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Central-Verein-Zeitung · 1923-02-01 · 5 (1.2.1923) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
5 (1.2.1923)
Date
1923-02-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 25 M. Serli«, 1. Zeöruar 1-rr II. Jahrgang ♦ Nr. 5 blütter fürihmifrhlum inwipentcm Organ des lLntralVerrins öeutsclrer StaatsvüryerjüEclren Maudens'?'« ^ll^srnnSirns clss OrrcckerndrLrris Verlag u. Schriftleitung: Eentral-Verein öeutfcher Staatsbürger jü-ischen Glaubens e.v. Serlin SM-S, Linöenstr. 13 Fernsprecher; Amt Dönhoff 3594, 3595 Postscheckkonto: Berlin 30472 Telegremmadreffe: „Centralglauben Berlin" Die Zeitschrift ist nur du^ch die zuständige Po ft an st alt zum Preise von vierteljährlich M. 309,— zu beziehen Alleinige Anzeigenannahme: Annvncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin 8 W19, und deren Frlialen. Anzeigenpreis: M. 160,— für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins mit 50°/0 dl ach laß. Die 90 mm breite Neklamezeile M. 600,— slus Münchens dunklen Tagen. - ' München, 30. Januar 1923. Hitlers Fahnenweihe ist vorüber. Seine Drohungen gegen Parlament, Regierung und Inden hat er nicht zur Tat werden lassen können, lieber die Gründe ist manches zu sagen. Die Regierung hat den Ausnahmezustand verhängt. Die Durchführung vieler Maßnahmen aber ist unterblieben, sechs nationalsozialistische Versammlungen wurden genehmigt,, sechs andere und die Umzüge nicht verhindert, manche Roheiten hingenommen. Die einen schelten die Regierung ob ihrer Untätigkeit, die anderen loben ihr gemüßigtes Verhalten, wieder andere sehen in der Verhängung des Ausnahmezustandes eine politische Dummheit. Wer hat Recht? Die maßgebenden Stellen Bayerns haben die Nationalsozialisten groß werden lassen. Man dachte durch sie den „Marxismus" töten zu können und die Anhänger des Radikalismus zu besänftigen. Die Hitler-Leute, von einem wirklich tüchtigen Volksverführer geleitet, imttöen immer kühner. Juden und jüdisch aussehende Leute überfiel inan auf offener Straße, man benahm sich nach russischen und ungarischen Mustern und schaltete ziemlich unangefochten von Polizei und Staatsanwalt. Noch in vergangener Woche wurde ein einem jüdischen Besitzer gehörendes Hotel von Banden heimgesucht und geplündert, weil dort angeblich französische Abgesandte wohnen sollten. Das war zwar unwahr, aber man plünderte doch, ohne, wie bestimmt versichert wird, von der anwesenden Polizei daran gehindert zu werden. Der Ausnahmezustand, der am Tage vor den. großen nationalsozialistischen Veranstaltungen, wie Fahnenweihe, Parteitag und Delegiertentagungen, verhängt wurde, hat schon durch seine Verkündung bewiesen, daß die Negierung endlich zu dem Entschlüsse durchgreifenden Vorgehens gekommen sei. Es sah am Sonnabend bedrohlich genug aus. Ans dem Hanptbahnhos quollen die Hakenkreiizbanden, meist halbwüchsige Bürschlcin mit einem Gesichtsansdrnck, dem man jede Untat Zutrauen konnte. Eingeweihte versichern, daß dieselben Typen anläßlich der Räteherrschaft zu erblicken gewesen sind. Lastautos mit Hitler-Leuten durcheilten die Stadt. Als das Stattfinden von zunächst sechs Hitler-Versammlungen bekannt wurde, wußte man zuerst nicht, was man davon hakten' sollte. Heut kennt man den Grund: Eine Art Kompromiß war zwischen Hitler und der Staatsgewalt geschlossen. Das Verhalten der Regierung erscheint um so richtiger, als sie bei den nun leider eingewurzelten Zuständen nicht alles aus das Eingreifen der bewaffneten Macht setzen konnte. Die Frage, wo Reichswehr und Landespolizei ständen, war eben offen, so bedauerlich das auch ist. Zn nennenswerten Ausschreitungen ist es nicht gekommen. Weite Kreise der Münchener Bevölkerung und des bayerischen Oberlandes haben einsehen gelernt, daß man mit Hitler-Methoden Deutschlands Ansehen in der Welt vernichtet, nach innen Unfrieden schafft und Hohn und Spott dem deutschen Namen znfügt. Auch die maßgebende Partei Bayerns, die Bayerische Volkspartei, ist allmählich des Treibens der nationalsozialistischen Banden müde geworden. Sie hat sich mit Recht gesagt, daß letzten Endes das Christentum die Zeche bezahlen wird, wenn -Hitler siegt. Denn die Hetze dieser Kreise wider das verjudete Christentum entspricht in ihrer Zielbewußtheit dem Kamps gegen die Juden. Auch der größte Teil der Münchener Presse beginnt die Gefahr einzusohen, mit Ausnahme des Münchener „demokratischen" Blattes, der „Münchener Neuesten Nachrichten", die man ohne Uebertreibnng als das^>ersteckte Leiborgan der Hitler-Lente ansehen kann. Bedauerlich genug ist cs, wenn der Inseratenteil dieses Blattes mit Anzeigen jüdischer Firmen gespickt ist. Hoffentlich wird den Inserenten bald klar, daß sie mit Insertionen in dieser Zeitung diejenigen Leute füttern, welche in der von ihnen getriebenen Politik dem niedrigsten Judenhaß verkappt Zutreiberdienste leisten. Die Hitler-Gefahr ist vertagt, sie ist nicht erledigt-. Das Gift sitzt zu tief in der Bevölkerung, um von heute auf morgen wirkungslos geworden zu sein. Unsere Freunde in München müssen und werden auf der Hut sein. Sie werden dentrefflichen, von ihnen gewählten Führern folgen, die das unendlich schwere und undankbare Aint 'verwalien. in harter Zeit gegen eine starke Mehrheit unser gutes Recht zu verteidigen. Wenn wir alle stolz, opferfreudig und tatbcreit sind, tvenn nur kleinliche Kritik in schwerer Not zu vermeiden wissen, wird auch die Hitlersche Geißel sich gegen ihre eigenen Herren wenden. Ludwi g Holländer.

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