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Central-Verein-Zeitung · 1923-04-05 · 14 (5.4.1923) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
14 (5.4.1923)
Date
1923-04-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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derlftt/ S. OM 1-25 II. Jahrgang * Nr. 14 S^Utzsn^sir^s Lsuui^^ des 3 udem ums Verlag «. Echrkftleitunsr Eentral-verein üeutfther Staatsbürger jüdischen Glaubens e.v. Gerlin SA) HK, Lindrnfrr. 13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 .*, Postscheckkonto: Berlin 30472 #** Zeitschrift ist nur durch die zuständige Postanftatt zum Preise von vierkettährltch M. 1200,— zu beziehe« Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedilron Rudolf 21.osse, Berlin 8W 19, und deren Filialen. Anzeigenpreis: M 1200,— für die 7 gespalten» Zeile nach Rudolf MoffeS Normalzeilenmeffer Nr. 4, Fanrttienanzelgen und Stellengesuche für Mitglieder des Centml-Vereinmit 50% Nachlaß. Die 90 mm brette Reklamezeile M. 5000-— Sind die Iuöen 6h Führer des Holfchervisnms? Neue Feststellungen von Dimitri Sulaschor». Täglich wird in «der deutschvöMsclmr Presse und in deütfchvöMschen Versammlungen Sowjet-Rußland als „Sowie-t-Züdäa^ bezeichnet. Daß gerade die Juden infolge der bolschewistischen Herrschaft ungeheure Opfer an Gut und Blut bringen mußten, wird verschwiegen. Schlagend bat diese Wahrheit D i m i t r i B u l a f ch o w in seiner Schrift „D i e Nutznießer des Bolschewismus" er-' wiesen. Tie Fortsetzung. seiner wichtigen Unter« ■ Buchungen gibt der lolgende Aussatz. . Die SchriNeitung. Uf&tt die Ermordung der Zarensamilie existiert in deutscher Sprache eine Broschüre von W. Riedel, und über die „Tscheka" eine von R. Nilostonski: „Der Blutvausch des Bolschewismus", beide in vielen Hnnderttausen-en Exenrplaren vervreitet. Erstere schildert „nach russischen Dokumenten", als hätte der Verfasser dabei gestanden, wie die Juden den Aaren, seine Frau und seine unschuldigen Kinder erbarmungslos niedergeschossen, die Leichen geschändet und dann in eine Kohlengrube .aeschleudert und die Spuren mittels Feue-rbrand vernichtet haben. Nilostonsti, offenbar ein Deutsch-Russe, der in der Freiwilligenarmee des Generals Aenikin gedient haben will, beschreibt aus eigener Anschauung, von zahlreichen Photographien unterstützt, die Scheußlichkeiten der „Tscheka", die alle Grausamkeiten der Inquisition, der Folterkammern der zarisch-russlschen Gerichtsbarkeit übersteigen, und die sämtlich von den Juden, und, was noch schrecklicher ist, von Jüdinnen verübt wurden. Diese „jüdischen Weiber und Mädchen" spritzen sich Kokain ein, um sich für ihr blutiges Handwerk den nötigen Rausch zu beschaffen. . . Ten Zahllosen Lesern dieser beiden und vieler ähnlicher Broschüren brennen sich die Bilder ins Gedächtnis ein, und die Vorstellung Jude muß sich bei ihnen mit der Vorstellung Sadist für die Dauer verknüpfen, aber auch mit dem Begriff Königsmörder. Zn einer ganzen Flut von Schriften wird nämlich „nachgewiesen", datz alle Morde an Zaren, Großfürsten und hohen Würdenträgern in Rntzland in Wirklichkeit von Inden verübt wurden. Was den Sadismus anbetrifft, so ist er ja, wie Nilostonski so treffend bemerkt, sch m in den „Protokollen der Weisen von Aron" ßeierlichst Zum Prinzip erhoben worden, da diese Weisen im neunten Protokoll beschlossen haben, im Bedarfsfälle von den Stollen der Untergrundbahnen aus, alle „gvjischeu" Einwohner der Hauptstädte „mit oen Staatsleitungen, Aemtern, Urkundensammlungen und die Nichtjuden mit ihrem Hab und Gut in die Luft zu sprengen!" Nilostonski bezeichnet das mit Recht als einen Beweis für den „ekelhaften Sadismus" der Juden!-Andere sind gerecht und sägen: da s .g H t n u r von den rus si s ch e n oder O st j ud e n, die unseren sind anders. Ja, es gibt Autoren, die die Lehre verfechten, daß der ganze russische Revolutiomsmus, Nihilismus, Eimrchismus eigentlich eine Schöpfung russischer Juden seien. Der Divrsionspfarrer F. Crane, jedensalls ein Mann von geistiger und moralischer Bedeutung, versichert in einer Schrift, deren 150. Lausend aus.dem Jahre 1920 vor mir liegt daß Herzen und Bakunin russische Juden gewesen seren: er zitiert blutrünstige Aussprüche von diesen'heröen-AüLoten -und-beweist,"daß das jetzige Regime der Sowjetleute mit "einer Unterdrückung der Relrgion und erbarmungslosen Bekämpfung der russischen Kirche und Geistlichkeit nur eine Vollstreckung der Urteile darstellt, welche Herzen, Bakunt« und die anderen russischen revolutionärenJuden vomehr als einem halben Jahrhundert gesprochen haben. Die Volkftrecker d.efer Urteile, die' Lenin, Trotzki, Sinöwjerv usw., seien ja ebenfalls lauter Juden! Der Freiherr von Freytagh- Loringhoven, Prozessor der osteuropäischen Geschichte an der Universität Breslau, versichert, der ganze Bolschewismus sei nur eine jüdische Geistesschöpfung, eine Fortsetzung der von Juden betriebenen revolutionären Bewegung, die schm zur Zeit Nikolaus I. eingesetzt habe; die Juden begingen da einen Äkt „schändlicher Unoonkvarkeit", da gerade Zar Nikolaus I. ihnen die Pforten der russischen Bildung und sogar -des russischen Heeresdienstes erschlossen habe. Aber Revolutiomsmus und grausamer, Sadismus seien eben Merkmale der Juden, besonders der russischen! . . . So bildet sich eine neue Legende um das Wesen der jüdischen Natur, eine Legende, die z« entwurzeln sehr schwer sein wir-, wenn ste sich erst gehörig festgesetzt hat. In meiner Schrift „Die Nutznießer des Bolschewismus" habe ich einen Teil dieses ganzen Mythenkomplexes einer Analyse 'unterzogen. Da die ersten zwei Auflagen der Broschüre bald vergriffen waren, so beschloß ich, die dritte Auflage auf eine umfassendere Basis zu stellen. Ich habe im Verlauf der seither verflossenen zwei Jahre die authentischen Quellen zur Entstehungsgeschichte LM'd Zusammensetzung der Sowjetregierung, studiert und bin Zu sehr merkwürdigen Ergebnissen gelangt. Es stellt sich nämlich heraus, daß die theoretischen Urheber, also die „geistiger» Väter dos russischen Revolutiomsmus", -die deutschen Philosophen! Hegel, Feuer bach, Büchner, Moleschott, Vo gt gewesen sind, daß alle russischen RevOlutionäre, ohne Ausnahme, bet den genannten und anderen deutschen Denkern in die Schule gegangen sind, daß kein einziger von ihnen ein Jude war oder von Juden abstammte, sondern alle dem russischen Hochadel oder der russischer» hohen Bureaukratie angehörten, oder, wie Netfchajew und der Mörder Alexanders 11., K i l b a s ch ü tz, Söhne von Popen waren. Von den bekannten Revolutionären jüdischer Abstammung übte Lassalle gar keinen, Marx erst gegen Ende des vorigen Jahr- Hunderts aus die Rüssen einigen Einfluß aus, aber in einem Simve, der den Theorien des Anarchisten Bakunins und seines Schülers Netfchajew entgegengesetzt war, so daß ersterer schließlich mit Marx in heftigen Streit geriet und ihn einen Philister, Preußen und Juden schimpfte- Unter den Verschwörern, die die Mordattentate auf Mitglieder der Dynastie und andere hochstehende Personen ausführten, gab es, aber erst seit den achtziger Jahren, so viele Juden, daß zu deren Aufzählung nicht einmal die Finger einer Hand gehören. Die Legende von den Inden, die Nikolaus II, unfeine Familie ermordet halten, erwies sich als gänzlich aus der Luft gegriffen. Dagegen waren die Deutschen, die doch in Rußland wahrlich nicht Zu den sozial unterdrückten Völkerschaften gehören, und zwar Deutsche aus den höchsten baltischen Adelsfamilien, die hervorragende Stellungen in der Armee und der Diplomatie bekleideten, in auffallendem

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