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Central-Verein-Zeitung · 1923-01-11 · 2 (11.1.1923) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
2 (1923)
Issue
2 (11.1.1923)
Date
1923-01-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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«klNMmimmerisril. S erlin, 11. Januar 1923 II, Jahrgang ❖ Nr. 2 , _±i« vlüller fSriMfdilnm# «nvPweatum., PostscheSkonko: 30472 vryan des tenlralVerrins üeutlckrr Staatsvüryer jüEcden vlauvens'^u Zeitung des Judentums Verlag u. Schristleiiung: Lentral-Verein öeutfcher Staatsbürger jüSifchen Glaubens e.v. Serlin SWHS, Linöenftc. 13 Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595. Die Zeitschrift ist nur durch dis zuständige Po st an st alt zum Preise von vierteljährlich M. 170,— zu beziehen Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin 8W 19, und deren Filialen. Anzeigenpreis: M. 180,— für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf Moffes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins mit 50°/0 Nachlaß. Die 90 mm breite Neklamezeile M. 800,— Die Deutschvölkische Zreiheitspartei. Ihre Entstehung unihr Programm. Das bislang feste Gefüge der Teutschnatronalen Volks Partei bekomm-t einen. Sprung nach bient anderen. Gab es bisher bei näherer Prüfung bloß einen, hohlen, so gibt es nun einen weil übleren Klang. Fänlnisduftende Gärungen in seinem Innern drohen, dieses EGefäß, das längst keinem Gläubigen -mehr den Gralsbecher nationalen Heils bedeutet, mehr und mehr zu sprengen. Jüngst erst führte einer ihrer bewährtesten Mannen, «der Breslauer Professor v. Freytagh-Lor inghoven, belvegte Klage darüber, wie sehr die deutschnationale Front durch die neue Deutschsoziale Partei geschwächt werde,, und nun erleidet sie durch die Gründung der Deutschvölk i sch en F r -e i h e i. ts p ä v tei neuen, fast will es scheinen, katastrophalen Blutverlust. Völkische Bildungen entstehen mit gesetzmäßiger Notwendigkeit überall dort, wo im Parteileben Vernunft mit Beschränktheit, praktisches Denken mit wirrem Phrasennebel znsammenstößt. ..Liest man — in Nr. 35 der „Tradition" —, wie Reinhold Wulle seinen Beitritt zu der De utschv öl tischen- Freiheitspartei begründet, so -erkennt man, daß es auch hier nicht -anders war. ' Die langsam zu nüchterner Sachlichkeit erwachenden Mitglieder der Teutschnatio- -nälen', jene, die >allm,ählich einsahen, daß Reparationen ein schweres, aber unvermeidbares klebel seien, daß man im ReschsPräsidLnten Eber't vielleicht nicht das deutschn.ationalen Idealen entsprechende, doch immerhin ein Staatsoberhaupt von Takt, Zurückhaltung und Unparteilichkeit besitze, und daß endlich die Juden doch nicht die Pestbeule am deutschen Volkskörper dar stellen, -die völkische Augen in ihnen sehen — sie muhten in unüberbrückbaren Gegensatz zu derr unentlvegten Teutonen geraten, die frisch, fromm, fröhlich, frei Reparationen -für ein Verbrechen, Fritz Ebert für einen Schädling, die Juden für ein'ausznrottendes Gezücht erklärten und vielleicht wirklich meinten, mit ihrem Hepp - Hepp - Hurra - Geschrei Deutschland aus die Beine zu helfen. Herr Wulle -erzählt das alles weit ausführlicher, als wir es hier wiedergeben können. Er hält allen, die nicht schroff 'jedweder Erfüllnngspolitik abgeneigt waren, einzeln ihr Sündenregister vor, er versucht Helfferich durch den Hinweis aus seinen jüdischen- Verleger, Hergt durch dessen Wort von „anständigen Juden" verächtlich zu machen', 'und' er - gibt mit merkwürdiger Ehrlichkeit zu, daß er und seine intransigenten Genossen G r a e f e und H e n n i n g *) nicht etwa aus der Partei austraten, sondern sozusagen ausgetreten wurden. Wodurch wir erfahren, 'daß die neue Deutschvölkische Freiheitspartei der also . Hin a u s ko m pl im ent i e r ten nicht so sehr das Werk Überzeugung sf este r Politiker, -als vielmehr das Berte g e n h e i t s p r o d u k t einiger unsreiwillig Vereinfam-ter i st. Sie sieht ganz danach aus. Wir wollen uns nicht erst lange bei der wenig überraschenden Tatsache äuHalten, daß sie-ihre U-nwahrhastigkeit, um nicht zu sagen Verlogenheit, genau so schon im *) Außer diesen drei Ab-geyrdnetenachören der Deutschvölkischen Freiheitspartei noch an: Graf Ernst zu R e v-en tlo w . Ql>erMeutnant a. D. A h l e m a n n , Hans S L e l t e r und Arbeitersekretär H ö p f n e r. Namen zur Schau tragt, wie alle anderen völkischen Parteien. So wenig die „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei" Hitlers national, sozialistisch, deutsch -oder eine Arbeiterpartei! ist, so wenig die Deutschsozialen Kunzes deutsch oder sozial sind, so wenig hat dieser neue Wildtrieb am leider so vielästigen Stamm der heutigen Politik etwas mit dem deutschen Volke zu tun-, das von den Wulle- M-ännern unbedenklich in schwerste innere und äußere Gefahren getrieben würde, noch vielweniger mit der Freiheit, die in der Atmosphäre von Haß und Gewalt niemals gedeihen kann. Haß und Gewalt aber zeigen sich als das Rückgrat des neuen Parteiprogramms, sowie man es aus der d-emagogischen Verhüllung volltönender und nichtssagender Phrasen löst. Man findet dieses Programm, eben vollinhaltlich im „Reichswart", dein Organ des Grafen Neventlow, abgedruckt (das jetzt in gleich elendem Deutsch wie bisher, aber in größerem Format erscheint und vierzehntäglich dem offenbar vom Pleitegeier schon angefressenen -„Deutschen Schrifttum" des nur noch belächelnswerten Adolph Bartels Gastfreundschaft. gewährt.) Daß gleich in der Ouvertüre dieses Programms der „jüdische Geist und sein Marxismus" für die gegenwärtige' Lage' Deutschlands haftbar gemacht wird, kann niemanden wundernehmen, der die Einfallslosigkeit völkischer Hirne kennO .Doch selbst wem auch -alle Tartüfserien völkischer Gemüter vertrant sind, wird über die Unverfrorenheit verblüfft sein, mit der wenige Zeilen später diese ans Zank, Hader und Unverträglichkeit geborene Partei gegen „den ekelerregenden. Kampf um Tagessragen" und gegen die „kleinlichen Partei-theoretiker" wettert. Es folgen sodann die obligaten Ausfälle gegen die mammonistische Weltanschauung, gegen das internationale Judentum, und endlich mündet dieses langatmige Präludium in die — höchst unrein gesetzte — Fuge des eigentlichen Aktionsprogramms. Man liest nun, daß die Herrschaften von allerhand Dingen „frei zu sein wünschen", z. B. vom Versailler Diktat, vom Parlamentarismus und natürlich von der Judenherrschaft. Wie sie sich diese Befreiung denken, verschweigen, sie diskret. Daß sie nicht auf friedlichem' Wege erfolgen soll, dafür bürgen die sechs Führernamen-, deren bloßer Klang längst Assoziationen brutalster Gewalt -erweckt. Gleich darauf muß man sich durch ein Phrasendickicht schlagen, das von „völkischer Erneuerung", „heldischem Geist", „Stärkung des Volksstolzes" spricht, und das wir milde, aber mit der Terminologie forscher, völkischer Burschenschafter -als „Bierschwefel" bezeichnen möchten. Sachlich und klar wird das Elaborat erst wieder, wo mit lobenswerter Verständlichkeit von der Notwendigkeit gesprochen wird, die Inden unter Fremden recht zu stellen, alle zngewanderten „F r e m dstäm -nt i g e n" a n -s z u w eisen, die Börse und die Großbanken zu maßregeln, der Jugend eine rein deutsche Schule zu geben, den Wucher („bekanntlich" eine „rein jüdische Erfcheimmg") mit dem Tode zu bestrafen und die allgemeine Wehrpflicht als Vorrecht der „Volksdeutschen" einznsühr-en, sie bei den „Anderen" aber in eine Wehrstener zu konvertieren.

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