Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 9 (1.3.1923)
- Date
- 1923-03-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer s-M. -erlin, 1, II, Jahrgang ♦ Nr. - Blätter fiiriteuJfchtum^] unätnoentum. wrym» des fmtrnlVcmns deutsrkrr Staatsdüryer lüäiicben ClnubtnsTn Allgemeine Zeitung des Oudentums Verlag u. Schriftleitung: Lentral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.v. Gerlin SwbS, Lindenstr. IS Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 Postscheckkonto: Berlin 39472 y. Telegrammadresse: „Centralglauben Berlin" Die Zeirschrifr ist nur durch die zuständige Po st an st alt zum Preise von vierteljährlich M. 600,— zu beziehen Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Mosfe, Berlin SW 19, und deren Filialen, Anzeigenpreis: M. 550,— für die 7 6 alte ne Zeile nach Rudolf Blosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Famtlienanzeigen und Stellengesuche für Blitglieder des Central-Bereins 'mit' 50% Stach last. Die 90 mm breite Reklamezeile Bl. 240;),— M-We Kultur? von Dr. $eIix Goldman« (Leipzigl.- Die Frage des hebräischen Sprachwilleus ist in ein neues Stadium getreten. Die „Jüdische Rundschau" (vom 9. Februar 1923) tritt für eine h e b rar sche S ch ix I e in Zoppot. ein! Auf deutschem Boden — Zoppot. ist zweisetlos eme Stätte rein-deutscher Kultur — sollen jüdis che Kinder mit h e b r ü r s ch er U n L e w r i ch t s. s p x a ch c erzogen werden. Gewisse Worte des Artikels, der die Forderung begründet, werden rrn judenferndlichen Arsenal —> der „Völkische Beobachter" druckt sie bereits begeistert ab — vielleicht unsterblich werden. „... es handelt sich darum, ob das Leben, das junge Juden führen, der Initiative jüdischer Gemeinschaft erwachsen ist, d. h. nicht deutsch jüdischer oder oft jüdischer, sondern internationaler jüdischer Gemeinschaft." '' Den „Völkischen Beobachter" und seine triumphierenden Auslassungen zur Ursache unserer Bedenken zu machen, haben wir keinen Anlaß. Er wird an jedem jüdischen Wort und jede x jüdischen Tat etwas auszusetzen haben. Jnnerjüdische Gründe sind es aber, die Zu .entschiedener Stellungnahme zwingen! Wer die jüdische Jugend wirklich liebt, mutz ihre seelische Kraft, ihre Sicherheit im Fühlen und Entscheiden stärken. Damit leistet man übrigens auch die beste Arbeit im Kampfe gegen den Judenhaß. Denn da sein Werden und' Wachsen meist in Umständen zu suchen ist, die sich -unserem Einflüsse entziehen, mildern wir wenigstens seine seelischen Wirkungen durch Festigung des Charakters, durch das Heraubilden geschlossen denkender Persönlichkeiten! Nur auf dem Boden einer in sich einheitlichen, einer aus -der Fülle inneren Reichtums mit ruhiger Bestimmtheit wirkenden Kultur ist solche Erziehungsarbeit möglich. Die Schule mit der hebräischen Unterrichtssprache, die im deutschen KMur-gMet hebräische, wenn nicht gar jüdische Kultur vortäuscht, kann solchen Bedingungen nicht entsprechen. Ihr Produkt wäre Halbheit des Kulturwillens, seelische Zerrissenheit und damit verderbliche Schwäche. Es gibt keine gemeinsame jüdische Kultur, die über das Religiöse, über Dogma und Sittenlehre nebst ihren Auswirkungen hinausgmge. Auch die Kultur der Judenmassen -des Ostens ist nicht in dem Sinne jüdisch, daß sie — die ja in Wahrheit genau so ein Produkt der Assimilation^ ist wie die profanen Lebensformen, der deutschen oder Pep italienischen Juden — aus jüdischem Geiste geboren wäre oder 'gär..jüdisches Ideal darstellte. Das behaupten auch einsichtige Nationaljuden nicht. Die „jüdische" Kultur ist lediglich ein Zukunstswunsch, ein Gebäude, das man künstlich errichten, will. Daß auf dem Boden Palästinas innerhalb einer, frei sich entwickelnden jüdischen Gemeinschaft sich auch jüdische Prosankultur, die wirkliche Lebenswerte vermittelt, herausbilden kann, ja. sich heute schon in ihrer Eigenart erkennbar darstellt, sei nicht bestritten. Derartige Experimente aus deutschem Boden zu machen, ist dagegen ein Unternehmen, das lediglich auf den Wunsch dev Kultur t r e n n u n g zurückgeht. In der sicheren Erkenntnis, daß der.Propaganda des nationaljüdischen Gedankens in der deutschen Ku l turg es i nnu ng der -Juden das crnstlichste Hindernis erwächst, chat man — meist un- I bewußt, oft aber auch in klarer Erkenntnis der Folgen — die Kulture nt fremd ung als erste Grundlage für die geistige Umstellung' der deutschen Juden betrieben. In dieser Entfremdung besteht der. einzige sichtbare Erfolg der jüdischen Kultur. Positive Lobenswerte kann sie der jüdischen Seele nicht geben. Denn Philologie und Literatur machen den Inhalt der Kultur nicht aus. Es gibt noch andere Kulturträger neben den ebenso geistreichen wie unverantwortlichen Verfassern von.Feuilletons! Kinder, die auf deutschem Boden, in deutscher Umgebung in deiv hebräischen Sprache erzogen.werden, müssen den deutschen Kulturwerten eutsremdet werden! Sie werden hilflos und unsicher, verlieren den seelischen Zusammenhang mit dein eigentlichen Quell ihrer Lobenswerte, werden halbe und gebrochrue Menschen, bei denen auch die tadellose Beherrschung der hebräischen Sprache keinen Ersatz dafüv bietet, daß ihr Kultursehnen aus Mangel an einer jüdischen Kultur nicht gestillt werden kann. Wollte man einen Preis aussetzen für die künstliche - Züchtung jenes .angeblich arutoriMsl-osen>, zersetzenden! „jüdischen" Geistes der Berneinung, den die Judenfeinde uns so gern vorwerfen, er müßte restlos den Bestrebungen zuerkannt werden, die der jüdischen Jugend in Deutschland die hebräische Kultur aufzwirrgen wollen.! Unser Wille zum Deutschtum ist nicht Gegenstand unserer Entscheidung, er ist Ausdruck und Folgerung der Tatsache, daß wir deutsch sind, in die Kultur unserer Umgebung hineingeboren, mit ihr verwachsen. Und wenn rnan auf nationaljüdischer Seite über jene höhnt, die „flehen blich" versichern.- „Wenn ich dich liebe, was geht es dich -an", so trifft der Schlag ins Leere. Sie spotten ihrer selbst! Der Geist, der in ihnen lebt, die Formen, unter denen sie handeln, sind ebenso deutsch wie die Sprache, die sie reden. Und die interessanten-Vorgänge im „Blau-Weiß", in der typischen und stärksten Organisation der ncltioualjüdischen Jugend, bestätigen unsere Behauptung nur allzu deutlich. Dort klagt man, daß die nationalen Wanderbünde mit dem Geiste der deutschen Jugendbelvegung erfüllt sind, daß.deutsche Inhalte und Formen sie statt der jüdischen erfüllen. Keinem nachdenklichen Menschen tonnte es aber jemals zweifelhaft sein, daß gegen die künstlich gezüchtete „Jüdischkeit" einmal eine Reaktion, kommen mu ß t e. Im „Blau-Weiß" ist lediglich der natürliche deutsche Kulturwillen in den Seelen junger und wahrer Menschen mit elementarer Gewalt wieder aufgeflarnmt. -- Daß der Ruf nach der Schule mit hebräischer Unterrichtssprache hie seelische und kulturelle Sicherheit weiter Kreise der jüdischen Jugendwirklich gefährden wird, -ist nicht anzunehmen. Die praktischen Nachteile reden eine z u deutliche Sprache! Auch eifrige Zionisten wollen ihre Kinder für das Leben erziehen und führen sie demnach dem Kulturkreise zu, m dem sie leben und wirken. Sie werden lediglich erstreben — was auch Forderung jedes nichtzionistischen glaubenstreuen und Zukunftsfrohen Juden ist oder wenigstens sein sollte — daß das jüdische Kind sich eine ausgebrertete mid gediegene Kenntnis, der Sprache seiner Väter erwirbt, sie werden wünschen — und auch hierin stimmen wir religiösen Jaden weistenrnit ihnen überein —, daß ihnen die deutschen Knlturwerte aus deml