Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 2 (1923)
- Issue
- 3 (18.1.1923)
- Date
- 1923-01-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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«nzelnmnmer 15 M. Serlin, 1$. Januar 1923 II, Jahrgang ♦ Nr. 3 Blätter sürlteutsrk unäTnoentum Postscheekkvnlv: JüiTJ vrgan des LentralVerems üeuffcker StaatsMryerjiwiscKrn Aavvens'Di S^U^srmsirrs de» Ouderuums Verlag «. Schriftleitung: (entral-Verein öeutscher Staatsbürger jüöifchen Glaubens e.V. Herlin SV HK, Llnöenstr.13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595. Dt« Zettschrtft ist nur durch dk«,«ständige Postanstalt zum Preise von vlertellShrlich M. 170, - ,« beziehe. Alleinige Anreigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Masse. Berliil SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreis: M. ISO,— für die 7 gespalten« Zeile nach Rudolf Mossetz Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des CenIral-VereinS mit 50»/o Nachlaß. Die 90 mm breite Reklamezeile ML. 800,— Alles, was in diesen, dem Deutschtum und dem Judentum gewidmeten Blättern seit ihrem Bestehen gewünscht, beklagt, bekämpft und gefordert wurde, diente immer nur einer einzigen Idee: der Einigkeit des deutschen Gesamtvolkes, der Erkenntnis, daß die trostlose, unheilvolle Fehde zwischen Deutschen verschiedenen Stammes und Glaubens enden müsse, wenn Deutschland die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht schwinden lassen will. Dieser Gedanke ist heute, da brutale Machtgier rechtlos nach dem Lebensnerv unseres Vaterlandes langt, zur Uebergeugung aller erstarkt, die nach einem Ausweg aus schwerster Bedrängnis spähen und von der Gewißheit durchdrungen sind, daß der Damm, an dem jede Gewalt ein Ende finden muß, nur von Ausdauer und Einigkeit aufgerichtet werden kann. Die Gefahren, mit denen uns die Besetzung der Ruhrstädte bedroht, treffen jeden Bürger dieses Landes, gleichgültig, woher seine Ahnen stammen, gleichgültig, in welchem Gotteshause er sein Gebet verrichtet. Das Frankreich Poincarös kennt nur „Deutsche" — die es entrechten, berauben, vernichten will. Zeigen wir ihm, daß in diesem Lande wirklich nur Deutsche wohnen, die sich wie ein Mann diesem Willen entgegenstemmen. Begraben wir allen Brüderstreit, lassen wir nicht zu, daß unter Menschen, denen dieser Boden Heimat, Arbeitsstätte, Vaterland ist, kleinlicher Parteihader, Rassenhaß und Irrlehren wüten und ihren gemeinsamen, entschlossenen Widerstand gegen den gemeinsamen Bedrücker schwächen. Nie war Einigkeit so sehr das Gebot der Stunde wie heute! Mögen alle es sich gesagt sein lassen, die selbst jetzt noch nicht ablassen wollen, gu hetzen, zu verleumden und Unfrieden zu säen, wie die „Deutsche Zeitung", der „Völkische Beobachter" uwd manch andere Organe Jener, die sich „national" nennen und sich mit ihrem Patriotismus brüsten, denen aber« auch jetzt doch nicht einmal die Ahnung des furchtbaren Verbrechens aufdämmert, dessen sie sich schuldig machen, wenn sie den geheimen Zerstückelungswünschen Frankreichs derart entgegenkommen ilnd eine kata strop hale Selbstzerfleischun g Deutschlands in die Wege leiten. Zur selben Zeit, da die klugen, maßvollen Worte des Reichskanzlers zu entschlossener Einkehr und besonnener Ruhe mahnen, wollen die nationalsozialistischen Garden Hitlers „znr Tat" schreiten. Zur Tat gegen die „Novemberverbrecher", zur Tat gegen den heutigen Bestand des Reiches, zu einer Tat, die den Bürgerkrieg entfesseln kann und für die jedes Wort des Abscheus und der Verachtung zu gering ist. (. . . „die Republik hat sich als unfähig erwiesen ... besser, wenn die Franzosen ins Land kommen .. sagte Hitler wörtlich schon am 4. Dezember.) Nie hat Deutschland schlimmere Feinde gehabt, als diese „Patrioten", diese „Nation a l e n"! Ihr Weg führt aus dem Nebel fanatischer Phrasenins Gestrüpp furchtbarster innerer Wirren und weiter auf ein Leichenseld! Auch die Ereignisse der letzten Tage konnten ihre wutentflammten Augen nicht darüber öffnen, daß Deutschland heute nur einen Feind besitzt: das von blindem Machtrausch besessene Frankreich. Ihr Feind ist nach wie vor „Alljuda", die „Judenregierung", die „internationale Hochfinanz", gegen die sie — jetzt! — zum Sturm rüsten! Der „Völkische Beobachter" berichtet, über Massenversammlungen, die Hitler am letzten Donnerstag in München züsammenrief und in denen er „abrechnete". Mit Frankreich? O nein, mit den „Novemberverbrechern", mit der Verfassung von Weimar, mit den heutigen Führern Deutschlands/ denen im Augenblick selbst ihr ärgster Widersacher Gefolgschaft leisten müßte, sofern ihm ein Rest vernünftigen Denkens, ein Rest jener wahren Vaterlandsliebe zu eigen, die heute das selbstverständli che, das unbedingt nötige Opfer verlangt, jede Parteipolitik; vor der einzig möglichen Politik geschlossener Volkseinheit verstummen zu lassen. . Gelingt es nicht noch in zwölfter Stunde, jenen verbrecherischen Wahnsinn in seine Schranken zu bannen, und' die zum Staatsputsch bereiten Hitler-Truppen wenn schon nicht zur Einkehr, so doch zu zeitweiser Besinnung zu bringen, dann kann Frankreich frohlocken. Dann stürzt alle mühselige Auf- », bauarbeit der letzten Jahre rettungslos in Trümmer, dann erst sinkt Deutschland besiegt zu Boden. Sein Fluch, dev Fluch künftiger Geschlechter aber wird jenen Völkischen gelten, die heute mit demagogischer Verlogenheit von „Rettung" und ,Heil" sprechen. Rettung und Heil liegen heute — es kann nicht oft, nicht eindringlich genug gesagt werden — nur in ruhiger Einigkeit. Sie allein ist — wie ein Lied ans ferner Leidenszeit Deutschlands besagt. — in dieser Zeis der großen Not ditz -„g o s; c N o t der großen Zeit". G.