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Central-Verein-Zeitung · 1923-06-14 · 24 (14.6.1923) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
24 (14.6.1923)
Date
1923-06-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 100 Hl» Serlin, 14. Juni 1923 II, Jahrgang ♦ Nr. 24 Blätter färiteolfchhun unöTmtentum vryan des tentralVereins örutlrlrrk. Slaatsvüryer iüMcden vlauveus Verlag u. Schriftleitung: Eentral-Verein -eutfcher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.v. Gerlin SWHS, Lin-enstr. 13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3595 Postscheckkonto: Berlin 30472 Telegrammadreffe: Centralverein Ltndenstr. 13. Berlin Die Zeitschrift ist nur durch die zuständige Po ft an st alt zum Preise von vierteljährlich M. 1200,— 51t beziehen Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreis: M. 1800,— für die 7 Ü^spEene Zeile nach Rudolf Mosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche sür Mitglieder des Central-Vereins mü 50°fo Aiachlatz. Die 90 mm breite Reklamezeile M. 7500,— Die Deutfthvölkischen und öle Garantiefrage. von Erich Dombrowfki. Da hängt das Bild Arthur KÄmP.f.s':. Männer und Frauen, alte und junge, Kinder und Kindeskinder drängen sich um den Tisch, um Opfer darzubringen, oft ihre letzte .Habe, für den Befreiungskampf Deutschlands. Das war 1813. Deutschland war zerstückelt und.zerfetzt. Eine Nation, die als solche eigentlich ausgehört heckte zu existieren- -Mr^ Freiheiks-' tampf begann. Die Ketten des Korsen wurden zerbrochen. .Hinter Preußen-Deutschland stand fast ganz Europa, um der Gewaltherrschaft Napoleons mit bewaffneter Macht ein Ende zu machen. Und heute? Heute liegt es noch in unserer Hand, ob wir durch ein rechtzKig gebrachtes materielles Opfer Deutschland vor einem völligen Zusammenbruch und vor einer abermaligen Zerstückelung wie vor über hundert Jahren bewahren wollen. Die Repärationsfrage muß liquidiert werden. Deutschland und ganz Europa sehnen sich nach Ruhe, um den Wiederaufbau all der unermeßlichen Kriegsschulden^ endlich auf lange Sicht anfangen zu können. So haben sich denn die großen Produktiven Berufsstände ohne Ausnahme: die Industrie, die Landlvirtfchaft, der städtische Grundbesitz, der Handel und die Banken, gewissermaßen auf einer gemeinsamen Plattform gefunden, um.von sich aus, von ihrem Sachwertbesitz aus, das große materielle Opfer in dieser Stunde der Not anzubieten. Ohne Unterschied der Partei oder des Glaubensbekenntnisses haben diese Männer sich bererterklärt, auf viele Jahre hinaus eine Garantie und eine reale Abgabe von jährlich soundsovielen hundert Goldmark für die Aufbringung der! Jahresraten an die Alliierten zur Verfügung zu stellen. Gleichgültig, wie man sich zu den Einzelheiten dieses Garantieproblems, zu dem Verteilungsschlüssel, zu den sogenannten Voraussetzungen und so weiter stellen mag, die Idee ist von einem großen patriotischen Schwünge getragen. Gerade das sogenannte mobile Kapital, in dem, der Konfession nach, prozentual mehr jüdische Männer und Firmen vertreten sind als in den anderen produktiven Wirtschaftszweigen, hat durch den Mund des Hansabundes in einer großen Kundgebung betont, daß dieses Sachwert- und Kapitalopfer ohne' jede V o r - a u s s e tz u n g dem Staate 'gegeben werden müsse. Das Ideelle ist weit vor das rein Materielle gestellt. Die Idee: die deutsche Nation, das deutsche Volk in dieser Schicksalsstlln.de durch Entäußerung eines Teiles des Besitzes loszukaufen von dem Druck feindlicher Gewalten. Abgesehen von den Kommunisten, die von ihrem grundsätzlichen revolutionären und antikapitalistifchen Standpunkt ans jede derartige Völkerverständigung verurteilen, ist es allein die D e u ts ch v ö lki s ch e Par t e i, die gegen dieses große nationale Opfer Sturm läuft. Merkwürdig. Gerade diese Partei hatte sich bisher gegen das Ueberwuchern materieller Dinge im deutschen Volk gewandt und hatte darin, aus ihrer antisemitischen Einstellung heraus, den angeblich „vergiftenden Einfluß des Judentums" gesehen. Nun, wo dasselbe Judentum als Sachwertbesitzer, zusammen .mit den anderen Erwerbszweigen, zusammen mit der Landwirtschaft und'der Industrie, dem Staate ohne weiteres einen Teil seines Eigentums zur Ablösung der Wiedergutmachungs- ^-tz^^^^Egen-anbietet, soll , das nach der Logik der Deutschvölkischen, und insbesondere des . Reichstagsabgeordneten von Graefe, ein diabolischer Sch a ch z u g sein, um einen Teil des gesamten deutschen privaten I m m o b il i e n b e s i tz e s d e r j ü d i sch - i n t er n a t i o - n a l e n G r o ß f i n a n z a u szu l i efern. Hütten die deutschen Juden an hervorragender Stelle vor einem derartigen Schritt gewarnt, so hätte es sofort geheißen, daß sie sich von dem großen Opfer, das die Nation in diesem Augenblicke von jeoem einzelnen Besitzenden verlange, ausschlössen, weil ihre internationale Sinnesrichtung keinen Sinn, kein Verständnis und keinen Opferwillen in entscheidenden Momenten des Vaterlandes hätte. Es ist schwer, sich in die rabulistische Logik der Deutschvölkischen hineindenken. Das „Deutsche Tageblatt" schreibt: „Der Reichskanzler ist seiner eigenen' Haltlosigkeit einerseits und der'' jüdischen Pressemeute und ihrer Hintermänner und Drahtzieher andererseits zum Opfer gefallen und hat das deutsche Volk in dieses Opfer eingeschlossen." Der letzte Schritt in die Sklaverei sei getan. Mit anderen Worten: das deutsche Judentum gibt, soweit es Sachwertbesitzer ist, gleich den anderen einen' Teil seines Besitzes her, um die deutsche Wirtschaftssubstanz der jüdisch-internckwnalen Großfmanz zu übereignen. Nur ein Fanatiker, dem die Augen aus dem Kopfe quellen und dem der Schaum vor den Mund tritt, kann eine derartige Logik entwickeln, um unter allen, allen Umständen den Juden zum Schuldigen alles dessen, was auch immer passiert, zu stempeln. . ' . Noch ein anderes. Der „Hammer", das berüchtigte antisemitische Organ des Herrn Theodor Fritsch in Leipzig, sieht auch in dem französischen Ruhreinbruch lediglich einen jüdischen Gewaltstrerch. „Welche Ziele Verfölgen die jüdischen Herrschaften Frankreichs mit dem Unternehmen?" „Deutschland ist", sagt diese Zeitschrift, „das Land, welches die jüdische Herrschaft stürzen wird. Deshalb muß es, wenn möglich, vernichtet werden. Die Einkreisung, der Verleumdungsfeldzug der jüdischen Presse innerhalb und außerhalb Deutschlands, der Krieg, der Frieden, die Friedensbedingungen — alles galt dem antisemitischen Deutschland, dem einzigen gefährlichen Gegner Judas. Wider alles Erwarten genügten diese Maßnahmen nicht, Deutschland den Garaus zu machen. Es erholte sich, und die antisemitische. Bewegung wuchs. . . . So steht das Judentum vor seiner Katastrophe. Der Ruhreinbruch war ein letztes. Uusfluchtst mittel." ylaä) dieser seltsamen Logik hätten "die Juden auch I den Ruhreinbruch veranlaßt, um sich, zugunsten ihrer

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