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Central-Verein-Zeitung · 1923-01-18 · 3 (18.1.1923) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
3 (18.1.1923)
Date
1923-01-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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20 * tri tt ei-o n Ein Theaterstück. Das Renaissance-Theater in Charlottenburg führt fetzt 'allabendlich und unter großem Zulaus ein Schauspiel des Russen Eugen T s ch i x t k o w auf. das „Die Juden" heißt und seine Zuschauer in doppelter, doch nicht übler Weise, enttäuscht. Wer in der Meinung hineilt, daß hier aus jener dunklen Ecke der GegenwarLspoLitik. in der sich verwirrtes und beschränktes Denken zum. Judenhaß ballt, dramatische Motive ins Rampenlicht gezogen werden, sieht erstaunt, daß Tschirikows Stück solcher Aktualität aus dem Wege geht. Mer auch wer dieses Stück, in dem die tragische Liebe eines Judenmüdchens zu einem Christen in blutigen Pogromgreueln endet, als bloß krasse Tbeatralik wertet, geht im Urteil fehl. Gewiß, dieser wohlfeile, hundertmal dagewesene Jessikakonslikt steht im Mittelpunkt. Doch nur im Mittelpunkt des Stückes, nicht im Mittelpunkt von Tschirikows künstlerischen Absichten, der durchaus auf eine dramatische Auseinandersetzung mit jüdischem Leid, Mischer Sehnsucht, jüdischen Zukunststräumen ausgeht. — und jenes knallige Motiv nur als Spamumgsreia. als Motor benutzt, um nicht der typischen Uferlosigkeit russischer Disputierdramatik zu verfallen. So durfte er sein Stück „Die Juden" nennen: weil sie alle vertreten sind, deren Schicksal von Stamm und Glauben bestimmt wird. Da ist der alte Uhrmacher Leiser Frenkel, imbeltreu, gottergeben und resigniert. Für ihn find die Ghettomauern nicht gefallen — jenseits der Mesuse am Türpfosten beginnt die feindliche Welt, die feindlich bleiben wird, auch wenn er längst — ein Haustein Erde aus Jerusalem unter dem Haupt — draußen auf dem „guten Ort" ruht. Seine Kinderaber — Lija die Tochter. Baruchi der Sohn —< haben in der Großstadt studiert, sind relegiert worden, weil! sie Juden sind und in ihnen bäumt sich trotzige Empörung!. Sie recken sich hoch auf, um irgendwo ein Heilslicht, einen Ausweg aus dumpfer Bedrängnis zu erspähen. Baruch sicht ihn i-m großen Gemeinschastsgedankender sozialistischen Lehre, Lija — unter schwersten Gefühlshewmungen — in der Liebe zu einem der Freien, der Aufrechten, zu einem- Christen. Eine Liebe, die den Glückstraum eines anderen zerstört: des! Lehrers Nachmann, jenes verschlossenen, von innerer Glut erhitzten Ekstatikers, der verzückt -ostwärts nach dem verheißenen Land der DÄer, nach Erez J-sroeL blickt, wo allein Rettung und Ruhe winkt. Aber auch sein Gegenspieler fehlt nicht: der behäbig Zufriedene reiche Arzt, der «Assimilationsjude" mit dem bequemen Argument: Wer Geld hat, wird nie nach Palästina auswandern. , > Aus diesen rein tönenden, gut gegeneinander gesetzten Einzelstimmen setzen -sich die ungelösten — weil unlösbaren — Akkorde des Werkes zu^ sammen. die sich über dem Orgelpunkt von Erbarmen und Empörung — dennoch zu ergreifender Harmonie Zusammenschließen. , Denn mag die Dramatik dieses Stückes gestellt, gemacht sein: seine Menschen leben. Es ist Lust um sie. sie stehen voll und greifbar im Raume, man kennt ihr Vorher und Nachher, ihr Grübeln, ihr Ringem Brüderliches Begreifen drängt zu ihnen hin: es sind wirklich „die Indens Von der Darstellung bleibt — neben gut gesehenen-, gut charakterisierten!. Gestalten — die Lija Roma Wahns, diese aus dem Ghettoboden schlank ins Licht strebende Edelblüte, im Gedächtnis hasten. Dann auch dev Fehler des — mit erprobten Naturalismen wirksamen — Regisseurs K. H. Martin, solche russische Juden hochdeutsch sprechen zu lassen. Ahnt er nicht, daß das „Mauscheln" dieser Menschen (dessen «Lächerlichkeit" ev offenbar fürchtete) der phonetische Ausdruck ihres Fuhlens und cfoctte zeitig die Melodie ihrer Logik ist —? Ernst Goth. Regelmässige Verbindung Ton Bremen über Southampton, Cherbourg nach New York durch die prachtvollen amerikanischen Regierungsdampfer NÄCHSTE ABFAHRTEN: America. 7. Febr. 11. April President Harding. 14. Febr. 21. März George Washington ..21. Febr. 28. März President Roosevelt.28. Febr. 4. April Abfahrt von Southampton und Cherbourg 1 Tag später JVerfangen Sie Prospekte unef Segetfisten Nr. 293 UNITED STATES LINES BERLIN W8, ünt. d. Linden 1, BERLIN NW40, Invalidensfcr.93 und alle bedeutenden Reisebureaus General-Vertretung: Norddeutscher Lloyd, Bremen S 56a Im Interesse unseres jp » » stets Wattes bitten wir. bei ß. 3 ( j I t| tt 0 ausdrücklich Bestellungen ausGrund meAUa tton Anzeigen auf die SldttCf M SelltslhtUNI UNdZudkNlUM nehmen. Das erfolgreichste Heilmittel für Ufrrit^S 3 u -I Godesberg SlllllSlümiilü am Rhein. Illilllimiilll!! für Nervöse und innerlich Leidende. Sanitätsrat Dr. Stähly, Direkwr Butin. Erhältlich in Apotheken und Drogerien. /wnft WCnafr MAX MARCUS NACHE BANKGESCHÄFT POTSDAM Gegründet 1872. iiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinimiiuiuiiuiniiiiuiiiiiiimiiiiiiiiiiinuuiiiuuiiiiitiiuiiüiiiimiiiiiiitiiiiiiiiiiim* Fernsprecher: Pots dam 2292-2296. Telegrammadresse: Marcusbank. b———— Holel„Kömgvonportugal" Spezialität: Hochzeitsefsen. Große Festfäle für Familiensefllichketten. Miitagstisch von 12 bis 4 Llhr. - Rituelle Küche. Zimmer mit fließendem Wasser und Äad. NK Zentrum 8-77. Solide Preise! Inh. 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