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Central-Verein-Zeitung · 1923-03-29 · 13 (29.3.1923) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
13 (29.3.1923)
Date
1923-03-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 100 M. Serttn, 2^. März 1923 II. Jahrgang ❖ Nr. 13 Kötter fttrDculfrblam^] uyöTuöentu oryrm des lLntralVerems deutscker Staatsvüryer jüMcken VlauvensL« Verlag u. Schriftleitung: Eentral-verein deutscher Staatsbürger jiiöifchen Glaubens e.v. Serlin SVHS, Linöenstr. 13 Fernsprecher« Amt Dönhvss 3594, 3595 ♦% Pestscheckkontor Berlin 30472 Die Aettschrift ist nur durch die zuständige Po ft an st alt zum Preise von vierteljährlich M. 120ö,— zu beziehe« Bllemtge Anzeigenannahme: Annoncen-Expedirion Rudolf Aiosse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreis: M. 1200.— für die 7 gespaltene Zeile «ach Rudolf Blosses Normalzeilenmesser dir. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins mit 50% Nachlaß. Die 90 mm breite Reklamezeile M. 5000,— Dem „Kämpfer gegen Rom und ^uöa!" Eine bedeutungsvolle Stimme aus dem katholischen Lager. Einem ölt Herrn Dr. R i t g t r (Staßfurt) gerichteten Briefe des hochwürdigen Herrn Kaplan Murawski in Egeln entnehmen rvir mit Genehmigung des Schreibers die folgenden Ausführungen. Als diese Gedanken zu Papier gebracht wurden, hatte sich der Prozeß D i n t e r s gegen unseren Syndikus Karnnitzer in Erfurt noch nicht abgespielt. Das Charakterbild des Herrn Dinter, durch die in den Tageszeitungen ausführlich wiedergegebenen Prozeßberichte trefflich gezeichnet, wird durch diesen Brief vollendet. Die Schriftleitrrng. Artur Dinier hat einen neuen Roman veröffentlicht: „Die .Sünde wider die L i e b e". Das Buch ist literarisch wertlos; das einzige, was die. Aufmerksamkeit erregt, ist die Tendenz. Diese Tendenz verbietet es, Dinters Produkte ohne weiteres unter die humoristische Literatur zu rechnen, wohin jeder Einsichtige es verweisen muß; denn es mutet unendlich komisch an, wie Dinter die ganze Schale seines Zorns über des Judentlun, das Alte Testament, Paulus und die katholische Kirche ausgießt. Aber die Tonart Dinters verwehrt den Scherz: sein Buch ist tatsächlich „die Sünde wider die Liebe", und wenn er heuchlerisch vorgibt, Christentum, bringen zu wollen, so möge er bei sich anfan g en und Christ werden in Wahrheit und Liebe. Die Wahrheit kommt bei Dinter bedenklich^ u kurz. Wenn er im Nachwort behauptet, er sei nicht aus der katholischen Kirche ausgetreten, so ist das unwahr: er auch wissen, daß ihn die Kirche als Be r b r ei t e r v o n Irrlehren ausgeschlossen hat. Dinter ist kein Katholik, und wir Katholiken wollen von ihm und seinen Ideen nichts wissen'. Er mag deutschvölkisch sein oder arisch — er ist weder Christ noch Katholik. Neben dieser Unwahrheit stehen dann die unzähligen w i s s e n s ch a f t l i ch e n Schnitzer Dinters; man kann mit Sicherheit behaupten, daß von all der Polemik auch nicht e in Satz r i ch t i g i st. Wenn Dinter sich katholisch normt, warum hat er nacht einmal einer! katholische n Apologete n z u Rate gezogen? Dann hatte er erfahren, daß alle seine wissenschaftlichen Sterne Irrlichter sind, daß die sogenannte Textkritik, mit der er arbeitet, reine Tendenz ist im Dienste des Antichristentums: die christlichen Lehren dürfen nicht wahr sein, also müssen die Texte Zugestutzt werden imb alles Unbequeme wird als unecht erklärt. Köstlich ist die Art, wie Dinter „seelenkundlich" die Echtheit oder Unechtheit einzelner Aussprüche Christi in dm Evangelien uachweist; vielleicht wird er für diese exegetischen Taschenspielereien zum D o k t o r d e r d e u t s ch völkischen Theologie promoviert. Es würde zu weit führen, alle die zahllosen Jrrtümer Dinters aufzuführen und Alt widerlegen. Dazu müßte man ein dickes Buch schreiben und oft Gesagtes wiederholen. Es ist aber keine Ehre für Dinter, in solcher Art eine s a l sche Wissenschaft z u r Hetze zu verwenden. Seine Ansicht, Christus sei kein Jude gewesen, oder Paulus habe das ganze Christentum verdorben, ist zu -Lächerlich, als daß es sich lohnte, auch nur ein Wort darüber zu 'verlieren. Sind die Verfehlungen Dinters gegen die Wahrheit unzählbar, so kann man sie ihm vielleicht verzeihen, weil er nicht weiß, waer sagt. Unverzeihlich aber sind die von ihm begangenen Sünde« gegen die Liebe. Der von ihm gepredigte Haß gegen die Jude» und gegen alles, was vielleicht jüdisch sein könnte, ist vielleicht pathologisch zu bewerten. Die wüsten Schimpsereie» über die Person und Tätigkeit des von allen Christen hochverehrte» Apostels Paulus Zeugen wahrhaftig nicht von Liebe, ebensowenig von dem geringsten Verständnis. Vor allen Dingen aber die Juden, die sind doch Dinters besondere Fr«mde! » Ich will es an dieser Stelle als katholischer Priester, gerade, weil Dinter sich noch einen Katholiken nennt, offen äussprechen: katholisches C h r i st e n t u m u n b Antisewitis nt u I Vertragen s i ch n i cht! Man mag gegen einzelne Juden noch so viel eiuZuwenden haben, niemals hat man das Recht, die Jude» zu hassen und zu verfolgen, denn vor Gott gilt nicht die Abstammung — er hat ja alle Menschen geschaffen —, sondern das Herz, und das ist bei manchem Juden besser als bei dem Arier Dinter. Wir als K a r h o l i k e n m ii f f c n es energi s ch a b l e h n e n, in i r g e n dei n e r F o r m m i t de nt Antise m itismus in V e r ib i n d u n g g e bracht Z u w erde n. Wir halten es trotz aller Dinterschen Experimente als eine geossenbarie Wahrheit fest, daß Gott das Volk Israel auserwühlt hat, daß aus diesem Volke Christus hervorging. Wir verdammen die Dinterschen Ausfälle gegen Jahve als g r e u l i ch e Gotte s i ä st c x u n g , wir bekennen mit den Juden Jahve als den wahren Gott, hochgelobt in Ewigkeit! Wir betrachten auch das Alte Testament als Gottes Offenbarung in seiner Gesamtheit und in seinen Teilen; ja gerade das Alte Testament ist für die heutige Zeit von Bedeutung; es erinnert immer wieder daran, daß Gott als der Schöpfer auch der absolute Herr der Geschöpfe ist, daß also die Religion für die Verbindung des Menschen mit Gott von Gott bestimmt und angeordnet, nicht aber von Menschen, dem Sklaven Gottes, gemacht wird. Wir lehnen schließlich Dinters „G e i st e s l e h r e" als w ü st e n Aberglauben ab; sie ist eine neue Bestätigung des Satzes: Wo der Glaube weicht, zieht der Aberglaube ein: „So ist die tolle Welt! Sie läßt Vom barsten Schwätzer sich den Glauben, Ihr bestes, schönstes Kleinod, rauben: Den Aberglauben hält sie fest." Befere.) Herrn Dinter aber möchte ich desselben katholischen Dichters Worte ins Stammbuch schreiben: „Erst kommt die Lauheit, dann der Zweifel, Dann Widerspruch, dann Haß und Spott: Das halbe Denken führt zum Teufel, Das ganze Denken führt zu Gott/''

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