Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1923-05-12 · 19 (12.5.1923) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
19 (12.5.1923)
Date
1923-05-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2277379-2277415-2277434--00584-2279725
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Einzelnummer 100 M. VLller sürSerüscdtum SerUn, 1L. Mak I-rr H. Jahrgang ♦ Nr. 19 undTuitentam vryan des lLulralVererns deutleker. StaatsvüryerjüWcken vlaovrns ^r» S^II^Sr^sMs Lsitur^^ cZss Ollc1sr^inn^s ü-erlag u. Schriftleitung: Eentral-Verein üeuftcher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.v. Gerlin SWHK, Lindenftr. 13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 .'. Postscheckkonto: Berlin 3V472 .». Telegrammadreffe: Centralverein Lindenstr. 13. Berlin. sDie Zeitschrift ist nur durch die zuständige Postanftalt zum Preise von vierteljährlich M. 1200,— zu beziehe» ^Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Moffe, Berlin SW19, und deren Filialen. Anzeigenpreis: M. 1200,— für die 7 gespaltene \geile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins mit 5W/o Nachlaß. : Die 90 nun breite Reklamezeile M. 5000,— Unsere große hauptvorstanössikung. „weiter im Kampfe für Deutschtum und Judentum." Die Hauptvorstandssitzung unseres Central-Vereins vom Letzten Sonntag unterschied sich nach Form -und Inhalt von Hren Vorgängerinnen. Die Teilnehmerzahl war durch zahlreiche, besonders tätige Freunde aus dem Lande, welche nicht dem Hauptvorstand angehören können, — dieser ist durch seinen Umfang eine schon heute sehr stark wirksame, aber schwer anzutreibende Maschine — stark erweitert. Dieser Vergrößerung des äußeren Rahmens entsprach die Ausgestaltung Aer Tagesordnung: Unter Ausschaltung von iEinzelsällen, unter Zurückstellung unnötiger, die Front.schwächend er Nebensragen aus -dem jüdischen Leben wurden die Tagesereignisse vom Standpunkt eines seiner Deuts chheit bewußten Indensturns verhandelt. Was leistete unsere Körperschaft, was Darm sie leisten und was muß sie leisten? Diese Fragen fanden uhre Beantwortung. Die Tragfähigkeit unseres Gelüstes wurde festgestellt,.'die Bedingungen zum Aushau erörtert und dre A u s s ü h r u ng im einzelnen erwogen. Bei der Beurteilung' der Tragfähigkeit kamen die großen Fragen der Junen- und Außenpolitik zur Erörterung. Ist unsere Wirkung von der'Erkenntnis dieser Dinge abhängig, -so müssen sie klar und uns selbst bewußt sein. Aus unserer gemeinsamen Ueb-erzeugung stellten wir fest: Deutschland muß unter allen Umständen erhalten werden. Seine Unversehrtheit ist uns heiliges Gut. Der Judenhaß zerstört die Einheitsfront. Der Kampf gegen die. gegenwärtige Staatsform treibt zum Bürgerkrieg. Darum für die Einheitsfront gegen Juderchasser und Judenhaß und für die,Erhaltung unserer heutigen Staatsform! Da die Frage nach der gedanklich besten.Staatsform nicht die Not unserer Lage trifft, muß sie ausgeschaltet bleiben. Unser Bekenntnis zum Indent u m und unser deut -;s cherSi n n erfordern Stellungnahme gegen j e d e n Natiohalisnms. Nationalismus i ist ein häßliches Wort, ein undeutscher und unjüdischer Begriff: Fort mit ihm aus der Menschenseele? Das war aller Ueberzeugung: Weg mit den Schlagwörtern der ,,Gäste im Wirtvölk, der fre'mdbürtigen Gemeinischast im deutschen Staate". Mögen diese Worte von Juden oder Nichtjuden gesprochen werden/sie bleiben gleich falsch. Mt dem Nationalismus gibt es keine Verständigung. Cbenlsowenig mit dessen Mitteln, welche die Volksseele betören. „ ... Mr sprachen von der Demagogie, jener häßlichen Art, das Volk dadurch zu vergiften, d a ß m a n w i s s e n t l i ch falsche Angaben macht: Stempelung irgendwelcher Limrpen zu Juden, die nichts mit dem Judentum zu tun haben: Fälschungen von angeblich vorhandenen Stellen im jüdischen SchrWmn; Erfindung von Zahlen, wie die Angabe über die Größe des Reichtums des Bankhauses Rothschild: die Weisen von Zion rrsw.; daß man Tatsachen entstellt-: Herausreißung von Stellen aus dem Zusammerchang; eutstellte Erklärung vollsw irtschastlicher Begriffe, wie: Was ist produktiv, waS ist Produktives Kapital, was beideutet internationales Kapital? Gefärbte Darstellungen aus Geschichte und Literatur: die Einstellung Fichtes zur sogenannten „völkischen Frage"; hie Bedeutung'jüdischer Schriftsteller für die Entfaltung des deutschen Schrifttums; daß mun Begriffe nicht eindeutigen Inhaltso behandelt, als ob sie eindeutig wären (die Philosophie des „als ob" in der Politik unserer Tage muß noch geschrieben werden): die Behauptung vom „internationalen Judentum" und der Gleich setzung von international und „Volksverräter ischZ die falsche Bewertung von der Lehre der Auserwähltheit des jüdischen Volkes, die bekanntlich nur Pflichten und nicht Rechte gibt; daß man gewisse Täuschungen der große« Masse na ch A r t d er o p ti sche n Täuschungen Beil u tz t: man sieht viele jüdische Einzelkausleute mit gutem Erfolge arbeiten und schließt daraus auf die jüdische Kapitalvorherrschaft, ohne zu . bedenken, daß Handel und Wandel in geschlossenen Geschäftsstellen, daß der Wert des großen unbeweglichen Besitzes, der nicht in den Händen von Juden ist, das sogenannte jüdische Kapital milliardenfach übersteigt; man sieht Italiener, Serben und Rumänen in den Großstadt-Gaststätten 'sitzen und hält sie für Juden: daß man das Volk zerwühlende Romane und pseudowissenschaftliche Bü cher herstellt, d iese für Wirklichkeit ausgibt und nicht bedenkt, daß narkotisch^ Mittel den Körper schwächen und schäd igen: die ganze Chamberlainsche Külturauffassung; die Ariertheorie; der ganze' Inhalt der völkischen Darstellung von Wilsers „Germanen" über Dinters Schmierereien bis zü Günthers Rassenwerk. Die Einsicht in diese Dinge weist uns den Weg zur Vollendung unseres Ausbaues: Aus jede mit vornehmer Gesinnung zu vereinbarende Weise diesen Schädigungen unserer Ehre und unseres Seins entgegenzutreten, durch Wort und Schrift/ durch Handlungen und Taten, unter Verwertung der Freiheit, welche der neue Staat seinen Bürgern gegeben hat. .- -Wir er k a n n t en : Manche jüdische Staatsbürger sind kopfscheu durch das Ghetto geblieben, sie sind kurzsichtig, nicht hellhörig, vielfach geizig und hartherzig. Der Begriff des Opferns wird ihnen fremd, die-Bezahlung der Versicherung, welche ihnen unser Verein bietet, scheint vielen überflüssig. Der Typus ist alt. Kaiser Julianus Apostata hat ihn in seiner Rede an die ungebildeten Hunde grob gezeichnet. Wir wissen, wir w erde n ihn ausrotten, wir werden die jüdischen Deutschen zu Kämpfern für ihre Ehre und ihr Sein gestalten. So beschlossen wir zu arbeiten. Nicht alle werden uns folgen. Im Sommer.werden noch viele an Erholungsorten aller Art schlemmen, Protzen, sich durch Flitter

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.