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Central-Verein-Zeitung · 1923-03-08 · 10 (8.3.1923) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
10 (8.3.1923)
Date
1923-03-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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74 n e h rn e n" müsse, war von einen: Sechsmünnerkollegiuur in aller Stille vorbereitet worden, in dem sich nicht weniger wie drei Juden befanden: Dr. Asch, Dr. Simon und der spätere langjährige Stadtverordnetenvorsteher Geh. Justizrat Freund. Das - war zu einer Zeit und bei einer Gelegenheit, bei welcher das führende Organ der „kleinen, aber mächtigen Partei" über „Kronenraub und N a t i o n a l i t ä t e n s ch w i n d e V wetterte. In den Ländern unserer Gegner im letzten Weltkriege hat es an ähnlichen rühmlichen Beispielen führender deutscher Juden gleichfalls nicht gefehlt. Otto Joel, der Begründer und langjährige Leiter von Italiens größten: Bankinstitut, der Banen Commerciala Jtaliana, hat, trotzdem er italienischer Bürger geworden war, während der kriegerischen Wirren seine deutsche" Herkunst, seine Sympathien sür die deutsche Heimat niemals verleugnet; er hat, wie auch sein Mitarbeiter Friedrich Weill, lieber jegliche Verbindung mit dem großen Bankinstitut, seiner ureigensten Schöpfung, aufgegeben, als daß er den Matadoren des Piazza, wie so viele andere, geschmeichelt hätte. Aus der anderen Seite war und ist in Polen noch heute einer der schlimmsten deutschen Renegaten! der evangelische Generalsuperintendent Bursche in Warschau, der vor den herauuahenden Deutschen eiligst die Flucht ergriff und zu seinen Verwandten nach Moskau zog. Statut in der Gefahr, als Hirte der Gemeinde, seine Herde tun sich zu sammeln und den Verzagten eine Stütze zu sein, ergriff er das Hasenpanier — ein Deutscher vor seinen eigenen Landsleuten! Wie anders der greise Vor st e h e x der großen S y u a g o g e in B r o d y , der, als er vom russischen General den Befehl erhielt, beim Gottesdienst nicht mehr wie bisher sür Kaiser Franz Josef, sondern für den Zaren ein Gebet vorzntragen, sich durch Selbstmord der Ausführung des Befehls entzog. Wersen wir zum Schluß noch einen Blick aus Amerika, wo Hugo M ü tt ft c r b erg, der ausgezeichnete Gelehrte cm der Hovard-Universität und geniale Erfinder, den das führende konservative Organ in Deutschland in seinem Nekrolog, mit Recht als „beit Führer der Deutschen in Amerika seit den Tagen von Karl Schurz" bezeichnen durfte, bein: Eintritt Amerikas in den Weltkrieg eine fieberhafte und seine Gesundheit untergrabende Tätigkeit entwickelte, tut: die zerstreuten Elemente des Tentschttnns in den Vereinigten Skaten um die Fahne und die Ehre des deutschen Namens zu scharen, und in dem die englische Regierung, wie in einem anfgesangenen Geheimbericht ihres Agenten an ^ir Edward Groß aktenmäßig bezeugt wird, cineu so gefährlichen Gegner der englischen Ränke in Atnerika erblickte, daß sie, da alle ihre Bestechungsküuste abprallten und auch diverse Mordversuche mißlungen waren, nur noch „ans die göttliche Vorsehung hoffte", die sie von diesen: gefährlichsten Deutschen befreien könnte. Wie seelenstärkend, tote. herzerhebeud, wie allen Kleinmut niederschlagend in unserer jetzigetrschweren Bedrängnis wirken noch heute, und gerade heute die tapferen Worte dieses nnvorzagten deutschen Optimisten, als im dritten Kriegsjahre einmal im Freundeskreise der bange Gedanke erörtert wurde, daß das Vaterland in diesem Kriege dem ungeheuren Ansturm unterliegen könnte. Da flammte Müttsterbergs Stolz auf die unverwüstlichen geistigen Kräfte seines Vaterlandes aus: „Die deutsche!: Ernten können zerstört werden, die deutschen Fabriken können zun: Stillstand gebracht werdet:, die deutschen Söhne könnet: hingemordet werden; aber to i c a tt ch der K ö r p e r der N a t i o n v e r st ü m m c 11 werde n tt: a g , solange i h r e 'S e e f e l e b t, wird sie tief empfinden, daß dieser K r i e g der größt c sittti ch e Sieg war, den die Deutschen jemals gewonnen haben, und daß das Land niemals größer tmb würdiger war der stolzen Liebe jedes Deutschen als in dieser Stunde." An diesen: stolz-bescheidenen Vermächtnis eines Mannes, in den: sich die Synthese von: Deutschtum und Judentum nach Moses Mendelssohn und Gabriel Rießer vielleicht an: herrlichsten offenbart hat, werden auch alle infernalischer: Vernichtungspläne unseres rachgierigsten Gegners elend zerschellen. Carl Hi l m a v. Lehrervereinshaus-Nachklänge. Au f rechtem Wege. Die große Versammlung im Berliner Leh-rervereinshaus. in der, wie wir bereits mitgeteilt haben, Justizrat Brodnitz, Dr. Holländer, Rechtsanwalt Beruhet m und Dr. Baro n (München) Hauvtreserenten waren, ist in der T ag c § p r e s s e a l l er Ri ch t u v. g e n erörtert worden. Aus den Berichten war erkennbar, daß es sich hier um eine bebcutf ante Kundgebung für Deutschtum und Judentum gegen Haß und Zersetzung gehandelt hat. Selbst die „D e it t sche Z e i t u n g" konnte diesen Eindruck trotz hämischer lleberschrist nicht verwischen. Aber auch in diesen: Falle-war es eine Ntuuoglichkeit, es allen recht zu ruachen. Zwei Pressenotizen, die wir herausgreifen,'beweisen, wie schwer dieses Bestreben ist, wenn man es rtoch so gut und ehrlich gemeint hat. Der „V ö l ki s che B e o b a ch t e r" spricht von Jüdischen politischen- Betrachtungen", von einer „Verherrlichung der Revolution und Kommunisten." Die demokratische ,.B e r l i n e r V o l k s z e i t u n g" greift den Central-Verein bei aller Würdigung seiner Ziele an, loeil man ihr berichtet hat, das; in der Versammlung durch einen der Referenten „ermordete Führer der Arbeiterparteien noch im Grabe verleumdet wurdet:". Wer über die Psychologiedes Antisemitismus in einer Volksversammlung spricht, muß damit rechnen, baß er Mißverständnissen begegnet, weil psychologische Entwicklungen für Darlegunget: tatsächlicher Arb gehalten werden.. Daß unter den Zuhörern aber auch B e r i ch t er ft a 11 er diesem Mangel an Urteilsvermögen erliegen konnten, ist sehr bedauerlich'.' Bk'ibt, nur der alte Trost, daß Angriffe von hübet: tiud drüben, denen der Cen-tr-al-Berein' seit jeher ansgesetzt war, erkennen lassen, daß er. mit seiner Politik der mittleren Linie und des Geradeaus-Borwärtsschreitensaus dem rechten Wege ist. „Sturm gegen öas Reichsbanköirektorium." N e u e st e V e r l e u m d u n g d e r I u b e n g e g n e r. Als vor kurzettr der Dollar von 50 000 Mark allmählich auf 20 000 Mark sank, ging, ein befreiendes Aufatmen durch die deutsche Welt. Ein jeden 'dankte der Reichsbank, die nach einem offenen Geheimnis durch eine energische Devisenpolitik dieses Wunder zustande brachte. Es hieß, daß auch angesehene und einstußreiche Bankk'reise das Vorgehen der Reichsbank kräftig unterstütz-teu. .Dafür unsere Gegner Bankkreise nnd> iniern>attonales Jndetstum zusammeufallen, so paßte ihnen anscheinend dieses Zusamtnemvirken zmn besten des Ganzen gar nicht in den Kram. Und flugs wurde folgende Nachricht aus einer bisher noch nicht festzusteltenden Quelle in Umlaufgesetzt: R it ck t ritt des Rei ch s b a n k d i r e k t o r i um s. Berlin, kt. Februar. Gegen Schluß der Heuligen Börse verbreitete sich das Gerücht, dos Reichsbankdirektorium.sei zurückgctreten. Bis zur Vertagung des Reichstags auf morgen lag weder eine Bestätigung noch eig Dementi der Nachricht, die Gläubige findet, vor. Tenn die Devisenpolitik der Reichsbank aus der letzten Zeit ist selbstverständlich gewissen Börsenkreisen nicht wenig geget: den Strich gewesen: nnd Havenstem wie Glasenapp sind eben diesen. Finanzkreiset: schon arge Steine des Anstoßes. Man nennt insbesondere die Namen Mendelsohn, Bleichröder, Loeb nnd Marburg. Sind sie wirklich der Konzern, so erfährt man bei dieser- Gelegenheit wenigstens, warum die Reichsbank entstaatlichl worden ist. . . . Daß gerade die „N o r d e r n eher B a d e z e i t u n g", deren Nutnmev 22 vouti 20. Februar wir diese Notiz etstnehnten, solche! judengegneri scheu Tendenznachr-ichten, an leitender Stelle abgedruckt, verbreitet, soll nicht uuertvähnt bleiben'. Daß sie, aus den Fingert: gesogen, nur dazu dienet: sollet:, judengegnerifchen Versia-tutnkuttGZrednertt! und Leitartiklern! das ertvünschte Material zu bieten, sieht der Kundige auf den erstetr Blick. Wie mit einer solchen niedrigen Verleutndung der vaterländische!: E i n-h e i t s f r o n t einem rücksichtslosen Feind gegenüber genutzt werden soll, mögen sich die deutschvölkischen Kreise fragen, denen noch nicht das Wort „Vaterland" verpstichcknngstos-e Berfa-nrnt-ltlngZphvase getvorden ist. Wir jüdischen Deutsch et: werden uns durch noch so ungeheuerliche Verdächtigungen tlnd Schmähungen von 'deutschvölkischer und nationalsoziMstischer Seite nicht einen Deut von unseren Pflichten gegen deutsches Volk und Vaterland abbrinMn lassen. „Das wanöernöe Geheimnis". , It n b e h i n d e r t e A u f f o r d e r u u g z u P o g r o m e n. In allernächster Zeit soll der „entscheidendo Schlag" gegen das Judentum geführt werden. Der „Deutsche Volks Wille", Kampsblakt der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei in Nürnberg, kündigt an leitender Stelle in großer Aufmachung diese „tatkräftige Rettung, aus Not und Tod im letzten Augenblick" an. JOou der Stantsanwaltschaft anscheinend nicht belästigt, kann der Schriftleiter Walther Ketlerbauer in genteingofährticher Weise zum Klasseuhaß aufreizen: „In Kürze kann eine durchgreifende Wendung in der Judensrage und damit in der Schicksalsfrage des deutschen Volkes stattmtden. Einen: deutscher: Gelehrtet:, einem gründlichet: Kenner der jüdischen Geschichte nnd des Altertums, ist es gelungen, hinter das wandernde „Geheimtns" des Judentums zu kommen-. Er erbringt it: einer bald fertiggestellten Broschüre die Beweise für einet: verdeckt unter uns Deutschen lebenden jüdischen Geheim- und Atörderbund, dessen Ziel die Ausp lütt den mg und Versklavung des deutschen Volkes nach wohlertoogenen und, wohlerprobten Plänen ist und der sichhierzu der von ihn: beherrschtet: Regierungen und Heere der Völker rings um uns bedi-etst. Der staatsgesährliche jüdische Geheimbund erstreckt sichüber die ganze Welt, ist großartig organisiert und verfügt über ungeheure Geldmittel. Seine Oberleituttg ist eit: im Verborgener: lebender Pnesterkönig, der über diktatorische Gewalt verfügt. Zu besonderen Zwecken werden von bestiimnten Mitgliedern des sta-atsgefährlichen Geheim'b-undes alljährlich Hunderte der gesündesten Kinder in grauenvoller Weise ermordet. Die Bnn-desmitg-lieder sind an einem besonderen Zeichen erkertnbar und treiben Landesverrat sür die Zwecke des Bundes. Der Verfasser lveist nach, wie die Satzungen des Geheimbundes' von den- Juden als „Religio::" ausgegeb-en werden und wie der Bund» unter der Maske der „Religion" fein st-aatszerftörendes Raub- und Mörderhandwerk ausübt, und det: Untergang des deutschen Volkes herbeiführt, damit Inda die Meltherrfchaft an treten kann. Die Schrift dürfte im Mürz im Buchhandel! erscheinen. Sie soll in Millionen Exemplaren -im deutschen Volke verbreitet werden und wird Etrtsetzen und Wut über die wahren Peiniger des deutschen Volkes auslöfen, aber auch den einstimmigen Schrei nach Rache an den entlarvten Mördern, Räubern und Landesverrätern. Der Antisemitismus wird wie ein Prüriebrattd über das ganze Land sich verbreiten und dem Gehei-mbnnd ein schauerliches Totenfeuer veranstalten. Der Staat selbst muß gegen det: Geheim'bund wegen Gehetmbündelei, Staatsverrat, Raub nnd Mord Vorgehen, Konfiskation des Vermögens der Vundesangehörigen und ihre Hinrichtung verfügen." Wir haben uns an die Sturmzeichen aus Bayern allmählich getvöh-ut. Aber hier scheint uns eine A n s s chr e i t u n g s o u n - gewöhnlicher Art vorzuliegen, daß die Hit'terschen Brandreden blutigster Färbung in. den Schatten gestellt werden. Solche k I a r e A n s f o r d e r u n g z \i P o g r o m e n» u n g e ct h n d e t zu Las se n.hi e tz e G e se tz und Recht mit Füßen trecken.

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