Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 7 (15.2.1923)
- Date
- 1923-02-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 äußerst erschwert wird, worunter auch der akademischen JugenL angehörende Personen verstanden sind.. („Die Geister, die Herr Pöhüer ries, wird die Polizei nicht wieder los.") Bei alledem kann man sich nicht wundern, wenn der Herr -Rektor in allzu zarter Rücksichtnahme auf die herrschende Meinung keine Zeit hatte, die G e f a l l e n e n einer jüdischen Korporation seiner Universität bei einer Gedenktaselenthnllung zu ehren und auch keinen Vertreter entsenden konnte. Der ebenfalls geladene Senat hat von seiner Einladung wohl nichts erfahren. Das bayerische Kultusministerium brachte wenigstens die etwas naive Entschuldigung vor, daß „bei der derzeitigen Geschäftsüberlastung die. Abordnung eines Vertreters leider unmöglich ist." (!) (Die Trauerseier fand an einem Sonntagvormittag 11 Uhr statt!!!) Das ist der Geist auf der Münchener Universität im Jahre 1923. In ihm soll der Aufbau des niedergebrochenen Vaterlandes geschehen. Armes, deutsches Vaterland! * Zur Beleuchtung der Lage fügen wir einen Abdruck des Wahlaufrufs der völkischen Studentenschaft an: Deutsche Studenten und Studentinnen! Pulvermann (Hamburg) und Genossen zerschlugen aus dein Erl-aing-er Studenten-tag 1W1 die Großdentsche Studentenschaft. Pulvermann (Hamburg) und Genossen binderten 1922 m Honnef bewußt die Einigung der deutschen Studentenschaft. Pulvermann (Hamburg) und Genossen siegten, als die preußische Regierung, ge Zeichnet Severing, den 4. deutschen Studententag — die Zusammenkunft der ans demokratischer Grundlage gewählten Vertreter der Einzelstu denteuschasten, zum Schutz der Republik, als -eine angebliche Zusammenkunft von Gruppen öiitifcmitifte! Studenten verbot. Pulvermann (Hamburg) und Genossen siegten-, als das preußische wie auch das bäuerische Kultusministerium die Beiträge für die m Würzburg 1922 neugegründete Großdeutsche Studentenschaft sperren ließ. Pulvermann (Hamburg) und Genossen siesiten, als das Ministerium des „Freistaates Thüringen" färben tragende 'Studierende „amu Schutz der Republik" den Ausländern in der Gebührenordnung gleichfetzte. Ihr seid in Not, Ihr völkischen Studenten. Wollt Ihr kanwstos unterliegen, ' Ihr deutschen Studenten der Universität München? An die Wahlurne, Mann für Mann. Euere Stimme der Liste 2. - Wir treten ein für die Freiheit der st u dentis ch cn Selbstver lv a ltung. Wir fordern den A d a ft a, den allgemeinen d c u t s ch - a r i s ch e n Studentenausschuß. Wir fordern das Einspruchsrecht gegen, die Berufung fremdvölkischer, vornehmlich jüdischer Lehrer, nur e i ns v. H. der Letzrstt'rhle steht ihnen auf Grund ihres Bevölkerungsanteils zu. Wir fordern die Sperrung des Z u st r o m s i ü d i s ch e r Studierender zu unseren Bildungsstätten: 1 v. H. ist der jüdische Bevölkernngsanteil—aber 2 0 v. H. und inehr dieses Volles bilden in vielen Vorlesungen die Hörerschaft. /'Wir fordern die umfassendste Ausgestaltung der studentischen Fürsorgeein richtungen, wir fordern die schärfste Besteuerung der an unserer Hochschule geduldeter^ Ausländer, die Not unserer Kommilitonen Zu lindern. Wir völkischen Studenten antworten bei der heutiaeu Urabstimmung über die Einführung der pflichtgemäßen Leibesübungen mit „I a". Kein deutscher Student kann seine Stimme geben der „u n.voli tis ch" - jüdischen, demokratischen, m a r x i st i s ch e n , pazisisti - s che n , b o l s ch e w i fti s chen L i st e 4. Die völkische Finkenschaft, / verbunden mit der Gruppe der nichtinkorporierten Medizinstlldiereuden. gez.: Kersken, Listenführer. Die völkische „Einheitsfront". Die „Deutsche Zeitung", die offenbar an schmerzlichste ur Leserschwund zu leiden beginnt, erläßt folgenden, vom „königlichen" Landrat v. H e r tz b e r g Unterzeichneten Werbeaufrus: „Die öffentliche Meinung wird heute durch, die Presse gemacht. Mit richtigem Gefühl hat das Judentum dies erkannt und in den letzten Jahrzehnten mit Hilfe der „Großmacht Presse" einen planmäßigen Kampf zur Zersetzung deutscher Art und deutscher Kultur geführt: kr in Opfer war zu groß, dieses Machtmittel auszubanen; und heute ist der größte Teil der Presse in Iudenband. Der Deutsche verkannte in harmloser Einfalt den entscheidenden Wert der Presse und den Machtwillen des sie beherrschenden Judentums. Er Verabsäumte nicht nur den Ausbau einer „bcutfdx’n" Presse, sondern unterstützte noch die Iudenpresse durch Bezug und Anzeigen. Deutscher, lerne von deinem ärgsten Feind, wirb für deine „Deutsche Zeitung" und bringe ihr Opfer!" Wir wollen uns diesmal nicht dabei amhalten, daß dieses Blatt, das unausgesetzt die „deutsche Einigkeit" inr-Munde führt, selbst beim Abonnentenfang gehässige Zwietracht stiftet, sondern wir wollen nur darauf Hinweisen, daß cs selbst beim Abonnentensang bewußte Unwahrheiten verbreitet. Eine solche ist es vor allein, daß der größte Teil der Presse in Judenhand sei. In Jndenhand sind nur ganz wenige deutsche Blätter. Nur sind sie in ungleich besserem Deutsch geschrieben und mit ungleich mehr Anstandsgesühl und Geschmack redigiert, als die „Deutsche Zeitung" und ähnliche Organe, lind was die „harmlose Einfalt" des Deutstlien anbelangt, der den entscheidenden Wert der Presse nicht zu erkennen vermochte, so darf vielleicht ans den Deutschen Hugo Stinnes verwiesen werden, der in seiner „harmlosen Einfatl" allein zehnmal mehr deutsche l Zeitungen zusarnmenkanfte oder von sich abhängig zu machen wußte, als j sich je in jüdischen Händen befanden. l „Entju-ung" -es Olten Testaments. Der verstiegene völkische Wahnsinn, für den die Welt von Arbeginn eMeantisenuttsche Terttonensiedelun g war. hat sich unlängst auch in gewissen „wgsenschaftlrchen Krerstm häuslich — man möchte sagen: irrenhäuslich — niedergelassen und produziert dort seine drolligsten Gebilde. Wem die schwere Zeit iroch nicht allen Sinn für .Humor raubte, lese folgendes: D:r Chefredakteur des deutschvölkischen Organs „Deutsche Zeitung", der frühere Sozialdemokrat Max Maurenbrecher, veröffentlicht in fernem Blatte einen längeren Artikel über ein neues Buch des deutschbaltischen Schriftstellers Heinrich Lhotzky, welches einen Versuch darstellt,, d asAlteTestame nt r n a l t g e r m a n i s ch e m S i n n e u rn- 3 u d r ch t e n. Die Ileberschriften der einzelnen Bücher tragen Namen ans der altgernranischen Mythologie, wie „Wihinei", „Urd", „Werdandi", ."Sbrllt". Nach dieser Ordnung erzählt Lhotzrv die Vätergeschichte. „Urd ist Abraham; der erste Schritt, in welchem arische Wihinei in semitisches Volkstum einbrach." Unter Werdaudi erzählt er die Geschichte der Redet ah und den Kamps Jakobs und Esaus. Unter Skult erzählt er die Geschichte Josephs. Nach derselben Ordnung werden auch die anderen Bücher Mose in altgermanische Mythen verwandelt. Max Maurenbrecher begrüßt dieses Buch als einen Versuch zur „Cntjudung und Verdeutschung des Alten Testaments". Die wirklichen- Offenbarungskräste -des Alten Testaments erscheinen ihm hier als -religiöse Zeugen gegen das jüdische Volkstum. Er schreibt: „Manchem Deutschvölkischen wird das Buch eine Erlösung aus einem Zwiespalt sein, indem wir das Alte Testament, soweit! es -die heilige Schrift des Judentums ist, mit aller Bestimmtheit ablehnen müssen." „Aus diesem Zwiespalt kommt man heraus, soenn manerkennt, daß das Alle Testament arößer ist als das Judentum, daß es die Offenbarung einer großen Kraft ist, die vom Judentum nicht verstanden war und im Judentum daher nur zur Entartung geführt hat." „Mancher Pfarrer, der dieses Buch gelesen hat, wird darnach wieder Mut gewinnen, über alttestamentarische Texte zu predigen; alle völkischen Lehrer aber, denen die biblische Geschichten des Alten Testaments bisher ein Stein des Anstoßes waren, lverden -in diesem Buche ein Vorbild finden, wie sie diese Geschichten vor deutscher Jugend lebendig zu machen vermögen." Dev „völkische veodachter" als Tageszeitung. Das Münchener „KampMatt der nationalsozialistischen VUvegung Grvßdeutschlands". der „Völkisch Beobachter", erscheint von nun an als Tageszeitung. Verweilen wir vorerst Lei dieser Tatsache, die wohl gern grwt ist, unsere Freunde und alle fübischen Deutschen zu einigein Nachdenken zu zwingen. Zu einigem Nachdenken darüber, welcher Ausblick aus die nächste Gegenwart und die fermere Zukunft des deutschgesinnten Judentums sich eröffnet, lvenn die Zeitung der wütendsten Feinde, das Organ einer Partei, die zu gewaltsamer Ausrottung und Vertreibung aller deutschen Inden aushetzt und deren- Mitglieder bereits mit Messern und Totschlägern aus jüdische Passanten losgehen-, so erstarkt, daß es sich — der enormen Papier- und Drucktasten nicht achtend — aus einem schmächtigen, zweimal wöchentlich erscheinenden Blättchen in ein um-- sang x e i ch e s Tageblatt u m w a n d e l n> kann, währen d das e i n z i ge Abwehro r g-an d iefer Iu d en sch a s t. die einm. a l Woche n blich e r s ch e i n e n d e „C. - V. - Z e i t u n a". sich — in ihrer Existenz bedroht — dauernd an die O p f e r w i l t i g k e i t ihrer Leser roenden nurß, deren Einsicht in die gebieterische Notwendigkeit solcher Opfer leider viel zu wünschen übrig läßt. In die Kasse der Gegner aber strömen, wie sich nun wieder zeigt, die Millionen. Keineswegs nur Markmillionen, wie die kürzliche Verhaftung von Hitlers Freund Lüdeke erwies. Dennoch bleiben die Quellen dieses Reichtums miersorscht, und wer sie jenseits -der Vogesen vernlutet, wird als gemeiner Derl-erunder bezeichnet. Aull) in der vorliegenden ersten Nummer der neuen Tageszeitung wird heftig gegen diesen und andere, nicht weniger schmeichelhaste Verdachte zrewettert, die gegen die Nationalsozialisten fautwerden. So gegen den, daß bei dem kür°zlichen Plünderunassttrrm der Münchener Hakenkreirzler auf das Hotel Grünwald silberne Bestecke ab'- handen gekommen wären. In der Darstellung des ..Völkischen Beobachters" — der diesmal, offenbar sehr schlecht beobachtet hat — war bei dem Uebersall lveit und breit kein Nationalsozialist au schen. Auch sonst ist dieses neue Tageblatt lesenswert; lvo mau es packt, da ist es interessant. Zum Beispiel berichtet es über sechs Falle schwerer, wucl)erischer Warenschiebungen — ein nach völkischer Denkungsart ausschließlich iüdisches Verbrechen —, ist aber nur in einem einzigen Fall imstande feftzuftellen, daß auch Juden beteiligt warem Für die so geringe Ausbeute an greisbarem Material hält sich das Matt freilich durch zahllose der Mlichen, autz der Luft gegri-ffenerr Pöbeleiengegen das Judentum schadlos — worüber niemand weiter erstaunt sein lvird. So wenig wie über dis Tonart, in der vonden „Novernberverbrechern" der Sozialdemokratie gesprochen wird — lvas aber den Leitartikler natürlich nicht hindert, m hoffen, daß an der Ruhr ein „einiges Volk" Widerstand leistet. Um die Einigkeit bernühen sich ja die Hitler-Leute bekanntlich nach besten Kräften-. Nlld um wenigstens im rechtsstehenden Lager die Eintracht zu wahren, wird Pfarrer Trau b ein« I udas und Schuft genannt, iveit er nicht entschieden genug Stellung „zu den Hebräern" nimmt. Kurzum, man kann an -diesenr neuen Pressterzeuguis seine Freude haben — sofern man Frarrzose oder Völschewist oder sonst an Deutschlands Zersplitterung und Zerfall interessiert ist. Für das Bildungsniveau der Schriftleitting ist es bezeichnend, daß als literarische Sensation unter dem Strich sortsetzungsweise die Novelle — „Irrd Süß" von Wilhelm Hauff erscheint, hinter deren Titel der betreffende Redakteur offenbar eine prächtig in das Programm der Zeitung passende Dinteriade vermuwte. Hätte er die Novelle gelesen oder verstanden, so Lvüßte er, daß. Hauff hier wie sonst von jedweder Iudenseindlichkeit frei ist. Sogar die — allerdings spärlichen — Inserate sind beachtenswert: Wir wollen übler den Witz hinweggehen, daß — neben einem Roman „Born Lause-Cohn zum Gold-Baron" — Adolf Bartels „Deutsche Dichtung" als „zuverlässiger Führrr (!) durch di-e zeitgenössische Dichtung" .angepriesen wird. Interessanter ist es. daß ans einer einzigen In stra teufe ist fünf Leute, die Ramps, Grasweger, Radilmger, Kainz und Melusin heißen, „höchste Preise für Lumpen, Knochen, Altpapier, Metalle und Flaschen" versprechen. Sollte der „jüdische Schachergeist" auch schon völkischL Kreise vergiftet haben? M , Wir können den zur Tageszeitung gedielunren ,,Volkrlwen Beobachter nanrentlich Sannnlern warn: empfehlen. Wenn sich der üble poetische Wind, der jetzt aus dem Süden bläst, einmal gelegt haben.wird — und jeder Wind flaut ab —. dann dürften die Nunnuern dieses^ Ma-ttes. als Dokumente der traurigsten Tiefstandsepoche Deutschlands höhen KurioütW- und Liebhabersvert haben-.