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Central-Verein-Zeitung · 1923-04-12 · 15 (12.4.1923) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
15 (12.4.1923)
Date
1923-04-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Volles schcünen und lieber mit den Christen die Juden placken wollen, „ihr Volt verleugnen diese Abtrünnigen und Euch, Herr Bischof, lügen sie vor, sie glauben". Ergreifend schildert Peter Nosegger, der sich in seinem Roman: „Das ewige Licht" als Waldpfarrer selbst porträtiert bat, die schweren Gewissensnöte eines Sohnes, der den Glau den sn^echsel seines Vaters nicht mitmachen konnte: der junge Ritter von- Hark sagt zu dem Waldpfarrer: „Sie wissen ja, daß meine Familie sich Ihrer Kirche (der katholischen) angeschlvfsen hat, und daß ich es nicht getan habe. Hat mein Vater H c 13 c n s gründe gehabt, es zu tun, so habe i ch s i e gehabt, es nicht Zu tu n. Ich muß mich mit Ihnen aussvrechen. Sie halten etwas darauf, ob man seinen Vorfahren treu bleibt in Leben und Lehre, ä&enu Sie mich fragen: „Glaubst du denr Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs?" so mutz «ich antworten: das weiß ich nicht. Wenn Sie mich einladen, einen f r e m de n G l a u den a n Z u n e h m e n. so mutz ich antworten: n e i n. Kann ich schon m e i n e r Väter Glaube nnicht mehr festhalten, wie soll ich mich einem fremden verpflichten?" Dieses Wort sollten sich alle diejenigen täglich vor Augen chalt-en, die noch heutzutage glauben, mit Rücksicht am ihre Kinder eine thnen lästig gewordene Religivnsangohörigkeit aufzugeben. Ehrliche Geistliche haben Übrigerls das Argument des jungen Ritters von Hark ganz von selbst' den Taufasviranten vor Augen gehalten. Der Prediger Mokiere fragte einst einen solchen Hebe r t r itt s kan di daten, wie Varnhage n von Ense in seinen Tagebüchern vom 19. Avril 1841erzählt, ob er denn ein rechter Jude sei, und alles Jüdische glaube? „Nein, ganz und gar nicht, und deshalb wolle er sich lossagen." „Was?" ruft der Geistliche, „Sie glauben nicht an den Alten- Bund und die Propheten? Danü können Sie auch kein Christ sein", und wies ihn zurück. I. V. W i d rn -a u , der hervorragende Schweizer Dichter rmd Schriftsteller, zeigte die Absurdität der Judentaufe an einer historischen Parallele: „Den Juden zuZMnuten, jene endliche, geistige höhere Ir-e ih e it auf dem 1linwege eä n es Durchgangs durch das Christentum zu erlangen, wäre ebenso verkehrt als jene vom Apostel Paulus bekämpfte Ansicht der ersten.Judenchristen eine verkehrte war, welche bekanntlich dahin ging, die -zum Christentum sich bekehrenden Heiden müßten erst die Beschneidung annehmen und. überhaupt erst durch das Judentum Zum Christentum übergeben/' Und sind denn die Konvertiten alle ihres Uebertritts froh geworden? Man denke nur an Heinrich Heine oder ans der neueren Zeit, an' den hervorragendsten deutsch-österreichischen und deutschjüdischen Staatsmann und Gelehrten Joseph linder, der im vorgeschrittenen Lebensalter wiederholt im vertrauten Kreise sich bittere Selbstvorwürfe gemacht und denr Baron Moritz Köngswarter gegenüber geäutzert hat, i ^datz er sich seine Taufe lange nicht verzeihen könnte", s Unger, -dieser bedeutende Jurist und prächtige Mensch, hätte sich eben vergegenwärtigen sollen, was He>bbel fernem jungen jüdischen Freunde und späteren Biographen Einil' Ku h, als dieser sich Ebenfalls mit llebertrittsgedanken trug, warnend vor Augen gehalten hat: „Der Jude ist gerade so schlecht wie der Mensch. Ich' denke zu groß vom Menschen... um nicht daran sestzuhalten, daß er die kleinen Hindernisse, welche die Nasse ihm allenfalls in den Weg legen mag, durch die kleinste sittliche An st r e n g u n g ü b c r w in d e n kann. Söhnen Sie sich mit Ihrer Nation wieder aus: es tut nicht g n t. sich von dem Boden l 0 szureitzen, dem man a n g e h ö r t." Das moderne Judentunr, das heute glücklicherweise keine Rücksicht mehr zu nehmen braucht auf den Druck gewisser öffentlicher Stimmungen, die der ungarische M i n i st c r W e k e r l e lri Erörterung des gleichen Themas schon vor vielen Jahren als „vergänglich" mit einer verächtlichen Geste beiseite geschoben bat mit dem treffenden Zusatz: „Es ist zu befürchten, daß der plötzliche Gedanke, der übereilte Entschluß, die unüberlegte Handlung später einmal aus dem Uebergetretenen einen schlechteren E h r i ft e n machen werde, als er als Jude war," befindet sich eben Oeder den Antisemitismus kann ich nichts sagen, weil die ganze Bewegung mir völlig unverständlich und unbegreiflich ist. Henrik Ibsen. nicht mehr in der Zwangslage zu Zeiten des Mittelalters, das Z. B. in Frankreich ein bis zum 4. April Vm in Geltung gewesenes Edikt geboren hatte, wonach das Eigentum der Juden konfisziert wurde, ioenn sie zum Christentum übertreten, während sie freilich auf der anderen Seite den F e n e x 10 b 311 gewärtigen hatten, wenn sie nicht übertraten. Heut hat sich wohl 'bei den Staatsmännern aller gesitteten Staaten die Auffassung, durchgerungen, der der Präsident der amerikanischere Staaten-, Taft, im Jahre 1913 einer Deputation von Mitgliedern der Bne Brich folgenden Ausdruck gegeben hat: „Wahr ist, Sie sind treu Ihrer Abstammung und Ihrem Glauben, und warum sollen Sie das nicht? Wir möchten Sie nicht achten, wenn Sie en i d> 11 ä te n." In Bu lgarien, also in einem Balkanstaat, hat schon im Jahre 1907 der damalige U n te r r i cht s m<i n i ste r Dr. Schichmanow das Bewerbungsschreiben eines getauften- Juden zerrissen mit der Bemerkung Zurückgeschickt: „Verräter ihres Volkes können nicht zur Erzieh uns der bulgarischen Jugend zugelassen werden? Was man nicht doch alles in dem Kulturstaat Deutschland von einem der sonst so verächtlich genannten Balkanstaaten lernen kann! rgr anpip Menanflcliote AellM Muche finden durch die rveiieundzrveckentsirrechende Bekanntgabe. Ul.lM,-. Für Stellengesuche und Familien« anzeigen mit S0°/« Nachlaß. Frankfurter Cigaretten- und Tabakfabrik „FRÄCI“ G. m. b. H. Frankfurt a. M. Luxusausgabe lul-istln Divas von Goethe. Erich Reiss Verlag, Berlin. Einmalige Ausgabe in 800 numerierten Exemplaren / Dreifarbig gedruckt auf starkem Japan / Die goldenen Initialen mit der Hand eingeschrieben / Ausstattung nach Angaben you Lazarus Goldscbmidt In Seide gebnnd.,init reicher Gold Verzierung Preis M. 90 000,— freibleibend. Philo Verlag und Badikandlong G.nLb.EL Berlin SW 68. Lindenstrasse 13. DicKohknsperrebesicgt! Ohne Holzi Ohne Kohle! Ohne Gas! mm Praktisch! Sparsam! Bequem! 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