruppe autorisiert. Daß die von ihm vorgetragene Anschauung mit der offiziellen zionistischen Ideologie nicht Pas mindeste zu tun hat, versteht sich von selbst. (Diese Nachricht aus der Würzburger Gemeinde gibt uns Veranlassung, auch unsererseits zu erklären, daß wir die Stellungnahme der Würzburger Zionistischen Ortsgruppe mit aller Entschiedenheit billigen. Es i st gerade z u u n e rh ö rt, w e nn j u u a e Bl e n s ch e i\, o h n e die n ö t i a e n Erfahrungen und d a s u n b e d i n g t erforderliche Maß von Kenntnissen und G e s ch ick e s wagen, in derart schwierigen und prekären Situat r o n e n , n o ch dazu einem solid e n Red n e r a e a e n ü b e r, aus törichtem „I d e a 1 i s m u s" he rau s zum An w a l t des verletzten jüdischen Volkes sich berufen f ü h l e n. Wir hoffen, daß dieser bedauerliche Vorfall keine ernsthaften. schüdGenden Folgen nach sich ziehen wird und daß alle mit Reckt empörten Juden und Nichtjuden von dieser Erklärung gebührend Kenntnis nehmen werden. D. Red. des „Jüdischen Echo".) Der „Vorwärts" (Morgenausgabe vom 14. Juli) veröffentlicht unter derUeberschrist „Die harmlosen Deutschvw lkischen u n d d i e h e i m t ü ck ische n Dichter" ein wahres tragikomisches Geschichtchen: „Im Br iefkasten des Kunzes ch e n „D e u t s ch e n W o ch e n - blatts" vom 6. Heuerts (Juli) lesen wir folgendes: " E. W., Berlin. Wir danken bewegt für das dem Wochenblatt zur Veröffentlichung übersandte Gedicht und drucken es ab als Dank für die unserem verehrten Führer entgegengebrachte Liebe.. Die Schristltg. Heil Kunze! _ VOn Juden verleumdet, von Sozis geschmäht. Läßt du nicht locker, wackrer Held. Kämpfst gegen eine ganze Welt Schamloser Lüge früh und spät. Bis Oberschlesien dringst du vor. Ein Held in tausendfältiger Schlacht, . Trägst Kampfesmut in dunklen Schacht. „Recht, Freiheit!" Halles an Judas Ohr. „Uelst, Deutscher," mahnst du, „Redlichkeit! Geh deinen graben klaren Pfad!" Ein ganzer Mann! Zur Tat, zur Tat Rufst du uns aus in schwerer Zeit. Kämpft weiter, Richard, kämpfe fort UNd achte nicht der Juden Groll! Zum Siege führ' uns Zoll um Zoll. Es lebe Kunze, Deutschlands Hort! Die „verehrten Führer" unserer Deutschvölkischen täten gut, den Poetischen^ Huldigungen, die man ihnen spendet, stets mit äußerstem Mißtrauen zu begegnen. Es ist in den meisten Fällen nicht wahrscheinlich, daß sie ernst gemeint sind, und unter den Blütenzweigen der Poesie lauert Zuweilen die Schlange giftiger Verbalattentate. Wenn man die Anfangsbuchstaben der einzelnen Zeilen der Briefkastenhhmne von oben nach unten liest, so ergeben sich zwei Worte, me nichts weniger als eine Verherrlichung des „Helden in tausendfältiger Schlacht" bedeuten. Unser aufrichtiges Beileid, Herr Kunze!" /) Im Original nichts in Sperrdruck. Schriftl. d. „C. D.-Ztg."^ Immer wieder wilde Sammlungen. Deckmantel für „nationale Bestrebungen". Früher hat jede Partei e>s für ehrlich und ehrenhaft erachtet, ihre Ziele und Tendenzen schon durch den Namen zum klaren Aus-- druck zu bringen. Man brauchte nur im Fluge die Parteienliste wön rechts bis links durchzugehen und wußte sofort Bescheid. Heute über schleichen sich Tag für Tag neue Grllppierungen und Schichten ein, denen das S e g e l n u n t e r s a l s ch e r F l a g ge erst den belebenden Wind einblasen soll, und zu diesen entarteten Kampsmethoöen gehört in erster Reihe das Kokettieren und Brüsten mit dem Mäntelchen „national". Es ist traurig zu sagen, daß dieser so stolze und edle Begriff leider zum Deckwort und Motto jener Leute geworden ist die'der deutschen Gesamtheit immer neue Schmerzen und Enttäuschungen zufügen. j „National" ist heilte vielfach das Sammelbecken für Rückschrittlichkeit, Staatsseindlichkeit und Judenhaß. Wir müssen daher, wie schon oft, ilnsere Freunde ein dring! ichst warnen, harunlos klingenden Werbungen unter dieser Adresse blindlings zu folgen. „Nationale ArbeitHgemeinschasteri" und „Nationale Einheitsfronten" erstehen in jeder Stunde neu und stellen, bildlich betrachtet, keine schützende Linie, sondern ein unentwirrbares Labyrinth dar, bei dem aber der antisemitische Faden u n s d e n Weg der d e u t I i cf) e n Absage gebietet. „Sage mir> mit wem du umgehst .... sp heißen hier unsere Parole ilnd unser klares Nein! Seht euch, Ihr Centralvereinler) die N ame n der Fü h r e r, dev Drahtzieher u n d K uli sse n schi eb e r an, dann werdetihr^ euer Geld nicht mehr zum Kampfe gegen euch selbst hergeben! Man' sollte es nicht für möglich galten, d aß er st jüngft in einer sehr großen deutschen Stadt angesehene I ii d e n u n d b e w ä h r t e" F r e un d e des E. B. v o n d i e s e mr a e s ch i ckb au s ge zo g e n e n T ä u sch il n g s m a növer sich h a b e n blenden lassen und Millionen für die „Nationale Ei nhei t s f ro nt e. V." st i s t e te n. ' Gebt euer Geld dem schwer ringenden Vaterlande, opfert für Rhein und Ruhr, trauet aber nicht den hohlen Einflüsterungen der verkappten Judenfeinde. Helfet mit ganzem Herzen und mit voller Kraft unserem C. V.! 4 . 'S— Antworten. Herrn Heinz Reichard. Ttasfelsee-Hoiel, Mnriiau-Seeyanse«. Wir freuen uns, daß Sie auf den Beschluß der Wkurnauer Gastwirte hin, daß Juden dort keine Anterkunft finden sollen, Ihren Austritt aus dem Verein erklärt Huben. Dr. E. L„ Berlin. Im Gesetz zur Aen-dernng! des Strafgesetzbuches vom 23. Mai 1923 (R. G. Bl. I Nr. 37) heißt es: § 197a. Wer nichwerbotene Versammlungen, AufzUge oder Kundgebungen mit Gewalt oder durch Bedrohung mit einem Verbrechen verhindert odev sprengt, wird mit Gefängnis, neben dem auf Geldstrafe ernannt werden kann', bestraft. Wer in nicht verbotenen Versammlungen oder bet nicht verbotenen Aufzügen oder Kundgebungen Gewalttätigkeiten in der Absicht begeht, die Versammlung, den Auszug oder die Kundgebung zu sprengen, wird mit Gefängnis und mit Geldstrafe oder mit einer dieser Strafen bestraft. Re. in Beuthen. Es bedarf nicht erst des Hinweises auf den jüdischen Kraftathleten Breitbart, um das gedankenlose Geschwätz von den körperlichen Unfähigkeiten der Juden zu widerlegen. Kurgast in Tölz. Es ist uns bekannt, daß der Inl)aber des Pnrkhotels in Tölz gegen den Antisemitismus Front macht, zählt er doch schon seit langem zu den Mitgliedern des C. V. — Das Hakenkreuz grüßt vertraut die völkischen Freunde in den Pensionen M a i e r h o f e r und Haus Hagen! Mehreren Ferienreisenöen, die naG Pyrmont wollen. Der Inhaber des Hauses Bathildis, Dr. Kabitz, der sein „deutschvölkisch heruntergewirtschastetes Haus", wie er uns mitteilt, selbst wieder übernommen hat, legt Wert auf die Feststellung, daß dem Hause Bathildis Gäste jeder Konfession willkommen sind. Als antisemitische Häuser nennen wir Ihnen: Fremdenheim Kuntze, Seipsiraße. Haus Eickhorn. — Töchterheim Frohsinn^ Bef. Frl. Birkholz. — Kurhaus Gustav Mund henk. — Villa Parkschlößchen, Inh. Baukommissar Riemenschneider. Unfere Telegrammadreffe lautet wieder „Centralglauben Berlin,t Schruns (Vorarlberg). Es wird sicherlich mehrere Leser der „C. V.- Zeitung" interessieren, daß das Hotel Löwe in Schrilns seine Korrespondenz, mit einem großen HEenkreuz schmückt. Na«ch Thüringen. Die Villa „D a h e i m" in Geor Lenthal und die „Gehlberger Mühle" bei Ob er Hof lassen uns wissen, daß ihnen antisemitische Tendenzen vollkommen fremd wären. Swinemünöe. Das Hotel „Strandpalast" wehrt sich entschieden gegen den Verdacht, bet der Ausnahme seiner- Gäste Unterschiede in der Konfession zu machen. D. D„ Bad Dürkheim. 390 000 Mark erhalten. Herzlichen Dank. M. E», Frankfurt a. M. Wir stimmen mit Ihnen überein, daß der Liirzlich verstorbene Psvrrer Paul S ch r e ck e n b a ch in seinem Werke „W e l t - brau d" (Verlag I. Weber in Leipzig) eine kurzsichtige nationalistischantisemitische Tendenz propagiert. Es ist darunr selbstverständlich, daß „Weltbrand" nicht wie die anderen historischen Romane Schreckenbachs aus der Vorkriegszeit für jüdische Büchereien gekauft werden dürfen. A. F., Stettin. Cs ist wahr, daß die Verräter S ch l a g e t e r s die N a t i o n a l s o z i a l r st e n G ö tz -e aus B e u t h e n und Schneider aus Hindenburg sind-. Mehrere An fragende in Berlin. - Daß judenfeindliche Blätter als „Extrablatt" auf den Straßen ausgefchrien werden, ist eine unlautere Machenschaft, die allerdings erkennen laßt, daß die Antifemitenblättchen an Zugkraft verloren haben. Die Zeitutrgsverleger werden sich dielen Unfug nicht lange 1 gefallen lassen. ... . I * [ Berichtigung. Der Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Salomonfkr fand | nicht in Frankfurt a. O„ sondern in der Synagoge zu Sold in statt. (Siehe „Kleine Chronik" d^r vorigen Nummer.)

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