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Central-Verein-Zeitung · 1922-10-26 · 25 (26.10.1922) · p. Seite 297

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1 (1922)
Issue
25 (26.10.1922)
Date
1922-10-26
Page
Seite 297 (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer S M. SerUn, LH. Oktober 1922 I. Jahrgang H Nr. LS Müller für-eutsrdtmnWj - Pvflsch«rr»nt»: 30472 vryon öes tentmIVereins SeutscKrr StmllsvüryeriüEcKen Mauvens^v. Verlag unö Schriftleitung: Herlin SW HZ, Lin-enstraße 13 * Fernsprecher: flmt Dönhoff 3594, 3545, 3544 Die Zeitschrift ist nur durch die zuständige Po ft an ft alt zum Preise von vierteljährlich M. 35,— zu beziehen Alleinige Anzeigenannahme: Annvncen-Expedition Rudolf Masse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreis: Ni. 60,— für die 7 gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Normälzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche für Mitglieder des Central-Vereins mit 50% Iiachlatz Die 90 mm breite Reklamezeile M. 300,— Die nahe Wirtschaftskrise unö wir Juden. Der neue Moröpian. — ^Iü-ijche Kriegsgewinnler^. — Lehren und Pflichten. Am Himmel Deutschlands ballt sich schwarzes Gewölk. Noch ist der Urteilsspruch der Leipziger Richter kaum verjüngen, und schon zeigt sich — was viele, was auch wir befürchteten —, daß dieser Spruch nicht die wahren Schuldigen, isondern nur ein paar mit Geld und Phrasen geköderte Mordjbuben traf, daß die Männer, die unsichtbar und unergreifbar hinter diesen Techows und Günthers stehen, den grauenvollen Wahn nicht fahren lassen, ihre politischen Ziele durch Meuchelmord zu erreichen. Die Enthüllungen über das Attentatskömplott gegen den Reichskanzler zeigen dem entsetzten Deutschland, der entsetzten Welt, daß in diesem Lande, dem einzig besonnene Ruhe urtb stete Arbeit Lebensrettung bedeuten, eine Partei fanatischer, denkunfähiger Rohlinge am Werke ist, um ihm die letzten Lebensmöglichkeiten zu rauben. Sie nennt sich „völkisch", aber nie sah Deutschlands Volk 'ärgere Schädlinge. Sie haßt 'die Republik, weil deren Ersüllungspolitik es anaeblich war, die Markentwertung und Teuerung nach sich zogdock erst der Rathenan-Mord ließ den Dollar das N'lnshundertfache seines Friedenswertes erreichen, und der neueste völkische Mordplan hebt ihn nun ans das Tausendfache. Sie aber wollen an all dem unschuldig [fern. Für sie gibt es für Markkatastrophe und Massenelend nur einen Schuldigen: den Inden! Und wenn nun, wie leider erwartet werden muß, diese neuerliche, nie für möglich gehaltene Entwertung der Währung unser Wirtschaftsleben so schwächt, daß die schwersten Krisen und in ihren Folgen Arbeitseinstellungen, Ärbeiterentlassungen, also Not, Jammer und Brotlosigkeit eintreten, wenn morgen Tausende, denen es gestern noch gelang, ihre Stube zu Heizen, ihre Kinder zu nähren, verzweifelnd, im Dräng nach rettendem Ausweg zu allem entschlossen, die Straßen überfluten, dann wird dieselbe Partei, dann werden die „Völkischen" zur Stelle sein, um die Ratlosigkeit, Erbitterung und Errrpörung der Massen auf ihre Mühle zu leiten, für den Pogrom zu werben, gegen die Juden Zu Hetzen, den „jüdischen Kriegsgewinnler" und „Schieber" zum Ziel der Volkswirt zu machen, der sich am Schweiß und arn Blute des arbeitenden Volkes mästete und setzt aus dessen Hungerqualen Dälutagewinne preßt. Die journalistischen Spießgesellen dieser Volksbetrüger haben die Phraseologie solcher Äerleumdungen lange genug gezüchtet, um naive, an die Autorität gedruckter Worte gewöhnte Hirne .und Herzen zu vergiften. Und sie haben den Popanz der .im Kriege reichgewordenen Juden so lange an die Wand gemalt, bis diese Gestalt, dieses Lügenmonstrum, einen Schein von Wahrheit und Glaubwürdigkeit annahm. Mehr als je ist es deshalb heute die Pflicht nicht bloß jedes Juden, nein, jedes ehrlich Gesinnten, jedes um Deutschlands Zukunft Besorgten, solch unheilbringende Lüge zu zerstören und die Wahrheit laut zu künden. Die Wahrheit aber ist, daß bei der großen Umwälzung des Besitzes, die der Krieg nach sich zog, die I u d e n h e i t D e. u t s ch l a n d s s i ch e r l i ch n i ch t g r ö ß er e n Vorteil errang als andere Volksschichten. Gewiß, es gab große Bevölkerungs- und Berusskreise, denen die unheilvollen vier Jahre und ihre Folgen reichen Gewinn abwarfen. Einen Gelvinn, der in den wirtschaftlichen Verhältnissen begründet, durch sie gerechtfertigt war, wie namentlich jener der Landwirte. 'Daß es aber unter den Landwirten kaum Juden gibt, muß nicht gesagt werden. Ebenso günstig war die Zeitkonjunktur mit ihren gesteigerten Exportmöglichkeiten den Großindustriellen. Doch auch in deren Reihen stehen die Juden im Hintergrund, Und reich wurden im Kriege endlich viele Kaufleute. Unter diesen gibt es allerdings auch zahlreiche Juden, die aber gegen die christlichen Kaufleute beträchtlich in der Minorität bleiben. Doch was bedeutet selbst diese Handvoll reichgewordener Juden gegen die betrübend große Menge der g e i st i g e n B e r u f e, in denen die Juden, wie man weiß, unverhältnismäßig stark vertreten sind und für die -der Kampf um die primitivsten Lebensnotwendigkeiten seit Jahren immer schwerer, immer aussichtsloser wird. Warum denkt nran, wenn man gedankenlos das Schlagwort vom „reichgewordenen Juden" nachspricht, nicht an die ungezählten jüdischen Anwälte, Aerzte, Lehrer, Professoren, Schriftsteller -7- Von den jüdischen Beamten und Angestellten zu schweigen? Freilich, dieses Schlagwort, das dem völkischen Treiben jetzt so zustatten kommt, hätte nie so starke Geltung gewonnen, wenn nicht ein besonderer Umstand hinzuträte: Die Juden Vervanä Sroß-verUner 0N8grLippen üe5 (lemrai-verem5 s^S>s äerrtlcher Staatsbürger jüMschen Staubens e.v.<^«>s Zwei große Versammlungen Mittwoch,den 1.November, abends 8Ähr im Logenhaus, Kleiststr. 10, und am Brüdervereinshans, Kurfürstenstr. 115/16 : „Unser Kampf gegen Rassenhaß, Klaßenhaß unö Alajsenhaß." Prof.Dr. Riebergall (Marburg). Prof. Dr. Goldstei« (Darmsladt), Dr. Alfons Steiger (Berlin). Privatdoz. Dr. Dürr (Bonna.Rhein). -Eintritt 8,— M. intf. Steuer.--— Eine besondere Einladung der Mitglieder findet nicht statt. Durch Mitglieder eingeführte, auch rnchtjüdische Gäste willkommen! Zur Vermeidung von Andrang bitten wir dringend vie Mitglieder der Ortsgruppen Schöneberg, Wilmersdorf, Centrmn, Süden, Südweftrn, Südoften fich nach dem Logenhaus, Kleiststr. 1b, und die Mitglieder der Ortsgruppen Eharlottenburg, Westen, QNen, Norden, Nordosten. Nordwesten und Vororte sich nach dem Brüdervereinshaus, Kurfürfteuftraße 115/16, zu begeben! Den Weisungen der Ordner ist unbedingt Folge zu leisten!

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