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Central-Verein-Zeitung · 1923-05-12 · 19 (12.5.1923) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
19 (12.5.1923)
Date
1923-05-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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151 Gemeindepolitik. Der auf diesem Gebiet allgemeinanerkannte Spezialist rechnete scharf mit der Gleichgültigkeit der Nichtzionisten und der eigenartigen gemeindepolitischen Tätigkeit der Zionisten ab und erntete stürmischen Beifall. Die große praktische Frage, die im Mittelpunkte des Referates stand, scheint für die Behandlung inder Dessen Mchke:t noch nicht reif zu sein. Als Justizrat B r o d n i tz in der achten Abendstunde den kleinen .Kreis der noch Anwesenden mit herzlichen Dankesworten entließ und die Versammlung bereits geschlossen hatte, wurde sie von Herrn Rechtsanwalt Geiger (Frankfurt) noch einmal eröffnet. Er sprach das aus, was aller Ueberzeugung war: das Gelingen dieser arbeitsreichen Tagung des Hauptvorstandes ist nicht zuletzt das Verdienst des ob seiner klassischen Ruhe und warmherzigen Gesinnung mustergültigen Verhandlungsleiters gewesen. Spektator. Tagung -er Beamten -es C. v. Den Auftakt der Hauptvorstanldsfitzung bildete eine zweitägige Besprechung der Beamten des C. V. aus dem Reiche. Vollzahliig, waren die Herren aus den Landesverbänden und die Damen und Herren der HaupLstelle, insgesamt 24, erschienen. Den Vorsitz Khrte der stellvertretende Syndikus Dr. Alfred Wiener. Bei der Begrüßung wies der Direktor des E. V,., Dr. Holländer, darauf hin, daß der Hauptwert dieser Beratungen in der lebendigen Fühlungnahme der Hauptstelle einerseits mit den Landesverbänden und zwischen den Landesverblinden anderseits bestehe, und daß aus dem Austausch der praktischen Erfahrungen während der Winterarbeit und den Anregungen, die für die Möglichkeiten der Durchführung! von Maßnahmen organisatorischer und politischer Natur gegeben würden, eine Befruchtung der gesamten C. V.-Arbeit entspringen möge. Durch eingehende Berichte mit sehr lebhaften Aussprachen wurde die umfangreiche Tagesordnung erledigt. VerwalLungstechnische und Finanzfragen nahmen einen breiten Raum ein. Keiner bedauert dies mehr als unsere Beamten selbst, zu viel -ihrer Zeit und Kraft finanzieller Werbearbeit widmen zu müssen, so daß ihre H a u P t t ö 11 g f e 11, der Kampf gegen unsere Feinde, dadurch beeinträchtigt wird. Hier kann nur eins gründliche Wandlung helfen, in dem überall — an vielen Orten geschieht es mustergültig — die Vorstandsmitglieder der Ortsgruppen -weit mehr als bisher selbst dafür arbeiteten, daß dem C. V. die finanziellen Mittel reichlich zu-fließen. Beklagt wurde -in diesem Zusammenhänge, daß manche Vorsitzende der Ortsgruppen die Ehren ihres Amtes sich gern gefallen ließen, es mit den Pflichten aber recht saumselig nähmen. (Beantwortung von Anfragen usw.) Festgestellt wurde, Laß alle Landesverbände, mit Ausnahme eines, mit der Einziehung des Viertel jahrsbeitruges von durchschnittlich 3000 Mark gute Erfahrungen gemacht haben und diese ^Form zur Regelung der Vereinsfmanzen für unumgänglich erachten. Die gerade irr letzter Zeit in ungemeinem Umfange gesammelten Erfahrungen auf dem Gebiete der M i t gl i e d e r w e r b u n g und der V e r a n st a l t u n g v o n V e r s a m m l u n g e n wurden lebhaft besprochen. Beklagt wurde, daß in manchen Landesverbänden die Aufklärungsarbeit unter den christlichen Mitbürgern (vertrauliche Aussprachen usw.) noch zu wünschen übrig lasse. Die Ausgestaltung der Zeitung wurde eingehendst behandelt. Man wies darauf hin, daß das Reich, voran die Landesverbände, der „C. V.-Zeitrmg" mehr als bisher mit Nachrichten zur Hand gehen müssen. Gerade die Berliner Herren hoben scharf hervor, daß man kein Berliner Blatt herausgeben wolle, sondern das Blatt der gesamten deutschen Juden. Was die Verbreitung der Zeitung anlangt, die nunmehr in 66000 Exemplaren gedruckt wird, wird feftgestellt, daß sie oft von Bahnhofsbuchhändlern und in Kiosken systematisch unterdrückt wird. Abhikfemaßnahmen tverden durchgefprochen. Gelesene Exemplare sollen unsere Mitglieder nicht vernichten, sondern weitergeben oder in der Bahn liegen lassen. Die Arbeit des Phrlo-V e rlages lag einem weiteren Berichte zugrunde. Die Erzeugnisse unseres Verlages mühten im weitesten Umfange in jede ^erreichbare Buchhandlung hinein. In diesem Punkte geschickt vorzuarbeiten, sei nicht zum wenigsten Ausgabe unserer Landesverbandssyndizi. Bei der Erörterung der politischen und wirtschaftlichen Fragen stand vor allem der Gesichtspunkt des raschesten Nachrichtenausschuffes der Landesverbände untereinander rm Mittelpunkt. Der Gesamtvevlaus dieser zweitägigen Beratung bot -ein a u ßero rden blich erfreuliches Bild. Der Eindruck prägte sich allen Teilnehmern ein, daß in den Händen unserer erfahrenen arbeiMfrohen Freunde die Sache des Cenkral-Bereins Mt ausgeh oben sei. —rg. , Mentatssthwin-el >,Drei Millio iten für Hitlers Kopf." Tyrannen haben es von je als brauchbares Mittel zur Hebung ihres wankend gewordenen Ansehens erachtet, über Bedrohung ihres kostbaren Lebens durch die bösen Gegner 51t klagen. Schon vor einiger Zeit hat die deutschvölkische Hetzerin Andrea Ellendt einen jüdischen Kaufmann in Kitz in gen, ein andermal einen solchen in Minden i. W. bezichtigt, sie hätten Mörder gegen sie g e w 0 r b e n. Ihr Ruhm ließ anscheinend Herrn Hitler nicht ruhen. So ließ er knapp vor dem kritischen 1. Mai in seinem Leibblatt und in einer seiner Riesen-Zirkns-Versanunlungen die Nachricht ausposaunen, daß ein jüdischer Hände l s m a n n drei Millionen für H i t l e r s Kopf geboten habe. Tatsächlich hatte die Polizei eine Verhaftung Hierwegen vorgenommen, die das Gericht aber alsbald auf hob, weil sich die Anschuldigung als völlig unglaubwürdig erwies; denn sie ging von eurem ehemaligen Nationalsozialisten aus, der damit erst hervortrat, nachdem er selbst verhaftet worden war, weil er sich zur Ermordung des Reichspräsidenten und des sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Auer erboten haben soll und — n ö ch d e m der Sohn des B e s ch ir l d i g t e n i h n w egen U nter s chlag rl n g angezeigt hatte. Die Annahme liegt also nahe, daß es sich um einen plumpen Racheakt handelt. Was tnt's? Die Nachricht genügte, um einige tausend Versamm-- lungsbesucher in München zu wütendem Haß aufzupeitschen, ihnen Lynch- und Vergeltungsdrohungeu gegen alle Inden zu entlocken und das Wort „Mörderzentrale", das früher wohl mit mehr Recht anderen Kreisen entgegengeschleudert wurde, auf die jüdische Gesamtheit ab- Zulenken. Und wenn auch der „Beobachter" selbst tags darauf die Entlassung des Verhafteten und bannt die Grundlosigkeit des mit so viel Lärm in die Welt hinausposaunten Attentats auf den Messias der völkischen Bewegung zugeben mußte, die Parteiblätter im Land trugen die aufreizende Nachricht' doch noch tagelang in die Massen. Unser b ay r ischer L andesverband§s yndi ku s ist ermächtigt, gegen alle Blätter v0rzugehen, welche die Notiz über den „F a l l K u p f e r" n a ch drucken. Wir bitten daher, alle derartigen Zeitungen sofort au uns zu senden, die wir ihm dann 1 veitergeben werden. L. rrs In der „Münchener Katholischen Kärchenzeitung" Nr. 17, Organ der Pfarr gemeinden, Kongregationen und Preßvereine Bayerns, rechnet ein bedeutsamer Aufsatz „Mißbrauch des Alten Testaments" mit den völkischen Hassern des Alten Testaments ab: „Einen besonders krassen Mißbrauch mit der Bibel des Men Testaments hat der Thüringer Dr. A. Dinier getrieben', der in der vergangenen Woche in München beim Deutschvölkifchen Rechtsblock gesprochen hat. Mit Recht haben unsere beiden katholischen Zeitungen „Bayer. Kurier" und „Neues Münchener Tagblatt" bemerkt, Dinters Christentum sei ein ganz anderes als unser Christentum, wenn Dinter darüber auch bei seinem Vortrag in München nichts verlauten ließ. Wir gehen aus die jüngste Gerichtsverhandlung in Schmalkalden nicht ein, wo. Dinier recht alttestamentlicher Sittlichkeitsbegrisfe mit Alnnentenzahlung überführt wurde. In feinem anLichriftLichen Tendenzroman „Die Sünde wider das Blut" hat er biblische Schriftstellen, ohne auf den Zusammenhang zu achten, für rassenLheoretische Zwecke verwertet und hat bisweilen Worte willkürlich eingefügt, um den Eindruck bei den bibelkundigen Lesern zu verstärken (vgl. Dt. 7, 16; Jes. 60, 16). Ganz unwissenschaftlich ist die Auslegung des Gottesnamen El-schaddai. Bei keinem der namhaften Semitologen ist die Deutung Dinters zu finden, trotzdem bildet sie für ihn den Ausgangspunkt zu seinen weiteren Folgerungen. Direkt lächerlich wirkt die Zusammenstellung von Cl-schaddai mit dem türkischen Scheitan, das mit dem arabischen gar nicht einmal wurzelverwandten Wort Zusammenhängt. Darauf baut Dinter seinen Beweis, daß Abraham seinen Bund mit dem bösen Geist (!) schloß oder, wie ev geschmackvoll beifügt, „um in mittelalterlicher Auffassung Zu reden", seine Seele dem Teufel verschrieb (S. 74). Der in München von den Deutschvölkischen so hochgepriesene Dinter stützt sich bei feinen biblischen Erörterungen auf Th. Fritzsch, der 1911 ein Buch unter dem Titel „Mein Veweismaterial gegen Jahwe" und dann 1916 unter dem Titel „Der falsche Gott, Veweismaterial gegen Jahwe" herausgegeben hat. „Dieses Pamphlet niedrigster Art", so wird das Buch in den „Stimmen.der Zeit" (LI, 1920), charakterisiert, „hat an Gemeinheit, Unwillenschastlichkeit und Verdrehung Wohl alles geleistet, was aus diesem Gebiete erreichbar ist." Der protestantische Leipziger Theologieprofeffor N. Kittel hat in seinem Obergutachten, das er für den durch dieses Buch veranlaßten Gotteslästerungsprozeß abgegeben hat, folgendes Urteil gefällt: „Fritzsch gehen die elementarsten Grundlagen wissenschaftlicher Einsicht und wissenschaftlichen Denkens, mindestens die volle wissenschaftliche Zurechnungsfähigkeit ab." -

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