Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1 (1922)
- Issue
- 24 (19.10.1922)
- Date
- 1922-10-19
- Page
- Seite 291 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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291 Hermann L. Strack. ' Von Dr. I. W o h l g e m u t h. Dozent, am Nabbiner-Sominar in Berlin. . Hermann L. Strack, die Zierde der theologischen Fakultät Zu Berlin, der Gelehrte von Weltruf, der bedeutendste Kenner des talmudisch-rabbinischen Schrifttums seit dem Heimgange Franz Delitzsch, der. unermüdliche Kämpfer für Wahrheit und Recht, ist nicht mehr. Christentum und Judentum haben gleichen Anlaß, an seiner Bahre zu trauern. Das Christentum, dessen Glauben er in der Treue der Ueberlieferung bekannt, dessen Ruhm er gekündet, dessen Wissenschaft er. bereichert, ein GotteZgelehrter in des Wortes eigenster Bedeutung. Das Judentum, dessen Sprache er geliebt, dessen heilige Bücher er kommentiert, dessen Lehren und Bräuche er gekannt, dessen Fürsprecher er gewesen in schweren Zeiten. Hier ist nicht der Ort, ein Bild von seiner wissenschaftlichen Tätigkeit zu entwerfen. Zur oberflächlichen Orientierung nur einige kurze Bemerkungen über seinen Anteil an der Vertiefung und Verbreitung der Kenntnisse über jüdisches Schrifttum. Strack, geboren am 6. Mai 1848, wurde durch feine Lehrer Biesenthal stmd Delitzsch in der Zweiten Hälfte der sechziger Jahre für die jüdische Literatur gewonnen. 1875 .gab er mit Harkavy zusammen den „Katalog der hebräischen Bibelhandschristen der kaiserlichen öffentlichen Bibliothek in St. Petersburg" heraus. Ein Zeugnis seiner gediegenen jüdisch-wissenschaftlichen Gelehrsamkeit legte er schon früh ab in seiner- Schrift „A. Firkowitsch und feine Entdeckungen, ein,,Grabstein" den hebräischen Grabschriften der Krim". Er behauptete da selbst gegen einen Chwolson das Feld. Exakt sind feine Textausgaben einer Reihe von Traktaten der Mischna mit beigegebener Uebersetzung. Ueberaus verdienstlich ist seine „Einleitung in den Talmud", die' eine Reihe von Auflagen erlebt und auch ins Hebräische übersetzt worden ist, ein unentbehrliches Handbuch nicht nur für den des talnmdischen Studiums Unkundigen. Mit Karl Siegfried Zusammen verfaßte er ein Lehrbuch der neuhebrüischen Sprache und Literatur. Und noch in hohem Alter gab er ein Wörterbuch des Jüdisch-Deutschen heraus, dem dann ein Lesebuch folgte. Diese Vielseitigkeit hinderte ihn nicht, auf dein ihm von der Fakultät verliehenen Lehrstuhl, dem der alttestamentlichen Theologie, Wertvolles zu leisten: in der „Hebräischen Grammatik", dem „Abriß des biblischen Aramäisch", der „Einleitung in das Alte Testament", dem „Ku-rzgefaßten Kommentar zu den heiligen Schriften des Alten und Renen Testaments" von Strack-Zöckler u. s. s. Eine Frucht eingehender und tiefdringender wissenschaftlicher Forschungen war aber auch die Tätigkeit, die die Leser dieser Zeitschrift besonders interessiert: seine zahlreichen Schriften und Gutachten im Kampf gegen „die Blutlüge", die Behauptung der „Jüdischen Geheimgesetze", gegen die Verunglimpfungen des Talmud und Schulchan Äruch. Und darum bedeuten Schriften wie „Der Blntaberglaube in der Menschheit, Blutmorde und Blutritus" (in vielen Auflagen erschienen), „Die Juden, dürfen sie Verbrecher von Religionswegen genannt werden?" u. a., eine dauernde Bereicherung der Wissenschaft. Wer der Wissenschaft dient, hat seinen Lohn schon hienieden dahink- Das innere Glück und die Seligkeit, die aus dem erfolgreichen Ergebnis der Gedankenarbeit dem Forscher zuströmt. Aber es wird dem christlichen Gelehrten getrübt, der auf einem feinen Fachgenofsen fremden Gebiete arbeitet und mm noch auf denn des Talmuds und der rabbinifchen Literatur, die noch immer kein Heimatrecht. in den Fakultäten der Universitäten besitzen. Und wenn gar der Gegenstand in den Streit der Parteien herabgezogen wird, lind so skrupelloser. Parteien, wie sie die Antisemiten und die Deutsch-Völkischen feit 1878 bis auf den heutigen Tag sind, dann harrt des Gelehrten, der sich der Verfehmten annimmt, Spott nnd Hohn, ja Haß und Verachtung. Von alledem ist Strack'ein gerüttelt Maß Zuteil geworden. Darum galt unsere Liebe und Verehrung dein Manne, der das alles auf sich genommen, nur allein um der' Wahrheit und des Rechtes willen. Für Wahrheit und Recht hat er gestritten. Die Angriffe auf ihn als „Judensöldlmg" sind zu niedrig, als daß sie eines Wortes der Erwiderung gewürdigt werden dürften. Er hat ärmlich gelebt und ist arni gestorben luld hat aus feinen Büchern, wie er oft dem Schreiber ^dieser Zeilen klagte/nicht so viel gewonnen, daß er sich einen genügenden Teil seines Handwerkzeuges, der ihm notwendigen Bücher, kaufen konnte. Ja er hatte eigentlich ein recht starkes Maß von Selbstüberwindung zu üben, wenn er für das Judentum eintrat. Wohl kannte der Mann, der ein halbes Jahrhundert in den vornehmsten Zeitschriften die Neuerscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft besprach und daher mit fast allen jüdischen Gelehrten von Nus in Briefwechsel stand und in persönlicher Bekanntschaft, oft Freundschaft, lebte, die Juden zu gut, als daß er urteilslos in den Chor der Hassenden und Verachtenden hätte einstimmen können. t Aber er liebte das Judentum nicht. War. er doch in der. ersten Zeit Ehrenmitglied des Vereins Deutscher Studenten, ging mit Stöcker eine Strecke Weges zusammen bis dieser in seine Demagogie der Lüge versieh und nicht zuletzt war er Jahrzehnte hindurch Begründer und Leiter des Berliner Institutum Judaicum für die Judenmission, feit 1885 Herausgeber des „Nathanaet, Zeitschrift für die Arbeit der Evangelischen Kirche an Israel". Man . lese nur seinen Aufsatz: „Das Wesen des Judentums", Vortrag gehalten auf der internationalen Konferenz für Judenmisston 311 Amsterdam (Leipzig 1906). Ganz allein um der Ehre der. christlichen Kirche willen hat er gegen die Verleumdungen der Stöcker, Rohling und Justus, der Marr und Hammerstein lus herab auf die Dinter und Friedrick Delitzsch unserer Zeit feine Stimme erhoben. Einen Kampf ums Recht wollte er führen, wenn er von der Tifza-Eszlar- Affäre bis aus den Beiles-Prozeß mit aller Kraft feine Waffen führte. Darum danke ich der vevchrlichen Schristleitung, daß sie mich aufgefordert, hier vor einem weiteren Leserkreises Zeugnis für den Mann abzulegen, der nicht so sehr dem Judentum wie der Menschheit unvergängliche Dienste geleistet. In tiefer Ergriffenheit folgte ich als Vertreter des Rabbmerseminars, als man Stracks sterbliche Reste der Erde übergab, und mit dem Geistlichen durften wir am Grabe sprechen: Wejipaked moaciha weka, die Stelle, die Strack eingenommen hat, wird auf absehbare Zeit leer bleiben. In unseren Herzen aber hat er sich ein Denkmal gesetzt, dauernder als Erz. *) Einen ausführlichen Nekrolog hal>e ich In der Zeitschrift „Ieschurun", Jahrgang IX, Heft 9/10, veröffentlicht. 0 J Alleinige Anzeigen-Annahme Rudolf Mosse, Auzeigen-Annalnne für sämtl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands Berlin 8>V 19, Jerusalemer Straße 46-49 , Breslau / Chemnitz ✓ Coln a. Nh. / Dresden ✓ Düsseldorf / Ermrt / Frankfurt a. M. / Lalle tSaale> Hamburg / Hannover / Leipzig / Magdeburg / Mannheim ✓ München / Nürnberg / Stuttgart / Prag / Wien ✓ Warschau / Basel / Zürich AjpwOiAjkv 2 Weil die Zahnpasta Pebeco die Zähne rein und wei& erhalt, ohne den Zahnschmelz anzugreifen. Darum: MlW Leo Baeck: Broschiert 40 Mark RonmlisAe Religion VORZUGSAUSGABE Halbleder, numeriert und vom Autor signiert (nur in 50 Exemplaren erschienen) Preis 300 Mark. gesündest H.awfjtr Phflo Veriag und Mliandliing G.niti.H., Berlin SW68, Linüenstr. 13.