Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 28 (12.7.1923)
- Date
- 1923-07-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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KM Konstituierung geschcc-i'tilLN' w>erden! ko-rrnte. Für hm Herbst 1914 hvar sie -geplant. Takam d-or Krieg mfo ferne Nachwirkung. Aber <mch ohne denformellen Ailsbaar der £to(pmifiatk>iii hat AgudaZ Jisroel die thoratreuen Massen * in Polen, Litauen, Lettland, Beßarabien, Tschechoslowakei- und Palästina organisiert und 14 LandeZorganisiationm der Jugend errichtet. Sie hat mit Hilfe eines Kriiogswai-siensvnds Wai.senlMlser iin Oester reich, Polen, Litau-en und Galizien gegründet und gefördert und im L>aufe des vorigen Jahres für über 20 000 Dollar Oebensmittelv ins hungernde Rußland gesandt. In Palästina hat sie die Siedelung „Newe Jisroel" nahe Jerusalem -für Kleinbauern errichtet, bei JaGa mit dem Bau eines Geischäftsviiertels die Tä^ti-gleiit des Binjan Hoorez begonnen und in „Basis wenachälv" ein zutunstsr-eiches Laudbesiedelungsunternchmen geschaffen. Kau irr braucht erlvähnt zu werden daß sie vor allem dem Unterrichtswesen tatkräftige Hilfe zu,gewandt und darum religiöse und Profanschnlen, tallmudische Hoch schulten und anderie Lehrstätten m reichem, Maße -geiPrdert und.neue errichtet hat. Wenn der „angeborenen" Organisaltioutrotz der Unbill der Zeiten dieses gelungen ist, dann ist es begreiflich, daß lveite gesetzeMeue Kreise die erste „Kenessioh Eedauloh" als ein Ereignis von geschichtlicher Bedeutung für die Gefamtjudercheit begrüßen und auch die Hoffnung zu hegen wagen, daß Agudas Israel. vermöge Festigung des thoratreuen Judentums zu ihrem Teile. Mitarbeiten wird an der großen Ausgabe unseres unM-ckMgen Zeitalters, die Menschheit zirr Gesittung und zur inneren Gesundung Zurückzuleiten. -em Reiche des Herrn LNujsolrni. Was die Deutschvöltischerl verschweigen . . . Die italienische Regierung des Herrn M u s s o l i n i hat, um der Möglichkeit antisemitischer Bestrebungen rechtzeitig zu begegnen, Preise ausgesetzt für.die besten Arbeiten, die die Lügen des Antisemitismus enthüllen. Die Vertretung der jüdischen Gemeinden in Italien hat jedoch erklärt, daß sie an Maßnahmen zur Bekämpfung des Antisemitismus keinerlei Interesse habe, da die italienischen Juden in ihren staatsbürgerlichen Rechten nicht beeinträchtigt seien. Herechtigte Klagen. Bauernsöhne in französischem Sold. Unter dieser Ueberschrift lesen wir in der „Deutschen Zeitung" vom 7. Juli: Immer wieder dringen aus dem besetzten Gebiet Klagen über würdelose Ausnutzung gebotener Vorteile durch gesinnungslose Deutsche. So wird uns geschrieben, daß in den Hunsrückwäldern nicht nur deutsche Arbeitslose, sondern auch wohlhabende Bauernsöhne in französischem Sold einen prächtigen Fichtenwald fällen, und Zwar in einer Weise, die der Vernichtung gleichkommt! Der Tagelohn betrug am 23. Juni 30 000 Mark. Deutsche Bauern gaben ihre Gespanne zum Abtransport her! Auch die Benutzung der „Regiezüge" durch Deutsche nimmt zu. Es gibt eine ganze Gruppe, die diese Züge nicht nur benutzt, sondern sogar die Warner bei den Franzosen anzeigt. Zahlreiche Besucher aus dem unbesetzten Deutschland benutzen ebenfalls diese Franzosenzüge, während die Ruhrlandbewohner unter schweren Opfern an Zeit, Kraft und Geld zu Fuß gehen. Die Entrüstung über diese „Regie- Passagiere" ist verständlich. Ob der arme Redakteur, der diese „berechtigten Klagen" zu Papier bringen mußte, nicht den Schreibkrampf bekommen hat, als er eine fo „judenreine" Notiz veröffentlichte? Das behagliche Landhaus. O w e lche L ust, völkischer S chriftleä,ter zu sein . . . Dietrich Eckart, der Schriftleiter des „Völkischen Beobachters", ist krank. Beweis: sein ärztliches Zeugnis, das er dem Gerichte überwies, als er sich vor dem Richter wegen Verleumdung des Reichspräsidenten verantworten sollte. Dietrich Eckart ist nicht verhandlungsfähig. Ja, er braucht dringend eine Luftveränderung. Da überrascht es nicht, wenn eine der letzten Nummern des „Völkischen Beobachters" folgendes Inserat veröffentlichen kann: Dietrich Eckart sucht für sofort ein behagliches, schön gelegenes Sau-Haus zur Miete evtl. Kauf. Angebote unter „D. E. Landhaus" an die Schriftleitung des „Volk. Beobachters", Schellingstr. 39/1. _ Der Staatsanwalt darf sich also der Hoffnung hingeben, Herrn Dietrich Eckart nächstens in einer Villa bei München einen Besuch machen All können. Ms -er Aeitungswert. Der bekannte Breslauer Gelehrte Professor Dr. Eugen Kühnemann läßt feinen Vortrag: „Der Rhein und der deutsche Geist" soeben in der Zeitschrift „Deutscher Pfeiler", Verlag P e r t h e s (G o t h a) erscheinen. In dem wirkungsvollen Schlußwort, das wir der Stettiner „Ostseezeitrrng" vom 3. Juli entnehmen', heißt es: ... Denn der Kampf an der Ruhr ist ein wahrer Dolkskampf. Aus dem Volke und ohne Weisung von oben ward dieser Widerstand geboren., Ein geeignetes Volk steht in diesem Ringen, das unter Peitschenschlägen ruhmreich ist wie keins. Hier gibt es nicht me h r Arbeitgeber u n d A r beit n e b m e r i n M iß - trau-en un d K la ss e n k a m p f g e g e n e i n ander, nicht Arbeiter des Kopfes un b A r b e i t e r d e r H and, nicht Katholische, nicht Evangelische, nicht Inder:, za n i ch k Al a n n und W e i b>, nicht A l t q r u n d I it g c n d, nicht Lehrer und Lernende — es gibt nur Brüder und D e n t s ch e, d i e alle wissen, daß das S ch i ck s a l D e u t s ch - lands bei ihnen liegt. Wir aber vertrauen, denn es ist das alte Volk Wittekinds mit Eisen im Blut, unbeugsam in Geist und Willen. Sieflrägt das gesamte deutsche Volk in der heilioen Einheit des Entschlusses. ' Vom rheinischen Lande her bildet sich der neue deutsche Volksgedanke, der die Einheit des Willens zum deutschen Leben bedeutet. Das deutsche Leben aber sott ein Leben der wahrhaftigen Gemeinschaft in froher Menschenwürde sein, ein Leben, in dem der Strom des deutschen Geistes das Ganze gleichmäßig durchrieselt, alle nährt, erquickt und beglückt. Diese bis in Innerste erschütterte und aufgewühlte Zeit ersehnt den neuen Lebensgedanken. Deutschlandffoll den Versmh der vollendeten Volksgemeinschaft losen, an dem Rußland, das ihn' falsch auffaßte, erlag. Das tiefste Sehnen dieser Tage ist das Verlangen nach Gott, d. h. nach einem neuen lebenschaffenden Geiste, der die Beziehungen der Menschen untereinander rein und heilig macht. Das Volk, das der Welt diesen neuen Gesellschaftsgedanken vorlebt, wird der Führer der Völker und der wahre Sieger im Weltkriege sein. Indiesen Tagen findet in München das Deutsche Turnfest statt. In einem Geleitwort schreibt Franz Kunz-endorf im „Berliner Kokalanzerger" vom 8. Juli 1923. Dunkle Schatten hängen, wie über ganz Deutschland, so auch über dieser großen vaterländischen Veranstaltung in der bayerischen Hauptstadt. Aber um so nachdrücklicher und um so überzeugender und Zwingender werden die Jünger Friedrich Ludwigs Jahns für das demonstrieren müssen, was sie und ihr Meister als das Richtige erkannt haben: Wie Jahn gerade in der trüben Zeit völligen Niederbruchs, in den schweren Tagen nach Jena erkannt hatte, daß nur ein^Volk mit einer körperlich und geistigkräftigen Jugend sich aus Knechtschaft und Schande befreien könne, so sollten heute alle, die guten Willens sind, diese Erkenntnis teilen. F e r n vom v oli t i s ch e n Tagesftreit, nur das Wohl des Vaterlandes vor A u g e n , a r b eit et die D e u t s che T u r n e r s ch a s t, die heute weit mel)t öH eine Million Mitglieder zählt, an der Ertüchtigung und Verbesserung unseres Volkes. Alljährlich ein Armeekorps hat sie in Zeiten, die unvergessen hinter uns liegen, dem deutschen Heere gestellt. Ans welchem Wege wir einst wieder zur Freiheit gelangen werden, bleibe dahingestellt. Aber ins Herz prägen sollte sich jeder, was ein für die deutsche Turnsache glühend begeisterter Alaun, der Jugendwart der Deutschen Turnerschaft und Oberstudiendirektor Edmund Neuendorff, geschrieben hat: „Wehrhaft zu sein, ist dem Manne nicht nur im Kampf mit den Massen, sondern für alle Verhältnisse des Lebens notwendig. Ewig wird es wahr bleiben, daß die letzten und endgültigen Schlachten der Menschengeschichte nicht mit Haubitzen und Handgranaten, sondern durch die Stärke der Ideen und die Kraft der Gemüter entschieden werden." Ein. uns verspätet zur Kenntnisnahme übersandter Bukarest er Brief des „Bayerischen Kurier" vom 18. Mai, betitelt: „Wetterleuchten in Rumänien", zeigt, wie in allen Ländern t nach demselben Rezept verfahren wird, wenn der Chauvinismus blühen soll: Diese Revolutionsstimmung wird unausgesetzt verschärft durch die sich in allen Teilen des Landes wiederholenden Demonstrationen und oppositionellen Volksversamnllungen. Sodann durch die a n t i s e m i t i - s chen 11 n r u h e n in vielen größeren Städten und an allen Universitäten' des Landes, welche die Disziplin der Bevölkerungbereits vollständig untergraben Haben. Bratianu sucht sich auf die Armee zu stützen. Während er die-Beamten bei kümmerlichem Gehalt darben läßt, hat er sich und der Krone das Ossizierkorps durch Erhöhung der Gehalte und ein gutes Avancement verpflichtet. ... Trotz aller dieser Anzeichen allgemeiner Erbitterung und Gärung, trotz des politischen Wetterleuchtens in allen Gegenden Großrumäniens wäre es trotzdem falsch, wenn man annehmen möchte, daß man schon jetzt an: Vorablende einer rumänischen Revolution stehe. In dieser Richtung ist die Lage noch nicht reif. Ein Ausbruch der Volksleiden schuften ist in der nächsten Zeit nicht zu erwarten. Zwischen den einzelnen Bewegungen, die allerdings immer mehr und mehr erstarken, besteht derzeit noch kein Zusammenhang. Das Bild, welches hier entworfen wurde, setzt sich aus d r e i Bewegungen zusammen, die räumlich und zeitlich derzeit noch getrennt laufen. Diese drei Momente sind: die nationalistische Bewegung antisemitischer Tendenz, die Propaganda der Bo l fch e w i ste u und der o'pp v s itr on eile Kampf gegen die Reform der Verfassung innerhalb und außerhalb des Parlaments. Das Kabinett Bratianu sucht unausgesetzt das drohende Gewitter dadurch abzuleiten, daß es die nationalistischen Leidenschaften in den Massen gegen die völkischen Minderheiten, gegen Deutsche, Ruthenen, Magharen und Juden, ausznpeitsche.n sucht. Man haranguiert die Massen, daß sie verlangen sollen, daß sämtliche katholische und protestantische Kirchen im Lande in den Besitz der rumänischorthodoxen Kirche übergehen sollen. Die Regierung hat den Ungarn und den Deutschen den ganzen Agrarbesitz auf dem Weae einer sogenannten „gesetzlichen Bodenreform" konfisziert. Aber dadurch, daß man Ungarn und Deutsche an den Bettelstab zu bringen krachtet, macht man das durch und durch. korrupte und verderbte Rumänentum, nicht reicher. Die Verlotterung des politischen Lebens.in Rumänien spottet jeder Beschreibung.