Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 26 (2.11.1922)
- Date
- 1922-11-02
- Page
- Seite 305 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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rmzeinutnmer 3 rn. Serlin, 2. November 1922 I. Jahrgang « Nr. 26 _ vliUtzr sürSriNscktvm^MvlMü des tentralVereins deutscher und luventum.^^ M Staatsvüryerjüdiscken Vlauvens^v. Pvflscheckkont»: 30472 2Ul££emeine Zeitung des Oudenfums Verlag und Schriftleitung: Serlin SW öS, Lin-enstraße 13 -r- Zernsprecher: ^lmt Dönhoff 3594, 3595, 3596 Die Zeitschrift ist nur durch die zuständige Po st an st alt zum Preise von vierteljährlich M. 35,— zu beziehen! Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Masse, Berlin SW19, und deren Filialen. Anzeigenpreis: M. 60,— für die 7 gespaltene! Zeile nach Rudolf Blosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins mit 50% Nachlaß i Die 90 mm breite Retlamezeile M. 300,— Deutschnationale ^Sammlungspolitik^. vom Parteitag in Görlitz. — Graf weftarp. — Es wirweiter gehetzt. Der deutschnationale. Parteitag in Görlitz hat einmütig eine Entschließung des Landtagsabgeordneten Wallraf angenommen, in der zum B ü r g e r b l o ck gegen die Bereinigte Sozialdemokratische Partei ausgerufen und erklärt wird, daß' die Wiederaufrichtung des Vaterlandes einzig in chr i stli ch ent, nationalem und sozialem Geiste möglich sei. Wir deutschen Inden stehen als loyale Staatsbürger fest auf dem B o d e n der V er s a s s u n g, derselben Verfassung, die von den Deutschnationalen und ihren deutschvölkischen. Stoßtrupps mit vergifteten Waffen aus'dem Arsenal des Judenhasses bekämpft wird, und wir können einem Bürgerblock unter Leitung des G r a s e n W e st a r p deshalb keinen G e s ch m a ck a b g e w i n n e n. Es gab eine Zeit, da sich die deutschen Juden im Posener Wahlkreis des edlen Grafen durch „nationale" Redensarten einfangen ließen. Heute aber hat der deutschnationale Führer und geheime Protektor der deutschvölkischen Arbeitsgemeinschaft die jndenfreundliche Maske fallen lassen, und wir würden die Kälber sein, die. sich ihren eigenen Metzger wählen, wollten wir Vaterlandsretter Gras Westarpscher Observanz werden. Aus keinen deutschen Juden darf dieser Sammelruf Ein,= druckmachen. Den „christlichen Geist" der Rechtsradikalen kennen wir zur Genüge. Der Dichter des Deutschlandsliedes Hoffmarm v. Fallersleben hat ihn trefflich gekennzeichnet: „Sich untereinander verstümmeln und morden Ist eine Wissenschaft geworden. Wodurch man getaugt zu Ehr' und Ruhm. Das ist mir ein schönes' Christentum. Du bist ein Deutscher! Das lieb ich sehr, Und b i st a u ch M e n s ch, das gefällt mir noch mehr." Die allem.Christentum und allem Menschentum hohnsprechende „nationale" Judenhetze unserer Tage wird von den Gönnern und Freunden des Grasen Westarp, der in Görlitz erklärte, „mit vollem Vertrauen" weiter in der deutschnationalen Partei Mitarbeiten zu wollen, gefördert und genährt. Er, der Leitartikler der „Kreuzzeitung", hätte sich in seinem Blatte gegen den Wahnsinn des Ritualin o r d e s wenden müssen, der gegenwärtig in seinem einstigen politischen Wirkungskreis wieder'umherspukt. Sind es doch dieselben Juden, die unter diesem mittelalterlichen Fluch zu leiden haben, um deren Stimmen er einst inständig bettelte. Heute schweigt der fromme Graf, und er pfeift seine Getreuen auch nicht zurück, wenn sie im Nürnberger „Deutschen V o l ks w i l l e n" einen Leitäufsatz .loslassen, der (Nr. 39) wüstesie MordProPag anda treibt: Dort heißt es: „Hinten, weit in der Türkei Schlägen die Völker aufeinander. In Deutschland bleibt alles beim alten; Ruhe, Ordmmg, Friede unter dem Messer Judas, des Weltseindes, der seinem R i t u al o P f e r D e u t s ch l a n d eine kleine Atempause läßt und ihm durch ausländische Hilfe ein wenig neuen Lebensdampf einbläst, damit er ihm desto sicherer die nächste Goldrate abzapfen kann; wie der Jude Engel seinem D ien st mädcyenvordemVerschmachte «Fleischbrühe gab, damit er ihr ein neues Schüsselchen voll Blut auspressen konnte." Im Gegenteil, das offizielle Organ der Deutschnationalen Volkspartei, die „Kre n z ze i t u n g", benutzt jede Gelegenheit, um den Judenhaß zu schüren und schreckt selbst vor der Wiedergabe verleumderischer Denunziationen nicht zurück und wartet in ihrer Morgenausgabe vom 19. Oktober mit folgendem S e n >s a t i ö n ch e n auf: Se itens des .Mundes für Freiheit und Ordnung" seien dem Berliner Polizeipräsidium Wahrnehmungen niitgeteilt worden, die am Sonntag, den 15. Oktober, während der blutigen Krawalle am Zirkus Busch angeblich von unbeteiligter Seite gemacht sein sollen. Darnach „hat ans seiten der Kommunisten ein r e g e r K u r i e r d i e n st zwischen dem Zirkus Busch und dem Hause Heidereutergasse 4/5 bestanden/ wo sich ein Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde befindet." Nun haben die polizeilichen Ermittlungen ergeben, daß an diesem Sonntag, einem jüdischen Feiertag, die Synagoge in der Heidereutergasse von Besuchern dicht gefüllt war. Die Befürchtung, daß sich zwischen den'Deutschvölkischen, die den Zirkus verließen, und den Juden, die aus der Synagoge kamen, Z u sam menst ö ß e ereignen konnten, lag nahe, denn Versammlungsschluß und das Ende des Gottesdienstes sielen in dieselbe Zeit. Einige Mitglieder des Bundes jüdis ai r Fr 0 nts 0 ldate n übernahmen deshalb einen W a ch d i e n st. Sie veranlaßten, daß die Synagogenbesucher nicht nach den zum Zirkus Busch führenden Straßen abströmten. Wie berechtigt diese Vorsichtsmaßnahme war, geht daraus hervor, daß wenige Minuten, nachdem der letzte Synagogenbesncher das Gotteshaus verlassen hatte, ein D em 0 nst r at io n s zug der Deutschvölkischen an der Synagoge vorüberzog. So'wird wacker drauslosgehetzt. Wer darf sich wundern, wenn in unreifen Köpfen immer neue Mord Pläne und A t t e n t a t s g e d a n k e n keimen? Ist das Unglück geschehen, dann waschen die Herren aus 'dem Lager des Grafen Westarp und der „Kreuzzeitung" ihre Hände in Unschuld. Die in der Berliner „Vorwärts"-Buchhandlung soeben erschienene Broschüre „Arisches Kaisertum und I u d e n r e P u b l i k" zeigt uns die innigen Zusammen-, Hänge zwischen . jndenseindlicher und nationalistischer Geisinnung. Es steckt Methode in hem Judenhaß, und deshalb werden die Sammlnngsfanfaren aus Görlitz das Ohr politisch gebildeter, einsichtsvoller Juden nicht erreichen. Mir kennen in unseren Tatzen nur eine Sammelpolitik: Alle Mann an Bord gegen dre vaterlandszerstörende Mordpropaganda und Judenhetze! A. Sch,