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Central-Verein-Zeitung · 1923-05-31 · Heft 22 (31.5.1923) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
Heft 22 (31.5.1923)
Date
1923-05-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 100 M. Serlin, 31. Mai 1923 II, Jahrgang ❖ Nr. 22 vlälter für-eutsck unvlnoentum Vryan öes lLnlralVereins Seutsclrer ötmttsvüryer jüEcken AauvensL« des öudenrums Verlag tu Schristleitung: Lentral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.v. Gerlin SVöS, Lindenftr. 13 Fernsprecher: Amt Dönhoff3594,3595 .«.Postscheckkonto: Berlin30472 Telegrammadresse: Centralverein Lindenstr. 13. Berlin.!Die Zeitschrift ist nur durch die zuständige Po ft an ft alt zum Preise von vierteljährlich M. 1200,— zu beziehen Alleinige Anzeigenannahme-. Annoncen-Expedition Rudolf Moffe, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreis: M. 1200,— für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins mit 50% Nachlaß. Die 90 mm breite Reklamezeile M. 5000,— Ei« Wort — eine Tat. Präsident des Staatsgerichtshofes Dr. Nieder: „Es gibt keinen Gegensatz zwischen Deutschen und Juden". Die Maiausgabe des „Hochland" bringt aus der Feder .des Generalkonsuls Dr. I. A. Lette n ba ur einen Aufsatz „Rasse und Menschheit", der sich gleichermaßen an Kopf, und Herz des Kulturnrenschen wendet. Den völkerhaßnährenden Rafsekheorien eines Chamberlain wird die menschheiterlösende und versöhnende Idee entgegengesetzt, daß alle Geschaffenen, und seien sie noch so verschieden m Art und Zusammensetzung, gleich sind un d ein s v o r G o t t. Langjährige Beobachtungen in vier Weltteilen wachen den katholischen Gelehrten zu einem entschiedenen Gegner aller -überstiegenen weltanschaulichen und politischen Rasseideologien. Eine Fülle von Tatsachenmaterial erbringt den Beweis , daß bei Bildung des Nationalcharakters' nicht biologische, sondern s e e l i s ch - g e i st i g e Faktoren maßgebend sind. Entgegengesetzte Erinnerungen wecken sich nach einem alten psychologischen Grundsatz. Bor dem Staat s g e r i ch t s -!h os stand in diesen Tagen ein Nachbeter Ehamberlainscher Rasselehren, Dr. Phil. H o f f m a n n - K u t s ch k e ails Halle. -Sein zügelloser Haß gegen die Juden läßt in den Zuhörern! nicht den Gedanken aufkommen, sorgfältig den kleinen Körper dieses großen Fanatikers zu betrachten, sonst könnten sie i schaudernd gewahren, daß bei Herrn Hofsmann mit seinen ge-! schlitzten Augen und seinem pechschwarzen Haar ein! rn o n g o l o i d e r Einschlag -unverkennbar ist. Dieser Mann, der in Volksversammlungen stets eine Schultasel neben sich hat, aus die er Lang- und Breitschüdel, gerade und krumme ^Nasen zeichnet, ist selbst ein lebendiger Beweis für die 1 Wahrheit seiner RasseLorheiten. Auch der G e s ch ü s t s s i n n,!den er für ein typisches Merkmal jüdischer Wesensart hält,! ist bei ihm außerordentlich entwickelt. Bon Versammlung zu Versammlung schleppt er seinen Koffer. Oeffnet ihn, wenn er seinen Vortrag beendet hat, mit dem Hinweis, daß er in seiner wissenschaftlichen Lebensarbeit „D e u t s ch l a n d den Deutschen" die vorgetragenen Gedanken der Nachwelt erhalten habe. Wegen dieser Broschüre und eines Pamphlets „Der Dolchstoß durch das Judentum" hatte sich Herr Hossmann am vergangenen Sonnabend vor dem 's-taatsgerichtshof zu verantworten. Beleidigung des Munsters Rathenau und Beschimpfung der verfassungsmäßigen Dtaats-- sorrn sowie der Reichssarben brachten ihm neun Btonate Gefängnis und 100 000 Mark Geldstrafe ein. In der deutschvölkischen Presse, die noch vor zwei Jahren ein "Scheindasein führte, heute aber durch vorbildliche organisatorische Arbeit und grenzenlose Opferwilligkeit sich machtvoll entwickelt hak, ist auf Geheiß der „geheimen Oberleitung" ein W u tg e h e u l a n g e st i m m t w o r d e n: der Staatsgerichtslhof hat den völkischen Führer wegen'seiner judenfeindlichen Gesinnung verurteilt. Diese T e n d e n z l ü g e macht den Rnrvdgang. von der „Deutschen Zeitung" bis zum Hinterpommerschen Kreisblatt, obwohl in der Urteils be- . gründnng klar und deutlich hervorgehoben worden ist: „Wenn von einem deutschen Minister wie Rathenau behauptet wird, daß er darauf ausgegangen ist, Deutschland zu vernichten, so daß er sich zu diesem Zwecke an die Spitze seiner Rasse gestellt hat, so ist das ungefähr das Schändlichste, w a s ' e i n e m f ü h renden Manne v o r g e w o r f e n werden kann!" Der Eentral-Verein, besonders auch seine Ortsgruppe Halle, stehen seit Juni 1920 irn Kampfe mit Herrn Hossmann, und wir sind, das können wir ohne Ueberhebung sagen, mit ihm spielend leicht fertig geworden. Was die völkische Seele zum Kochen gebracht hat, war nicht etwa die beschämende Tatsache, daß Hossmann aus die Frage des ehemaligen Ministers Heine, eines Beisitzers im Staatsgerichtshof/ sich nicht im einzelnen über die „Sünden"- Rathenalls verbreiten konnte, auch nicht der Vorwurf vom Richtertisch, daß Hoffmann aus .„Q u e l l e n ü b >e l ft e r V e r l c ü m d u n g" geschöpft habe, sich aber nicht aus historische Quellen berufen könne, sondern eine Erklärung d e s V o r sitzenden , Reichsgerichtsrats Dr. N i e d n e r: „Ich muß"vor aller Oessentlichteir betonen, daß ich den Gegensatz zwilchen Deutschen und Juden ablehnen -muß. Es gibt keinen Gegensatz zwischen Deutschen und Juden. Inden, die Mitglieder des deutschen Staates sind, sind ebenso gute Deutsche wie die anderen." Man mußte annehmen, daß dieses Bekenntnis zur deutschen Volksgemeinschaft von jedem Deutschen, der sein Vaterland liebt, als eine Tat betrachtet wird. Mit erdrückender Mehrheit ist soeben Herrn Poincare von der französischen Kammer ein Vertrauensvotum ausgestellt und damit durch die gewählte Vertretung des französischen Volkes eine Politik -des Hasses und der Rache an der Ruhr sanktioniert worden. Dem unerbittlichen Feinde gegenüber ein sich selbst zerfleischendes Deutschland. Ist ein Deutscher mit gesundem, nationalem Empfinden darüber im Zweifel, daß die völkische Helle in den Schicksalstagen Deutschlands Vaterlnndsv errat bedeutet? Das Wort Dr. Niedners ist geeignet, Schwache zu stütz en, Verzweifelte aufzurichten und dadurch die Einheitsfront zu beleben und zu kräftigen. Wer einmal die Geschachte -des heldenhaften deutschen Abwehrkampfes an der Ruhr schreibt, wird an diesem Wort wie an einer Tat nicht achtlos Vorbeigehen dürfen. In diesen Tagen, da die Erinnerung an das erste d e u t s ch e P a r l a m e n t in Frankfurt die Notwendigkeit deutscher Einheit in das hellste Licht rückt, können wir stolz daraus Hinweisen, daß Gabriel Rießer, Vizepräsident des Parlankents der Päulskirche, ein aus rechter deutscher s Jude gewesen ist. Er hat durch sein Leben und Streben gezeigt, daß es keinen Gegensatz zwischen Deutschen und Ingen > gibt/ Artur Sch w er in er. '

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