Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 7 (15.2.1923)
- Date
- 1923-02-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 25 N. SerUn, IS. Zrbruar 1V2S II. Jahrgang ♦ Nr. 7 ,J±^a VMter fürKeatsclitumWl undjapcnhmr vryan -es ChitrolVmins -cutscker Staatsvüryerjü-jscken vlauvens-!« allgemeine Zeitung des Oudenlums Vertag n. Schriftleitung: Eentral-verein deutscher Staatsbürger jüüischen Glaubens e.v. G erlin SVbS, Linöenftr. 13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595 Postscheckkonto: Berlin 30472 Telegrammadresse: „Centralglauben Berlin" Die Zeitschrift ist nur durch die zuständige Postanftalt zum Preise von vierteljährlich M. 300,— zu beziehen Allerrnge Auzeigenannalmie: Annvneen-Cxpedilion Rudolf Ä)rosse, Berlin 8W 19, und deren Frtialen. Anzeigenpreis: M 5^0,— für die 7 gespaltene Zeile «ach Rudolf Mosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeikien und SteUengeinche für Alitglieder des Central-! Die 90 mm breite Reklamezeile M. 2400 — il-Bereins mil 59% ÄL ach laß. Münchens Universität. Wir schließen unsere Erörterungen der Münchener Verhältnisse vorläufig mit diesem Aufsätze ab, der die ' Zustände an dev dortigen Universität schildert. Die Schriftleitung. Me ^iust so gemütliche Bayernhauptstadt macht viel von sich reden, denn , sie'bildet heute den Mittelpunkt von Erscheinungen, die alles eher als nützlich für unser deutsches Vaterland bezeichnet werden müssen. Dazu müssen leider auch die Zustände gerechnet werden, die.an der Universität München herrschen. Zurzeit ist die wissenischastliche'-Vorrangstellung dieses Instituts zwar noch etwas gewahrt, wird abcrnichtbald Abhilfe geschaffen, so geht die Freiheit der Wissenschaft und die Uüabhängigkeit der Lehre durch eine einseitig eingestellte Politik'ficherlicd verlören. - Die Zusammenhänge zwischen der Hitler-Partei und den Kreisen der Studentenschaft werden von Tag zu Tag inniger. Schon gibt es eine offizielle „Studentengruppe der Ratwnälsoztalistischen Arbeiterpartei", schon setzen sich die Sturmtrupps der Hitler-Garde zum großen Teile aus Studenten zusammen, schon teilt die Polizeidirektion München der Universitätsleitung mit, daß „bei den zahlreichen mätionalsozialiftischeu Ausschreitungen eine Reihe von Strwenten als Teilnehmer seskgestellt werten mutzte." Wer aber glaubt, daß diese Gesiummg nur außerhalb des Burgfriedens der Universität zum .Ausdruck kommt, ist im Irrtum, trotzdem die Universität ihrem Wesen nach eine allgemeine Bildungsstätte sein soll. Kein Wunder, die Univerfitütsbehörde duldet es ja. Wir wollen im folgenden versuchen, den Geist zu kennzeichnen, der jetzt im Allgemeinen Studentenausschuß, in den „allgemeinen" Bereuten und nicht zuletzt bei den Behörden herrscht. Im „Allgemeinen Studentenausschuß" (Asta), der Vertretung der G e s a m t studenten'scha-ft, brachte es ein Jurist fertig, sich die logische Auslegung des demokratischen Prinzips folgendermaßen vorzustellen: „Wenn der Asta die Minderheit überstimmt, so ist die Meinung des gesamten Asta die der Mehrheit. (!) Da dieser völkisch ist, hat die Leitung des Astas im völkischen Sinne zu erfolgen." Da wir irn Zeitalter der Demokratie leben, glaubte auch der Kortzorationsausschuß (die Zusammenfassung sämtlicher Münchener völkischen Korporationen), die schlagenden jüdischen Studentenverbindungen nur unter entehrenden Bedingungen am Schlüsse des ganzen Zuges der Chargierten hinter der einzigen im Zuge befindlichen Studentinuenverbmdung. beim Stiftungsfest der Universität chargieren lassen zu dürfen. Der Vorsitzende dieses Korporationsausschrrsses, dem die Regelung bei Universitätsfeiern ständig übertragen wird, erklärte trotz Vorstellungen, von diesem Prinzip nicht abgehen zu wollen nnd so wiederholte sich diese Beleidigung auch bei den nachfolgenden Nuiversitätsfeiern.^ Und der Herr Rektor konnte nichts anderes dazu sagen, als er wisse nicht, ob er das Recht habe, hier eiuzugreifen, oder ob die Studentenschaft diese Dinge allein regeln könne. Der Herr Rektor kann sich dies auch leisten; denn schließlich „muß die Studentenschast den Rektor von seiner Verantwortlichkeit entlasten." Und „Gott sei Dank sind wir zehntausend Studenten an der Universität München gegenüber einer Minderheit von Professoren" (wie in öffentlicher Astasitzung ausgesprochen wurde!). ■ Es ist auch eme Irreführung der öffentlichen Meinung, wenn der Herr Rektor auf dem Reichsgründungsfest-Kommers derUniversität seine aufrichtigste Freude darüber zum Ausdruck bringt, daß die gesamte Studentenschaft sich zu diesem Reichsgründungsfest vereinigt hat. r (Wir glauben aber, daß Fürst Chlodwigzu Hohenlohe-Schillmgssürst ' über das 11niversitätsstiftnugsfest vom Jahre 1922 dasselbe geschrieben hätte, wie über das von 1872: „Um 9 Uhr hatte ich genug stupide Gesichter gesehen und ging . . . unbemerkt nach Hause.") Als bei der Astawahl ein Wahlplakat der völkischen Gruppe dm numerus clausus für jüdische Studierende und Professoren forderte, und unter anderem die Gemüter mit den Worten ausreizte: „Deutscher Student, du gehst in die Fabrik, der Jude-in-den Hörsal, deutscher Student, öu gehst in das Bergwerk, der Ausländer in das Seminar," ferner die Liste des Deutschen Studentenbundes „eine unpolitischjüdische, demokratische, marxistische, pazifistische, bolschewistische" nannte, da erklärte der Herr Rektor aus den Protest gegen die Genehmigung des Plakates, daß er sich mit diesen Ideen "zwar nicht identifiziere, daß er aber trotzdem die Genehmigung nicht verweigern konnte, da das Plakat nicht gegen Anstand, Sitte und Ordnung v^r-. stoße. '(!) Dafür wurde aber dem Deutschen Studentenbund, der rm Gegensatz zum Hochschulring steht, verboten, in seinem Wahlplakat „von einer groben Irreführung des Hochschulrings" W sprechen. Dies konnte als Beleidigung (!) des Hochschulrings nicht erlaubt werden. Jntoleranz, Unduldsamkeit herrscheu, von Gleichberechtigung ist nicht mehr zu reden. Daraus erklärt sich auch, daß . die Universitätsbehörde einem allgemeinen Verein, der unbefugt Zusammen mit der Deutschvölkischen Arbeitsgemeinschaft geht, wenn auch auf Umwegen, zur Verfügung steht, daß die amtlichen (!) schwarzen Bretter zeitweise parteipolitischen 'Vereinen dienen, daß allgemeine (!) Vereine jüdischen Studierenden nicht zugänglich sind, wohl aber von der Universität unterstützt werden. ' Aber warum auch nicht! Die Mehrhei-t der Studenten will eben die Juden ausschließen. Man ist leider fast berechtigt, von „den Studenten" zu sprechen,- näck>- dem über zwei Drittel der Münchener Studenten sich durch die Wahl zum Asta mit der Gesinnung der Wortführer einverstanden erklärten. * Der Herr Rektor hat es bis jetzt nicht für nöttg erachtet, seine Studenten zur Einkehr zu mahnen. Er muß sich darin sogar von der Münchener Polizeidirektion beschämen lassen, die durch ihre passive Resistenz dem antisemitischen Pöbel gegenüber weit über Deutschland hinaus bekannt ist, und die sich dennoch angesichts der fast täglichen antisemitischen Austritte aus der Straße, im Cafe oder im Bierlokal, bei denen fast durchweg Studenten beteiligt sind, gezwungen sieht, das Rektorat aus diese Mißstände hmzuwcrsen. Das amtliche lLchreiben der Polizei an das Rektorat spricht von zahlreichen Ausschreitungen, bei denen den Organen der Polizeidirektion die Erfüllung ihrer Aufgaben zum Schutze der Ausrechterhallung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit von leidenschaftlich erregten Personen fitt unsere Mtglieöer! Unser Vaterland ist in Rot. Es gilt, de» bedrängte» Brüdern an der Ruhr zn helfen. Wir wissen, das; jeder jüdische Deutsche sich dieser Pflicht bewutzt ist. Reichlich fliehe» die Gabe«. Wenn wir Euch hier zur Pflicht mahne», so geschieht es, damit auch nicht der Geringste fehle. Der Vorstand -es Central-Vereins deutscher Staatsbürger Mischen Glaubens.