Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 3 (18.1.1923)
- Date
- 1923-01-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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18 Der neueste Dritter. j Ein © e n e t a I ft u r m ge g e n das offizielle Christentum. Nachdem Artur Dinier mit feinen Sündenrom-anen ..Wider Blut und Geist" die Leidenschaften leicht zu 'betörender, weil unwissender Fanatiker aufgepeitscht hat, erreicht er in seinem jüngsten Machwerk; „D i e Sünde wider die Liebe" den Gipse! seiner Vergehungen gegen Wahrheit. Religion und Menschentum. Denn auch die verblendetsten seiner Anhänger werden nun zu geben, daß er das Kind mit dem Bade ausschüttet und in rasender Wut von Grund aus zerstört, was dem deutschen Volte Kultur und Blüte bedeutet. Wir Anhänger des C. V. hatten kaum nötig, zu diesem Generalsturm : Dinkers gegen das Christentum Stellung zu nehmen, 'denn was bisher nur nachdenklichen Lesern sich offenbarte, kann seht sogar jeder Narr erkennen: Dinter meint Christen ebenso.wie'Zudem Sein Haß gilt dem offiziellen Christentum oder dem Paulinismus.. Die Vertreter aller Konfessionen innerhalb der christlichen Religion werden wohl zu Rate darüber gehen müssen, welche Antwort ein Mann verdient, der von Paulus behauptet: „Er redet, labert und salbadert § das Blaue vom Himmel herunter. mit seinem Phrasenschrei erstickt er f Freund und Feind. Er ist der Typus des Al le r we l L sju den, ß dessen Maul man vergeblich tvtschlägt. Wirft man ihn zur Vorderii tür hinaus, flugs kommt er wie ein iridischer Geschäftsreisender mit dem J Hute in der Hand, mit einer Verbeugung zur Hintertür wieder herein/' j Aber nicht mit diese Unarten haften Paulus an, nein, auch schwere sittliche Defekte. Dinter wirft ihm vor, daß er „zum Schrittmacher der Homosexualität und Perversität" werde und in einer Anmerkung (Seite.321, Anm. 97) erklärt er, das; heute Dr. Magnus Hirschfeld dieses Laster (etwa ein Paulinisches?) verbreitet (1). Paul u s u n d sein Werk müssen aus dem Christentum heraus, denn ein Mann, dessen Charakterbild schon durch seine leibliche Erscheinung verraten wird, ist natürlich dinterseits gerichtet. Tic apokihphen Akten der in weitesten Kreisen unbekannten „heiligen Thekla" müssen dazu her- * halten, um Paulus auch körperlich zu schmähen. Danach war er ,.klein von Gestalt, schmächtig, mit einer Glatze, buschigen, zusammengewachsenen 'Augenbrauen, krummer Nase und dito Beinen." Nach diesem famosen Steckbrief, der aber besagte Thekla nicht abhielt, Familie und Bräutigam zu verlassen, um Paulus zu folgen, resümiert Dinter, daß sich bei Paulus in pathologischer Weise Größenwahn und hündischr U n t e r - würfigkeit zeigen, und daß er derselbe Sa t-a ns a d oste l sei wie Rudolf Steiner, »in aus g ebl asen er, r u h m sü ch tiger Phrase ndrescher mit geschäftstüchtigem Einschlag. Er spricht dann noch vom vorläufigen Scheinsieg, vom i ü dischen Geschmuse, vom kinoartigen Geda nt onch aas, von der sadistischen Art und perversen Willkür dieses Lüge napostel s . von einer geradezu ekelhaften Opfers chlachtnng Christi. Wir empfehlen die Lektüre allen christlichen Theologen -und Geistlichen. Daneben ist alles übrige rat Buche belanglos, auch daß Dinter dm P r o - testa n ti s mu s ein „verkrüppeltes, rv m is ch-i ü dische s Christentum" nennt und von den Priestern dieses Bekenntnisses be-; hauptet, daß ste die T r rn i t ä t h ö ch st e n s i m B i l b e einer dreiz i n k i g en He n g ab el den Bauern zu erklären wissen. Dinter macht auch politisü)e Exkurse. Er wirst dem entthronten Kaiser und seinem Sohn nicht nur Feigheit, sondern namentlich „Liebäugeln mit jüdischen Schriftstellern" vor. Ja, warum hat denn der frühere Kronprinz nicht Dinter damit betraut, seine Memoiren zu revidieren? Dintersche Spezialität ist es auch, die Toten im Grabe, zu stören, und so wird denn von der verewigten Kaiserin, deren Gestalt von ganz Deutschland respektiert wurde, gesagt, sie. die rechtmäßige Kaiserin, sei vom Kaiser entehrt worden. Wer nach alledem noch Lust hat, studiere Dinter auch als Richter, der Sittenlostgkei-t bei Juden viel schwerer ahndet als bei Germanen, genieße üjn als Ethikxr, dem Weichheit und Nachgiebigkeit gegen die eigene Mutter als Sünde wider die Liebe gilt. Daß dieser Mustergermane — wie die meisten seiner Art — ein miserables Deutsch schreibt, sei nur am Rande vermerkt. Rabbiner Dr. Salomonskr. Die Nationalsozialisten in Gberschleßen. Die immer mehr zunehmende Aktivität der nationalsozialistischen Verbände in ObersMesten versetzt die jüdische Bevölkerung in, den. oberschlesischen Städten in Unruhe. Nachdem die nationalsozialistische Arbeiterpartei von der Regierung aufgelöst wurde, etablierten sich die Verbände als Groß d e u t s ch e Arbeit e r p a r t e i und veranstalten unter dieser neuen Firma -bLwasfnete Umzüge durch die oberschlesischen Ortschaften, wobei der Gummiknüppel als die antisemitische Kampf- Waffe mitgetragen wird. Es tarnen Fälle vor, wo jüdische Gäste in.Gastwirtschaften und Casts terrorisiert wurden. Zahlreiche^ nationalsdZialistische Agitatoren aus Bayern weilen jetzt in Oberschlesien. Die über die Zukunstspläne der ob er schlesischen Fascisten insormierien Kreist find der Ansicht, daß das antijüdische Programm der oberschlesischen Fascisten nur ein Deckmantel für ihre antirepu blikanäschen Bestrebungen' ist Sollten sich die Fascisten zu einem Los schlagen entsch-li-etzen. so erwartet man. daß ein I u d e n p v g r v m das Signal dazu geben wird. — Berliner Zeitungen melden aus Oberlchlesien: Die immer stärker werdenden Ausschreitungen der Fascistenbewegung in Oberschlesien baden dem allgemeinen Kongreß der oberschlesischen Betriebsräte Veranlassung gegeben. Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Der Kongreß faßte den Entschluß, in Gemeinschaft mit den Gewerkschaften, die Einsetzung eines Reichskommissars mit diktatorischer Machtvollkommenheit zu fordern, der gemeinsam mit den Betriebsräten und Organisation svertretern' die Durchführung der Gesetze zum Schutze der Arbeiterschaft und der RevuMit überwacht. Für den Fall, daß die Behörden mit dem Bandenwesen nicht aufräumen. hat sich der Kongreß entschlossen, für eine besondere Organ isiation aus organisierten Arbeitern Vorbereitungen zu treffen'. Die Gründung einer Grvßdeutschen Arbeiterpartei in Oberschlesien und. das. erste- Austauchen dieser Organisation in Berlin hat dem preußischen Minister des-Innern, Severing, Vevanlasiung gegeben, an den Oberpräsrdenterr für Qderfchlesien .und den Berliner Poliseivräsidenten einen. Erlaß zu richten, in, dem gesagt wird, d aß die Gro ßdeu-ts che Arbeiterpartei eine Fo rtfetzung der «rufgelösten Ng t i n n a l s o z i a l i st i s ch e n Arbeiterpartei i st. und daß ihre Veranstaltungen daher Zu verhindern sind. Eine vor einigen Tagen nach. Berlin einberufene Versammlung der'Großdeutschen Arbeiterpartei , wurde auf Grund dieses Erlasses Verbote n>.' ,,Nathan Der Weise" in Bachern. Der Münchener Neichsfilmprüfstelle lag ein Antrag auf Zulaffung des Films „Nathan der Weist" vor. Der Film hält sich streng an das Drama von Lessing. Das erste Gutachten gab Regierungsrat Dr. Merberger. Referent für öffentliche Ordnung und Sicherheit am Polizeipräsidium in München, -ab. Er führte laut Protokoll aus: „Mit nackten Worten gesagt, ist der Inhalt des Films: der I übe ist alles, die anderen, ob Christ oder Türke, sind nichts. Die breite Darstellung dieses Inhalts, -in typisch jüdisch gefärbtem Sinne durchgeführt, muß Andersdenkende und --fühlende verletzen, muß insbesondere in der heutigen politisch zugefpitzten Zeit vffeMichm Anstoß erregen, wo größere VoltZteile in den Inden Ursachen ihres AnWlücks erblicken/ Das Gutachten kommt zu dem Schluß, „daß der Bildstreifen außerordentlichgeeignet erscheint, die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu gefährden. . . Der andere Sachverständige, ein Pfarrer, meinte, die gegebene Lösung der Frage, welches die beste Rckigion sei. muß als verletzend empfunden und scharf abgelehnt werden, und die überwiegende Herausarbeitung deS Juden als des weitaus Besten müsse sowohl den katholischen' als auch den protestan-tischen Teil 'der Bevölkerung verletzen. Die Kammer ließ den Bildstreifen trotzdem zu. Ein Regierungsoberinspektor legte Beschwerde -ein. Die Fitm überprüfstelle zu Berlin verwarf die Beschwerde und gab den Film „Nathan der Weise" fre i. MoLvvevsnch vsrr Hakerrkeauzlerrr. Unsere Mitteilungen über das gemein gefährliche Treiben natjonalsozialWscher und deutschfozial istischer Rowdies in Oberschlcsien werden durch »denfokaenden Borsall in Hin- Denb u rg kraß^ illustriert und bestätigt. Der jüdische Angestellte Sch ist an der Firma Gebrüder Markus, wollte neulich in den Abendstunden einen Brief in den Kästen werfen. Zwei Burschen mit Hakenkreuzmützen hinderten ihn daran und erklärten: Briefkästen sind für Juden u nd Idioten nicht da!" Als sich Schiftan diese Belästigung verbat, gaben sie aus ihren Revolvern zwei Schüsse.aus ihn ab. die beide trafen und den jungen Mann Lebensgefährlich verletzten. Ob die Behörde nun endlich einsieht, wohin ihre Lässigkeit diesen Banden gegenüber führt —? Eine Rathenan-Schule irr Berlin. Der Vezirksschulausschuß für dio höheren Lehranstalten in Neukölln hat unter dem Vorsitz des Schuldezernenten beschlossen, daß dem Reformrealghmnasium in der Boddinstraße btt %tnme R a th e n a u--Schul e gegeben werde. . Die Derrtschsszisle Vartei irr Danzig hat dort entschieden Pech. Erst wird . ihr aus Berlin verschriebener Redner L i n d e n h o s e n dfe lästiger Ausländer vom Freistaat Danzig ausgewiesen und nun widerfährt ihr das peinliche Malheur, daß sich ihr enter Vorsitzender Herr Dr. Hermann) Witte — hörr ibIIe dietu —' mit einer Jüdin verlobt. Der Landesverband- -der Deutschsozialen Partei in Danzig kann nicht umhin, diesen schrecklichen Fall in einem Inserat der „Danziger AllgemeinLN' Zeitung" rnit dem Bemerken mitzuteilen. daß Herr Dr. Witte einstimmig aus der Partei ausgeschlvsien wurde, dai er sich „in schroffst e in Gegensatz zum Par t e i p r o g r a m m gesetzt hat" — wie sich die Danzigor SoZialteutonen ausdrücken, die zwar kaum in ihrem Kampf -gegen das Judentum, si-cher abier in dem -gegen die -deutsche Sprache Sieger bleiben werden. Ablehsrrrng des rrirrrr-oi'«« elaiisns drrrch die rumänische Rertorenkonserenz. Die unter dem Vorsitz des llnterrichtsmin-isters Anghelrfru hier tagende Konferenz der Rektoren und Dekane aller rumänischen llniversitäten hat die Einführung des Numerus clausus für jüdische Studenten rumänischer Staatsangehörigkeit ab ge lehnt. Dagegen hat die Konferenz beschkoffen, daß die Aufnahme von Ausländern nur nach Maßgabe des Raumes stattfinden soll. Pogromunkürrdiguttg der Erwachenden Magtzaren. Auf Liner Versammlung' der Erwachenden Ungarn, die.in den letzten Tagen sdattgefunderi hat. erklärte der Hauptredner, der gewesene Abgeordnete Joseph Tasnadh-Kovacs. folgendes: „Zwei Nationen können in einenr Lande nicht Platz haben, also entweder es gehen die Ungarn hinaus, und dann gehört das Land den Juden, oder aber wir sagen: „Hinaus mit den Juden", und dann bleibenwir i-m Lande. . . . Die Erwa chenden Ungarnbetreten jetzt den Weg der Taten. Fortab werid-en wir die jüdischen Angriffe nützt durch Jnterpellati-onen Zurückschlagen, sondern mit der Faust und n ö t i g e n f ak ls a u ch m i 1 d en W a f fe n." Kovacs erklärte noch, daß die neue Kampagne schon im Ianuar losgehen wird. Die Hitler-Rowdies und die Münchener Wolizei. Wie aus München mi-tg-eteilt wird, hat die Münchener PoNZeidirektwn eine Erklärung über die nationMoziaÜW'chen, Straßenexzesie besonders gegen die Ausländer veröffentlicht, und die betreffenden Zeitungsmeldungen, als übertri-eben hingestellt. Zum Fall des unter Totschlagsdrohung aus seine jüdische Zugehörigkeit körperlich untersuchten christlichen- Amerikaners wird gesagt, die Behauptungen eines Amerikaners, daß er von einer antisemitischen Bande auf offener Straße einer schmachvollen Untersuchung unterzogen worden sei. werden von ber^ PoliZeidirektivn als vollständig frei erfunden bezeichnet, da keiner Polizei stelle von diesem Vorfall etwas' bekannt geworden sei. Dagegen stellt ein Teil der Presse -fest, daß diese Begründung Durchaus kein bündiger Betveis gegen Die Behauptung des Amerikaners sei. Der Münchener Korrefpon^nt Des „Z^rliner Tageblattes" ^bemerkt noch dazu: „Daß Gruppen jugendlicher Hakenkreuzler ans jüdisch ausgehende Pasianten in Den Straßen förmlich Jagd machen/ ist mir u-nabhäNOig vmr dtzchem Vorfall von einwaAdsverer Seite mritge^llt worden. Und wie man in der Münchener Bevölkerung das Vorgehen der NMonalsozialisten' beurteilt. erheNt aus einer jetzt aufkoMMenden- Kontrakt-- klausel. Ne den Mieter einer Möblierten Mohnung Mr Sachschaden haftbar macht, die dem Hausherrn aus der ZugehörWeit des Meters zum jüd-ischen- Gba-uben erwaMen können." Dir PräfibrnifchafLsLanvidatttr Henry FordS^ Hench Ford dementiert Zwar, daß er die Absicht habe, als PrasidentschaftskandidaL aus- - zuLreten. dennoch hat aber in den Vereinigten Staaten eine große Bewegung eingesetzt, um seine Kandidatur zu fördern. Tausende von Fords Verk-aufsaMnten im ganFen Lande habiM den Auftrag, sich als Propagandisten und Werber zu betätigen. Es verlautet, daß Fords Haupt-. Prinzip in der Wahlkampagne die FordetANg nach Beseitigung der Goldwährung sein werde, weit das Gold nach seiner äü eine wiMüme Waffe in den Händen jüdischer Bankiers ist. Henrh Ford hat sich bekannt-'